Prämienflüge werden teurer, Zuschläge steigen und die besten Meilen-Deals verschwinden. Lohnt sich das Meilensammeln für die breite Masse überhaupt noch? Eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Vielfliegerprogramme wie Lufthansa Miles & More, der British Airways Executive Club oder Air France-KLM Flying Blue versprechen seit jeher, aus alltäglichen Ausgaben irgendwann einen Traumflug in der Business oder First Class zu machen. Doch die vergangenen anderthalb Jahre haben diese Rechnung an vielen Stellen verschlechtert – Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme, ob sich das Sammeln für Gelegenheitsflieger noch lohnt.
Höhere Preise und weniger Schnäppchen
Der auffälligste Trend quer durch die großen Vielfliegerprogramme ist eindeutig: Prämienflüge kosten mehr Meilen als noch vor Kurzem. Bei Miles & More wurde zum 3. Juni 2025 die feste Meilentabelle für Flüge der Lufthansa Group abgeschafft und durch eine dynamische, an den Ticketpreis gekoppelte Bepreisung ersetzt.
Gleichzeitig stieg die Partner-Meilentabelle für Star-Alliance-Airlines – auf Strecken nach Südostasien etwa um bis zu 41 Prozent in der Business Class. Wer stattdessen über Programme wie Cathay Pacific Asia Miles oder Singapore Airlines KrisFlyer bucht, kann einzelne Aufschläge umgehen, muss die Meilen aber erst einmal dorthin bekommen.
Auch andere Programme haben nachgezogen. Flying Blue erhöhte im Januar 2025 die Mindestpreise auf Transatlantikstrecken um 14 bis 25 Prozent – die begehrte 50.000-Meilen-Business-Class ist damit Geschichte. Der British Airways Club verteuerte seine Prämienflüge zum 15. Dezember 2025 um rund zehn Prozent, bei Partnern um bis zu 14 Prozent. Und Emirates Skywards drehte zum 20. Mai 2026 erneut an der Preisschraube.
Besonders schmerzhaft für die breite Masse: Die Meilenschnäppchen, lange das beste Werkzeug für günstige Prämienflüge, sind mit der Umstellung bei Miles & More entfallen. Und bei Flying Blue wandern die attraktivsten Promo Awards seit Dezember 2025 zunehmend hinter das kostenpflichtige Abo Flying Blue Extra.
Zuschläge entfremden von der Idee der Freiflüge
Neben den reinen Meilenpreisen trübt vor allem ein zweiter Faktor die Freude am vermeintlichen Freiflug: die Zuschläge. Airlines verlangen zusätzlich zu den Meilen teils erhebliche Steuern, Gebühren und sogenannte carrier-imposed surcharges – und die sind zuletzt deutlich gestiegen.
Programme mit niedrigen Zuschlägen wie SAS EuroBonus sind dabei eher die Ausnahme. Wer die hohen Aufschläge der Lufthansa umgehen will, weicht auf Programme wie United MileagePlus, Aeroplan oder Turkish Miles&Smiles aus, bei denen die Gebühren ab Frankfurt oft nur rund halb so hoch ausfallen.
Miles & More ist hier der auffälligste Fall: Nach einer weiteren, unangekündigten Erhöhung im März 2026 liegen Steuern und Zuschläge für einen Business-Hin- und Rückflug nach Nordamerika bei mindestens 1.300 Euro, in der First Class sogar bei über 1.400 Euro. Der Wegfall des alten Flex-Plus-Tarifs, mit dem sich Zuschläge früher mit Meilen ausgleichen ließen, verschärft das zusätzlich.
Auch anderswo geht der Trend nach oben: British Airways erhöhte parallel zur Dezember-Abwertung die Bargeldkomponente, Flying Blue zog im Frühjahr 2026 nach, und Emirates hob die Gebühren für einige Premium-Prämienflüge spürbar an. Von der ursprünglichen Idee des „Freiflugs” bleibt so immer weniger übrig.
Das Meilen sammeln wird nicht einfacher
Wenn Prämienflüge teurer werden, müsste wenigstens das Sammeln der Meilen leichter fallen. Doch auch hier zeigt der Trend in Deutschland eher nach unten – gerade für alle, die nicht ohnehin ständig fliegen.

Erschwerend kommt hinzu: Zum 1. August 2025 hat American Express in Deutschland die Transferverhältnisse zu mehreren Airline-Partnern verschlechtert. Auch der Transferbonus von Payback zu Miles & More, für viele der einfachste Weg zu Meilen, liegt aktuell nur noch bei zehn Prozent – früher waren 20 bis 30 Prozent üblich.
