Wer heute Meilenkreditkarten vergleicht, steht vor einem Regal so bunt wie nie: Die Airlines locken mit großen Boni, die Apps sammeln im Alltag schneller. Doch steckt dahinter auch Substanz?

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Sache mit der Meilenkarte schnell erzählt. Wer mit Lufthansa flog, steckte sich die Miles & More Kreditkarte ein, wer flexibel bleiben wollte, griff zur American Express. Heute buhlen eine Deutsche Bank in Angriffslaune, eine Kreditkarte von Turkish Airlines, eine Eurowings Karte mit Miles & More Meilen und zwei Apps um Euch, die streng genommen gar keine Kreditkarten herausgeben. Für Meilensammler ist das ein Fest, und die Kunst besteht darin, für jeden Moment die richtige Karte zu ziehen.

Aus dem Zweikampf ist ein bunter Basar der Meilenkreditkarten geworden

Jahrelang lief der Markt für Meilenkreditkarten wie ein ruhiges Tennismatch: Miles & More auf der einen Seite des Netzes, American Express auf der anderen. Dann kam Bewegung ins Spiel. Seit Herbst 2024 gibt die Advanzia Bank die Miles&Smiles Mastercard Gold von Turkish Airlines heraus, die erste neue Airline-Kreditkarte in Deutschland seit vielen Jahren. Im Oktober 2025 übernahm die Deutsche Bank die Miles & More Kreditkarten von der DKB, und auch die Eurowings Karten von easybank sammeln inzwischen Miles & More Meilen.

Eurowings Premium als Meilenkreditkarte mit Miles und More Meilen
Auch die Eurowings Karte sammelt Miles & More Meilen

Noch spannender ist, was abseits der klassischen Banken passiert. Revolut belohnt seit 2025 jede Kartenzahlung mit RevPoints, selbst im kostenlosen Tarif. Klarna verwandelt sein Cashback auf Wunsch in Flugmeilen. Und selbst die Payback American Express hat ihren Punkteturbo im Oktober als Payback American Express PLUS neu aufgelegt. Wer heute Meilen sammeln will, wählt also nicht mehr zwischen zwei Karten, sondern zwischen ganzen Welten.

Für Euch ist das ein Glücksfall, denn plötzlich müssen sich alle anstrengen. Die spannende Frage lautet nicht mehr, welches Logo auf der Karte prangt. Sie lautet: Wer bezahlt Euch fürs Einsteigen, und wer schreibt Euch im Alltag die meisten Meilen gut? Die Antworten fallen überraschend unterschiedlich aus.

Die Deutsche Bank rollt den roten Teppich für Meilensammler aus

Beim Einstieg unter den Meilenkreditkarten macht der Deutschen Bank im Moment niemand etwas vor. Nach einem Jahr Funkstille gibt es für die Miles & More Kreditkarte Gold bei Antrag bis zum 30. November 2026 satte 20.000 Meilen, vier Business Lounge Voucher und 40 Points. Selbstständige bekommen für die Business-Variante sogar 50.000 Meilen, so viel wie nie zuvor. Einen Mindestumsatz gibt es nicht. Wie es zu diesem Comeback kam, lest Ihr in unserer Kolumne zur Rückkehr der Miles & More Gold.

Die Gold Card der Deutschen Bank ist zurück im Spiel
Die Gold Card der Deutschen Bank ist zurück im Spiel

Dass die Bank so großzügig ist, hat einen guten Grund. Miles & More ist eine kleine Festung im Meilenuniversum: Weder über Amex noch über Revolut oder Klarna kommt Ihr direkt an Lufthansa-Meilen. Wer für den nächsten Flug mit Lufthansa, SWISS oder Austrian sammeln will, braucht eine der beiden Co-Branding-Karten. Genau deshalb lohnt es sich für die Deutsche Bank, das Tor so weit aufzumachen.

