Mit dem Lufthansa First Row Seat kostet die erste Reihe der europäischen Business Class plötzlich extra – obwohl dort exakt derselbe Sitz steht wie zwei Reihen weiter hinten.
Seit dem 22. Juli 2026 hat die Lufthansa Group ihr Sitzplatzportfolio auf der Kurz- und Mittelstrecke umgebaut und dabei zwei neue Sitzplatzkategorien eingeführt: den Back Seat in der Economy Class und den First Row Seat in der Business Class. Verkauft wird in beiden Fällen kein besserer Sitz. Der Back Seat betrifft die letzten Reihen und damit die unbeliebtesten Plätze im Flugzeug, kostet mit 12 Euro aber nur drei Euro weniger als ein regulärer Classic Seat. Wirklich kurios ist jedoch die Neuerung in der Business Class.
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Die erste Reihe ist nicht besser – sie ist nur vorne
Der First Row Seat gilt auf allen kontinentalen Flügen von Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Air Dolomiti und Lufthansa City Airlines. HON Circle Member und Senatoren dürfen die erste Reihe weiterhin kostenlos reservieren, alle anderen Passagiere zahlen künftig einen Aufpreis. Auf der Strecke Berlin–Zürich sind es 29 Euro, je nach Verbindung reicht die Spanne nach unseren Recherchen bis knapp 45 Euro.
Formal übernimmt die Lufthansa Group damit eine Kategorie, die es bei ITA Airways schon gibt. Der Vergleich trägt allerdings nur begrenzt: Bei ITA betrifft der Aufpreis vor allem die Airbus A321LR, und dort sitzt man in der ersten Reihe der Business Class tatsächlich in einem deutlich besseren Sitz. Genau dieser Unterschied fehlt bei der Lufthansa Group vollständig.

Beworben wird der neue Platz mit der Exklusivität der ersten Reihe und den Vorteilen eines schnellen Ein- und Ausstiegs. Das ist bemerkenswert defensiv formuliert – und es ist auch alles, was sich über diesen Sitz sagen lässt. Denn anders als auf der Langstrecke steckt hinter der neuen Kategorie kein anderes Produkt, sondern ausschließlich eine andere Position in derselben Kabine.
Und genau hier beginnt das Problem. In der europäischen Business Class der Lufthansa Group gibt es keinen eigenen Business-Class-Sitz. Es ist dieselbe Bestuhlung wie in der Economy Class, nur mit freigehaltenem Mittelplatz und einem Klapptisch, der weiter aufgeht. Zwischen Reihe eins und Reihe drei liegt kein einziger Zentimeter Unterschied – es ist buchstäblich derselbe Sitz.
Wer genauer hinsieht, kann sogar zu dem Schluss kommen, dass die erste Reihe die schlechtere Wahl ist. Vor ihr steht in aller Regel eine Trennwand zur Bordküche oder zur Kabinentür.
Das bedeutet: kein Vordersitz, unter den man die Füße oder eine Tasche schieben kann, und je nach Bestuhlung sogar spürbar weniger Beinfreiheit als in Reihe zwei. Das Handgepäck muss während Start und Landung komplett ins Fach über dem Kopf. Dazu sitzt man unmittelbar an Galley und Vorhang, wo während des gesamten Fluges Betrieb herrscht – von Privatsphäre kann in der ersten Reihe also weniger die Rede sein als weiter hinten. Der einzige belastbare Vorteil bleibt das schnellere Aussteigen.
Ein Aufpreis auf einen Aufpreis
Die europäische Business Class kostet regelmäßig ein Vielfaches der Economy Class auf derselben Strecke. Bezahlt wird dieser Aufschlag aber nicht für den Sitz, sondern für alles drumherum: den blockierten Mittelplatz, Catering am Platz, Lounge-Zugang, Priority-Abfertigung, Freigepäck, Umbuchbarkeit und Meilen.
Genau deshalb wirkt eine zusätzliche Sitzplatzgebühr innerhalb dieser Kabine schief. Wer in der Business Class einen Aufpreis für einen bestimmten Sitz zahlt, zahlt ein zweites Mal für etwas, das er beim ersten Mal gar nicht bekommen hat. Auf der Langstrecke ist eine solche Staffelung nachvollziehbar, weil dort tatsächlich unterschiedliche Sitze verbaut sind. In Europa steht dieser Logik schlicht die Kabine im Weg.