Bei den Kreditkarten bleibt das Bild gemischt. Die Miles & More Kreditkarte wird seit Oktober 2025 von der Deutschen Bank herausgegeben, die Meilen-Sammelrate bleibt dabei unverändert. Wer flexibel sammeln will, fährt weiterhin mit Punkte-Kreditkarten wie der American Express Gold Card oder der American Express Platinum Card am besten, deren Punkte sich zu mehreren Programmen transferieren lassen. Positiv fällt dabei auf: Die Willkommensboni dieser Karten sind derzeit so hoch und zugleich so konstant verfügbar wie nie – ein gut gefülltes Punktekonto ist damit schneller erreicht als noch vor einigen Jahren.

Ein Lichtblick bleibt: Meilen lassen sich derzeit ausgesprochen günstig direkt kaufen. Miles & More ruft regelmäßig Aktionen mit einem Bonus von bis zu 50 Prozent auf, bei denen die Meile teils nur rund 1,2 Cent kostet – ausgerechnet, während die damit buchbaren Premium-Plätze immer knapper werden.
Erfreulich ist zudem, dass sich die Wege zu transferierbaren Punkten zuletzt vermehrt haben. Neben den klassischen Kreditkarten sammeln inzwischen auch Klarna mit einem eigenen Cashback-Programm und Revolut mit den RevPoints übertragbare Punkte – und die Zahl der Transferpartner ist dabei gewachsen. Revolut bietet mit den Points Pockets zusätzlich eine Art Tagesgeld-Alternative, bei der sich Punkte ansparen lassen, und erlaubt sogar den direkten Kauf von Punkten. Für Gelegenheitssammler entstehen so neue, flexible Optionen jenseits der etablierten Programme.
Der Wert pro Meile hat sich kaum geändert
Bleibt die Frage nach dem Wert einer Meile. Nominal hat sich hier erstaunlich wenig getan: reisetopia taxiert eine Miles-&-More-Meile weiterhin auf durchschnittlich rund 1,7 Cent bei geschickter Einlösung. Ein wichtiger Grund für diese Konstanz: Mit der dynamischen Bepreisung sind ausgerechnet Einlösungen innerhalb Europas und sogar auf innerdeutschen Flügen deutlich attraktiver geworden. Kurzstrecken, die früher kaum eine Rolle spielten, lohnen sich nun oft schon für wenige Tausend Meilen – das hebt den Durchschnitt, auch wenn die Langstrecke teurer wird.
Hinzu kommt ein oft übersehener Effekt: Auch bezahlte Flugtickets sind zuletzt spürbar teurer geworden, gerade in der Business Class und First Class. Weil der Wert einer Meile immer im Verhältnis zum Bargeldpreis steht, bleibt er selbst dann relativ stabil, wenn eine Einlösung mehr Meilen kostet – schließlich spart man mit den Meilen einen ebenfalls gestiegenen Ticketpreis ein.
Der Haken liegt im Detail: Gerade bei den Einlösungen, für die man Meilen eigentlich sammelt – Langstrecke in Business und First – ist der reale Gegenwert unter Druck geraten. Am deutlichsten zeigt sich das an der First Class der Lufthansa, die seit Juni 2026 faktisch nicht mehr über Partnermeilen buchbar ist. Auch die neue Allegris First Class lässt sich ausschließlich über Miles & More und dort nur äußerst selten als Prämienflug buchen.
Es entsteht so ein paradoxes Bild: Meilen kaufen war selten günstiger, während die aspirationalen Ziele, für die man sie einsetzen möchte, immer schwerer erreichbar sind. Der Wert einer Meile hängt damit mehr denn je davon ab, wie gut man das System kennt.

Für Vielflieger und Enthusiasten, die Verfügbarkeiten jagen und flexibel sind, bleibt das Meilensammeln daher durchaus lohnend. Für die breite Masse, die einmal im Jahr einen Prämienflug einlösen möchte, ist die Rechnung dagegen spürbar schwieriger geworden.
Unterm Strich bleibt das Meilensammeln attraktiv – aber es ist anspruchsvoller geworden. Wer Karten, Transferpartner und Einlösemomente clever kombiniert, holt weiterhin viel heraus. Wer die Meilen einfach nebenbei sammelt und irgendwann unkompliziert einlösen möchte, sollte die gestiegenen Hürden realistisch einkalkulieren.







Ja ja die “Steuern” und Gebühren bei LH….ob die Steuern dann auch in der Höhe an den Staat abgeführt werden??? Ich bezweifle es…..
