Für die Lufthansa Group sind die Verbindungen nach Nordamerika der wichtigste Markt. Gleichzeitig gibt es bei Miles & More Verfügbarkeit wie Sand am Meer – allerdings mit einem großen Haken und einer großen Benachteiligung der eigenen Programmteilnehmer.

Business Class Verfügbarkeiten an die US-Westküste? First Class Prämienflüge nach New York? Beides ist aktuell im Miles & More Programm selbst ohne komplexe Recherche einfach zu finden. Dahinter steckt das Nordamerika-Paradox des Programms, das auf der einen Seite gute Verfügbarkeiten mit vernünftigen Meilenwerten kombiniert. Auf der anderen Seite gibt es aber Zuschläge, die sich in immer abenteuerlichere Höhen bewegen, und Einlösungen so nahezu sinnlos machen – allerdings nur für die Teilnehmer des eigenen Vielfliegerprogramms.

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Prämienflüge mit Zuschlägen von mindestens 1.300 Euro

Nach einer massiven Erhöhung der Zuschläge sowohl im Jahr 2024 als auch 2025 hat Miles & More auch im März 2026 wieder eine negative Überraschung für Reisende parat gehabt. So wurden über Nacht die internationalen Zuschläge (früher Treibstoffzuschläge) angehoben, was zu einem neuen Rekord bei der Summe sorgt, die neben den Meilen für einen Prämienflug aufgebracht werden muss.

Wie reisetopia Recherchen zeigen, liegen die Zuschläge (inklusive Steuern) für einen Hin- und Rückflug nach Nordamerika in der Business Class neuerdings bei mindestens 1.300 Euro. In der First Class liegt die Summe, die zusätzlich zu den Meilen aufgebracht werden muss, sogar bei mindestens 1.400 Euro.

Lufthansa First Class A340 Sitze 6
Selbst First Class Einlösungen nach Nordamerika lohnen sich wegen hoher Zuschläge kaum

Je nach Strecke können die Zuschläge sogar noch höher sein, denn je länger ein Flug ist, desto höher ist auch der Betrag, den Reisende zusätzlich erbringen müssen. So kostet ein First Class Prämienflug von Deutschland nach Los Angeles oder Mexiko City nicht nur knapp 200.000 Meilen pro Person, sondern auch noch Zuschläge von 1.500 Euro.

Bei solchen Aufpreisen bringen einem hervorragende Verfügbarkeiten, sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig, nichts. Zumindest in der Business Class lässt sich bei diesen Zuschlägen selten ein attraktiver Wert pro Miles & More Meile erzielen, zumal es teilweise sogar Tickets der Konkurrenz gibt, die bezahlt kaum teurer sind als die reinen Zuschläge bei Miles & More.

Preisanstiege konzentrieren sich auf nur eine Weltregion

Anders als bei den letzten Preiserhöhungen mag der Anstieg der Zuschläge im März 2026 sogar nachvollziehbar sein, da die Öl- und damit auch Kerosinpreise tatsächlich drastisch gestiegen sind. Zwar sind Fluggesellschaften wie die Lufthansa in der Regel durch sogenanntes Hedging vor abrupten Preisanstiegen geschützt, doch zumindest mittelfristige Erhöhungen bei diesem Kostenpunkt dürfte es dennoch geben.

Das Nordamerika-Paradox entsteht gleichzeitig dadurch, dass die Erhöhung sich genauso wie auch schon zuvor in den Vorjahren primär nur auf eine Weltregion konzentriert. Obwohl die Kerosinpreise offensichtlich einen Einfluss auf alle Strecken haben, hat die Lufthansa Group die Zuschläge ausschließlich auf Verbindungen nach Nordamerika drastisch erhöht.

