Die Miles & More Kreditkarte lockt seit dem Wechsel zur Deutschen Bank mit einem eher mageren Willkommensbonus – und ist trotzdem interessanter, als diese eine Zahl vermuten lässt.

Seit die Deutsche Bank die Kreditkarten von Miles & More im vergangenen Jahr übernommen hat, ist es um das Produkt erstaunlich lebendig geworden. In den Monaten danach kamen eine Guthabenverzinsung und ein kostenloses Wolt+ hinzu – kleine Schritte, die in Summe zeigen, wohin die Reise geht. Höchste Zeit, die Miles & More Kreditkarte nicht am Willkommensbonus, sondern an ihrem tatsächlichen Alltagsnutzen zu messen. Denn dort hat sich zuletzt mehr getan als bei den meisten Wettbewerbern.

Der Willkommensbonus ist das schwächste Argument

Fangen wir mit der Schwäche an: Aktuell gibt es für die Gold Credit Card 4.000 Prämienmeilen und 40 Points zur Neubeantragung – bei einem realistischen Meilenwert von rund 1,7 Cent ein Gegenwert von etwa 70 Euro. Gemessen an den vier- bis fünfstelligen Punktepaketen, mit denen American Express seine Karten regelmäßig bewirbt, wirkt das fast schon zurückhaltend.

Miles and More Kreditkarte Gold und Blue
Gold und Blue im Design der Deutschen Bank

Das ist weniger ein Manko als eine Momentaufnahme. Anbieter wie American Express arbeiten stärker mit hohen Einmalboni, Miles & More setzt traditionell auf den langen Atem – beide Modelle haben ihre Berechtigung. Zudem legt auch Miles & More immer wieder Bonusaktionen auf, die den Startwert zeitweise spürbar anheben. Der eigentliche Wert der Karte entsteht ohnehin nicht am ersten Tag, sondern über Jahre der Nutzung.

Wer nur den Einstieg sucht, findet ihn ohnehin weiter unten im Portfolio: Die Blue-Karte kostet mit 5,50 Euro im Monat deutlich weniger und bringt die wichtigsten Kartenvorteile trotzdem mit. Doch auch dort gilt dieselbe Logik. Die entscheidende Frage ist nicht, was die Karte zum Start verspricht, sondern was sie leistet, wenn sie einmal im Portemonnaie liegt – und genau hier dreht sich das Bild.

Lufthansa Senator Miles and More Status
Der Wert entsteht über Jahre der Treue

Der Vergleich mit der Konkurrenz fällt deshalb differenziert aus: Beim Startguthaben zieht Miles & More klar den Kürzeren, bei den wiederkehrenden Leistungen liegt die Karte dafür überraschend gut im Rennen. Wer in Bonus-Tabellen nur die erste Spalte liest, übersieht genau den Teil, der die Karte langfristig trägt.

Guthabenzins und Wolt+: Die Deutsche Bank schärft nach

Dass hinter der Karte inzwischen ein neuer Herausgeber steht, merkt man vor allem an den jüngsten Neuerungen. Am auffälligsten ist die Guthabenverzinsung: Aktuell zahlt Miles & More 2,1 Prozent pro Jahr auf ein Guthaben auf dem Kreditkartenkonto – befristet bis Ende November 2026 und für alle Karten mit Ausnahme der MyFlex. Zinsen auf ein Kreditkartenguthaben sind im deutschen Markt eine echte Seltenheit.

Man sollte den Punkt nicht überhöhen – große Summen gehören nicht dauerhaft aufs Kartenkonto, eine echte Tagesgeld-Alternative ist das nicht. Doch das Signal dahinter ist eindeutig: Die Deutsche Bank will die Karte aktiv attraktiver machen und nicht bloß den Bestand verwalten. Für ein Produkt, das über Jahre nahezu unverändert lief, ist allein diese Bewegung bemerkenswert.

Miles and More Kreditkarte Deutsche Bank Gold
Seit dem Wechsel entwickelt sich die Karte spürbar

Der zweite Aufhänger ist die Kooperation mit dem Lieferdienst Wolt. Inhaber einer Gold- oder Statuskarte bekommen Wolt+ dauerhaft geschenkt – ein Abo, das sonst 4,99 Euro im Monat und damit rund 60 Euro im Jahr kostet. Blue-Kunden nutzen es sechs Monate gratis, und auf jede mit der Karte bezahlte Wolt-Bestellung gibt es zusätzlich doppelte Meilen.