Auch für mich lohnt sich das sammeln nicht mehr, meine M&M habe ich letztes
Jahr verbraucht (nicht mit der LH sondern mit der EVA). LH werde ich nicht mehr fliegen. Zur Zeit habe ich noch ein paar Avios die ich wenn sich die Gelegenheit ergibt vielleicht für ein Upgrade bei Qatar einsetzten werde. Ich fliege meist die Strecke BKK-FRA oder MNL-FRA so kostet mich ein Prämienflug 150.000 Avios und etwa 200-250€ Zuzahlung, wenn ich die Avios kaufen muss und selbst nur 1,2ct für einen zahle komme ich auf 1800€ plus Zuzahlung 2000€. Für den Preis fliege ich in der Regel auch mit einem gekauften Ticket, (Etihad-Qatar-Gulf) also warum dann die Arbeit mit dem sammeln?
Aber mal ganz ehrlich, wie soll das auch funktionieren mit geringeren Meilenwerten und viel mehr Leuten, die Vielfliegerprogramme ausschließlich als Einlösemöglichkeit für Supermarktpunkte nutzen?! Social Media macht es ja nicht besser. MM und Co sind geschaffen um dem Konzern Gewinn zu bringen und am Ende profitieren einzelne Nutzer nur, wenn andere draufzahlen. Am Beispiel MM: Bei 300.000 neuen Nutzern in 2024 kann die Gewinnmarge nicht mehr so hoch liegen, wie sie liegen muss/kann/soll. Da kann ich Entwertungen teils nachvollziehen, wobei am Ende die Kunden verlieren, die ein Vielfliegerprogramm auch als solches nutzen!
Dass man nicht mit dem Abschliessen eines Kreditkartenvertrags praktisch schon den ersten Flug in Business “geschenkt” bekommt, dass sich das Altpapiersammeln weniger lohnt, finde ich eine gute Entwicklung.
Kann auch J.-P. Wyssen verstehen. Es gibt wirklich Leute… Auch wenn es gemessen an der Gesamtzahl zum Glück nur sehr wenige sind. Unabhängig vom Fliegen denke ich, der “allgemeine Anstand” in der Gesellschaft hat nachgelassen. Manches bisher ungeschriebene Gesetz muss heute eben geschrieben werden, weil es anders leider nicht mehr geht.
Dass Fliegen wieder teurer wird, ist politisch so gewollt (Klima, Nachhaltigkeit, etc.). Wer wirklich Geld hat, den wird’s nicht gross kratzen. Für alle anderen bringt es spürbare Einschränkungen mit sich. Da können wir lange über Sinn und Unsinn diskutieren, viele Weichen werden bei den Wahlen gestellt.
Vor allem die politisch linke Seite gerät da ins Dilemma: Einerseits treten sie für Klimaschutz etc. ein, finden Fliegen viel zu günstig, wollen Flugzeiten und Anzahl Flüge beschränken (was zu Preiserhöhungen führt), anderseits heulen sie auf, wenn nur noch in ihren Augen Reiche sich z.B. noch Urlaub leisten können. Da heisst es dann schnell wieder Zweiklassengesellschaft, etc.
Tja, man kann nicht alles haben, muss sich mal entscheiden, was einem wichtiger ist. Es hat nichts nur Vor-, aber auch nichts nur Nachteile.
sehr gut auf den Punkt gebracht ich habe mir auch gerade einen neuen aluminium trolley bestellt , kostet 599.- meilen 155.000. fand ich ok , selbst meine jährlichen 4 voucher plus 2 einzulösen fällt schwer weil es immer bis auf den letzten Drücker rausgezögert wird. das Schlüssel wort Wertschätzung des kunden …. irgendwie nicht mehr so Leicht nachvollziehbar . im Umkehrschluss stellt sich beim Verbraucher die Frage : lohnt sich Loyalität . Beispiel fliegt man zb in der first mit lh group BER – MIA kostet das etwa 6500-7000. allegris wohl das doppelte weil es ja weniger sitze sind . bei British airways zb um die 4000.- auch first . frage also Meile vergessen und geld sparen durch clever buchen zahlt sich irgendwie dann auch aus ….
Habe gerade gute Verfügbarkeiten im Juli nach SFO/ex LAX gefunden mit FlexPlus – viel Spaß mit dem Trolley!
Ja, wirklich schade.
Es heißt nicht mehr Vielflieger sondern Vielzahlerprogramm…
Für dieses Jahr bin ich noch UA Gold, aber es wird mir wahrscheinlich nicht mal mehr auf Silber reichen obwohl ich auch noch über die Kreditkarte PQP sammle.
