Mit einem Priority Pass kostenfrei in Flughafen-Lounges zu kommen – daran haben sich viele gewöhnt. Doch bei immer mehr Lounges versucht der Anbieter zusätzliches Geld herauszuholen.
Dass sich Kreditkarten mit Lounge-Zugang wie die American Express Platinum Card in den vergangenen Jahren auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit erfreuen, ist keine allzu große Neuigkeit. In der Regel spielt dabei ein Partner eine entscheidende Rolle: Priority Pass. Doch gerade dessen Versprechen, Inhabern kostenlosen Zugang zu Lounges zu geben, wankt. Das zeigen sowohl eine massive Erweiterung der Lounges mit kostenpflichtiger Vorausbuchungsmöglichkeit als auch ein spezieller Präzedenzfall.
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Nur mit Eintrittspreis in die Lounge trotz Priority Pass
Seit vergangenem Jahr gibt es mit dem Virgin Atlantic Clubhouse in Los Angeles nämlich eine ganz spezielle Lounge im Netzwerk, die gleichzeitig auch noch die einzige des Netzwerks im wichtigen Tom Bradley International Airport ist. Wie auf der Priority Pass Webseite, immerhin sehr transparent, kommuniziert wird, fällt eine Gebühr von 35 US-Dollar zusätzlich zu einer bereits vorhandenen Priority Pass Mitgliedschaft an.
Hierbei handelt es sich um ein Novum, denn eine faktische Gebühr für diejenigen mit einer Prestige-Mitgliedschaft, die unbegrenzt viele kostenlose Zugänge zu Priority Pass Lounges bringt, gibt es bislang noch in keiner anderen klassischen Flughafen-Lounge im Netzwerk.
Konkret müssen damit all diejenigen, die entweder bereits direkt für die Mitgliedschaft bei Priority Pass bezahlen oder diese durch eine Kreditkarte mit Loungezugang wie die American Express Platinum Card haben, noch einmal zusätzlich draufzahlen, um den Komfort der Lounge zu genießen.
Das Problem daran: Eine solche Ausnahme wird fraglos Nachahmer finden, wodurch sich der Wert eines Priority Pass grundlegend verändern könnte. Immerhin: Ein gutes Jahr später zeigt sich noch kein großer Trend in Richtung Lounges mit Aufpreis.
Kosten die guten Lounges zukünftig alle extra?
Dass man für ebendiese Lounge in Los Angeles eine Ausnahme geschaffen hat, mag auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen. Bislang hat Priority Pass kein Angebot im wichtigen internationalen Terminal, und das Virgin Atlantic Clubhouse ist tatsächlich deutlich besser als eine durchschnittliche Flughafen-Lounge.
Das beginnt bei der Verpflegung, es gibt doch diverse warme und kalte Gerichte in hoher Qualität und zum Beispiel auch Cocktails, und endet bei der hochwertigen Einrichtung, die unter anderem tolle Duschen und sogar ein Kino umschließt.
Gleichzeitig allerdings gibt es seit jeher massive Unterschiede bei Priority Pass Lounges, von denen einige kaum einen Besuch wert sind, während wieder andere ein wirklich tolles Angebot bieten. Kurioserweise vergibt Priority Pass sogar selbst Awards für die besten Lounges des Jahres. Eben jene hätten also die besten Argumente, Priority Pass Inhabern zukünftig ebenfalls eine zusätzliche Gebühr für den Zugang in Rechnung zu stellen.
Nun mag die Klassifizierung teils zweifelhaft sein, erinnere ich mich doch eher mit Grauen an meine Aufenthalte in einer der Gewinner-Lounges. Doch die Logik bleibt: Wenn anderen Lounges ermöglicht wird, eine Zusatzgebühr zu nehmen, warum sollten sich dem nicht auch die tatsächlich qualitativ besseren Lounges im Priority Pass Netzwerk anschließen? Kostenfrei bliebe dann langfristig nur noch der Zugang zu den schlechten Lounges.
Zusatzgebühren erhebt Priority Pass auch auf anderen Wegen
Lounges mit direktem Aufpreis sind allerdings nicht das einzige Thema, das ein gewisses Dilemma rund um den Priority Pass zeigt. So existieren immer mehr Lounges, die ihre Zugangszeiten einschränken oder die aufgrund der Zahl an Gästen nur noch selten mit Priority Pass zugänglich sind – gerade in Nordamerika ist dieses Phänomen immer öfter zu beobachten, aber auch in Berlin sind Warteschlangen längst nicht mehr ungewöhnlich.
Dazu kommt, dass Priority Pass aktiv das System kostenpflichtiger Reservierungen für den Lounge-Zugang ausbaut. Wer sicher in die Lounge kommen möchte, soll zukünftig im Voraus einen kleinen Obolus zusätzlich bezahlen, um dann nicht mit allen anderen warten zu müssen. Zuletzt wurde dieses System auch auf den deutschen Markt ausgeweitet.

All das deutet allerdings auf ein Dilemma von Priority Pass hin, denn der Anbieter wird gemeinsam mit seinen Partnern zum Opfer seines eigenen Erfolgs. Dadurch, dass immer mehr Menschen die Zugangskarte haben und das Netzwerk an Lounges weniger schnell wächst, wird es in den Lounges immer voller. So nimmt die Qualität ab und alternative Konzepte müssen erdacht werden.
Begonnen hat das etwa mit den Priority Pass Restaurants, die wiederum nicht von allen Mitgliedern genutzt werden können. Ein weiterer Schritt sind die Reservierungsmöglichkeiten, die sich langsam etablieren und zum Standard werden könnten – auch über die USA und Großbritannien hinaus. Einen wirklich kostenlosen Lounge-Zugang gäbe es dann nur noch in manchen Fällen, was die Grundfesten der Mitgliedschaft erschüttert.
