Der Meilen-Umweg über Partnerprogramme ist offenbar fast dicht – wer mit Miles & More nach Nordamerika will, zahlt jetzt wieder den vollen Zuschlag der Lufthansa.

Im März haben wir an dieser Stelle das Nordamerika-Paradox bei Miles & More beschrieben: gute Verfügbarkeiten für Prämienflüge, aber Zuschläge, die eigene Mitglieder teuer bezahlen, während Sammler bei United oder Air Canada für dieselben Lufthansa-Sitze kaum etwas draufzahlen. Ein Dreivierteljahr später hat sich das Paradox aufgelöst – allerdings nicht so, wie wir es gefordert hatten. Statt die Zuschläge für die eigenen Mitglieder zu senken, hat die Lufthansa offenbar den Ausweg über die Partnerprogramme geschlossen.

Die Hintertür über die Partnerprogramme ist fast zu

Was in den USA seit dem Frühsommer diskutiert wird, ist auch für Meilensammler in Deutschland eine schlechte Nachricht. Laut übereinstimmenden Berichten der US-Fachpresse gibt die Lufthansa seit dem 1. Juni 2026 keine First-Class-Prämienplätze mehr an Partnerprogramme wie United MileagePlus oder Air Canada Aeroplan frei. Anfang Juli folgten Berichte, dass auch die Business Class für diese Programme kaum noch auftaucht, vor allem kurzfristig.

Lufthansa Business Class A
Die Lufthansa Business Class im Airbus A350

Betroffen sind demnach auch Swiss und Austrian Airlines, die Economy Class bleibt dagegen offen. Eine offizielle Erklärung gibt es nicht, die Lufthansa hat sich gegenüber den US-Kollegen nicht zu den Gründen geäußert. Ob die Sperre dauerhaft ist, lässt sich deshalb nicht sicher sagen. Berichte über eine Rückkehr der Partnerplätze seit dem Sommer haben wir allerdings nicht gefunden.

Die Entwicklung haben wir bereits in unserer Kolumne zu den Zuschlägen gestreift. Dort ging es um die Höhe der Zuzahlung, hier geht es um die Frage, wer ihr überhaupt noch ausweichen kann. Die Antwort lautet nach allem, was bekannt ist: kaum noch jemand.

Für Sammler in Deutschland war der Umweg zwar nie der Normalfall, denn Meilen bei United oder Aeroplan bekommt man hierzulande vor allem über Meilenkäufe, einen direkten Transfer von Membership Rewards gibt es nicht. Für Vielflieger mit Punkten in mehreren Programmen war er aber das wichtigste Ventil gegen die Zuschläge der Lufthansa.

Bis zum Sommer war das Paradox ein offenes Geheimnis

Das Nordamerika-Paradox war jahrelang simpel. Programme wie United MileagePlus, Air Canada Aeroplan oder Avianca LifeMiles geben auf Lufthansa-Flügen keine Treibstoffzuschläge weiter, sie verlangen höchstens eine Buchungsgebühr. Wer dort Meilen hatte, flog in denselben Lufthansa-Sitzen und zahlte neben den Meilen im Wesentlichen nur Steuern und Gebühren. Einen Überblick über diese Programme gibt unser Guide zu den Airlines ohne Treibstoffzuschlag.

In der Szene war das ein offenes Geheimnis. Wer in Kanada oder den USA Kreditkartenpunkte sammelt, hat sie zu Aeroplan oder United transferiert und so die Lufthansa First nach Europa gebucht, die Miles & More den eigenen Mitgliedern nur gegen hohe Zuschläge verkauft. Für ein Programm, das sich gern als eines der wertvollsten Europas sieht, war das eine Peinlichkeit, über die man bei der Lufthansa erstaunlich lange hinweggesehen hat.

Air Canada Boeing
Eine Boeing 787 Dreamliner von Air Canada

Ganz ohne Kratzer war der Umweg auch vorher nicht. Aeroplan hat zum 1. Juni 2026 seine feste Prämientabelle für Partnerflüge angepasst und dabei vor allem die Business und First Class über den Atlantik verteuert. Mehr dazu in unseren Porträts zu Air Canada Aeroplan und United MileagePlus.

