Hyatt verlangt für die besten Nächte deutlich mehr Hotelpunkte, und auch Marriotts neue Upgrade-Liste ändert nichts daran, dass Euer Punktewert weiter sinkt.
Wer lange genug dabei ist, erinnert sich an Zeiten, in denen ein paar Nächte im Mittelklassehotel für eine Suite in New York oder auf den Malediven reichten. Diese Zeiten sind vorbei, und 2026 hat die Entwicklung noch einmal Fahrt aufgenommen. Auffangen kann das auch der Status nicht mehr. Er wird zwar übersichtlicher und immer leichter zu bekommen, bringt dafür aber immer seltener etwas, besonders hier in Europa.
Früher waren Hotelpunkte ein verrückter Deal
Bei Loyalitätsprogrammen trifft die Phrase vom früher besseren Leben ausnahmsweise zu. Manch einer erinnert sich an das alte Leaders Club Programm, in dem vier einzelne Aufenthalte von je einer Nacht eine Freinacht brachten. Gesammelt wurde in vergleichsweise günstigen Häusern, eingelöst in fast allen Hotels des Programms, gerne auch in solchen, die bezahlt ein Vielfaches gekostet hätten.

Auch bei den großen Programmen wie Hilton Honors oder dem früheren Starwood Preferred Guest kam man mit vergleichsweise einfach gesammelten Punkten an Freinächte in den besten Häusern der Ketten. Ob St. Regis New York oder Waldorf Astoria Beverly Hills: Selbst die teuersten Adressen waren mit Punkten lange ein verrückter Deal, und genau das hat eine ganze Generation von Sammlern geprägt.
Das Muster dahinter war einfach. Die Programme wollten Aufenthalte in der Breite belohnen und nahmen in Kauf, dass ein kleiner Kreis von Kennern die Spitzenhotels abräumte. Wer sich in unseren Hotelprogrammen umschaut, findet von dieser Großzügigkeit heute nur noch Reste.
Dazu kam, dass Status damals noch Seltenheitswert hatte. Wer Gold oder Platinum hielt, hatte sich das meist mit vielen Nächten erarbeitet, und die Hotels behandelten diese Gäste entsprechend. Punkte und Status ergänzten sich, statt sich gegenseitig zu entwerten. Genau dieses Gleichgewicht ist in den vergangenen Jahren an beiden Enden gekippt.
Dynamische Preise haben den Punktewert ausgehöhlt
Der wichtigste Grund für den früheren Wert war der Award Chart. Jedes Hotel saß in einer festen Kategorie, und eine Freinacht kostete an jedem Datum ungefähr gleich viel. Silvester in New York war damit kaum teurer als eine schwach gebuchte Nacht von Sonntag auf Montag, und selbst die höchste Kategorie war für die teuersten Häuser einer Kette oft noch zu niedrig angesetzt.

Über Jahre galt deshalb eine einfache Regel: Die Spitzenhotels von Starwood, Marriott, Hilton oder IHG waren mit Punkten fast immer günstiger als bezahlt, selbst wenn man die Punkte vorher eigens gekauft hatte. An Spitzendaten galt das sogar für nahezu jedes teilnehmende Haus.
Diesen Überschuss haben die Programme konsequent abgeschmolzen. Statt fester Tabellen orientiert sich der Punktepreis heute bei den meisten Ketten am Barpreis der Nacht. Nach unserer Erfahrung landet ein Punkt damit grob zwischen einem halben und einem Cent, je nach Programm. Wer Hotelpunkte kaufen will, rechnet deshalb heute mit spitzem Bleistift statt mit Vorfreude.
Aus Sicht der Ketten ist das folgerichtig. Ausgegebene Punkte sind eine Verbindlichkeit, und jede Freinacht, die das Programm einem Hotel erstattet, kostet echtes Geld. Wer den Punktepreis an den Barpreis koppelt, macht diese Kosten planbar und schiebt das Risiko vollständig zu den Mitgliedern. Für Euch bedeutet das: Der Wert Eurer Punkte hängt nicht mehr an einer Tabelle, sondern an der Tagesform des Hotels.