Die Größenordnung macht es nicht besser. 29 Euro für rund 80 Minuten Flug zwischen Berlin und Zürich sind kein Trinkgeld, und auf längeren Strecken werden bis zu 45 Euro fällig – für einen Platz, den man zwei Reihen weiter hinten in exakt derselben Ausführung ohne jeden Aufpreis bekommt. Bezahlt wird damit kein Produktunterschied, sondern ausschließlich eine Position im Sitzplan.
Hinzu kommt ein Nebeneffekt, der in der Ankündigung nicht auftaucht. Weil die erste Reihe künftig gesondert bepreist ist, verschiebt sich die freie Auswahl für alle anderen Passagiere automatisch nach hinten – im Zweifel direkt an den Vorhang zur Economy Class. Wer nicht zahlt, sitzt also nicht nur nicht vorne, sondern tendenziell an der unruhigsten Stelle einer Kabine, für die er ohnehin schon einen erheblichen Aufschlag bezahlt hat.
Im Markt ist die Lufthansa Group nicht allein – aber auch kein Nachzügler
Am weitesten geht in Europa ohne Zweifel British Airways. In der Club Europe ist die Sitzplatzwahl grundsätzlich kostenpflichtig, und zwar für jede Reihe und nicht nur für die erste. Die Preise beginnen bei rund 14 Pfund pro Strecke und steigen je nach Verbindung deutlich an. Kostenlos wird die Auswahl erst 24 Stunden vor Abflug oder für Kunden mit Status im British Airways Club. Gemessen daran ist die Lufthansa Group mit ihrer Beschränkung auf die erste Reihe sogar zurückhaltend.

Bei Air France und KLM sieht die Sache anders aus, als es der verbreitete Eindruck vermuten lässt. Beide Airlines verlangen seit April 2023 zwar Sitzplatzgebühren in der Business Class, je nach Strecke zwischen 70 und 90 Euro – ausdrücklich aber nur auf der Langstrecke. Die europäische Kurz- und Mittelstrecke ist von der Regelung ausgenommen, dort bleibt die Sitzplatzwahl in der Air France Business Class auf der Kurzstrecke im Ticket enthalten. Wer Flying Blue Status hat, zahlt ohnehin nichts.
Der Trend zu bepreisten Sitzplätzen in der Business Class ist also real, aber er ist keineswegs so flächendeckend, wie es die Ankündigung aus Frankfurt suggeriert. Die Lufthansa Group orientiert sich mit dem First Row Seat an der restriktiveren Seite des Marktes, nicht an der kundenfreundlichen – und sie tut es in einem Segment, in dem der Sitz das schwächste Argument des gesamten Produkts ist.
Und der Blick auf ITA Airways zeigt, was dabei verloren geht. Von der Schwestergesellschaft übernimmt die Lufthansa Group das Etikett First Row Seat, nicht aber den Grund, der es dort trägt: In den A321LR ist die erste Reihe der Business Class tatsächlich der bessere Platz. Harmonisierung heißt in diesem Fall also, dass die Gebühr wandert und das Produkt zurückbleibt.
Bezahlen wird vor allem die Statusstufe darunter
Dass HON Circle Member und Senatoren ausgenommen sind, klingt großzügig, verschiebt aber nur die Frage. Denn der Frequent Traveller, die unterste Statusstufe bei Miles & More, geht leer aus. Getroffen wird damit ausgerechnet die Gruppe, die viel innerhalb Europas unterwegs ist, den Senator-Status aber noch nicht erreicht hat.

Aus Sicht der Airline hat das gleich zwei angenehme Effekte. Der Vielfliegerstatus gewinnt an Wert, ohne dass die Lufthansa Group dafür einen Cent investieren müsste – ein neuer Vorteil entsteht schlicht dadurch, dass er anderen weggenommen wird. Und der Rest zahlt vermutlich klaglos, weil ein Großteil der europäischen Business-Class-Tickets von Firmen bezahlt wird. Bei 29 Euro auf einem Ticket, das mehrere Hundert Euro kostet, prüft kaum jemand die Sinnhaftigkeit.
Genau das ist der unangenehme Teil der Rechnung. Eine Gebühr, die niemand ernsthaft hinterfragt, muss sich auch nicht rechtfertigen – und je besser sie funktioniert, desto wahrscheinlicher wird die nächste. Und je kleiner der Betrag, desto weniger muss sich die Gebühr überhaupt an einem Gegenwert messen lassen. Genau daran fehlt es hier.