Miles & More Kreditkarte Gold

20.000 Meilen, 4 Lounge Voucher und 40 Points Willkommensbonus
  • Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
  • 1 Meile je zwei Euro Umsatz sammeln
  • Premiumversicherungen für Reisen & Mietwagen
  • Zwei Abhebungen im Ausland pro Jahr ohne Transaktionsentgelt
  • Marriott Bonvoy Silver Elite Status inklusive
  • Kostenloses Wolt+ inklusive doppelter Meilen
11,50 Euro Monatsgebühr
Moritz
Dank Willkommensbonus und Stopp des Meilenverfalls die ideale Kreditkarte für Miles & More Sammler

Wie großzügig der Bonus ist, zeigt eine einfache Rechnung. Die private Gold Card sammelt eine Meile je zwei Euro Umsatz. Für 20.000 Meilen müsstet Ihr also 40.000 Euro mit der Karte bezahlen, und das schaffen die meisten Haushalte nicht in einem Jahr. Die Eurowings Kreditkarte Premium legt bis Ende November übrigens ebenfalls einen Bonus von 5.000 Miles & More Meilen auf den Tisch.

Turkish Airlines ist der heimliche Gewinner unter den Meilenkreditkarten

Die zweite Airline, die gerade kräftig um Neukunden wirbt, ist Turkish Airlines. Wer die Miles&Smiles Mastercard Gold bis zum 31. Oktober 2026 beantragt, bekommt 10.000 statt 5.000 Willkommensmeilen und damit doppelt so viele wie sonst. Dafür reicht ein einziger Einkauf bis Ende November. Für 96 Euro im Jahr gibt es eine Meile je zwei Euro Umsatz, keine Fremdwährungsgebühren und ordentliche Reiseversicherungen. Für eine Meilenkreditkarte ist das ein fairer Deal.

Turkish Airlines Miles & Smiles Kreditkarte

10.000 Meilen Willkommensbonus
  • Turkish Airlines Meilen je 2 Euro Umsatz sammeln
  • Kostenfreie Bargeldabhebungen möglich
  • Weltweit kostenfreie Zahlungen – keine Auslandseinsatzgebühr
  • Wichtige Reiseversicherungen inklusive
96 Euro Jahresgebühr

Der eigentliche Clou steckt aber im Programm dahinter. Miles&Smiles ist so etwas wie der gemeinsame Nenner der neuen Meilenwelt: Revolut tauscht RevPoints eins zu eins in Turkish Meilen, Klarna macht aus einem Euro Cashback knapp 82 Meilen. Drei völlig unterschiedliche Produkte füllen am Ende also dasselbe Meilenkonto.

MilesundSmiles ist der gemeinsame Nenner der Meilenwelt
Miles&Smiles ist der gemeinsame Nenner der Meilenwelt

Für Lufthansa-Fans ist das mehr als eine Fußnote. Weil Turkish Airlines zur Star Alliance gehört, lassen sich mit Miles&Smiles auch Prämienflüge bei Lufthansa und anderen Partnern der Allianz buchen. Das ist eine Hintertür in die Festung von Miles & More. Einen kleinen Haken gibt es: Advanzia gibt nur eine Karte pro Person aus. Wer schon die Hilton Honors Kreditkarte derselben Bank hat, muss sich zwischen Hotelpunkten und Turkish Meilen entscheiden.

Revolut sammelt Partner wie andere Leute Bordkarten

Kein Anbieter hat die Meilenwelt zuletzt so umgekrempelt wie Revolut. Als Etihad Guest im Juli 2025 dazukam, war es gerade einmal der zehnte Transferpartner für RevPoints. Heute stehen 18 Vielfliegerprogramme in der App, dazu fünf Hotelprogramme von ALL Accor bis Hilton Honors und seit Oktober mit Club Eurostar sogar der erste Bahnpartner. Bei den allermeisten Airlines, von Flying Blue über Avios bis Miles&Smiles, wird eins zu eins getauscht.

Revolut Ultra sammelt einen RevPoint pro Euro
Revolut Ultra sammelt einen RevPoint pro Euro

Nicht jeder Neuzugang glänzt: Japan Airlines und Club Eurostar tauschen spürbar schlechter. Beim Sammeln kann sich Revolut dafür sehen lassen. Mit Revolut Metal gibt es für 15,99 Euro im Monat einen RevPoint je zwei Euro, mit Revolut Ultra für 65 Euro im Monat einen pro Euro. Das ist doppelt so viel wie mit der privaten Miles & More Gold Card. Alle Details stehen in unserem RevPoints Ratgeber.