Lufthansa Allegris A350 Business Class
Die außergewöhnlich hohen Zuschläge gibt es nur auf Verbindungen nach Nordamerika

Während es auf anderen Verbindungen in anderen Regionen gar keine Erhöhungen oder nur moderate Erhöhungen um 50 Euro für einen Hin- und Rückflug gab, sind die Anstiege auf Flügen nach Nordamerika mit 200 Euro (Business Class) beziehungsweise 300 Euro (First Class) massiv.

Eine Erklärung seitens Miles & More oder der Lufthansa Group gab es dabei, selbst auf explizite Nachfrage, erneut nicht. Verwiesen wird immer nur darauf, dass der Treibstoffzuschlag einer von vielen Ticketbestandteilen sei, die den Gesamtpreis beeinflussten. Nur spielt er eben bei Prämienflügen eine besonders große Rolle.

Versprochene Rückkehr der Flex Plus Prämie lässt auf sich warten

Vor der Umstellung des Miles & More Systems in der ersten Jahreshälfte 2025 konnten einem die schon damals in neue Höhen gestiegenen Zuschläge zumindest einigermaßen egal sein. Das lag an der sogenannten Miles & More Flex Plus Prämie, mit der man die nicht an Steuern und Flughafenbetreiber gebundenen Zuschläge bei Prämientickets durch den Einsatz zusätzlicher Meilen auf null reduzieren konnte.

Lufthansa Business Class Airbus A380 2 2 2 Konfiguration
In der Vergangenheit ließen sich die Zuschläge durch die Flex Plus Prämie umgehen

Bei der Umstellung wurde versprochen, dass die Prämie mit Verzögerung zurückkehren würde. Seitdem ist es um eben diese beliebte Prämienart, die Meileneinlösungen nach Nordamerika teils sehr attraktiv gemacht hat, ausgesprochen ruhig geworden. Ob und in welcher Form die Flex Plus Prämie je zurückkehren wird, steht in den Sternen.

Für diejenigen, die gerne oder viel in die USA reisen, bleibt somit ein Dilemma. Die hervorragenden Verfügbarkeiten für Prämienflüge bringen einem nichts, solange die Zuschläge übertrieben hoch sind und sogar bezahlte Tickets im Verhältnis attraktiver machen. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass die für Prämientickets notwendigen Meilenwerte mit der Umstellung im vergangenen Jahr nicht massiv gestiegen sind.

Ein Stich ins Herz für die treuesten Meilensammler bei Miles & More

Eine letzte tragische Pointe gibt es in diesem Schauspiel allerdings sogar auch noch. Zwar erhebt Miles & More bei einem Abflug in Nordamerika noch einmal signifikant höhere Zuschläge als bei Abflug in Europa – was bei den oben aufgeführten Werten wie ein Witz klingen mag. Doch einen Nachteil davon tragen primär diejenigen, die Miles & More die Treue halten.

Wer nämlich bei einem der beiden nordamerikanischen Joint Venture-Partner Meilen sammelt oder diese von einer der vielen transferierbaren Punktewährungen in den USA und Kanada zu United MileagePlus oder Air Canada Aeroplan transferiert, profitiert von den tollen Verfügbarkeiten, muss aber gleichzeitig nicht die immensen Zuschläge berappen.

Lufthansa First Class Boeing 747 8 Essen
Miles & More Mitglieder werden gegenüber anderen Programmen benachteiligt

Hintergrund dessen ist, dass die beiden Programme auch für Flüge mit Partnern die von der Airline erhobenen Zuschläge nicht weitergeben. Mit Start in Nordamerika können Prämienflüge mit der Lufthansa, selbst in der First Class, so beispielsweise mit Zuschlägen von gerade einmal 5 Euro gebucht werden, in der Gegenrichtung sind es auch nur knapp 100 Euro.

Mindestens dieser Aspekt sollte den Machern von Miles & More zu denken geben, denn wenn Mitglieder von Partnerprogrammen massiv mehr profitieren als eigene Mitglieder, zerstört man sich sein eigenes Programm. Ob bei den immer weiter steigenden Treibstoffzuschlägen oder bei der Wiedereinführung der Flex Plus Prämie Miles & More muss handeln – und zwar am besten schnell.