Allegris zeigt, wohin die Reise geht
Wirklich neu ist der Gedanke nämlich nicht. Seit Dezember 2024 verlangt die Lufthansa Group auch innerhalb ihrer neuen Allegris Business Class Aufpreise, und zwar unabhängig vom gebuchten Tarif: Privacy Seat und Extra Long Bed kosten ab 100 Euro und je nach Zone bis zu 170 Euro, der Extra Space Seat startet bei 130 Euro und reicht bis 230 Euro, und für die Business Class Suite werden zwischen 400 und 600 Euro fällig.
In dieser Konsequenz steht die Lufthansa Group weltweit ziemlich allein da. Sitzplatzgebühren in der Business Class gibt es auch anderswo, aber keine andere große Airline staffelt ihr eigenes Business-Class-Produkt so weit auf, dass zwischen dem günstigsten und dem besten Sitz derselben Kabine ein dreistelliger Betrag liegt. Ob dieser Aufpreis für die Allegris Suite gerechtfertigt ist, haben wir an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert.
Zum Vergleich: Air France und KLM rufen auf der Langstrecke pauschal 70 bis 90 Euro auf, British Airways startet in der Club World bei rund 62 Pfund. Beide bepreisen damit die Sitzplatzwahl als solche, unabhängig davon, welcher Platz es am Ende wird. Die Lufthansa Group bepreist dagegen die Qualität des Sitzes und verlangt für die beste Variante bis zum Achtfachen dessen, was die Konkurrenz für irgendeinen Platz nimmt.

Bemerkenswert ist deshalb, was in der neuen First Class passiert ist: Dort hat die Lufthansa die Reservierungsgebühren wieder gestrichen, die Suite Plus lässt sich inzwischen ohne Zusatzkosten wählen. Die Aufpreislogik ist also verhandelbar – sie hält sich dort, wo Kunden sie hinnehmen, und verschwindet dort, wo das Segment sie nicht trägt.
Das eigentliche Problem ist nicht der Betrag
29 Euro tun niemandem weh, und genau deshalb wird die Gebühr vermutlich funktionieren. Interessanter als die Summe ist das Tempo: Zum 1. Juli 2026 hat die Lufthansa Group den Sitzplatzwechsel beim Check-in auf der Langstrecke bepreist, drei Wochen später folgten die neuen Kategorien auf der Kurzstrecke, und beides baut auf den Allegris-Gebühren von Dezember 2024 auf. Drei Schritte in gut anderthalb Jahren, immer nach demselben Muster: Was bisher zum Ticket gehörte, wird einzeln ausgepreist.
Für Passagiere bleibt daraus eine sehr praktische Konsequenz. Die erste Reihe der europäischen Business Class ist keine 29 Euro wert, und in vielen Fällen sitzt man in Reihe zwei schlicht besser – mit mehr Beinfreiheit, einer Ablage vor sich und etwas mehr Ruhe. Wer regelmäßig innerhalb Europas in der Business Class unterwegs ist, für den wird der Senator Status hingegen ein weiteres Stück wertvoller, zumindest sofern man gerne in der ersten Reihe ist. Das dürfte genau die Rechnung sein, die man in Frankfurt aufgemacht hat.
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Das schöne ist – wenn man mit dieser Airline einmal abgeschlossen hat, dann berührt einen so ein Käse nicht mehr. Gute Reise, Lufthansa.
Sehr treffend formuliert.
So kurios finde ich diese Gebühr gar nicht. Aus Sicht der Lufthansa sogar total logisch. Zum einen: solange Menschen bereit sind, für Sitze extra zu bezahlen, wird die Lufthansa versuchen, dieses Geld einzusammeln. Zum zweiten: so ganz ohne Aufwand seitens der Lufthansa wird die Liste der Vorteile der Senatoren und HON-Mitglieder länger. Ich persönlich meide die ersten zwei Reihen der Business in der Regel; von daher berührt mich diese neue Regelung überhaupt nicht.
C´est pas vrais! Die Liste der Vorteile für SENs und HONs wird nicht länger. Der Status Quo (keine Gebühr für die erst Reihe) ist unverändert. Das ist keine Verbesserung, das ist keine Verlängerung der Liste!