Miles and More Kreditkarte und Wolt
Kostenloses Wolt Plus als neuer Alltagsvorteil

Gerade im Alltag ergibt das Sinn: Wer regelmäßig bestellt, spart die Liefergebühren und sammelt gleichzeitig doppelte Meilen. Aus einer Karte, die man bisher vor allem mit dem Sammeln fürs nächste Ticket verbunden hat, wird so Schritt für Schritt eine, die auch zwischen den Reisen einen Nutzen entfaltet – und genau diese Verschiebung ist der Grund, die Karte jetzt neu zu bewerten.

Miles & More Kreditkarte Blue

500 Meilen + 40 Points Willkommensbonus
  • Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
  • 1 Miles & More Meile je 2 Euro Umsatz sammeln
  • Zusätzliche Vorteile bei ausgewählten Partnern
  • 25 Prozent Rabatt auf Avis Mietwagenbuchungen
5,50 Euro Monatsgebühr

Der eigentliche Wert steckt im Meilenschutz

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, der in reinen Bonus-Vergleichen fast immer untergeht: dem Meilenschutz. Prämienmeilen verfallen bei Miles & More grundsätzlich nach 36 Monaten. Wer in diesem Zeitraum keine ausreichende Aktivität nachweist, verliert sein Guthaben – und damit oft den Gegenwert mehrerer Flüge, für die man über Jahre gesammelt hat.

Genau das verhindert die Karte. Solange eine Gold- oder Blue-Kreditkarte aktiv ist, sind die gesammelten Meilen dauerhaft vor dem Verfall geschützt. Clever ist dabei ein Detail: Man kann die Karte sogar erst kurz vor dem drohenden Verfall beantragen und sich so den über Jahre aufgebauten Meilenbestand nachträglich sichern.

Miles and More Kreditkarte Blue und Gold
Gold und Blue schützen die gesammelten Meilen

Und hier lohnt der Perspektivwechsel: Wer auf 100.000 Meilen sitzt, schützt damit einen Gegenwert von rund 1.700 Euro – bei geschickter Einlösung in der Business oder First Class sogar ein Vielfaches davon. Gegen diese Summe wirkt die Jahresgebühr von 138 Euro für die Gold-Variante fast nebensächlich. Und wem es allein um den Schutz geht: Schon die günstigere Blue-Karte bietet ihn – für rund 66 Euro im Jahr.

Und anders als bei manch anderem Programm gibt es bei Miles & More keinen bequemen Nebenweg: Eine gelegentliche Transaktion reicht hier nicht, um den Verfall aufzuhalten. Faktisch schützen nur ein Vielflieger-Status oder eben die Kreditkarte die Meilen – was die Karte für alle Sammler ohne Status umso wertvoller macht.

Im Alltag sammeln – als Geschäftskarte sogar doppelt

Der zweite Baustein ist das Sammeln selbst. Mit der privaten Gold Credit Card gibt es eine Meile pro zwei Euro Umsatz. Das klingt zunächst unspektakulär, summiert sich über Miete, laufende Versicherungen und den täglichen Einkauf aber zu einer verlässlichen Basis – Meilen, die ganz ohne einen einzigen Flug entstehen und Jahr für Jahr wiederkehren.

Miles and More Meilen sammeln im Alltag
Im Alltag sammelt die Karte kontinuierlich mit

Richtig interessant wird es bei den Business-Karten: Schon die günstige Blue Credit Card Business sammelt eine Meile pro Euro und damit doppelt so schnell wie eine private Karte, die Gold Business bietet dieselbe Rate. Wer seine Geschäftsausgaben ohnehin über eine Karte laufen lässt, verwandelt sie so nebenbei in Freiflüge – ohne einen Cent mehr auszugeben als sonst.

Miles and More Kreditkarte Business Reise
Als Geschäftskarte sammelt sie doppelt so schnell

Ein Rechenbeispiel macht das greifbar: Bei 40.000 Euro Jahresumsatz stehen 40.000 Meilen zu Buche – nach reisetopia-Bewertung ein Gegenwert von rund 680 Euro und ein solider Baustein in Richtung einer Prämie in der Business Class. Praktisch: Dank der Pauschalversteuerung, die Miles & More übernimmt, lassen sich die geschäftlich gesammelten Meilen sogar privat verfliegen.

Dazu kommen Extras wie fünf Meilen pro Euro bei Avis oder ein Marriott-Bonvoy-Status, der je nach Karte bis zu Gold reicht und das Meilensammeln im Alltag abrundet. Nichts davon ist für sich genommen spektakulär – in der Summe ergibt sich aber ein Sammel-Motor, der leise im Hintergrund läuft und über die Jahre erstaunlich viel produziert.