Mit der Sperre der Lufthansa ist es aber keine Frage des Preises mehr, sondern eine der Verfügbarkeit. Ein günstiger Umweg nützt nichts, wenn der Sitz im Partnerprogramm gar nicht erst erscheint.

Für Miles & More Mitglieder ändert sich dadurch nichts zum Besseren

Man könnte meinen, die Lufthansa beseitige damit nur eine Ungleichbehandlung. Im März hatten wir genau die beklagt: Mitglieder der Partnerprogramme zahlen kaum Zuschläge, eigene Mitglieder den vollen Preis. Diese Ungleichheit ist jetzt weitgehend verschwunden, allerdings auf die denkbar schlechteste Weise.

Die Lufthansa hat nicht die eigene Regel verbessert, sondern die Ausnahme geschlossen. Für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach New York in der Business Class verlangte Miles & More bei unserer Stichprobe im Oktober 94.834 Meilen und 1.696,39 Euro Zuzahlung, in der First Class waren es 1.974,09 Euro. Daran ändert die Sperre nichts, sie nimmt Sammlern nur die Alternative.

Lufthansa Business Class Boeing -
Die Lufthansa Business Class in der Boeing 747-8

Aus der Benachteiligung der eigenen Mitglieder ist damit eine Gleichbehandlung nach unten geworden. Wer früher über Aeroplan ausweichen konnte, steht heute an derselben Kasse wie alle anderen. Und an dieser Kasse hat die Lufthansa Group die Zuschläge allein in diesem Jahr dreimal erhöht.

Wie stark die Zuzahlung mit der Kabine wächst, zeigt der einfache Flug ab Berlin nach New York: In der Economy Class waren es bei unserer Stichprobe im Oktober 347,94 Euro, in der Business Class 912,94 Euro und in der First Class 1.082,94 Euro. Ausgerechnet in den Kabinen, in denen der Umweg am meisten gebracht hat, ist er jetzt zu.

Die First Class gibt es nur noch für die eigenen Sammler

Besonders deutlich zeigt sich die Steuerung bei der First Class. Über Partnerprogramme war die Lufthansa First schon in den vergangenen Jahren nur sehr kurzfristig zu bekommen, seit Juni offenbar gar nicht mehr. Über Miles & More dagegen ist seit August erstmals auch die neue Allegris First Class buchbar, zunächst zwischen München und San Diego.

Lufthansa Allegris First Class Suite
Die Allegris First Class Suite der Lufthansa

Die Preise sind allerdings keine Geschenke. Für einen einfachen Flug am 18. Januar 2027 haben wir die Allegris First ab 157.500 Meilen im Comfort-Tarif gefunden, dazu kamen rund 1.000 Euro Zuschläge. Günstiger geht es in der klassischen First Class ab Prag nach New York: Dort begann der einfache Flug zuletzt bei 78.073 Meilen im Comfort-Tarif, mit rund 960 Euro Zuzahlung und eher kurzfristigen Verfügbarkeiten.

Fair ist: Wer First fliegen will, kommt über Miles & More tatsächlich hinein, und das war bei Allegris vor einem Jahr noch nicht so. Die Lufthansa hat hier geliefert, was sie seit 2025 versprochen hatte. Nur eben zum vollen Zuschlag und nur für Mitglieder des eigenen Programms.

Genau das ist die neue Logik. Die besten Sitze behält die Lufthansa für die Sammler, die sie selbst bedient und an denen sie verdient. Wer dagegen Meilen bei United oder Air Canada gesammelt hat, bleibt bei der Lufthansa in der Economy oder sucht sich eine andere Airline.

Nach Nordamerika braucht Ihr jetzt einen anderen Plan

Was bleibt, ist überschaubar. Die Economy Class gibt die Lufthansa laut den Berichten weiter an Partner frei, dort ist der Vorteil ohne Zuschläge aber am kleinsten. Flüge von United und Air Canada selbst lassen sich über Star-Alliance-Programme weiter ohne Treibstoffzuschläge buchen, und genau das ist inzwischen der realistischste Weg mit Meilen in die USA. Einen Überblick gibt unser Guide Mit Meilen nach Nordamerika.

