Der Priority Pass verspricht kostenlosen Zugang zu Flughafen-Lounges. Inzwischen hängen an immer mehr Türen aber Aufpreise, Zeitfenster und Reservierungsgebühren – und in den USA verlassen ausgerechnet die attraktivsten Lounges das Netzwerk ganz.
Dass Kreditkarten mit Lounge-Zugang auch in Deutschland seit Jahren beliebter werden, ist keine Neuigkeit. Fast immer steckt derselbe Partner dahinter, und fast immer lautet das Verkaufsargument gleich: unbegrenzt und ohne Zusatzkosten in die Lounge. Genau dieses Versprechen ist in den vergangenen Monaten an mehreren Stellen gleichzeitig aufgeweicht worden – nicht mit einem großen Schnitt, sondern in vielen kleinen Schritten, die einzeln kaum auffallen.
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Der Aufpreis an der Lounge-Tür ist zur eigenen Kategorie geworden
Den Anfang machte das Virgin Atlantic Clubhouse in Los Angeles. Die Lounge im Tom Bradley International Terminal ist seit dem Frühjahr 2025 im Netzwerk von Priority Pass – allerdings nur gegen einen Aufpreis von 35 US-Dollar pro Person, zusätzlich zur bestehenden Mitgliedschaft. Für Inhaber einer Prestige-Mitgliedschaft, die eigentlich unbegrenzt viele Besuche ohne Zuzahlung umfasst, war das ein Novum.
Bemerkenswert ist, was seitdem daraus geworden ist: Im Verzeichnis heißt die Lounge inzwischen offiziell “Virgin Atlantic Clubhouse – Additional Fee Applies”. Aus der Ausnahme ist ein Namenszusatz geworden, also eine Kategorie, in die sich weitere Häuser einsortieren lassen. Dazu kommt eine zweite Einschränkung, die im Frühjahr 2025 noch keine Rolle spielte: Priority Pass Gäste kommen dort nur noch zwischen 8 und 17 Uhr sowie zwischen 20 und 23 Uhr hinein – also genau dann, wenn in der Lounge ohnehin wenig los ist.
Nachvollziehbar ist das durchaus, denn das Clubhouse ist deutlich besser als die durchschnittliche Flughafen-Lounge: warme Gerichte in ordentlicher Qualität, Cocktails, hochwertige Einrichtung, sogar ein kleines Kino. Nur trägt diese Logik weiter, als es dem Anbieter lieb sein kann. Qualitätsunterschiede gibt es im Netzwerk seit jeher, und Priority Pass vergibt sogar selbst Awards für die besten Lounges des Jahres. Eben jene Häuser haben nun ein Argument in der Hand, das ihnen vorher fehlte.
In den USA verlassen die besten Lounges das Netzwerk ganz
Seit Mitte August lässt sich die Entwicklung an einem harten Datum festmachen. Die neun Chase Sapphire Lounges in den USA – gemeinhin als die stärksten Kreditkarten-Lounges des Landes gehandelt – sind zum 15. August 2026 aus dem Priority Pass Netzwerk ausgestiegen. Vorher gab es dort einen Besuch pro Jahr ohne Zuzahlung, jeder weitere kostete 75 US-Dollar. Beides ist ersatzlos entfallen, der Zugang bleibt den eigenen Kreditkartenkunden vorbehalten.
Ein Einzelfall ist das nicht. Auch die Plaza Premium Lounge im Terminal D von Dallas hat das Netzwerk im Juni 2026 wieder verlassen, wenige Monate nach der Eröffnung. Und dort, wo Lounges bleiben, wird das Angebot leiser ausgedünnt: Seit Juli 2026 ist die Dusche in mehreren Häusern nicht mehr im Zugang enthalten, in den Virgin Atlantic Clubhouses in New York, San Francisco und Washington kostet sie 15 US-Dollar extra. Das sind für sich genommen kleine Beträge – sie verschieben das Versprechen aber von “alles inklusive” zu “Eintritt inklusive, der Rest nach Preisliste”.