Durch die Öffnung des Zugriffs für Nicht-Statuskunden entstehen ganz im Gegenteil Nachteile für diese, wenn sie gerne in der First Row sitzen wollen.
Wenn ich viele ähnlich lautende Kommentare im Netz lese, muss ich feststellen, dass die Lufthansa ganze Arbeit geleistet hat beim Brainwashing, oder wie solch ich es interpretieren, wenn hier der Verstand offenbar ausgeschaltet wird?
Das Annullieren bestehenden Reservierungen und das Zurücksetzen von Statuskunden im wahrsten Sinne des Wortes ist der nächste Hammer, und noch nicht einmal eine entsprechende Information die Reservierung betreffend gab es!
Die erste Reihe mag ich persönlich gar nicht. Durch die Wand/Bulkhead fühle ich mich eingeengt, ich starre auf eine Wand direkt vor mir. Ab Reihe zwei habe ich mehr Space vor mir. Die Beinfreiheit in Reihe eins ist oft geringer, als wenn ich eine oder zwei Reihe(n) weiter hinten die Füße unter den Vordersitz ausstrecken kann. Nichts kann ich in der First Row unter dem Vordersitz verstauen, es gibt ja keinen. Der Tisch oder ein Monitor sind speziell konstruiert (und das ist nicht unbedingt gut), oft ist auch die Lehne zwischen den drei Sitzen anders, d. h. starrer oder wie eine Wand. Im Gepäckfach liegt über Reihe Eins regelmäßig irgendwelches Crew-Zeug herum. Der Vorteil beim Aussteigen dürfte nicht riesengroß sein im Vergleich zu Reihe zwei oder drei. Beim Service dürfte der Unterschied ähnlich gering ausfallen, wenn wir über die Reihen zwei bis vier reden.
Beim Thema Ab- und Einkassieren sind jetzt bei der Lufthansa Group alle Hemmungen gefallen. Mal sehen, was sie sich als nächstes ausdenken.
Alle meckern über Ryanair und ihre Preisforderungen. Lufthansa macht genau das, nur auf viel höherem Niveau! Ich nenne das Gewinnmaximierung auf höchstem Niveau!
Ich vermeide seit längerem die erste Reihe in der Business Class.
Langstrecke: Lärm und Gerede aus der Bordküche/Toiletten
Kurz-Mittelstrecke: Kein Handgepäck bei Start und Landung in der ersten Reihe.
In der Eco sieht dass dann schon anders aus (sofern nicht auch direkt hinter Küche/Toiletten). Oft in der ersten Reihe in Eco mehr Beinfreiheit als in der PremEco.
“…obwohl dort exakt derselbe Sitz steht wie zwei Reihen weiter hinten…” stimmt so nicht.
Ist der Tisch in der Armlehne verbaut wird der Sitz dadurch schmaler, der Platz zum Ausstrecken der Füße ist meist geringer als in Reihe 2,3…
Mich überrascht gar nichts mehr bei Lufthansa. Immer noch keine 748 oder 359 aus dem Bestand modernisiert aber weiter Zitronen auspressen. Dazu Sitzplatzgebühr für einen schlechten Sitz. Entrückt.
Die Liste von Estelle spricht für sich.
Das größte Problem ist für Senatoren, dass Mitreisende, die teils sogar FTL und in derselben Buchung sind, jetzt zahlen müssen, wenn man als Senator nicht allein in Reihe 1 sitzen will. Hinzu kommt, dass alle bestehenden Buchungen, willkürlich in Bezug auf die Sitzplätze, geändert wurden.
And here we go again… Kurios finde ich hier wenig. Erschreckend trifft es besser. Wo ist noch der Unterschied zu einem Low-Cost-Carrier? #DownwardSpiral
Korrekt, es gibt kaum objektive Vorteile der ersten Reihe. Der Fußraum ist in den narrow-bodies der LHG oft sogar geringer als in Reihe zwei: In der ersten Reihe muss man die Knie anwinkeln, in der zweiten Reihe kann man die Beine unter den Vordersitz ausstrecken.
Langsam wird es richtig peinlich!
Wie dringend benötigt die Lufthansa Geld?
Statuskunden mit Präferenz für die erste Reihe tuen diese Maßnahmen weh! Hier kannst Du sehen, was Lufthansa von ihren HONs und SENs hält!
