Die Lufthansa hat ihre Miles & More Meilenschnäppchen vor fast anderthalb Jahren gestrichen – die besten Angebote nach New York kommen seither von LOT.

Früher haben Meilensammler zum Monatswechsel auf die neuen Meilenschnäppchen gewartet wie auf ein kleines Weihnachtsfest. Bei Lufthansa, Swiss und Austrian ist dieses Ritual seit Juni 2025 Geschichte, bei Discover Airlines seit März 2026. Geblieben sind die Meilenschnäppchen ausgerechnet bei den Airlines, die nicht im dynamischen System der Lufthansa Group stecken – und dort sind sie inzwischen besser als alles, was die Kernmarke ihren eigenen Sammlern bietet.

Die Lufthansa hat ihre Meilenschnäppchen ersatzlos gestrichen

Am 3. Juni 2025 war Schluss: Seitdem gibt es bei Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Lufthansa City keine Meilenschnäppchen mehr, Prämienflüge kosten dort je nach Termin dynamisch unterschiedlich viele Meilen. Miles & More hatte zum Abschied “besonders attraktive Angebote” versprochen, die laufend beobachtet und ergänzt werden sollten. Gemessen an diesem Versprechen fällt die Bilanz ernüchternd aus.

Lufthansa Airbus A
Lufthansa Airbus A350 am Flughafen München

Im März 2026 kam Discover Airlines hinzu. Seither gilt auch bei der Ferienfliegertochter das dynamische System, die Februar-Ausgabe ihrer Meilenschnäppchen war die letzte. Damit ist die letzte Konzernairline mit eigenen Ferienzielen auf der Langstrecke aus dem Format ausgestiegen, das bei Sammlern über Jahre zu den beliebtesten Einlösungen gehörte.

Einen Nachfolger, der diesen Namen verdient, hat die Lufthansa bis heute nicht geliefert. Selbst die Flex Plus Prämie, mit der sich die Zuschläge früher gegen zusätzliche Meilen drücken ließen, ist nicht zurückgekehrt. Wer bei der Kernmarke ein Schnäppchen sucht, muss es inzwischen selbst im dynamischen System finden – mit dem richtigen Abflughafen, viel Flexibilität und noch mehr Geduld.

Die Award Flight Favoriten sind eine Liste und kein Angebot

Als Ersatz gibt es seit Juli 2025 die Award Flight Favoriten, anfangs noch als Award Flight Highlights bekannt. Die erste Ausgabe erschien für den August 2025. Die Idee: Miles & More hebt jeden Monat günstige Prämienflüge aus dem dynamischen System hervor, sortiert nach Abflughafen. Zubringer sind dabei nicht vorgesehen, und die meisten Beispiele gelten in der Economy Class, meist im Light-Tarif.

Das Problem ist der Name. Ein Favorit ist kein Rabatt, sondern ein Preis, den das dynamische System an diesem Tag ohnehin verlangt. Unsere Recherchen haben schon in den ersten Monaten gezeigt, dass dieselben Strecken auch vor und nach der Hervorhebung zum identischen Meilenwert buchbar waren. Miles & More markiert also günstige Termine, senkt aber keinen einzigen Preis.

New York Skyline
Die Skyline von New York mit Brücke

Für Sammler ist das mehr als eine Petitesse. Die alten Meilenschnäppchen waren gerade deshalb so beliebt, weil sie die Business Class auf der Langstrecke für deutlich weniger Meilen zugänglich gemacht haben. Ein hervorgehobener Economy-Flug ab einem Drehkreuz ersetzt das nicht, und so haben wir es auch in unserer Bilanz nach einem Jahr dynamischer Meilenpreise gesehen. Was ein Favorit ist, entscheidet am Ende allein das Programm.

Daran ändert auch die Kosmetik nichts. Seit Juni 2026 heißen die Award-Flight-Tarife Saver und Base Comfort und Comfort Plus, an den Konditionen hat sich laut Miles & More nichts geändert. Die Favoriten zeigen weiterhin nur, was das dynamische System ohnehin hergibt, und genau das ist der Unterschied zu einem echten Sonderangebot mit festem Preis.

