Seit anderthalb Jahren wartet die Branche auf das Condor Vielfliegerprogramm – und noch immer hat die Airline dem Platzhirsch Miles & More nichts entgegenzusetzen.

Andeutungen in Interviews, eine Markenregistrierung und jede Menge ungenutztes Potenzial: Als diese Kolumne im Februar 2025 erschien, schien die Ankündigung eines eigenen Condor Vielfliegerprogramms nur noch eine Frage von Monaten zu sein. Inzwischen ist klar, wie zäh sich das Projekt gestaltet – gestartet ist Condor Stripes bis heute nicht. Umso lohnender ist der Blick darauf, woran es hakt und wie ein Programm aussehen müsste, das gegen Miles & More bestehen kann.

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Warum verzögert sich der Start?

Sichtbar geworden ist das Programm bislang vor allem durch ein Versehen. Anfang 2026 lagen auf der Condor-Webseite kurzzeitig neunseitige Teilnahmebedingungen für Condor Stripes, datiert auf den 4. März 2026. Kurz darauf verschwand das Dokument wieder. Ein Startdatum hat die Airline bis heute nicht genannt.

Der Inhalt zeigt, wie weit die Planungen gediehen sind: Vorgesehen sind zwei Statuslevel, Silber und Gold, erreichbar über die Zahl qualifizierender Flüge statt über komplizierte Meilen- oder Umsatzschwellen. Angerechnet werden sollen ausschließlich von Condor selbst durchgeführte Flüge mit den Flugnummern DE0001 bis DE2999 und DE4000 bis DE4499. Die Vielfliegernummer muss dabei spätestens 48 Stunden vor Abflug in der Buchung hinterlegt sein.

Condor Vielfliegerprogramm Stripes Konzept
Condor-Chef Peter Gerber spricht von Konzeptprüfung

Besonders aufschlussreich ist die Launch-Promotion, die in den Bedingungen steht: Wer zwischen dem 4. März und dem 30. Juni 2026 fünf qualifizierende Condor-Flüge absolviert, sollte zum 1. Juli 2026 den Silber-Status erhalten, nach zehn weiteren Flügen Gold. Dieses Fenster ist längst verstrichen, ohne dass die Aktion je gelaufen wäre – ein deutlicheres Indiz für eine kurzfristige Verschiebung gibt es kaum.

Condor Vielfliegerprogramm Stripes Statuslevel
Meilen soll es nur auf Condor-eigenen Flügen geben

Condor selbst hält sich bedeckt und spricht offiziell nur von einer Konzeptprüfung: Die zeitweise online verfügbaren Bedingungen seien Teil dieser Prüfung und bedeuteten noch keine Einführung eines Kundenbindungsprogramms. Die Markenanmeldung für Stripes läuft dagegen bereits seit dem 7. Januar 2025 EU-weit für Kundenbindungs- und Bonusprogramme. Zwischen Markenschutz und Marktstart liegt bei Condor derzeit also vor allem Schweigen.

Der Eigentümerwechsel dürfte den Zeitplan bestimmen

Ein Grund für das Zögern dürfte allerdings weniger im Programm selbst liegen als in der Eigentümerstruktur. Der britische Finanzinvestor Attestor hält seit Mai 2021 die Mehrheit von 51 Prozent an Condor, die übrigen 49 Prozent liegen über die SG Luftfahrtgesellschaft bei Bund und Land Hessen. Eine Kaufoption auf diesen Anteil wurde damals bereits vereinbart, ziehen konnte Attestor sie aber erst, nachdem Condor den KfW-Kredit über 175 Millionen Euro vorzeitig zurückgezahlt hatte.

Condor Airbus in neuer Lackierung
Attestor steckte 250 Millionen Euro in die Flotte

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll die Option bis spätestens zum 30. September 2026 ausgeübt werden, Condor wäre dann vollständig in der Hand des Investors. Offiziell bestätigt hat das bislang niemand, weder Attestor noch Condor oder der Bund wollten sich dazu äußern. Bemerkenswert ist ohnehin weniger der Eigentümerwechsel selbst als das, was danach folgen soll: Attestor sucht einen strategischen Investor, der als Minderheitsgesellschafter einsteigt, idealerweise eine größere Airline oder Airline-Gruppe.

