Seit dem 31. Juli legt die Miles & More Kreditkarte erstmals seit dem Bankwechsel etwas auf den Willkommensbonus drauf – und das ist die bessere Nachricht als die 100 Euro selbst.
Als die Deutsche Bank die Miles & More Kreditkarten im Oktober 2025 von der DKB übernommen hat, war die Erwartung entsprechend hoch: neuer Herausgeber, neue Mittel, neue Aktionen. Gekommen ist zunächst ein Wechselbonus für Umsteiger, danach der reguläre Neukundenbonus von 4.000 Meilen + 40 Points – und der lief seither unverändert durch, ohne dass je etwas obendrauf kam. Genau das ändert sich seit dem 31. Juli 2026 zum ersten Mal.
Was die DKB zuletzt ausgelobt hat – und was davon übrig ist
Wer den aktuellen Bonus einordnen will, muss ihn gegen die eigene Vergangenheit stellen. Zu DKB-Zeiten war die Miles & More Gold Kreditkarte regelmäßig eine der aggressivsten Meilenquellen im deutschen Markt. In der Aktion bis Ende Februar 2022 gab es für die private Gold Card bis zu 25.000 Meilen, für die Business-Variante bis zu 35.000 Meilen.

Der Höhepunkt kam im Januar und Februar 2023: 30.000 Meilen für die private Karte und bis zu 40.000 Meilen für die Business-Variante, aufgeteilt in 20.000 Meilen für die Beantragung und weitere 20.000 Meilen bei 3.000 Euro Umsatz. In ähnlicher Größenordnung wiederholte sich das im Sommer 2024 – es war die letzte große Aktion vor dem Bankwechsel.

Wie groß der Abstand wirklich ist, zeigt erst die Umrechnung in Euro. Nach unserer Bewertung des Meilenwerts ist eine Miles & More Meile bei geschickter Einlösung im August 2026 rund 1,7 Cent wert. Die 30.000 Meilen von damals entsprachen damit etwa 510 Euro, die heutigen 4.000 Meilen liegen bei rund 68 Euro. Für die Blue Credit Card mit 500 Meilen sind es noch knapp neun Euro.
Diese Lücke erklärt, warum die Karte in den vergangenen Monaten in kaum einer Empfehlung ganz oben stand. Sie erklärt aber auch, warum schon ein moderater Aufschlag Aufmerksamkeit verdient.
Miles & More Kreditkarte Gold
- Frequent Traveller Status bis 30. September 2026 für 650 Euro oder 80.000 Meilen erwerbbar
- Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
- 1 Miles & More je zwei Euro Umsatz sammeln
- Premiumversicherungen für Reisen & Mietwagen
- Zwei kostenfreie Abhebungen im Ausland pro Jahr
- Marriott Bonvoy Silver Elite Status inklusive
- Kostenloses Wolt+ inklusive doppelter Meilen
Der Lufthansa Gutschein rechnet das erste Jahr schön
Seit dem 31. Juli 2026 kommt für die Miles & More Gold Credit Card – privat wie Business – zusätzlich zu den 4.000 Meilen + 40 Points ein 100 Euro Lufthansa Gutschein dazu, zunächst befristet bis zum 31. August 2026. Die Karte kostet 11,50 Euro im Monat, also 138 Euro im Jahr. Zusammen mit dem Meilenwert steht dem ein Gegenwert von rund 168 Euro gegenüber – das erste Kartenjahr trägt sich damit rechnerisch selbst.

Der Gutschein ist allerdings kein Bargeld. Er ist nur auf lufthansa.com einlösbar, nur für grenzüberschreitende Flugbuchungen in Euro mit Abflug aus dem Euro-Währungsgebiet und nur auf Lufthansa-Flugnummern. Wer ihn ausgerechnet für die Steuern und Zuschläge einer Prämienbuchung einsetzen will, schaut in die Röhre – genau dafür ist er nicht vorgesehen. Immerhin gilt er bis zum 31. Dezember 2029 und lässt sich in Teilbeträgen nutzen.