Nach New York ist LOT ein Drittel günstiger als die Lufthansa

Wie es besser geht, zeigt ausgerechnet eine Airline außerhalb des Konzerns. Die LOT Meilenschnäppchen der Oktober-Ausgabe bieten New York in der Business Class für 61.000 Meilen hin und zurück, in der Premium Economy für 42.000 Meilen. Geflogen wird ab polnischen Flughäfen, also in der Praxis ab Warschau, im Reisezeitraum vom 1. November bis 31. Dezember 2026.

Der Vergleich mit der Kernmarke fällt deutlich aus. Für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach New York in der Business Class verlangte Miles & More bei unserer Stichprobe Anfang Oktober 94.834 Meilen plus 1.696,39 Euro Zuzahlung. LOT kommt mit 33.834 Meilen weniger aus, das sind rund 36 Prozent. Bei den Zuschlägen liegen die LOT Meilenschnäppchen auf der Langstrecke bei 150 bis 300 Euro hin und zurück, also bei einem Bruchteil.

LOT Business Class Boeing
Die LOT Business Class in der Boeing 787

Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig, denn wer aus Deutschland kommt, muss erst einmal nach Warschau. Selbst mit einem separat bezahlten Zubringer bleibt der Abstand aber groß, bei den Meilen wie bei der Zuzahlung. Das ist ein wirklich gutes Angebot, und es gehört zu den besten, die Miles & More derzeit überhaupt nach Nordamerika im Programm hat.

Der Haken liegt bei der Verfügbarkeit. Am Morgen der Veröffentlichung konnten wir für die Business Class nach New York keinen freien Platz finden, und Meilenschnäppchen lassen sich weder umbuchen noch stornieren. Wer zuschlagen will, muss früh und flexibel sein – aber genau das galt für Meilenschnäppchen schon immer.

Brussels Airlines spart Meilen und kassiert bei den Zuschlägen

Auch die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines ist bei den Meilenschnäppchen geblieben und bietet in der Oktober-Ausgabe ebenfalls New York an: 61.000 Meilen in der Business Class hin und zurück, 42.000 Meilen in der Premium Economy, Abflug ab Brüssel. Gereist wird allerdings erst zwischen 15. Januar und 28. Februar 2027. Anders als bei LOT gab es bei unserer Recherche dafür noch freie Plätze.

Dazu kommen sieben Mittelstreckenziele in der Business Class für je 43.000 Meilen hin und zurück, darunter Dubai, Abu Dhabi, Kairo und Amman. Meilenseitig ist das stark, nach New York liegt Brussels genauso weit unter dem Lufthansa-Wert wie LOT. Für Sammler, die ohnehin über Brüssel fliegen können, ist das eine echte Option.

Brussels Airlines Business Class
Die Business Class von Brussels Airlines

Bei der Zuzahlung kippt das Bild. Für die Langstrecke nennt unsere Übersicht der Brussels Airlines Meilenschnäppchen Zuschläge von 500 bis 950 Euro hin und zurück, nach Nordamerika fallen sie höher aus als in andere Weltregionen. Damit liegt Brussels zwar noch unter den knapp 1.700 Euro der Lufthansa, bewegt sich aber klar in Richtung Konzernniveau.

Unterm Strich ist Brussels der halbe Sieger: Die Meilen sind ein Schnäppchen, die Zuzahlung ist es nicht. Wer die Wahl hat, fährt nach New York mit LOT besser. Wer erst im Februar fliegen will oder bei LOT leer ausgeht, findet bei Brussels eine solide Alternative.

ITA Airways bringt neue Schnäppchen ohne Langstrecke

Neu im Kreis ist ITA Airways. Die Italiener sind seit dem 1. April 2026 Teil von Miles & More, die ITA Airways Meilenschnäppchen erscheinen inzwischen ebenfalls jeden Monat. Auf dem Papier ist das die beste Nachricht seit der Umstellung, denn ITA bringt ein eigenes Langstreckennetz mit.

ITA Airways Airbus A
Ein Airbus A220-300 von ITA Airways

In der Praxis bleibt davon wenig. Die Oktober-Ausgabe bietet die Business Class ab 20.000 Meilen hin und zurück, aber nur auf der Kurzstrecke, etwa nach Nizza, Rom oder Mailand Linate, und nur ab italienischen Flughäfen. Langstreckenziele gibt es keine, Premium Economy ebenfalls nicht. Unsere Deal-Seite nennt die Ausgabe “erneut enttäuschend”, und dem ist wenig hinzuzufügen.