Revolut Ultra

Aktion: 20 Euro Willkommensbonus
  • Exklusive Platin-Debitkarte
  • Unbegrenzter Lounge-Zugang
  • Keine Revolut-Gebühr für Auslandsüberweisungen
  • Kostenlose Aufladung mit Kreditkarten möglich
  • Kostenlose Bargeldabhebungen bis 2.000 Euro im Monat
  • Unbegrenzter Fast Track am Flughafen
  • 1 RevPoint je Euro Umsatz sammeln
65 Euro im Monat / 650 Euro im Jahr

Den Preis für so viel Freiheit zahlt Ihr an anderer Stelle. Revolut gibt in Deutschland nur Debitkarten ohne Kreditrahmen aus, und an der Mietwagentheke oder beim Hotel-Check-in kann das zum Stolperstein werden. Einen Willkommensbonus in Meilen sucht Ihr ebenfalls vergeblich. Dafür denkt die Neobank schon weiter und eröffnet ab 2027 eigene Lounges, den Anfang macht Kopenhagen.

Klarna ist der überraschende Sprinter beim Meilensammeln

Der vielleicht größte Überraschungsgast auf der Party ist Klarna. Wer dabei nur an Ratenkauf und Rechnung denkt, sollte genauer hinsehen: Seit August 2026 gibt es auf jede Zahlung mit Klarna Cashback, je nach Mitgliedschaft 0,5, 1 oder 1,5 Prozent. Das Guthaben lässt sich in neun Vielfliegerprogramme tauschen, darunter Flying Blue, British Airways, Turkish Airlines und United. Aus einem Euro Cashback werden dabei knapp 82 Meilen.

Die Klarna Max Card sammelt im Alltag am schnellsten
Die Klarna Max Card sammelt im Alltag am schnellsten

Rechnet man das auf 100 Euro Umsatz um, zieht Klarna im Feld der Meilenkreditkarten davon. Mit Klarna Max kommen rund 123 Meilen zusammen, mit Revolut Ultra 100, mit der Amex Platinum Card 80 Flying Blue Meilen und mit der privaten Miles & More Gold Card 50. Nur die Business-Variante der Gold Card hält mit 100 Meilen mit.

Klarna Max

30 % Rabatt in den ersten 3 Monaten sichern
  • Bis zu 6.000 Euro Vorteile pro Jahr
  • Unbegrenzter Lounge-Zugang zu über 1.900 Flughafen-Lounges
  • Weltweite Reiseversicherung bis 5 Mio. Euro inklusive
  • 1,5 % Cashback umwandelbar in Meilen oder Hotelpunkte
  • Tagesgeld mit 2,7 % Zinsen inklusive
  • Zugang zu 21 digitalen Abos und Services
44,99 Euro im Monat (ohne Rabatt)

Ganz ohne Kleingedrucktes geht es aber auch hier nicht. Klarna Max kostet 44,99 Euro im Monat, das Cashback ist bei 500 Euro im Monat gedeckelt, und übertragen lässt es sich nur mit aktiver Mitgliedschaft. Auch hier haltet Ihr eine Debitkarte in der Hand. Wie sich Max im Gesamtpaket gegen Revolut Ultra und die Amex Platinum schlägt, haben wir in unserem Vergleich von Klarna, Revolut und Amex durchgerechnet.

Amex bleibt beim Bonus die Königsklasse der Meilenkreditkarten

Während Klarna und Revolut beim Sammeln Gas geben, bleibt American Express beim Bonus das Maß der Dinge, und zwar das ganze Jahr über. Die gestaffelten Willkommensboni sind seit Anfang 2026 kein Strohfeuer mehr, sondern Dauerzustand. Für die Amex Platinum Card gibt es bis zu 85.000 Membership Rewards Punkte, für die Gold Card bis zu 50.000 Punkte und für die Business Platinum Card sogar 200.000 Punkte.