Innerhalb von Miles & More hilft vor allem der Abflughafen. Ab Prag, Warschau oder anderen Städten außerhalb Deutschlands fallen die Meilenwerte und teils auch die Zuschläge niedriger aus, wie das First-Beispiel ab Prag zeigt. Dazu kommen die LOT Meilenschnäppchen, die New York in manchen Monaten in der Business Class zu festen Meilenwerten und mit moderaten Zuschlägen anbieten. Warum diese Partner-Angebote inzwischen besser sind als alles von der Kernmarke, haben wir in einer eigenen Kolumne eingeordnet.

New York Skyline bei Nacht
Die Skyline von New York bei Nacht

Und die Flex Plus Prämie, mit der sich die Zuschläge früher gegen zusätzliche Meilen fast vollständig wegkaufen ließen? Die bleibt verschwunden, obwohl ihre Rückkehr bei der Umstellung 2025 in Aussicht gestellt worden war. Ein Signal, dass sich daran etwas ändert, gibt es nicht.

Wer bei Miles & More bucht, sollte deshalb zumindest die Tarife genau vergleichen. Ab Prag kostete die First Class zuletzt 78.073 Meilen im Comfort-Tarif, 86.882 Meilen in Comfort Plus und 95.691 Meilen im Flex-Tarif, jeweils pro Richtung. Die Leistung an Bord ist identisch, der Unterschied liegt allein bei Umbuchung und Erstattung.

Miles & More verdient am geschlossenen Umweg doppelt

Aus Sicht der Lufthansa ergibt die Sperre Sinn, und das ist das eigentlich Ärgerliche. Jeder Sammler, der nicht mehr ausweichen kann, löst entweder zum vollen Zuschlag bei Miles & More ein oder kauft fehlende Meilen über Bundle&Go nach. In beiden Fällen bleibt das Geschäft im eigenen Programm.

Das ist unsere Lesart, eine Begründung der Lufthansa gibt es nicht. In der US-Fachpresse wird vermutet, dass sich die Lufthansa an der restriktiven Partnerpolitik von United orientiert, die eigene Premiumplätze ebenfalls nur sparsam an fremde Programme freigibt. Belegt ist das nicht, aber es passt ins Bild.

Lufthansa First Class Boeing -
Die Lufthansa First Class in der Boeing 747-8

Fairerweise gehört dazu: Die Verfügbarkeit im eigenen Programm war nach Nordamerika bisher eine Stärke von Miles & More, wie wir in unserer Kolumne zu den konkurrenzlos günstigen Prämienflügen gezeigt haben. Wer flexibel ist oder Status hat, kommt mit Meilen grundsätzlich weiter nach New York, Chicago oder an die Westküste.

Nur ist eine Stärke, die man teuer bezahlen muss, keine. Bei knapp 1.700 Euro Zuzahlung für eine Business Class nach New York verliert die Meile auf dieser Strecke ihren Sinn, ganz gleich, wie viele Plätze frei sind und wie gut die Kabine ist.

Ein Paradox ist gelöst und die Sammler zahlen die Rechnung

Im März haben wir gefordert, dass Miles & More handelt, und zwar schnell. Das ist passiert, nur in die falsche Richtung. Statt die Zuschläge für die eigenen Mitglieder zu senken oder die Flex Plus Prämie zurückzubringen, hat die Lufthansa den Ausweg für alle anderen versperrt. Die Forderung war richtig, die Antwort darauf ist die falsche.

Für Sammler in Deutschland heißt das: Business und First nach Nordamerika gibt es mit Meilen fast nur noch über Miles & More und fast nur noch zum vollen Preis. Wer das nicht zahlen will, weicht auf andere Airlines, andere Abflughäfen oder die Economy aus.

Skyline von New York
Nach New York bleibt der Meilenweg teuer

Bleibt die Hoffnung, dass sich die Lufthansa bewegt, wenn die Nachfrage nach Prämienflügen in die USA nachlässt. Zuschläge sind kein Naturgesetz, und ein dynamisches System kann Preise auch senken. Bis dahin gilt: genau rechnen, bevor Ihr Meilen für Nordamerika einsetzt, und den Wert einer Miles & More Meile im Blick behalten.

Das Nordamerika-Paradox gibt es nicht mehr – nicht weil Miles & More fairer geworden ist, sondern weil die Lufthansa den letzten fairen Weg geschlossen hat.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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