Mit Blick auf die wachsende Nachfrage wird Priority Pass vermeintlich aber auch nichts anderes übrig bleiben, als eine weitere Differenzierung von Lounges vorzunehmen und sich zusätzlichen Gebühren von Loungebetreibern zu öffnen.
Dem Anbieter selbst dürfte das nur recht sein, denn einerseits verdient Priority Pass an immer mehr Mitgliedschaften, auch über Bankpartner, gut. Gleichzeitig betreibt die Muttergesellschaft Collinson auch selbst viele Lounges und profitiert damit von Zusatzgebühren und mehr Nachfrage doppelt – in die Röhre schauen dagegen die Kunden, die für dieselbe Leistung zukünftig extra bezahlen müssen.






Etwas anders aber trotzdem nicht schön. In MUC besteht zu gewissen Zeiten kein Zugang zur Lounge.
war gerade in PPT und SFO – überall deutsche priority durch deutschen AMEX -abgelehnt!
Hallo Natalia,
danke für den Hinweis. Wir gehen der Sache gerne nach und melden uns zeitnah mit einer Antwort bei dir.
hi! War gerade auf Papeette/ Polynesia und dann in SFO – überall wurde priority Pass abgeleht / am Lesegerät war auch NO/ dann mit anderen Gerätchen – NO/ -mit der Begründung dass es um die deutschen AMEX handelt – wass soll das denn? Ich hätte gerne eine Erklärung haben, falls jemand Bescheid weiss?
Hallo Vladimir,
danke für den Hinweis. Wir haken da gerne einmal nach und melden uns zeitnah mit einer Antwort bei dir.
In PPT gibt es gar keine Priority Pass Lounge mehr.
Hallo Dennis, vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist korrekt, in PPT gibt es bei Priority Pass nur das Restaurant Bar L’Aviation. Hier kommt erschwerend hinzu, dass dies nur mit dem “normalen” Priority Pass nutzbar ist, jedoch nicht mit dem Priority Pass via Amex. Viele Grüße
Hallo Vladimir, vielen Dank für Deinen Kommentar und die Frage. In PPT gibt es keine Lounge mehr, die mittels Amex Priority Pass genutzt werden kann. Dort kannst Du lediglich das Restaurant Bar L’Aviation nutzen. Ebenso verhält sich das an anderen Flughäfen, wo wir Dir empfehlen vorab in der Priority Pass App zu schauen, welche Lounges die als verfügbar sowie nutzbar angezeigt werden. In der App ist automatisch Dein Amex Priority Pass Zugang hinterlegt, da ist die Auswahl bereits vorsortiert. So auch die eingeschränkte Auswahl bei SFO, dort stehen “echte” Lounges Dir nur im International Terminal A zur Verfügung. Wir hoffen das hilft Dir weiter. Viele Grüße
Hallo,
zahlen dann Standard Mitglieder auch 30 Euro oder ca 60 Euro?
Hallo Markus, vielen Dank für deinen Kommentar. In der Ankündigung von Facebook (https://www.facebook.com/prioritypasscommunity/posts/pfbid0DSStjzUkE1Gky6btv6x5yMhgvmnQGdtVgRa7UfsZLbDW44dWTpQzWACmezimgr4bl?rdid=lwslaJ06LVT2Nx9A#) wird insgesamt von einer Gebühr von ca. 30 Euro gesprochen. Ansonsten würden wir dir raten, dich noch einmal mit dem Kundenservice in Verbindung zu setzen und spezifisch nachzufragen. Viele Grüße und ein schönes Wochenende!
Es gab ohnehin inflationär Statuskunden, die deutlich spürbar die Lounges überfordert bzw. schlichtweg überfüllt haben. Das sich Airlines da was überlegen müssen, ist mehr als logisch und konsequent. Lufthansa hat dazu das Punkteprogramm umgestellt und schränkt den Zugang ein. andere Airlines geben nur noch vollen Status und Service bei Selbstzahler in First Class und in Ausnahmen bei Business. Eins ist klar, diese Credit Card Nummer war von Anfang an falsch aufgebaut und jetzt ist weder Lounge, noch der Status allgemein, kaum noch was Wert. Beispiel LH FCT in Frankfurt. Einst war es der Olymp und etwas Besonderes. Schon vor der Lock down Nummer hatte sowohl Service, als auch Ansehen und genießbae Ruhe abgenommen. Nach der Pandemie war der Service stark reduziert und die Lounge ständig unangenehm überfüllt. das führte dazu, dass viele First Cunsumer auf andere Airports ausweichen und sogar auf andere Airlines. Damit einher ging die spürbare Abwertung des HON. Der war für berufliche Vielflieger und Primium Kunden etwas sehr Besonderes, doch aktuell sind auf machen Flügen mehr HONs als Fluggäste ohne Status. Man muss ja schon notgedrungen den Charter Jet nutzen, um wieder seinen gewohnten Service und entspannte Atmosphäre aus den 90er-2000er Jahren zu bekommen.
Eine ähnliche Regelung gibt es bei Priority Pass bereits für Chase Sapphire Lounges: Man darf einmal im Jahr die Chase Sapphire Lounge kostenlos nutzen, darüber hinaus muss man pro Besuch USD 75 zahlen.
Spannend. Ich könnte mir vorstellen, dass wir auch hier Verschlechterungen sehen werden.
Ansonsten bin ich dafür, dass man mit dem Priority Pass / Amex Platinum nicht mehr in die LH Senator Lounges kommt.
Hi Moritz, tatsächlich ist das nicht die einzige Lounge mit einer solchen Gebühr im Priority Pass Netzwek – in Manchester gibt es auch eine. Besonders luxuriöse Lounges ist wahrscheinlich die Begründung…