25% Erhöhung der Statusqualifikation und PQP Wert pro Flug gesenkt.
Schade!
Wir sind über diese Entwicklungen sehr sehr froh. Wir sind pensioniert und fliegen ausschliesslich Business- oder Firstclass. Etwa 3 Langstrecken und zwischen 15-20 Kurzstrecken pro Jahr.
Was uns mehr und mehr nervt, sind Passagiere ohne Anstand und Rücksicht.
Fliegen ist allgemein viel zu billig und in den Premiumklassen sollte definitiv ein Dresscode eingeführt werden. Bei Kurz- bzw. Mittelstreckenflügen (Schmalrumpf)
sieht man dann noch die ganzen Billigreisenden (Economy) an sich vorbeiziehen… Unmögliche Outfits, frech, zum Teil stinkend! Eine Zumutung, auch für die jeweiligen Crews!
Interessantes Menschenbild, das Sie hier zeigen. Wirklich erschreckend, wie Sie auf andere herabblicken.
Viele Passagiere, da unerzogen und/oder ungebildet, können sich leider nicht benehmen und nehmen keine Rücksicht auf Mitreisende. So wird nicht nachgefragt, wenn der Sitz zurückgelehnt wird ; die Armlehne wird entgegen dem Etikett für sich beansprucht, anstatt diese ggf. in der Economy Class dem leidenden Mittelsitzopfer zu “spendieren”. Es wird laut telefoniert, diskutiert oder Filme ohne Kopfhörer angeschaut; der persönliche Raum wird auch selten respektiert und Abstände nicht eingehalten (vor allem von Männern, die sich gerne mit ihren Beinen breit machen). Daher hat der Vorredner zum Teil Recht.
…aber irgendwie hat er ja doch recht!
Dresscode in den Premiumkabinen?
Na dann nur zu, aber der Pyjama bleibt dann in der Verpackung! Und bitte drauf achten, dass Schlips und Kragen auch während des Schlafes ordentlich sitzen! 🤣🤣🤣
Grandios, Ihr Humor 😃🤣🤣🤣
Bravo, gut gemacht 😎
Korrekt, die interessanten Zeiten sind vorbei. Für die Allgemeinheit ist das Meilensammeln nicht mehr attraktiv.
Die Schnäppchenjäger wird man durch die vielen Verschlechterungen los wie intendiert, damit aber auch potentielle künftige Kunden und viele langjährige Statuskunden gleich auch.
Für meine sechs First-First-Class-Prämienflüge (und diverse Prämienflüge in der Business Clas) in den letzten 10 Jahren bin ich dankbar. Der Senator läuft aus, wurde bewusst nicht mehr requalifiziert, und mit der LH-Group werde ich nicht mehr unterwegs sein. Die Prämienmeilen sind jetzt nahezu alle eingelöst.
First-Class-Flüge – das große Ziel beim Einlösen – werden künftig nahezu unmöglich, zumal die Plätze mehr als halbiert wurden. Für die Business Class kann es alle paar Jahre reichen (aber gewiss nicht mehr bei der LH-Group, was mich betrifft).
Wer Spaß daran hat, kann in den nächsten Jahren hunderttausende Meilen für einen Oneway-Business-Flug einlösen und zusätzlich noch weitere zehntausende Meilen für eine Sitzplatzreservierung bei diesem Flug im Allegris-Desaster verwenden, wenn es ein vernünftiger Sitz sein soll. Wundervoll.
Danke, für den ausgewogenen Artikel. Ja, die goldenen Zeiten sind vorbei, aber wo eine Tür zugeht, wird sich eine neue öffnen. Denn wenn die Änderungen in den Meilenprogrammen die bisher gute Profitabilität beeinträchtigt, wird gegengesteuert werden müssen.
Wie so oft…ein guter, differenzierter Artikel von Moritz.
Wenn man nicht zu denjenigen gehört, die über die Firmenkreditkarte und das berufliche Reisen „automatisch“ > 75.000 Meilen im Jahr sammeln, muss man schon einigermaßen schwach in BWL sein, um den Meilen und Punkten künftig immer noch hinterherzujagen.
Ich habe nach 20 Jahren aufgehört, über Miles & More zu sammeln. Nicht weil das Programm in den vergangenen 15 Monaten mehrfach deutlich unattraktiver wurde, sondern weil wir die Allegris & Senses qualitativ nicht gut finden. Es lohnt sich für uns als Paar einfach nicht mehr.
Sehr, sehr guter Artikel. LEIDER hat Moritz hier Recht.