Condor Airbus beim Start
Ein Airline-Partner soll später einsteigen

Condor-Chef Peter Gerber hat dabei selbst Golf-Airlines und Turkish Airlines als denkbare Partner ins Spiel gebracht, während eine Beteiligung der Lufthansa kartellrechtlich kaum durchsetzbar wäre. Für Stripes ist das die entscheidende Randbedingung: Wer künftig mit am Tisch sitzt, redet darüber mit, mit welchen Airlines Condor Meilen tauscht und ob der Weg am Ende in eine Allianz führt. Ein eigenes Programm im Alleingang zu starten, während diese Frage offen ist, wäre ein Vorgriff auf eine Entscheidung, die Condor derzeit nicht allein trifft.

Hohe Erträge sind bei Loyalitätsprogrammen die Regel

Dass sich Loyalitätsprogramme für Fluggesellschaften lohnen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. In den Vereinigten Staaten machen einige Fluggesellschaften mit ihrem Vielfliegerprogramm sogar den Großteil der Gewinne. Keineswegs schlecht sieht auch die Bilanz von Miles & More sowie anderen Programmen in Europa aus. Dass Condor hier mit einem eigenen Ansatz beim Thema Loyalität neue Ertragsströme erschließen kann, steht entsprechend außer Frage.

Condor A321neo Sunshine
Ein Loyalitätsprogramm könnte Condor zusätzliche Einnahmen bescheren

Gleichzeitig ist aus dem schwierigen Kampf von airberlin und deren Programm topbonus gegen den Platzhirsch Lufthansa mit dem deutschlandweit bekannten Miles & More Programm bekannt, dass es nicht gerade einfach ist, Marktanteile zu gewinnen. Das gilt insbesondere deshalb, weil Miles & More bereits eine enorme Marktdurchdringung hat und zudem zahlreiche starke Partner in Deutschland hat.

Dennoch gibt es auch in Deutschland noch Potenzial für ein weiteres Vielfliegerprogramm, wenngleich dafür Partnerschaften wichtig wären. Das gilt etwa für eine Kreditkarte zum Meilen sammeln, die durch das hohe Ertragspotenzial sicherlich ein Muss für ein Condor Vielfliegerprogramm wäre. Denkbar könnte darüber hinaus auch eine Partnerschaft mit American Express Membership Rewards sein. Als Transferpartner für Inhaber von American Express Kreditkarten könnte die Airline direkt einen bestehenden Markt erschließen.

Condor Stripes bräuchte starke internationale Partner

Damit Condor mit dem Vielfliegerprogramm unter dem potenziellen Namen Stripes eine Chance gegen Miles & More hätte, sind zudem starke Partner unerlässlich. Das gilt im Inland genauso wie im Ausland. Für mögliche Kooperationspartner eines Condor Vielfliegerprogramms in Deutschland stellt sich dabei die Frage, wie viele Anbieter eine Exklusivklausel mit Miles & More haben. Bedenkt man eine zusätzliche Listung unter anderem auch bei Payback, dürften es zum Glück für Condor allerdings nicht allzu viele sein.

Payback App
Payback arbeitet bereits mit Miles & More zusammen

International sieht es dagegen komplexer aus, denn damit ein Loyalitätsprogramm im Reisekontext wirklich attraktiv ist, braucht es auch international starke Partner. Bei Flügen in aller Welt Meilen zu sammeln und einzulösen macht Vielfliegerprogramme so reizvoll und führt oft zu irrationalen Entscheidungen der Teilnehmer. Sollte Condor ohne größere Airline-Partner starten, wäre der Kampf gegen Miles & More kaum zu gewinnen, wären doch die Sammel- und noch mehr die Einlöse-Möglichkeiten vergleichsweise stark eingeschränkt.