Praktisch verschiebt der Gutschein damit den Charakter der Aktion. 4.000 Meilen allein tragen keine Prämienbuchung – sie sind Auffüllmasse für ein Konto, auf dem schon etwas liegt. 100 Euro auf einen Lufthansa Tarif sind dagegen sofort spürbar, auch für jemanden, der bei null anfängt. Für Einsteiger ist der Gutschein deshalb der wertvollere Teil des Pakets, für bestehende Meilensammler eher die Zugabe.
Nicht einmal im eigenen Lager ist die Karte vorn
Der ehrliche Vergleich fällt deutlich aus. American Express lobt für die Gold Card bis zu 50.000 Membership Rewards Punkte aus, für die Platinum Card bis zu 85.000 Punkte, jeweils gekoppelt an einen gestaffelten Mindestumsatz in den ersten sechs Monaten. Bei der Business Platinum Card stehen sogar 200.000 Punkte im Raum. Das sind Größenordnungen, in denen ein Willkommensbonus allein einen Langstreckenflug in der Business Class trägt.

Dazu kommt der strukturelle Vorteil, dass sich Membership Rewards Punkte zu mehreren Vielfliegerprogrammen transferieren lassen. Zu Miles & More allerdings nur über einen Umweg: Das Programm ist kein direkter Transferpartner von American Express in Deutschland, der Weg führt über Payback. Warum die Amex Neukundenaktionen 2026 unangefochten bleiben, haben wir an dieser Stelle bereits ausführlich beschrieben.
Den unbequemsten Vergleich liefert aber gar nicht American Express, sondern eine Karte aus dem eigenen Lager. Für die Eurowings Kreditkarte Premium gibt es derzeit 10.000 Miles & More Meilen – zweieinhalbmal so viel wie bei der Karte, die den Programmnamen trägt. Nötig sind dafür lediglich 100 Euro Umsatz in den ersten sechs Wochen, und die Karte kostet 99 Euro im Jahr, im ersten Jahr sogar nur 49,50 Euro.

Fair ist aber auch: Die Deutsche Bank spielt ein anderes Spiel. Amex verdient an Händlergebühren und einem hohen Kartenpreis und kann Boni entsprechend kalkulieren. Eine Co-Branding-Karte, deren Bonuswährung eingekauft werden muss, hat weniger Spielraum. Der Vergleich zeigt die Distanz, er erklärt sie aber nicht als Unwillen – die DKB hat über Jahre bewiesen, dass fünfstellige Boni auch in diesem Modell darstellbar sind.
Abseits des Bonus hat sich die Karte durchaus bewegt
Wer die Karte allein am Willkommensbonus misst, übersieht, dass die Leistungsseite in den vergangenen Monaten stiller, aber konsequenter ausgebaut wurde als die Aktionsseite. Zur Gold Credit Card gehört inzwischen eine dauerhaft kostenlose Wolt+ Mitgliedschaft im Wert von 4,99 Euro monatlich, dazu gibt es doppelte Meilen auf Wolt-Bestellungen. Über zwölf Monate gerechnet ist das rund 60 Euro wert – also mehr als die Hälfte des Gutscheins, nur eben jedes Jahr wieder.

Dazu kommt der Marriott Bonvoy Silver Elite Status, der ebenfalls für die private wie die Business-Variante der Gold Card gilt. Wer sich bis zum 16. September 2027 registriert und innerhalb von 90 Tagen acht bezahlte Nächte sammelt, kommt sogar auf Gold Elite. Das ist kein spektakulärer Hotelstatus, aber eine Leistung, die man bei einer Airline-Kreditkarte nicht selbstverständlich erwartet.
Und schließlich der Punkt, der für viele Meilensammler der eigentliche Grund für die Karte ist: Solange die Gold Credit Card aktiv ist, sind die Meilen im Miles & More Konto vor dem Verfall geschützt. Wer über Jahre auf eine große Einlösung spart, kauft mit den 138 Euro Jahrespreis vor allem diese Sicherheit – der Willkommensbonus ist in dieser Rechnung ohnehin nur die Zugabe.
Die Statusaktion ist kreativ, aber kein gutes Geschäft
Interessanter als der Gutschein selbst ist der Zeitpunkt. Nahezu parallel, seit dem 29. Juli 2026, können Inhaber der Miles & More Gold Credit Card den Frequent Traveller Status für 650 Euro oder 80.000 Meilen kaufen. Für ein Programm, das den Status sonst konsequent hinter erflogenen Points verteidigt, ist das ein bemerkenswerter Schritt – und ein Signal, dass die Karte wieder als Vertriebskanal ernst genommen wird.