Die Amex Platinum bleibt die Königin der Boni
Die Amex Platinum bleibt die Königin der Boni

Dazu kommt, was keine App bieten kann: eine echte Kreditkarte mit flexibler Punktewährung, starken Versicherungen und Hotelstatus. In Deutschland lassen sich Membership Rewards Punkte zu neun Airlines und vier Hotelprogrammen schieben, seit Juli 2026 gehört auch ALL Accor dazu. Aus den 85.000 Punkten der Platinum Card werden so zum Beispiel 68.000 Flying Blue Meilen.

American Express Platinum Card

Bis zu 85.000 Punkte Bonus
  • 200 Euro Online-Reiseguthaben pro Jahr für Flüge, Hotels und mehr
  • 200 Euro SIXT ride Guthaben pro Jahr
  • 150 Euro Restaurantguthaben pro Jahr
  • 120 Euro Lounge on the Go Guthaben an den Flughäfen Frankfurt und München bis 31.03.2027
  • 100 Euro LODENFREY Shoppingguthaben pro Jahr
  • Bis zu 200 Euro Rabatt & Priority Vorteile bei Condor Flugbuchungen
  • Exklusive Kreditkarte aus Metall
  • Wertvolle Membership Rewards Punkte sammeln
  • Kostenfreie Platinum Zusatzkarte
  • Bestes Versicherungspaket in Deutschland
  • Kostenloser Lounge-Zugang inkl. Gast in über 1.550 Lounges weltweit
  • Upgrades, Frühstück und weitere Statusvorteile in Hotels, u.a. bei Hilton, Marriott und ALL Accor
  • Für Selbstständige und Unternehmer: Amex Business Platinum Card mit 200.000 Punkten Bonus
720 Euro Jahresgebühr
Moritz
Dank 770 Euro Guthaben im Jahr & weltweitem Lounge-Zugang die perfekte Kreditkarte für Reisen & Lifestyle!

Der Unterschied zu Miles & More liegt in der Hürde. Die vollen 85.000 Punkte gibt es erst ab 10.000 Euro Umsatz in sechs Monaten, die 50.000 Punkte der Gold Card ab 5.000 Euro. Amex belohnt also vor allem diejenigen, die ohnehin viel mit der Karte bezahlen. Die Deutsche Bank belohnt dagegen jeden, der überhaupt einen Antrag stellt. Gerade dieses Nebeneinander macht den Markt für Euch so reizvoll.

Die beste Meilenkarte ist heute ein gut gemischtes Duo

Aus all dem ergibt sich für Meilenkreditkarten eine Arbeitsteilung, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab. Den Einstieg holt Ihr Euch dort, wo der Bonus am größten ist: bis Ende Oktober bei Turkish Airlines, bis Ende November bei Miles & More und das ganze Jahr bei American Express, sofern Ihr den Mindestumsatz ohnehin erreicht. Den Alltag lenkt Ihr dorthin, wo jeder Euro die meisten Meilen bringt.

Turkish Airlines Meilen kommen heute aus drei Quellen
Turkish Airlines Meilen kommen heute aus drei Quellen

Wer mit einer Debitkarte leben kann, landet dabei bei Klarna oder Revolut. Wer eine echte Kreditkarte braucht, bleibt bei Amex oder greift bei Selbstständigkeit zur Business-Variante der Miles & More Gold Card. Und wer sein Meilenkonto bei Turkish Airlines führt, kann alles miteinander kombinieren: den Bonus der eigenen Karte, die RevPoints aus dem Revolut-Alltag und das Cashback aus der Klarna App.

Das ist die eigentliche Pointe der neuen Meilenwelt: Die klassische Meilenkreditkarte hat Konkurrenz von Produkten bekommen, die gar keine Kreditkarten sind. Genau das zwingt Deutsche Bank, Advanzia und American Express zu Boni, wie es sie lange nicht gab. Für Meilensammler war der Herbst selten so bunt und selten so lohnend.

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Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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