Es gibt Berichte, dass nicht einmal einen Bestandsschutz für bestehende Buchungen/Reservierungen gibt, dass also (Status)Kunden einfach umgesetzt und sogar Familien in der ersten Reihe auseinandergerissen wurden.
Wenn man Reihe Eins in Zukunft verkaufen möchte, dann ist das eine Sache. Wenn Lufthansa und SWISS alle, die dort aktuell eine Reservierung haben, gerade aus Reihe eins rausschmeißen und ihnen die Sitze quasi und dem Hintern weg verhökern sollte, dann geht das gar nicht!
Ich fange mal an mit der Liste der Verschlechterungen bei der Lufthansa Group und Miles & More und bitte um Ergänzungen und ggf. um Korrekturen, sollten sich Fehler finden:
– Halbierte Statuslaufzeit
– Sitzplatzgebühren bei allen vernünftigen Sitzen in der Business Class und in der Economy Class
– Stark reduzierte Zahl der First Class Sitze und Buchbarkeit der Allegris First Class mit Meilen aktuell bei nahezu null, wie Du festgestellt hast
– Dynamik statt Planbarkeit bei Prämientickets
– Jederzeitige Möglichkeit, Meilenpreise für Award-Flüge im neuen System im Gegensatz zu früher ohne Ankündigung willkürlich weiter zu erhöhen (die eigentliche Bombe im „Loyalitätsprogramm“ Miles & More ist)
– Auch bei Prämienflügen weniger Meilen bei Abflügen im Ausland, d. h. mehr Meilen ab Deutschland und damit Benachteiligung von Kunden im DACH-Raum im Vergleich zum alten System
– Zusatzmeilen für flexible Prämientickets, denn im alten System war der Award-Tarif grundsätzlich Business Flex oder First Flex
– Wegfall der Flex Plus Tarife
– Absurde Zuschläge aka Fantasiegebühren („Internationaler Zuschlag“) bei Prämienflügen in Richtung Nordamerika
– Entwertung der eVoucher
– Entwertung der Buchungsgarantie für HONs
– Erhöhte Komplexität statt der angekündigten Vereinfachung
– …
Wenn man sich das alles vor Augen führt:
Wie verheerend!
Vielleicht werden diese drastischen Verschlechterungen jetzt weitere Personen vom Hocker bzw. von ihren Sitzplätzen hauen?
Die Liste der vermeintlichen oder echten Verbesserungen ist sehr überschaubar.
und trotzdem buchen wir die lufthansa group … manchmal sollte man mal vergleichen was andere Carrier bieten . der Artikel war sehr gut von Moritz finde ich .
Wer ist wir? Ich sage lieber etwas zu meinem Arbeitgeber, meiner Familie und mir. Beruflich und privat fliegen wir mehr als vor der Pandemie.
Irgendwann hatten wir u. a. keine Lust mehr auf ein 2-2-2 C-Relikt und eine Uralt-F. Die Allegris C hat mich dann nicht überzeugt, als sie endlich (vereinzelt) da war. Geflogen bin ich die C-Suite kurz nach der Einführung in meinem letzten Jahr als SEN, als noch keine Sitzplatzgebühren fällig wurden.
Die vielen Verschlechterungen in meiner Liste sprechen eine sehr, sehr klare Sprache.
Die Lufthansa Group hat den Anspruch, etwas ganz Besonderes zu sein, passt sich aber nur noch nach unten an andere Airlines an.
Bien. Dann fliegen wir eben mit anderen Airlines!
Meine Company weiß sehr genau, was sie seit 2024 für mich buchen darf und was nicht. Das handhaben die Kolleginnen und Kollegen ebenso, es wurden erhebliche Mittel verschoben, die früher an die Lufthansa Group gingen und jetzt bei anderen Airlines landen. Der Reputationsverlust und der Vertrauensverlust der Lufthansa Group und der Ärger über sie sind enorm, wenn ich mein Umfeld frage.
Privat richte ich bzw. richten wir die Flüge nicht mehr auf die Lufthansa Group aus. Letztlich habe ich das als Befreiung empfunden längst einen hohen Status in einer anderen Allianz eingeflogen, mein Mann bis Ende dieses Jahres.
Ich würde sagen es gibt schlecht informierte, phlegmatisch-gewohnheitsmäßig Lufthansa-Group buchende Privatreisende mit hoher Zahlungskraft, die leicht zufriedenzustellen und bei Neuerungen leicht zu begeistern sind.