Hyatt beerdigt den letzten echten Award Chart
World of Hyatt war lange die große Ausnahme und für viele Sammler der Grund, überhaupt noch Hotelpunkte zu horten. Seit dem 20. Mai 2026 ist auch das Geschichte. Statt drei Einlösestufen gibt es nun fünf, von Lowest über Low, Moderate und Upper bis Top. Die acht Hotelkategorien bleiben, doch innerhalb jeder Kategorie ist der Preis jetzt deutlich elastischer.
Am oberen Ende wird es spürbar teurer. In der Kategorie 8 kostet eine Nacht laut Fachpresse in der Stufe Top bis zu 75.000 Punkte, bisher lag der Höchstwert bei 45.000 Punkten. Das sind bis zu 67 Prozent mehr. Dazu kam die jährliche Kategorie-Runde: 136 Hotels wurden neu eingestuft, 112 davon höher.
Fair ist auch der Blick auf die Gegenrichtung. Am unteren Ende sind manche Nächte günstiger geworden, und laut Fachpresse wollte Hyatt zunächst nur einen begrenzten Teil der Hotels und Nächte in die Stufen Upper und Top schieben. Wie stark die neue Tabelle im Alltag tatsächlich zuschlägt, lässt sich nach wenigen Monaten noch nicht seriös beziffern.
Die Richtung ist trotzdem klar. Wer bei World of Hyatt für eine bestimmte Traumnacht spart, spart auf ein Ziel, dessen Preis sich inzwischen bewegen darf. Der letzte verlässliche Award Chart der großen Ketten ist damit kein Fixpunkt mehr.
Gute Einlösungen gibt es nur noch für Spezialisten
Hohe Gegenwerte gibt es weiterhin, aber meist nur kurz und nur für Leute, die genau hinschauen. Nach der Integration der Small Luxury Hotels in Hilton Honors waren einige teure Häuser so buchbar, dass der Gegenwert bei mehr als zwei Cent pro Punkt lag. Davon profitieren konnte ich etwa bei meiner Buchung des eriro in Österreich.

Beim Punktekauf gilt dieselbe Nüchternheit. Hilton verkauft Punkte gerade mit bis zu 120 Prozent Bonus, was den Preis auf rund 0,43 Cent pro Punkt drückt. Bei einem realistischen Einlösewert von etwa einem halben Cent bleibt da nur ein schmaler Vorteil, und der lohnt sich ausschließlich mit einem konkreten Ziel. Dazu kommen Opportunitätskosten, denn wer mit Punkten bucht, verzichtet auf Vorteile, die es bei bezahlten Buchungen über Partner gibt.
Eine echte Verbesserung kommt ebenfalls von Hyatt. Seit dem 15. Oktober 2026 lassen sich Punkte direkt online an andere Mitglieder übertragen, laut den neuen Programmbedingungen bis zu 525.000 Punkte pro Jahr beim Senden und ebenso viele beim Empfangen. Punkte bündeln wird damit deutlich einfacher, gerade für Haushalte mit mehreren Konten.
Wer das Entwertungsrisiko gar nicht erst selbst tragen will, parkt seine Punkte besser in einer flexiblen Kreditkartenwährung und wandelt erst um, wenn die Buchung steht. Dass mit Accor inzwischen ein weiteres Hotelprogramm zu den Transferpartnern von Membership Rewards zählt, macht diesen Weg breiter.
Marriott macht Upgrades sichtbar und nicht häufiger
Beim Status gibt es 2026 zumindest auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Beim Marriott Bonvoy Member Day am 12. Oktober hat die Kette eine Upgrade-Warteliste in der App vorgestellt. Kurz vor der Anreise seht Ihr dort, wie viele Upgrades voraussichtlich verfügbar sind und auf welchem Platz Ihr steht.
Sichtbar ist die Liste ab Gold-Status, wobei Gold-Mitglieder nur für bessere Zimmer infrage kommen und Suiten erst ab Platinum. Vorerst läuft der Test laut Berichten in wenigen Hotels in den USA und Kanada, bis Anfang November sollen es über 250 Hotels sein. Ob und wann Europa folgt, hat Marriott noch nicht gesagt.
Dazu kommt ein neues Lounge-Konzept: Die Marriott Bonvoy Lounge soll ab Februar 2027 in rund 320 Hotels in Asien starten, mit besserem Speisenangebot und eigenem Personal zu den Stoßzeiten. Ob das mehr ist als ein neues Etikett, muss sich zeigen.
