Nie war es so leicht, an Miles & More Meilen zu kommen – doch je mehr Meilen im Umlauf sind, desto teurer wird das, was man am Ende damit bucht.

Wer vor ein paar Jahren einen Prämienflug in der Business Class wollte, musste fliegen, fliegen und noch einmal fliegen. Heute reicht ein Abend am Laptop: ein Meilenpaket hier, ein Kreditkartenbonus dort, dazu Payback-Punkte und doppelte Hotelmeilen. Miles & More hat sich in den vergangenen Monaten vom Vielfliegerprogramm zum Meilen-Großhändler entwickelt. Für Einsteiger ist das eine großartige Nachricht. Für alle, die ihre Meilen auch einlösen wollen, ist es eine Nachricht mit Kleingedrucktem.

Miles & More verkauft Meilen inzwischen im Großhandel

Lange tat Miles & More so, als müsse man sich Meilen verdienen. Die eigene Hilfeseite behauptet bis heute, man könne bei Miles & More weder Meilen noch Points kaufen – und verlinkt im selben Absatz auf Bundle & Go. Dieser kleine Widerspruch beschreibt ziemlich genau, wo das Programm gerade steht: offiziell ein Vielfliegerprogramm, praktisch ein gut sortierter Meilenshop mit angeschlossenem Flugbetrieb.

Seit dem Umbau Anfang September gibt es die Pakete in vier Größen von 5.000 bis 150.000 Meilen, das Jahreslimit liegt bei 300.000 Meilen. Neu ist vor allem, was obendrauf kommt: Das Paket L bringt 100 Points und zwei Lufthansa Lounge Voucher mit, das XL-Paket sogar 150 Points und drei Voucher. Damit verkauft Miles & More über Bundle & Go erstmals nicht nur Meilen, sondern auch ein Stück Status – und macht aus dem Meilenkauf ein Produkt, das sich längst nicht mehr nur an Schnäppchenjäger richtet.

Miles & More Bundle & Go Aktion
Bundle & Go mit 50 Prozent Meilenbonus im Oktober

Im September und Oktober gab es gleich zweimal hintereinander bis zu 50 Prozent Bonus, und auch im November gibt es für Neukunden wieder bis zu 50 Prozent obendrauf. Wer ihn erwischt, bekommt im XL-Paket 225.000 Meilen für 2.650 Euro und zahlt damit rund 1,18 Cent pro Meile. Ohne Bonus kostet die Meile dagegen mindestens 1,77 Cent – die Aktionen sind also kein nettes Extra, sondern der eigentliche Kaufanlass.

Miles & More Meilen ab 1,18 Cent pro Meile kaufen

Bis zu 50 Prozent Bonus für Neukunden und extra Status Points 
  • Bundle S: 7.500 Miles & More Meilen für 125 Euro (1,67 Cent pro Meile)
  • Bundle M: 75.000 Miles & More Meilen & 1 Lounge Voucher für 1.050 Euro (1,4 Cent pro Meile)
  • Bundle L: 150.000 Miles & More Meilen, 100 Status Points & 2 Lounge Voucher für 1.850 Euro (1,23 Cent pro Meile)
  • Bundle XL: 225.000 Miles & More Meilen, 150 Status Points & 3 Lounge Voucher für 2.650 Euro (1,18 Cent pro Meile)

Und man muss es so deutlich sagen: Mit Bonus ist Bundle & Go ein starkes Angebot. Für 1,18 Cent bekommt Ihr Meilen, die sich auf der Langstrecke in der Business Class leicht mit dem Doppelten bewerten lassen – plus Lounge-Besuche und Statuspunkte. Mehr zu den Details findet Ihr in unserem Artikel zum Meilenkauf bei Miles & More.

Multiply & Go vervielfacht ausgerechnet die Meilen der Vielflieger

Ganz neu ist seit wenigen Tagen Multiply & Go. Das Prinzip: Ihr zahlt vorab und bekommt dafür über einen Zeitraum von einem, drei, sechs oder zwölf Monaten die Meilen aus Euren Flügen mit der Lufthansa Group zwei-, vier-, sechs- oder zwölffach gutgeschrieben. Das größte Paket bringt in zwölf Monaten bis zu 275.000 Zusatzmeilen und kostet regulär 3.850 Euro. Bis zum 30. November gibt es 20 Prozent Rabatt, dann sinkt der Preis auf 3.080 Euro oder rund 1,12 Cent pro Meile.

Multiply & Go Pakete von Miles & More
Die Multiply & Go Pakete mit Einführungsrabatt

Der Haken steckt im Wort „bis zu“. Den Bestpreis gibt es nur, wenn Ihr die Obergrenze von 25.000 eigenen Meilen im Jahr voll ausschöpft – ohne Status entspricht das einem Ticketpreis von rund 6.250 Euro ohne Steuern und Gebühren. Wer nur die Hälfte schafft, zahlt pro Zusatzmeile das Doppelte. Flüge mit Partnern außerhalb der Lufthansa Group, Kreditkartenumsätze oder Payback-Punkte zählen nicht, und das Geld ist weg, sobald das Paket läuft.

