Kaum nutzbar oder extrem attraktiv? Am Vielfliegerprogramm der Lufthansa Group scheiden sich die Geister. Doch wer Meilen auf den richtigen Strecken nutzt, kann enorm viel sparen!
Es ist nun mehr eine Weile her, dass Miles & More ein neues System zur Einlösung von Meilen vorgestellt hat. Das dynamische System sieht je nach Abflug- und Zielort unterschiedliche Preise vor, was zu teils kuriosen Preisunterschieden führt. Doch der Wert von Miles & More Meilen kann weiterhin ausgesprochen attraktiv sein, gerade wenn man vergleichend auf andere Vielfliegerprogramme oder flexible Punktewährungen blickt.
Hoher Gegenwert auf Strecken nach Afrika und Asien
Geht es um die Einlösung von Meilen, spielen mit Blick auf die vielen geschäftlichen, aber auch privaten Reisen, Ziele in Nordamerika oft eine besonders wichtige Rolle. Hier hat Miles & More unglücklicherweise schon vor den Umstellungen zum neuen System mit enorm hohen Zuschlägen die Einlösung von Meilen deutlich weniger attraktiv gemacht.
Auf Strecken in andere Weltregionen, also beispielsweise nach Südamerika, Afrika oder Asien, ist dasselbe nicht passiert. Nun sind die Zuschläge auf den längeren Strecken mit etwa 400 bis 500 Euro pro Richtung alles andere als niedrig, doch sie sind zumindest im Konkurrenzvergleich als moderat einzustufen.
Sie sind damit spürbar höher als noch vor einem Jahr, bleiben aber weit entfernt von dem, was auf der Nordatlantikroute fällig wird. Genau diese Zweiteilung zieht sich durch das gesamte Programm.
Relevant ist dieser Umstand besonders in Kombination mit den notwendigen Meilenwerten. Selbst bei einem Abflug beziehungsweise einer Landung in Deutschland zahlt man im günstigsten Light-Tarif in der Business Class etwa nach Hongkong, Bangkok oder Singapur zwischen rund 45.000 und 70.000 Meilen pro Person und Richtung. Wie sich Meilen und Zuschläge auf die einzelnen Ziele verteilen, zeigen drei Strecken, die wir zuletzt selbst durchgerechnet haben:
| Business Class ab Deutschland | Günstigster Award pro Richtung |
|---|---|
| Hongkong | ab 45.531 Meilen + rund 480 Euro |
| Bangkok | ab 59.594 Meilen + rund 475 Euro |
| Singapur | ab 68.949 Meilen + rund 390 Euro |
Die Tarifstruktur hat Miles & More dabei zuletzt umgebaut: Seit Ende Mai 2026 gibt es auch auf der Langstrecke einen Light-Tarif, im Juni sind aus Saver und Base die Tarife Comfort und Comfort Plus geworden. Günstiger geworden ist der Einstieg dadurch allerdings nicht: Die bisherigen Meilenwerte sind schlicht auf den neuen Light-Tarif gerutscht, der weniger Leistungen enthält. Sitzplatzreservierung kostet jetzt extra, eine Umbuchung 500 Euro, erstattet wird gar nicht mehr.
Günstiger ist es vielfach noch bei einem Abflug ab dem europäischen Ausland, wobei hier Kosten für einen Zubringer und natürlich auch der zusätzliche Aufwand zu bedenken sind.
Einfache Wege vom Meilen sammeln hin zu attraktiven Einlösungen
Eine Stärke von Miles & More gegenüber anderen Programmen ist dabei ebenfalls nicht zu vernachlässigen: einfache Wege zum Meilen sammeln. Das zeigt sich immer wieder, denn regelmäßig lässt sich das Konto im Rahmen von Bonusaktionen für rund 1,1 bis 1,2 Cent pro Meile auffüllen – mal für alle Mitglieder, häufig aber nur personalisiert für Neu- oder Bestandskunden. Möglich ist das sogar durch den indirekten Kauf von Miles & More Meilen.
Alternativ gibt es auch immer wieder spannende Aktionen rund um Zeitungen und Zeitschriften, etwa bei den Abonnements von Welt, F.A.Z. oder Focus. Auch dort liegt der Kurs regelmäßig bei rund 1,1 Cent pro Meile, was gut zeigt, dass es an Möglichkeiten für den günstigsten Einkauf von Meilen nicht fehlt.
Praktisch ist bei Miles & More zudem, dass anders als bei flexiblen Punktewährungen nicht erst ein Transfer zu Vielfliegerprogrammen notwendig ist. Vielmehr kann man die Meilen nach Gutschrift und Freigabe auf dem Konto direkt einlösen.