Übersichtlicher ist das allemal, denn bisher wusste kaum jemand, warum er ein Upgrade bekam oder eben nicht. Mehr Upgrades bedeutet die Liste aber nicht: Die Zahl der freien Suiten bleibt dieselbe, und viele Mitglieder von Marriott Bonvoy sehen künftig vor allem schwarz auf weiß, dass sie weit hinten stehen. Transparenz ist kein zusätzlicher Vorteil, sie zeigt nur ehrlicher, wie knapp die Vorteile geworden sind.
Status gibt es inzwischen fast geschenkt
Die Kehrseite liegt in der Statusinflation. Zur Miles & More Gold Kreditkarte gibt es den Marriott Bonvoy Silver Elite Status, Inhaber der American Express Platinum Card können seit Ende Juli den ALL Accor Gold Status beantragen. Mit der Hilton Kreditkarte kommt Hilton Honors Gold sogar ohne eine einzige Übernachtung.
Hilton legt mit einem Status Match nach, bei dem sechs Nächte in 90 Tagen für Gold bis zum 31. März 2028 reichen und zwölf Nächte für Diamond. Für Euch als Einzelne ist das eine gute Nachricht. Für das System insgesamt ist es ein Problem.
Am großzügigsten verteilen die Ketten ihren Status in Nordamerika. Dort gibt es über Kreditkarten selbst hohe Stufen, etwa Hilton Diamond mit der Hilton Honors Aspire Card oder Marriott Platinum Elite mit der Bonvoy Brilliant Card. Mehr Statusinhaber bedeuten bei gleich vielen Suiten zwangsläufig seltenere Upgrades, und genau dort ist das Gedränge am größten. Parallel haben viele Häuser in den USA seit der Pandemie gespart, mit eingeschränkten Club-Lounges oder einem gestrichenen Gratis-Frühstück.
In Europa wird Status zwar ebenfalls immer öfter verschenkt, meist aber nur die unteren und mittleren Stufen. Ein Marriott Silver Elite bringt im Hotel kaum spürbare Vorteile, beim ALL Accor Gold bleibt es oft bei Bonuspunkten und Upgrades nach Verfügbarkeit. Wer hierzulande einen geschenkten Status nutzt, sollte also keine Suite erwarten, sondern froh über ein spätes Check-out sein.
Dass die Marriott-Warteliste ausgerechnet in den USA und Kanada startet, passt ins Bild. Wo viele Gäste einen hohen Status haben, zeigt eine transparente Liste vor allem, wie wenig der einzelne Status noch wert ist. Was ein Status heute konkret bringt, zeigt unsere Übersicht zu den Punkte- und Statusvorteilen.
Hotelpunkte gehören ausgegeben und nicht gehortet
Die Bilanz von 2026 fällt damit ernüchternd aus. Beim Punktewert geht der Trend weiter nach unten, und Hyatt hat gezeigt, dass selbst der stabilste Award Chart über Nacht elastisch werden kann. Der Status, der früher einiges ausgeglichen hat, wird zwar leichter zugänglich, aber gerade deshalb weniger wert.
Daraus folgt eine klare Empfehlung: Hotelpunkte sind kein Sparbuch, sondern eine Währung mit eingebautem Wertverlust. Wer ein konkretes Ziel hat, löst ein, solange die Preise noch bekannt sind. Wer ohne Ziel sammelt, verliert mit jeder Anpassung ein Stück. Bei den Meilen sieht es übrigens kaum anders aus, wie die schleichende Entwertung von Meilentickets zeigt.
Praktisch heißt das: Punkte dort einlösen, wo der Barpreis hoch ist, also in der Hochsaison und an Spitzendaten. Punkte nur mit Bonus und konkretem Ziel kaufen. Und Status lieber über eine passende Kreditkarte oder einen Match holen, statt dafür teure Nächte zu buchen, die sich am Ende nur über Upgrades rechnen sollen.
Wer heute Hotelpunkte hortet, zahlt bei Hyatt & Co. mit jedem Monat ein bisschen mehr drauf – und ein geschenkter Status gleicht das in Europa nur selten aus.