Bemerkenswert ist vor allem, für wen dieses Produkt gebaut ist. Bisher galt bei Miles & More: Wer viel fliegt, sammelt viel. Mit Multiply & Go gilt jetzt: Wer viel fliegt und zusätzlich zahlt, sammelt sehr viel. Für Vielflieger mit fest geplanten Reisen kann das ein guter Deal sein – der Vorgänger Multiply Miles lag 2020 bestenfalls bei 1,50 Cent pro Meile. Es zeigt aber auch, dass Miles & More inzwischen an jeder Stelle verkauft, an der sich eine Meile verkaufen lässt.

Die Kreditkarte verschenkt den Gegenwert von 40.000 Euro Umsatz

Die dritte Meilenquelle ist die Kreditkarte, und auch sie schüttet gerade so viel aus wie lange nicht. Wer die Miles & More Gold Kreditkarte bis zum 30. November beantragt, bekommt 20.000 Meilen, vier Lounge Voucher und 40 Points. Regulär sind es 4.000 Meilen und 40 Points. Bei einer Meile pro zwei Euro Umsatz müsste man für 20.000 Meilen 40.000 Euro mit der Karte bezahlen – hier gibt es sie als Begrüßungsgeschenk für 11,50 Euro im Monat.

Miles & More Kreditkarte der Deutschen Bank
Die Miles & More Kreditkarte der Deutschen Bank

Die Gold Business mit 50.000 Meilen legt noch einmal deutlich nach. Einschränkungen gibt es natürlich: Wer in den letzten zwölf Monaten eine Miles & More Kreditkarte besaß, ist vom Aktionsbonus ausgeschlossen, und die Karte muss mindestens ein Jahr laufen. Wer beim Antrag schon einen Vielfliegerstatus hat, geht nicht leer aus, bekommt aber deutlich weniger Willkommensmeilen.

Miles & More Kreditkarte Gold

20.000 Meilen, 4 Lounge Voucher und 40 Points Willkommensbonus
  • Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
  • 1 Meile je zwei Euro Umsatz sammeln
  • Premiumversicherungen für Reisen & Mietwagen
  • Zwei Abhebungen im Ausland pro Jahr ohne Transaktionsentgelt
  • Marriott Bonvoy Silver Elite Status inklusive
  • Kostenloses Wolt+ inklusive doppelter Meilen
11,50 Euro Monatsgebühr
Moritz
Dank Willkommensbonus und Stopp des Meilenverfalls die ideale Kreditkarte für Miles & More Sammler

Dazu kommen bis Ende November vierfache Meilen auf Umsätze außerhalb des EWR – auch für Bestandskunden, allerdings bleibt das Auslandseinsatzentgelt von 1,95 Prozent. Im Sommer ging Miles & More noch einen Schritt weiter: Karteninhaber konnten über die Fast Lane den Frequent Traveller Status für 650 Euro oder 80.000 Meilen kaufen.

Und die Lounge Voucher kommen zur richtigen Zeit, denn seit Anfang Oktober kommen Inhaber der Amex Platinum nicht mehr in die Lufthansa Lounges. Die Kreditkarte ist damit vom Sammelwerkzeug zum Einstiegsticket geworden. Alle laufenden Angebote haben wir in der Übersicht zu den Aktionen der Miles & More Kreditkarte gesammelt.

Nebenbei regnet es Meilen aus allen Richtungen

Neben den drei großen Quellen läuft ein ständiges Grundrauschen an kleineren Aktionen. Payback-Punkte lassen sich im Verhältnis eins zu eins in Meilen tauschen, über Payback-Zeitschriftenabos kostet die Meile zeitweise kaum mehr als einen Cent. Zeitschriften gibt es auch direkt mit Meilen, im Oktober etwa das WELT-Kombiabo mit 72.000 Meilen für 876 Euro, aktuell gibt es 50.000 Meilen mit einem FAZ-Abo.

Dazu kommen aktuell zwölffache Meilen bei Amazon, bis zu acht Meilen pro US-Dollar bei Marriott Bonvoy und dreifache Meilen bei IHG. Und wem das alles zu mühsam ist, der kann sein Glück beim Lufthansa-Jubiläum versuchen, bei dem 100 Mal je 100.000 Meilen verlost werden. Bei Mastercard lag zuletzt sogar jeden Monat eine Million Meilen im Topf.

Payback App mit Punktestand
Payback und Partner liefern Meilen im Alltag

Einzeln betrachtet ist jede dieser Aktionen nett. In der Summe ergibt sich aber ein Bild, das jeder Notenbanker kennt: Die Geldmenge wächst deutlich schneller als das Warenangebot. Und bei Miles & More besteht das Warenangebot nun einmal aus einer begrenzten Zahl an Prämiensitzen, und die wächst nicht mit jedem verkauften Meilenpaket mit. Alle laufenden Angebote sammeln wir in der Übersicht der monatlichen Miles & More Aktionen.

