Meilen sammeln fühlt sich wie ein Geschenk an, doch seit Miles & More Meilen verkauft, lässt sich jeder Umweg nachrechnen – und längst nicht jeder besteht den Test.
Die Logik beim Meilensammeln ist eigentlich simpel: Man kauft ohnehin ein und bekommt etwas obendrauf. Jahrelang ließ sich dieses Obendrauf aber kaum in Euro fassen, weil niemand wusste, was eine Meile eigentlich kostet. Seit Miles & More selbst Meilen verkauft, ist das anders. Jede Meile hat ein Preisschild, und an dem muss sich jeder Umweg messen lassen, den wir für ein paar Meilen in Kauf nehmen.
Mit dem Meilenkauf hat jede Meile einen Preis bekommen
Miles & More verkauft Meilen über Bundle&Go, seit September 2026 in neu zugeschnittenen Paketen mit Lounge Vouchern und Status Points. Das größte Paket XL kostet 2.650 Euro und enthält regulär 150.000 Meilen, 150 Status Points und drei Lounge Voucher. Das macht knapp 1,8 Cent pro Meile, die Zugaben noch gar nicht eingerechnet.
Günstiger wird es nur mit Bonus. Miles & More spielt solche Aktionen regelmäßig aus, häufig aber personalisiert und nur für ausgewählte Mitglieder, wie wir beim Start der neuen Pakete eingeordnet haben. Wer nicht zu den Glücklichen gehört, zahlt den regulären Preis. Bis zu 300.000 Meilen lassen sich so pro Kalenderjahr kaufen.
Miles & More Meilen ab 1,18 Cent pro Meile kaufen
- Bundle S: 7.500 Miles & More Meilen für 125 Euro (1,67 Cent pro Meile)
- Bundle M: 75.000 Miles & More Meilen & 1 Lounge Voucher für 1.050 Euro (1,4 Cent pro Meile)
- Bundle L: 150.000 Miles & More Meilen, 100 Status Points & 2 Lounge Voucher für 1.850 Euro (1,23 Cent pro Meile)
- Bundle XL: 225.000 Miles & More Meilen, 150 Status Points & 3 Lounge Voucher für 2.650 Euro (1,18 Cent pro Meile)
Daraus folgt ein simpler Maßstab: Was Ihr über einen Umweg für eine Meile bezahlt, sollte unter dem Kaufpreis liegen – vorausgesetzt, Ihr löst die Meile tatsächlich ein. Sonst hättet Ihr sie gleich kaufen können. Für viele Alltagsentscheidungen ist das eine erstaunlich großzügige Messlatte, für manche aber nicht. Welche Wege es überhaupt gibt, zeigt unser Überblick zum Meilen sammeln.
Der Kaufpreis ist dabei eine Obergrenze und kein Wert. Was eine Meile Euch tatsächlich bringt, hängt von der Einlösung ab, und die schwankt im dynamischen System stark. Wer seine Meilen am Ende im Prämienshop gegen einen Toaster tauscht, hat jeden Umweg teuer bezahlt, ganz gleich, wie günstig er auf dem Papier war.
Der Payback-Umtausch besteht den Preistest
Der Klassiker unter den Sammelwegen besteht diesen Test mühelos. Payback-Punkte lassen sich ab 200 Punkten im Verhältnis 1:1 in Miles & More Meilen umwandeln, wie Payback auf seiner Partnerseite bestätigt. Ein Punkt ist bei Payback einen Cent wert. Eine so erworbene Meile kostet Euch also einen Cent an entgangenem Gegenwert.
Das ist deutlich weniger als der reguläre Kaufpreis bei Bundle&Go. Rational ist der Umtausch, sobald Ihr die Meile für mehr als einen Cent Gegenwert einlöst, und das gelingt bei Prämienflügen in der Business oder First Class mit etwas Planung regelmäßig. Wie viel eine Meile im Schnitt bringt, haben wir in unserem Guide zum Wert einer Miles & More Meile durchgerechnet.

Wer die Punkte mit der Payback American Express Kreditkarte sammelt, macht vieles richtig: Die Karte kostet keine Jahresgebühr und bringt auf fast jede Zahlung Punkte, auch bei Händlern ohne Payback. Nur bei Zahlungen in Fremdwährung und beim Abheben von Bargeld fallen Gebühren an, die den Vorteil schnell auffressen. Wer das beachtet, sammelt hier tatsächlich nebenbei.