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Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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  • Ich wette, Lufthansa Logik wird sein, nicht das eigene Programm zu verbessern, sondern eher auf die Partner zu zugehen und denen die Praxis irgendwie zu untersagen. Aber vielleicht bin ich ja nur zu pessimistisch.

  • GIbt es in dem Zusammenhang auch eine (neue) Info, warum der Mindestaufenthalt so hoch ist, d.h. ca. 1 Woche, wenn man die Flüge nicht einzeln bucht? Ist seit ein paar Monaten der Fall.

    • Hallo Heiko, wir haben dazu leider keine Informationen gefunden. Wir konnten lediglich in den Konditionen bei den Fly Smart Award Flights finden, dass es so ist aber nicht warum. Liebe Grüße Nina

      • Hallo Nina, danke dafür. Heißt das: es ist bestätigt in den Konditionen, daß es so gelten soll — also die 1 Woche Aufenthalt — das ist kein Fehler, richtig?

      • Guten Morgen Heiko,
        du kannst das in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Miles & More unter „Award Flights“ nachschauen.
        Unter Punkt 3.2.2 steht, dass es bei Fly Smart Award Flights einen Mindestaufenthalt von sieben Tagen gibt.
        Bei World Award Flights beträgt die Mindestaufenthaltsdauer hingegen zehn Tage, das findest du unter Punkt 1.3.3.
        Es kommt also darauf an was genau du buchst. Liebe Grüße Nina

      • Danke dafür, Nina. Was ist der inhaltliche Unterschied von Fly Smart Award Flights und World Award Flights? Liebe Grüße

  • Generell meint Lufthansa Group das die USA die goldene Kuh ist. Nicht nur Meilen Einlösungen sondern auch normale Tickets sind überteuert und wenn man ein Round Trip in Economy buchen will wird alles zum Witz. Einzige Möglichkeit die alles wieder auf Normale Niveau zu bringen müssen Allianzen und AntiTrust Immunity auflöst werden. Die Argumente für Allianzen gibt es nicht mehr.

  • Kein Problem. 50% Umsatzverlust für LH, wenn wir nur noch halb so oft mit LH fliegen und 100% Umsatzverlust für LH, wenn wir gar nicht mehr mit LH fliegen. OneWorld und SkyTeam machen es möglich. Tschüss LH 👋

  • „zumal es teilweise sogar Tickets der Konkurrenz gibt, die bezahlt kaum teurer sind als die reinen Zuschläge bei Miles & More.“ Interessehalber, wer bringt mich denn für max. 1300€ return dahin?

    • Im Rahmen von Angeboten ab dem europäischen Ausland gibt es sowas immer mal wieder. Ab Deutschland geht es dann doch eher so ab 1.500/1.600 Euro, je nach Angebot und Destination, zum Beispiel mit TAP an die US-Ostküste

  • “Ob bei den immer weiter steigenden Treibstoffzuschlägen oder bei der Wiedereinführung der Flex Plus Prämie Miles & More muss handeln – und zwar am besten schnell.”

    Wieso? Der Kunde bucht doch trotzdem. Möglicherweise ist das auch nur ein Testballon für die anderen Strecken. LH holt (wie so oft) das Maximale aus der Zitrone.

  • Miled & More wird in der Tat immer unverschämter. Aus diesem Grund sammel ich schon länger Meilen über Aeroplan. Der Haken: Verfügbarkeiten in Business sind meist nur für eine Person verfügbar. Will man zu zweit fliegen, wird nur noch Eco angeboten. Das macht es wieder unattraktiv.

  • US muss antitrust auflösen und alle Airlines wieder mit Interlining arbeiten lassen. Alle müssen wieder konkurrieren. Die Gründe für Interlining und antitrust waren Technologie aber heute können die Kunden den Airlines besser berichten wo Gepäck und frei Plätze im Flugzeug sind.

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