Möglich ist dies mittlerweile zudem in den allermeisten Fällen mobil, was bei passenden Verfügbarkeiten ermöglicht, dass man innerhalb von wenigen Minuten ein Prämienticket in der Tasche hat.
Dazu ist das Programm im Alltag spürbar bedienbarer geworden. Seit April 2026 lassen sich Award Flights online umbuchen, seit Mai auch online stornieren – beides ging zuvor nur über die Hotline. Mit ITA Airways ist im April 2026 zudem eine Airline mit eigenem Langstreckennetz zu Miles & More gekommen, deren Prämienflüge sich seither ebenfalls mit Meilen buchen lassen.
Wer regelmäßig sammeln will, ohne dafür zu fliegen, kommt an der Kreditkarte kaum vorbei. Eine Meile je zwei Euro Umsatz klingt unspektakulär, summiert sich über ein Jahr aber zu einem ordentlichen Grundstock – und mit der Gold Karte verfallen die Meilen überhaupt nicht mehr, was das Sammeln über Aktionen und Abonnements erst planbar macht.
Miles & More Kreditkarte Gold
- Frequent Traveller Status bis 30. September 2026 für 650 Euro oder 80.000 Meilen erwerbbar
- Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
- 1 Miles & More je zwei Euro Umsatz sammeln
- Premiumversicherungen für Reisen & Mietwagen
- Zwei kostenfreie Abhebungen im Ausland pro Jahr
- Marriott Bonvoy Silver Elite Status inklusive
- Kostenloses Wolt+ inklusive doppelter Meilen
Miles & More ist auf einigen Strecken konkurrenzlos günstig
Diese Faktoren spielen gerade in der Kombination mit dem hohen Wert von Miles & More Meilen eine entscheidende Rolle. So ergeben sich zumindest bei meiner Recherche immer wieder Fälle, in denen Miles & More konkurrenzlos günstige Einlösungen bietet.
Beispiel Hongkong: Für einen Flug ab Deutschland werden in der Business Class derzeit ab 45.531 Miles & More Meilen und rund 480 Euro an Zuschlägen pro Richtung aufgerufen. Macht für einen Hin- und Rückflug etwa 91.000 Meilen und knapp 1.000 Euro, während bezahlte Business Class Tickets auf dieser Strecke selbst mit flexiblen Reisedaten schnell 4.000 Euro kosten. Nach Bangkok geht es ab 59.594 Meilen pro Richtung los, und auch die Edelweiss Verbindungen nach Südafrika bleiben eine der attraktivsten Einlösungen im Programm.
Trotz umfangreicher Recherche und prall gefülltem Membership Rewards Konto konnte ich bei anderen Programmen nicht einmal im Ansatz vergleichbar günstige Tickets finden. Ob mehr als 150.000 Flying Blue Meilen, 240.000 Emirates Skywards Meilen oder zwischen 150.000 und 300.000 Qatar Airways Avios – auf vergleichbaren Langstrecken liegen schon die reinen Meilenwerte anderer Programme deutlich über Miles & More.
Damit aber nicht genug, denn auch bei den Zuschlägen ist Miles & More, zumindest außerhalb von Nordamerika, mindestens konkurrenzfähig. Ob dreimal so hohe Zuschläge bei Emirates oder bis zu 50 Prozent höhere bei Flying Blue – zu meinem eigenen Erstaunen hatte bei meiner Recherche sogar bei diesem Faktor Miles & More die Nase vorn.

Der Abstand ist seither sogar größer geworden. Emirates hat sein Award Chart im Mai 2026 erneut angehoben, Prämienflüge kosten dort nun rund 15 Prozent mehr Meilen. Air France und KLM wiederum haben ihre Zuschläge im März 2026 spürbar erhöht, in der Business Class teils um gut 40 Prozent. Miles & More steht außerhalb Nordamerikas also nicht deshalb so gut da, weil das Programm besser geworden wäre, sondern weil die Konkurrenz nachgezogen hat.
Dazu kommt ein Faktor, den vor einem halben Jahr niemand auf der Rechnung hatte: Die Golf-Drehkreuze sind seit Ende Februar 2026 nicht mehr verlässlich. Dubai, Doha und Abu Dhabi mussten ihren Betrieb zeitweise einstellen, im Juli folgten erneute Angriffe auf Kuwait und Bahrain samt EASA-Warnung. Emirates, Etihad und Qatar Airways fliegen inzwischen wieder weitgehend auf altem Niveau, doch wer eine Einlösung ein Jahr im Voraus plant, wägt das heute anders ab als früher.