Trotzdem ist ITA ein Signal. Die einzige Airline, die seit der Umstellung neu zu den Meilenschnäppchen gekommen ist, zeigt, dass das Format im Konzern nicht tot ist. Es lebt nur nicht dort, wo Sammler es am dringendsten brauchen, nämlich auf der Langstrecke in der Business Class.

Bis dahin sind die ITA-Angebote vor allem etwas für Sammler, die ohnehin in Italien starten. 20.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug in der Business Class von Rom nach Nizza sind kein schlechter Preis. Nur ist die Business Class auf solchen Strecken im Konzern ein Sitz wie in der Economy mit freiem Mittelplatz, besserem Essen und Lounge-Zugang – nett, aber nichts, wofür man Meilen hortet.

Der Community Award ist das einzige echte Lufthansa-Angebot

Ganz untätig ist die Lufthansa nicht. Mit dem Community Award Flight nach Kapstadt bietet Miles & More einen Sonderflug mit festen Meilenpreisen an, in diesem Jahr erstmals mit First Class. Die Flüge starten am 18. November ab Frankfurt und am 20. November ab München, die First Class gibt es nur ab München.

Hin und zurück kostet der Platz 50.000 Meilen in der Economy, 85.000 in der Premium Economy, 125.000 in der Business und 215.000 Meilen in der First Class. Steuern und Gebühren liegen bei 142 Euro ab München und 159 Euro ab Frankfurt, und zwar in allen Reiseklassen. Gemessen an knapp 1.700 Euro Zuzahlung nach New York ist das ein echtes Entgegenkommen.

Lufthansa Airbus A München
Ein Lufthansa Airbus A350 in München

Bei den Meilen ist der Community Award dagegen kein Schnäppchen. 125.000 Meilen für eine Business Class nach Südafrika liegen klar über dem, was LOT und Brussels für New York verlangen, auch wenn die Strecke länger ist. Dazu kommen feste Daten und eine Buchung nur über die Hotline. Es ist ein Erlebnisprodukt für die Community mit Programm vor Ort, kein Ersatz für ein monatliches Angebot.

Dass ausgerechnet dieser Sonderflug das sichtbarste Lufthansa-Angebot für Meilensammler ist, sagt viel über die Prioritäten. Ein Flug im Jahr mit festen Preisen ist Marketing für die eigene Community. Zwölf Ausgaben Meilenschnäppchen im Jahr waren dagegen ein Produkt, auf das sich Sammler verlassen konnten.

Die Lufthansa überlässt die Schnäppchen anderen Airlines

Die Bilanz nach fast anderthalb Jahren ist eindeutig. Die besten Miles & More Meilenschnäppchen nach New York kommen von LOT, die zweitbesten von Brussels Airlines, und die Kernmarke Lufthansa hat ihren Sammlern in derselben Zeit keinen vergleichbaren Rabatt angeboten. Wer günstig mit Meilen fliegen will, findet seine Sweetspots heute vor allem dort, wo das dynamische System nicht greift.

LOT Business Class Langstrecke
Die Kabine der LOT Business Class auf der Langstrecke

Das ist keine Kritik an LOT oder Brussels, im Gegenteil: Beide machen genau das, was Meilenschnäppchen ausmacht. Es ist eine Kritik an der Kernmarke, die ein beliebtes Format abgeschafft und durch eine Liste ersetzt hat. Die aktuellen Ziele aller Airlines sammeln wir jeden Monat in unserer Übersicht der Meilenschnäppchen.

Für die Lufthansa wäre der Schritt zurück nicht einmal kompliziert. Ein monatliches Kontingent mit festen Meilenwerten auf ausgewählten Langstrecken, wie es LOT und Brussels jeden Monat vormachen, ließe sich neben dem dynamischen System problemlos anbieten. Dass es das bei der Kernmarke nicht gibt, ist eine Entscheidung und keine technische Notwendigkeit.

Die besten Meilenschnäppchen bei Miles & More gibt es heute genau dort, wo die Kernmarke Lufthansa nicht mitfliegt – und das sagt mehr über die Award Flight Favoriten als jede Ankündigung.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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