Payback American Express Kreditkarte
- Dauerhaft kostenlose Kreditkarte (2 % Fremdwährungsentgelt)
- Punkte / Miles & More Meilen mit jeder Zahlung sammeln
- Kombination aus Payback-Karte und Kreditkarte
- Amex Offers & Einkaufsschutz enthalten
- Kostenfreie Zusatzkarte
Einen Haken hat der Umtausch trotzdem: Er ist eine Einbahnstraße. Einmal in Meilen umgewandelt, kommt Ihr an den Cent-Gegenwert der Punkte nicht mehr heran. Wer unsicher ist, ob er die Meilen je einlöst, lässt die Punkte deshalb lieber bei Payback, bis eine konkrete Einlösung ansteht oder Miles & More wieder einen Transferbonus anbietet.
Beim Drogerieeinkauf entscheidet der Kassenbon und nicht die Punkte
Im Alltag ist die Rechnung weniger eindeutig. Wer tief in der Welt der Meilen steckt, kauft Waschmittel und Deo eher dort, wo es Payback-Punkte gibt. Vermutlich kennt jeder Leser von reisetopia die Situation: Selbst wenn dm und Rossmann direkt nebeneinander liegen, wählt man wohl eher die erstgenannte Kette, ohne über die App der Konkurrenz und ihre Rabatte nachzudenken.
Ob das rational ist, entscheidet nicht das Gefühl, sondern der Kassenbon. Die Rechnung ist simpel: Bringt ein Einkauf zehn Payback-Punkte, darf er höchstens zehn Cent teurer sein als nebenan. Liegt der Preisunterschied darüber, habt Ihr für die Meile draufgezahlt, und zwar mehr, als sie Euch bei Miles & More gekostet hätte.
Mit Basispunkten geht diese Rechnung schnell gegen die Meile aus, denn ein paar Cent Preisunterschied sind im Drogerieregal keine Seltenheit. Anders sieht es mit Coupons aus, die ein Vielfaches an Punkten bringen und den Wert eines Einkaufs deutlich erhöhen. Wie Ihr das gezielt nutzt, steht in unserem Guide zum Payback Punkte sammeln.
Dasselbe gilt für den Supermarkt und den Onlinehandel. Wer bei einem Payback-Partner einkauft, obwohl dasselbe Produkt woanders spürbar günstiger ist, zahlt die Differenz. Die Punkte sind dann keine Belohnung, sondern ein teuer bezahlter Rabatt.
Die Abo-Prämie in Meilen ist seltener ein Fehler als gedacht
Noch greifbarer wird das bei den beliebten Zeitschriftenabos mit Meilen. Manche Abos gibt es wahlweise mit einer Geldprämie oder mit Payback-Punkten. An dieser Stelle haben wir früher die Punkte als die teure Wahl dargestellt. Mit dem Preisschild der Meile dreht sich die Rechnung allerdings oft um.
Der Vergleich ist einfach: Prämie in Euro geteilt durch die Zahl der Punkte. Kommt dabei weniger als ein Cent pro Punkt heraus, sind die Punkte schon rechnerisch mehr wert, denn Payback rechnet selbst mit einem Cent je Punkt. Liegt der Wert darüber, aber unter dem Kaufpreis einer Meile, lohnen sich die Punkte, wenn Ihr sie wirklich für einen Prämienflug braucht.

Ein Beispiel aus dem vergangenen Herbst: Das Jahresabo von Bild der Wissenschaft kostete 139,16 Euro und brachte 13.070 Payback-Punkte. Wer das Heft ohnehin lesen wollte, hat für die Punkte im Grunde kaum etwas bezahlt. Wer es nicht liest, hat rund 1,06 Cent pro Meile ausgegeben. Beides schlägt den regulären Preis bei Bundle&Go deutlich.
Die eigentliche Falle steckt woanders: im Abo, das man nur wegen der Meilen abschließt und dann zu kündigen vergisst. Dann wird aus einem günstigen Einstieg ein teurer Dauerauftrag, und die Rechnung von oben gilt nicht mehr.
Payback American Express PLUS lohnt sich nur mit echtem Umsatz
Seit dem 13. Oktober 2026 heißt der Punkteturbo der Payback-Kreditkarte Payback American Express PLUS. Für 35 Euro im Jahr gibt es zwei statt einen Payback-Punkt je drei Euro Kartenumsatz, allerdings nur bis 20.000 Euro Jahresumsatz. Mehr als 6.666 Extrapunkte sind damit nicht drin.