Wichtig ist mir dabei die Einordnung: Außerhalb der USA sieht das Bild deutlich anders aus. Plaza Premium ist 2023 mit mehr als 60 Lounges ins Netzwerk zurückgekehrt, und fast alle davon liegen außerhalb der Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland wächst das Angebot: In Frankfurt kam zuletzt eine neue Priority Pass Lounge im Terminal 3 dazu. Ein europäisches Gegenstück zum Chase-Ausstieg gibt es bislang nicht. Entwarnung ist das trotzdem keine: Was in den USA beginnt, kommt hier erfahrungsgemäß mit ein bis zwei Jahren Verzögerung an.
Priority Pass wird zum Opfer des eigenen Erfolgs
Ein Beispiel dafür liefert der Anbieter bereits selbst, denn Aufpreise an der Tür sind nur eine von mehreren Stellschrauben. Immer mehr Lounges schränken ihre Zugangszeiten ein oder lassen bei hoher Auslastung gar keine Priority Pass Gäste mehr hinein – in Nordamerika ist das längst Alltag, aber auch in Berlin sind Warteschlangen keine Ausnahme mehr. Parallel baut der Anbieter das System kostenpflichtiger Reservierungen aus, das inzwischen auch in Deutschland angekommen ist: Wer sicher hineinkommen möchte, zahlt vorab einen kleinen Betrag und muss dann nicht mit allen anderen warten.

Dahinter steckt ein Dilemma, das der Anbieter nicht allein verschuldet hat. Weil immer mehr Karten den Zugang mitbringen, wächst die Zahl der Berechtigten schneller als das Lounge-Netz. Die Folge sind volle Räume, sinkende Qualität und Betreiber, die für denselben Pauschalbetrag immer mehr Gäste bewirten sollen. Reservierungen, Zeitfenster und Aufpreise sind aus deren Sicht keine Abzocke, sondern die einzigen Hebel, die ihnen bleiben.
Bequem ist die Lage trotzdem vor allem für einen: Priority Pass verdient an immer mehr Mitgliedschaften, auch über Bankpartner, und die Muttergesellschaft Collinson betreibt selbst zahlreiche Lounges – profitiert also an beiden Enden. In die Röhre schauen die Kunden, die sich für eine Kreditkarte mit Lounge-Zugang auch wegen dieses Vorteils entschieden haben und nun vor der Tür nachrechnen müssen.
Mein Fazit fällt deshalb unspektakulär aus, wird aber von Monat zu Monat wichtiger: Vor der Reise lohnt sich der kurze Blick in die App, was für die konkrete Lounge gilt. Für Inhaber einer American Express Platinum Card und ähnlicher Karten bleibt der Priority Pass ein guter Deal, in Europa ohnehin – nur ist er kein Freifahrtschein mehr, sondern ein Zugang mit Fußnoten. Wer das einkalkuliert, erlebt an der Lounge-Tür keine Überraschung.
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Was ist mit der Alternative Dragonpass ?
Das Problem ist nicht nur am Priority Pass, sondern auch der Anzahl im Umlauf befindlichen, ehemaligen “Premium Kreditkarten”. In den USA hat fast jeder eine Amex Platinum, Aspire oder eine Chase Saphire, oder sogar alle zusammen. Noch in den 90er Jahren galt eine Platin Amex, als etwas seltenes, das man auch nicht so einfach bekommen konnte. Heut bekommt jeder Student schon eine Platin Amex und durch die steigende Anzahl an Nutzer verlieren einerseits die Punkte immer mehr an Wert und andererseits wächst Anzahl der Priority Pass Mitgliedschaften immer weiter. Vor 12 Jahren waren überfüllte Lounges an Flughäfen ein relativ seltenes Phänomen. In den USA tummeln sich heutzutage gefühlt mehr Leute in den Lounges, als in den Terminals. Aber das führt dann entsprechend zu den in der Kolumne genannten Leistungskürzungen und Entwertungen. Das ist dann eben die Kehrseite, wenn man die Kreditkarten immer stärker in Umlauf bringt, wozu diese Seite hier auch ihren starken Beitrag leistet.
Genau richtig Ralf. Meine Platinum Karte bekam ich 1999 nur auf Einladung von AmEx. Und nur weil ich seit dem ich Mitglied bin (1997) sehr viel Umsatz gemacht hatte.
Heute beantragt man die einfach so.