Es gibt diejenigen, die direkt fliegen wollen oder müssen, es gibt Unternehmen, die ein komplett unfähiges Travel Management für Interkontinentalreise haben. Es gibt vielleicht noch diejenigen, die sich von der Bunt-Hansa angezogen fühlen und von irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen, auf denen die Group zu tanzen pflegt.
Und es gibt die Meilensammler, die ab und zu noch einen Sweetspot finden, insgesamt aber ebenso drastisch schlechter gestellt worden sind wie die Statuskunden.
Ob der Vielfliegerstatus durch diese Gebühren für die erste Reihe an Wert gewinnt, stelle ich in Frage.
Wie bisher zahlen HONs und SENs keine Gebühr. Gilt für Dich bei der Lufthansa keine Verschlechterung als Verbesserung?
Das ist die in höchstem Maße zweifelhafte Lufthansa-Logik, der Du hier folgst!
Eine Verschlechterung ist definitiv, dass jetzt Touristen den Statuskunden Plätze wegkaufen können. Die Verfügbarkeit der First Row sinkt, vorher hatten Touristen und gelegentlich Reisende gar keinen Zugriff auf die erste Reihe.
Lass mich abschließend das Gesamtbild reflektieren, hier sind die Verbesserungen bei der Lufthansa Group und Miles & More aus meiner Sicht:
Die Hardware in allen Klassen wurde erneuert (wenigstens in einigen Flugzeugen bisher) und ist natürlich verbessert. Das ist allerdings nichts anderes als ein längst überfälliger und viel zu später Schritt, nachdem jahrelang kaum das Nötigste getan wurde und die Konkurrenz weit vorbeigezogen ist. In den Service wurde investiert, in einige Lounges, beides ebenso zu spät, längst überfällig und nichts, was die Konkurrenz nicht längst gemacht hat.
Der einzige richtige Vorteil im neuen System sind die Points für die nachträgliche CO2-Kompensation (wenn diese Möglichkeit denn wiederkommt Ende des Jahres). Hier geht es allerdings wieder nicht um Kundeninteressen, sondern um das Greenwashing der Lufthansa Group.
Meine Zusammenfassung:
Die Vielfalt der Maßnahmen bei Lufthansa und Miles & More in relativ kurzer Zeit haben in meinen Augen nicht nur mit der (notwendigen) Profitabilität der Unternehmen zu tun:
Bei der Lufthansa geht es aktuell ganz sicher auch um Window-Dressing.
Zum fiktiven 100. Geburtstag sollen die Bilanz und GuV so positiv wie möglich dargestellt werden, koste es, was es wolle. Mit den Sitzplatzgebühren können schnell und unkompliziert Zusatzerlöse generiert werden.
Ob man dadurch langfristig Kunden vergrätzt und vergrault, die in den nächsten Jahren weniger oder nicht wieder buchen werden, ist da aktuell irrelevant. Der CEO ist nur noch zwei Jahre im Amt.
Miles & More testet ebenfalls, wie weit man mit ganz grundlegenden Verschlechterungen gehen kann, wenn einige Häppchen angeboten werden (mehr Points auf bestimmten Strecken in der PE, Points am Boden bei Marriott, eVoucher in Points tauschen, FTL mit Uptrip, zusätzlicher Gast für HONs in der Lounge) und wenn einige Sweetspots bei den Awards ins Schaufenster gestellt werden.
Das ist für mich im Gesamtbild nichts als Kosmetik und von geringer Relevanz:
Als würde man einem Zombie den Lipgloss auftragen, die Nägel machen und einen schicken Hut aufsetzen!
Lufthansa Group und Miles & More wandern auf einem schmalen Grat.
Nicht durchsetzen konnte man Stand jetzt offenbar die zusätzliche Gebühr für eine Fehlplanung namens Allegris Mittelsuite.
Für mich war der Ärger über viele Jahre (Flugausfälle, Verspätungen, Streiks, alte und defekte Sitze, Service) und natürlich die oben skizzierten massiven Verschlechterungen für Statuskunden ausschlaggebend, den SEN bereits im Jahr 2025 nicht mehr zu requalifizieren und nicht mehr Lufthansa-Group zu fliegen.
Durch diese Maßnahme fühle ich mich einmal mehr bestätigt, auch wenn ich die erste Reihe nicht mag.
outstanding comment I couldn’t have said it better