Versicherungen, die den Jahrespreis relativieren

Bleibt der dritte Pfeiler: die Versicherungen. Zur Gold Credit Card gehören eine Reiserücktritts- und -abbruchversicherung, eine Auslandsreisekrankenversicherung sowie eine Mietwagen-Vollkasko. Das ist kein Nischen-Extra für Sammler, sondern deckt genau die Fälle ab, für die viele Reisende sonst Jahr für Jahr separat Geld ausgeben.

Rechnet man den Wert einer soliden Reiseversicherung dagegen, relativiert sich die Jahresgebühr schnell. Wer regelmäßig verreist, bekommt einen großen Teil der 138 Euro allein über den Versicherungsschutz zurück – die Meilen, der Guthabenzins und der Wolt-Vorteil kommen dann on top und müssen die Gebühr gar nicht mehr allein rechtfertigen.

Miles and More Gold Credit Card Versicherungen
Die Versicherungen gelten allein für die Gold Card

Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Kreditkarten-Versicherungen ersetzen keine umfassende Police für Dauerreisende und greifen häufig nur, wenn die Reise auch mit der Karte bezahlt wurde. Für den klassischen Jahresurlaub reicht der Schutz aber solide aus – und genau dieser Bedarf trifft auf die große Mehrheit der Nutzer zu. Wer nur ein- bis zweimal im Jahr verreist, spart sich damit oft die separate Reiseversicherung komplett.

Wichtig ist die Abgrenzung nach unten: Die günstigere Blue-Karte und die MyFlex bringen dieses Paket nicht mit. Wer die Versicherungen tatsächlich nutzen will, muss zur Gold-Variante greifen – ein weiterer Grund, die verschiedenen Karten nicht über einen Kamm zu scheren, sondern nach dem eigenen Profil auszuwählen.

Miles & More Kreditkarte Gold

4.000 Meilen + 40 Points Willkommensbonus
  • Unbegrenzte Gültigkeit von Miles & More Meilen
  • 1 Miles & More je zwei Euro Umsatz sammeln
  • Premiumversicherungen für Reisen & Mietwagen
  • Zwei kostenfreie Abhebungen im Ausland pro Jahr
  • Marriott Bonvoy Silver Elite Status inklusive
11,50 Euro Monatsgebühr
Moritz
Dank Willkommensbonus und Stopp des Meilenverfalls die ideale Kreditkarte für Miles & More Sammler

Für wen sich die Karte jetzt wirklich lohnt

Unterm Strich ist die Miles & More Kreditkarte kein Produkt für Bonus-Jäger. Wer einmalig ein möglichst großes Startguthaben abgreifen und die Karte danach wieder kündigen will, findet anderswo deutlich mehr – und sollte sie getrost links liegen lassen.

Miles and More Blue Kreditkarte
Die richtige Kartenwahl hängt vom Nutzungsprofil ab

Ihre Stärke liegt an anderer Stelle: im Schutz eines bestehenden Meilenkontos, im kontinuierlichen Sammeln – als Geschäftskarte sogar doppelt – und in einem Versicherungspaket, das den Jahrespreis für sich genommen bereits trägt. Die jüngsten Neuerungen rund um Guthabenzins und Wolt+ zeigen zusätzlich, dass die Deutsche Bank das Produkt weiterentwickelt, statt es nur zu übernehmen.

Interessant ist dabei der Zeitpunkt. Der Wechsel zur Deutschen Bank hätte auch in einer stillen Übernahme enden können – stattdessen folgten binnen weniger Monate gleich mehrere spürbare Verbesserungen. Das macht die Karte nicht über Nacht zum Testsieger, verschiebt aber das Verhältnis von Preis und Leistung merklich nach oben.

Miles and More Blue Kreditkarte App
Die Neuerungen kommen Schlag auf Schlag

Für Vielflieger mit Meilenguthaben, für Selbstständige mit hohem Kartenumsatz und für alle, die den Versicherungsschutz ohnehin brauchen, ist die Karte damit deutlich attraktiver, als der Blick auf den Willkommensbonus zunächst vermuten lässt. Man muss sie nur richtig lesen – und den Wert dort suchen, wo er wirklich liegt, statt allein in der ersten Zahl im Werbebanner. Wer das tut, entdeckt eine der stilleren, aber solidesten Meilenkarten am Markt.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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