Mit Status wird aus günstig konkurrenzlos
In der Rechnung oben fehlt noch der größte Hebel, den das Programm zu bieten hat: der Companion Award. Ab dem Senator Status nimmt man eine Begleitperson zum halben Meilenpreis mit. Im Bangkok-Beispiel zahlen zwei Personen für Hin- und Rückflug in der Business Class damit rund 178.800 statt gut 238.000 Meilen.
Genau daran scheitert der Vergleich mit den flexiblen Punktewährungen. Bei Flying Blue oder Skywards gibt es kein Gegenstück, das den Meilenpreis für die zweite Person derart drückt. Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Auf die Zuschläge wirkt der Companion Award nicht, die fallen für beide voll an, im Fall Bangkok also rund 1.900 Euro.

Der Haken daran ist der Status selbst. An den Senator kommt man nicht nebenbei, und seit der Umstellung auf Points zählt vor allem, was ein Ticket gekostet hat. Wer den Status hat, holt aus Miles & More mehr heraus als aus jedem Konkurrenzprogramm. Wer ihn nicht hat, merkt von diesem Vorteil nichts.
Ein Wermutstropfen bleibt: Die klassischen Meilenschnäppchen sind bei den Airlines der Lufthansa Group ersatzlos verschwunden, ein echter Nachfolger ist nie gekommen. Es gibt sie nur noch bei Partnern wie ITA Airways, LOT, Brussels Airlines, Eurowings, Croatia Airlines und Luxair – dort allerdings weiterhin zu sehr niedrigen Meilenwerten.
Verfügbarkeiten und Nordamerika bleiben als Probleme
Das beste Vielfliegerprogramm überhaupt also? So einfach ist es nicht, denn spätestens mit der Einführung des flexiblen Systems zur Einlösung von Miles & More Meilen ist das Programm selektiv extrem interessant geworden, hat aber gleichzeitig auch noch stärkere Schwächen entwickelt.
Das gilt besonders auf Flügen nach Nordamerika, bei denen die Verfügbarkeiten zwar gut sind, die Zuschläge aber teils abenteuerlich hoch anmuten. Nach der jüngsten Erhöhung im März 2026 liegen sie für einen Hin- und Rückflug in der Business Class bei mindestens 1.300 Euro, in der First Class sogar bei mindestens 1.400 Euro.
Bei Meilen-Upgrades, mit denen sich die hohen Zuschläge umgehen lassen, landet man derweil trotz Verfügbarkeiten für Prämienflüge auf der Warteliste. Immerhin lässt sich diese seit Februar 2026 online im eigenen Konto nutzen, statt wie zuvor nur telefonisch – am Ärgernis selbst ändert das nichts.
Beim Thema Verfügbarkeiten lohnt der genaue Blick mehr als die pauschale Kritik. Auf den großen Asienstrecken sieht es derzeit gut aus: Nach Bangkok und Singapur finden sich kurz-, mittel- und langfristig Plätze, nach Hongkong zumindest kurz- und mittelfristig, und die zurückgekehrte Kalenderansicht zeigt sie direkt in der Suche an.
Schwieriger wird es dort, wo ohnehin wenig geflogen wird. Nach Südafrika etwa braucht es intensives Suchen und das richtige Timing. Einfacher ist es auf, mittlerweile oftmals bei Meilenbuchung sehr attraktiven, Strecken innerhalb Europas.
Und das dynamische System dreht weiter an der Preisschraube, oft ohne dass es nach einer Preiserhöhung aussieht. Als die Lufthansa Group im März 2026 ihre neuen Light-Tarife eingeführt hat, ist der Basistarif als Rechengrundlage nach oben gerutscht, womit Business Class Awards auf vielen Strecken um mehrere tausend Meilen teurer wurden. Angekündigt wurde das nie.
Zuletzt ist auch das Bordprodukt in einigen Fällen noch weniger attraktiv als bei der Konkurrenz, hier geht es allerdings sichtbar voran: Allegris ist seit der Zertifizierung im März 2026 regulär buchbar und kommt im Winterflugplan auf acht weitere Strecken ab Frankfurt. Nur wird jede Verbesserung sofort bepreist: Die Allegris Suite kostet Aufpreis, und in den umgerüsteten Airbus A380 werden die besten Business Class Sitze ab dem 15. September 2026 für 170 Euro extra verkauft.
So lässt sich abschließend sagen: Miles & More ist im Jahr 2026 in einigen Fällen die mit Abstand attraktivste Option, lohnt sich deshalb aber noch lange nicht universell und für jeden.