Mehr Meilen treffen auf nicht mehr Prämienplätze

Für Miles & More ist der Meilenverkauf ein glänzendes Geschäft. Das Geld fließt sofort, die Leistung wird erst Monate oder Jahre später fällig, und ein Teil der Meilen wird nie eingelöst. Die Plätze in der Business Class werden dadurch allerdings nicht mehr. Wer heute nach Prämienflügen sucht, spürt das an mehreren Stellen gleichzeitig.

Seit Ende Mai ist auf der Langstrecke ein neuer Light-Tarif in der Business Class und Premium Economy buchbar. Das klingt nach einem günstigeren Einstieg, ist aber das Gegenteil: Die bisherigen Meilenwerte sind schlicht auf einen leistungsschwächeren Tarif gerutscht. Light bedeutet ein Gepäckstück, kostenpflichtige Sitzplatzreservierung, 500 Euro Umbuchungsgebühr und keine Erstattung. Wer den alten Leistungsumfang will, zahlt mehr Meilen.

Miles & More Prämienflug Business Class Tarife
Die Business Class Tarife von Light bis Flex

Hinzu kommt, dass die Meilenpreise längst keine runden Werte aus einer Tabelle mehr sind, sondern krumme und schwankende Beträge wie 94.834 Meilen für Berlin–New York und zurück in der Business Class. Die neue Allegris First Class ist offiziell mit Meilen buchbar, in der Praxis findet man Verfügbarkeit aber fast nur über die Hotline. Mehr Meilen im Umlauf bedeuten also vor allem eines: mehr Konkurrenz um dieselben Sitze.

Die Zuschläge fressen den Meilenrabatt wieder auf

Das größte Ärgernis sind aber die Zuschläge. Die Lufthansa Group hat sie in diesem Jahr bereits viermal angehoben, zuletzt Anfang Oktober und dann Ende Oktober erneut. Für Frankfurt–New York und zurück in der Business Class Light werden aktuell 96.974 Meilen plus 1.724 Euro fällig, davon allein 1.500 Euro internationaler Zuschlag. Wir haben das Paradox der Prämienflüge nach Nordamerika schon einmal ausführlich beschrieben.

Zuschläge Prämienflug Frankfurt New York Business Class
1.500 Euro internationaler Zuschlag nach New York

Rechnet man die gekauften Meilen mit 1,18 Cent dazu, kostet dieser Prämienflug rund 2.870 Euro. In Sales-Phasen liegen bezahlte Business-Class-Tickets nach Nordamerika nicht selten in derselben Größenordnung – dann gibt es dort Meilen und Statuspunkte sogar noch dazu. Der Meilenkauf rechnet sich auf dieser Strecke kaum noch.

Ganz anders sieht es nach Asien aus. Nach Hongkong kostet die Business Class ab rund 45.500 Meilen plus etwa 480 Euro pro Richtung, nach Bangkok oder Singapur ab etwa 60.000 bis 69.000 Meilen bei ähnlichen Zuschlägen.

Genauso attraktiv ist Südafrika. Nach Kapstadt kostet die Business Class ab Frankfurt zuletzt rund 54.000 Meilen pro Richtung, mit SWISS nach Johannesburg im Schnitt rund 62.000 Meilen plus etwa 355 Euro. Wer Meilen kauft, sollte deshalb vorher wissen, wohin die Reise geht – und zwar bevor er auf „Bezahlen“ klickt.

Noch nie war der erste Prämienflug so schnell verdient

Bei aller Kritik bleibt eine Wahrheit, die man nicht kleinreden sollte: Es war noch nie so leicht, in kurzer Zeit genug Meilen für einen richtig guten Prämienflug zusammenzubekommen. Ein Beispiel: 20.000 Meilen aus dem Kreditkartenbonus und ein Bundle-L-Paket mit 50 Prozent Bonus für 1.850 Euro ergeben 170.000 Meilen. Das reicht für die Business Class nach Hongkong und zurück, und danach sind noch fast 80.000 Meilen übrig.

Lufthansa Allegris Business Class
Die Business Class nach Asien ist schneller erreichbar denn je

Früher hat man für so ein Konto Jahre gebraucht, heute sind es ein paar Wochen. Das Überangebot ist für Einsteiger deshalb kein Problem, sondern eine Einladung. Zum Problem wird es nur für diejenigen, die Meilen wie ein Sparbuch behandeln. Gekaufte Meilen verfallen ohne Status oder Kreditkarte nach 36 Monaten, und jede Zuschlagserhöhung und jede neue Tariflogik nagt an ihrem Wert.

Die Strategie für die Meilenflut ist daher einfach: mit einem konkreten Ziel sammeln, zügig einlösen und flexibel bei Strecke und Datum bleiben. Wer die Kreditkarte besitzt, muss sich um den Verfall ohnehin keine Sorgen machen, denn solange die Karte läuft, sind die Meilen geschützt. Asien, Südafrika und Südamerika statt Nordamerika, Business Light statt Wunschdatum in der First. Wer so vorgeht, kann aus den aktuellen Aktionen mehr herausholen als je zuvor.

Miles & More druckt gerade Meilen wie eine Notenbank in der Krise. Wer sie schnell ausgibt, profitiert davon. Wer sie hortet, zahlt am Ende die Inflation.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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