Der einfachste Weg für Condor dürfte hier über eine internationale Allianz führen, wobei im Grunde nur oneworld infrage kommen dürfte. Die Star Alliance fällt durch die Lufthansa-Dominanz raus und SkyTeam wird mit dem starken Mitglied Air France-KLM keinen weiteren Partner in Zentraleuropa akzeptieren. Mit Blick darauf, dass airberlin einst ebenfalls ein oneworld-Mitglied war, stehen die Chancen hier vergleichsweise gut. Hoffnung macht zudem, dass oneworld mit Alaska Airlines längst ein Mitglied aufgenommen hat, das einem bestehenden Partner direkt Konkurrenz macht – trotz der starken Überschneidung im Streckennetz zu American Airlines. British Airways könnte eine Condor-Präsenz in der Allianz also durchaus akzeptieren.

Oneworld Allianz
Condor könnte Alaska Airlines in die oneworld Allianz folgen

Eine Alternative wäre ein Programm nach dem Vorbild des früheren Alaska MileagePlan – zahlreiche weltweite Partnerschaften außerhalb der großen Allianzen inklusive. Dazu würde passen, dass Condor schon jetzt eng mit Alaska Airlines zusammenarbeitet. Nur taugt dieses Vorbild immer weniger: Alaska ist inzwischen bei oneworld angedockt und hat den MileagePlan im August 2025 in Atmos Rewards überführt. Der Weg über eine Allianz erscheint damit auch für Condor der tragfähigere.

Einfache Wege zum Status sind ein Muss

Dass Condor für ein eigenes Loyalitätsprogramm noch viele Vorbereitungen treffen muss, dürfte keine Überraschung sein. Die Details der Programme und auch die technischen Mechanismen sind alles andere als einfach und werden mit der Einbindung von zusätzlichen (internationalen) Partnern nicht gerade einfacher. Gleichzeitig gilt es, ein Vielfliegerprogramm zu erdenken, das zugleich einfach zugänglich ist und zum anderen durch eine hohe Attraktivität dazu führt, dass Verbraucher sich für Condor Stripes und gegen Lufthansa Miles & More entscheiden.

Möglich wird das wohl nur dann, wenn das Programm von Condor von Anfang durch attraktivere Bedingungen besticht. Bei einem potenziellen Statusprogramm wäre es etwa ein Muss, dass der Weg zum Status deutlich einfacher ist als bei Miles & More, hat die Condor doch ein viel kleineres Streckennetz und damit signifikant weniger Möglichkeiten zum Meilen sammeln. Je nach internationalen Partnerschaften könnte dies zwar gemindert werden, allerdings dürfte Condor einen Weg aufzeigen, wie man mit deutlich weniger Flügen als bei Miles & More zu einem Status mit relevanten Vorteilen kommt.

Business Class Condor A330neo
Condor müsste mit seinem Vielfliegerprogramm bessere Bedingungen bieten

Durch das Angebot der Business Class auf eigenen Flügen ist es voraussichtlich auch etwas einfacher, bestehende Verträge, etwa für die Fast Lane oder die Lounges, auch auf Vielflieger zu erweitern. Bleiben die Möglichkeiten zum Meilen sammeln und Meilen einlösen: Hier könnte Condor kreativ werden, etwa mit der Möglichkeit, Statusmeilen auch mit Kreditkartenumsätzen zu sammeln. Denkbar wären auch attraktive Promotions nach dem Vorbild der Meilenschnäppchen.

Der Kreativität sind dabei wohl kaum Grenzen gesetzt. Erwarten darf man auch durchaus viel, denn seit dem Weg in die Unabhängigkeit hat Condor viel richtig gemacht. Vom Business Class Produkt über den generellen Service bis zum Streckennetz hat die Airline in den vergangenen Jahren viele überrascht – auch die Lufthansa. Mit einem eigenen Loyalitätsprogramm könnte das erneut gelingen. Nur muss es dafür irgendwann auch einmal starten.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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