Kreativ ist die Aktion, attraktiv ist sie nicht. Der Status läuft am 28. Februar 2027 aus, gekauft wird also gut ein halbes Jahr Frequent Traveller – die unterste Stufe im Programm, die vor allem Sitzplatzreservierung, mehr Freigepäck und Priority-Services bringt – der Lounge-Zugang hängt dagegen an Tarif und Strecke und gilt längst nicht überall. 650 Euro sind dafür sportlich. Wer mit Meilen zahlt, fährt noch schlechter: 80.000 Meilen entsprechen nach unserer Bewertung rund 1.360 Euro, also mehr als das Doppelte des Barpreises.
Ein Detail rettet die Rechnung immerhin teilweise: Nach dem Statuskauf wird die Gold Credit Card automatisch auf eine Lufthansa Frequent Traveller Credit Card umgestellt, und die kostet mit 5,41 Euro im Monat weniger als die Hälfte. Über ein Jahr sind das rund 73 Euro weniger Kartengebühr. Wie die Statuskreditkarten von Miles & More im Detail aussehen, haben wir separat aufgeschrieben.
Wer beides mitnehmen will, muss die Reihenfolge beachten: Willkommensbonus und Statusaktion setzen jeweils voraus, dass zum Zeitpunkt der Beantragung kein Vielfliegerstatus besteht. Erst die Karte beantragen, dann den Status kaufen – umgekehrt verfällt der Bonus. Die Einzelheiten stehen in unserer Meldung zum kaufbaren Frequent Traveller Status.
Warum die nächste Aktion größer ausfallen dürfte
Für Optimismus gibt es drei nüchterne Gründe. Erstens ist die Migration abgeschlossen. Zwischen Oktober 2025 und dem Frühjahr 2026 war die Deutsche Bank vor allem damit beschäftigt, Bestandskunden auf neue Karten zu heben – eine offensive Neukundenwerbung wäre in dieser Phase teuer und kontraproduktiv gewesen. Diese Bremse ist jetzt weg.
Zweitens zeigt der Gutschein, dass überhaupt ein Aktionsbudget existiert und dass man bereit ist, es einzusetzen. Der erste Schritt ist bei solchen Programmen erfahrungsgemäß der schwerste – er muss intern durchgerechnet, freigegeben und operativ abgebildet werden. Was einmal läuft, lässt sich beim nächsten Mal schneller und größer wiederholen.
Drittens ist der Wettbewerbsdruck real. Neben American Express drängen Revolut und N26 in das Premium-Segment, und mit der Eurowings Karte steht der stärkere Meilenbonus derzeit sogar innerhalb der Lufthansa Group. Eine Karte mit 138 Euro Jahrespreis und 4.000 Meilen Bonus gewinnt in diesem Umfeld dauerhaft keine Neukunden. Die Deutsche Bank hat mit der Lufthansa einen Partner, dessen Programm für viele Vielflieger ohnehin die erste Adresse ist – dieses Pfund liegt bislang ungenutzt herum.
Bis dahin gilt eine einfache Einordnung: Wer die Karte ohnehin wollte, fährt mit dem August-Fenster deutlich besser als in den zehn Monaten davor, weil der Gutschein den Kartenpreis des ersten Jahres nahezu ausgleicht. Wer dagegen auf einen fünfstelligen Meilenbonus wartet, wartet weiter – aber zum ersten Mal seit dem Bankwechsel mit einem konkreten Grund zur Hoffnung. Alle Konditionen im Detail haben wir in unserer Übersicht zum aktuellen Bonus festgehalten.