Über die Extrapunkte allein habt Ihr die Gebühr erst ab rund 10.500 Euro Jahresumsatz wieder drin. Rechnet man das jährliche Vorteilspaket mit, das laut Payback mindestens 25 Euro wert ist, lohnt sich PLUS schon ab etwa 3.000 Euro Umsatz im Jahr, sofern Ihr die Coupons und Gutscheine tatsächlich nutzt.
Die Verhaltensfalle liegt nicht in der Gebühr, sondern in dem, was sie auslöst. Wer PLUS bucht, um mehr zu sammeln, und dafür Umsätze auf die Karte zieht, die anderswo günstiger gewesen wären, zahlt die Meile doppelt. Erst die Gebühr, dann den Aufpreis beim Händler.
Für alle, die ihren Alltag ohnehin über die Karte abwickeln, ist PLUS dagegen ein faires Angebot. Wer mit der Karte regelmäßig einkauft und die Coupons einlöst, hat die 35 Euro schnell wieder herein, und jede weitere Meile kostet dann deutlich weniger als bei Bundle&Go.
Am teuersten sind Meilen für Reisen ohne echten Anlass
Am deutlichsten zeigt sich das Dilemma bei der Reiseplanung, und dabei dürfte sich nicht nur der Autor, sondern auch mancher Leser wiederfinden. Wer bucht nicht hin und wieder eine Airline oder ein Kettenhotel trotz leicht höheren Preises, weil es Meilen oder Punkte gibt? Ob sich das am Ende rechnet, ist uns bei der Buchung selten wirklich klar.
Sobald zusätzlich ein Status lockt, wird es noch schlimmer. Dann wird auch die Verbindung mit zusätzlichem Umstieg gebucht, nur weil sie zur richtigen Allianz gehört, oder ein teurerer Tarif, weil er mehr Statuspunkte bringt. Der Aufpreis ist dann der Preis für die Meile, und der liegt schnell weit über dem, was Miles & More selbst verlangt.

Die Krönung ist der Mileage Run, also eine Reise, die nur wegen der Meilen oder Statuspunkte gebucht wird. Auch dafür gibt es inzwischen einen Gegenpreis: Seit September stecken im L-Paket von Bundle&Go 100 und im XL-Paket 150 Status Points. Wer für ein paar Statuspunkte ein Wochenende im Flieger verbringt, sollte zumindest wissen, dass es sie inzwischen auch im Paket gibt.
Bei Hotels ist es nicht anders. Wer ein Kettenhotel nur wegen der Punkte bucht, obwohl das unabhängige Haus nebenan günstiger und schöner ist, kauft Punkte zu einem Preis, den er nie ausrechnet. Ein bewusster Blick auf den Aufpreis pro Punkt hilft. Oft fällt die Entscheidung dann trotzdem für die Kette – aber eben bewusst.
Ein bisschen Irrationalität darf ihren Preis haben
Dieser Blick auf die eigene Rationalität soll allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger enden. Wenn ich diese Zeilen schreibe, blicke ich vor allem auf mich selbst, denn auch ich ertappe mich immer wieder dabei – trotz Expertise in den Bereichen Loyalitätsprogramme und Finanzoptimierung. Stört mich das? Ein wenig vielleicht, aber eine Prise Irrationalität finde ich im Leben auch nicht schlecht.
Immerhin hat mir das verrückte Hobby schon Unmengen außergewöhnlicher Erlebnisse beschert, die ich mir sonst vermutlich nie gegönnt hätte. Bitte also nicht verkrampfen: Weder sollte man jede Entscheidung nach Opportunitätskosten durchrechnen, noch in jedem Moment des Lebens Meilen jagen. Wer die großen Hebel kennt, etwa die passende Kreditkarte zum Meilensammeln, darf bei den kleinen gelassen bleiben.
Und manchmal ist die vermeintlich irrationale Entscheidung schlicht die richtige. Einen Gutschein über Payback zu kaufen, etwa für Ikea, wenn ohnehin ein neuer Schrank ansteht, ist keine Spielerei, sondern ein Rabatt. Auch das im Vergleich wirklich günstigste Produkt mit Punkten zu kaufen, gehört zu den Fällen, in denen man alles richtig macht.
Seit jede Meile ein Preisschild hat, muss sich niemand mehr etwas vormachen – wer trotzdem den Umweg zur teureren Drogerie nimmt, kauft sich keine Meile, sondern ein gutes Gefühl, und das darf man sich ruhig gönnen.





