Thai Airways verabschiedet sich von der klassischen First Class – ein weiteres Indiz für das langsame Aussterben der Königsklasse? Das Bild ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint.
Wenn selbst eine renommierte Airline wie Thai Airways nach vielen Jahrzehnten die First Class abschafft, liegt die Frage nahe: Ist die teuerste aller Reiseklassen ein Auslaufmodell? Tatsächlich haben in den vergangenen Jahren immer mehr Fluggesellschaften ihre First Class gestrichen. Zugleich bauen andere sie sogar aus. Höchste Zeit, das Für und Wider einmal ausführlich zu beleuchten – und der Frage nachzugehen, wohin sich die First Class wirklich entwickelt.
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Immer mehr Airlines streichen die First Class
Thai Airways ist nur das jüngste Beispiel: Ab 2027 ersetzt die Airline ihre First Class durch ein gehobenes Business-Produkt mit dem Namen „Business First”. Andere sind diesen Schritt längst gegangen. Malaysia Airlines etwa verzichtet in seinen Airbus A350 komplett auf eine echte First Class, und die großen US-Airlines American, United und Delta haben sich auf der Langstrecke schon vor Jahren von der ersten Klasse verabschiedet – ganz vorne sitzt dort heute die Business Class.

Der Grund ist vor allem wirtschaftlich. Eine First Class-Kabine ist teuer: Sie belegt viel Platz, verlangt eigenes Personal, aufwendiges Catering und exklusive Lounges. Bleibt der Bereich halb leer oder werden die Sitze vor allem als Upgrade vergeben, geht die Rechnung kaum auf. Für viele Airlines ist eine exzellente Business Class schlicht das profitablere Geschäft.
Wenn die Business Class zur neuen First wird
Der wohl wichtigste Grund für das Verschwinden der First Class: Die Business Class ist so gut geworden, dass sie vieles übernimmt, wofür man früher die erste Klasse brauchte. Suiten mit Schiebetüren, vollwertige Lie-flat-Betten, direkter Gangzugang und gehobene Gastronomie sind in der Business Class längst keine Seltenheit mehr.

Qatar Airways hat mit der QSuite den Maßstab gesetzt, inzwischen folgt eine ganze Welle an „Business Class Plus”-Produkten. Allein die neue Lufthansa-Business im Rahmen von Allegris kennt mehrere Sitzvarianten bis hin zur großzügigen „Business Suite”, und Thai Airways nennt sein künftiges Spitzenprodukt nicht ohne Grund „Business First”.
Die Grenze zwischen Business und First verschwimmt zusehends – und genau das macht eine separate First Class für viele Airlines überflüssig.
Gegentrend: Air France und Lufthansa setzen weiter auf First
Und doch ist die First Class alles andere als tot – im Gegenteil. Air France baut seine La Première sogar deutlich aus: Die brandneue Suite gleicht mit knapp dreieinhalb Quadratmetern, fünf Fenstern und getrennten Zonen zum Arbeiten, Essen und Schlafen eher einem kleinen Apartment über den Wolken. Sie wird seit März 2026 in der Boeing 777-300ER ausgerollt, kommt 2026 auf neue US-Strecken wie Atlanta, Houston und Boston und soll bis Jahresende die gesamte Vierklassen-Flotte erreichen.

Auch die Lufthansa hat die First Class in ihre neue Allegris-Generation gerettet – mit neu gestalteten Suiten samt einer „Suite Plus” für zwei gemeinsam Reisende. Dazu halten Emirates, Singapore Airlines, Cathay Pacific, Etihad und einige weitere konsequent an ihrer ersten Klasse fest. Die Königsklasse hat also weiterhin ihren Platz – nur einen anderen als früher.
Weniger Sitze, mehr Exklusivität – die neue Logik der First Class
Denn dort, wo die First Class überlebt, wird sie kleiner und exklusiver. Bei Lufthansa etwa schrumpft die erste Klasse mit Allegris im neuen A350 von früher acht auf nur noch drei – dank der mittleren „Suite Plus” für zwei gemeinsam Reisende effektiv 3,5 – Plätze. Die Boeing 747-8 soll künftig sechs statt acht Suiten erhalten, in den A380 wird die neue First dagegen gar nicht erst verbaut – dort bleibt vorerst die bisherige Kabine. Aus einer einst vergleichsweise großen First-Class-Kabine wird so ein kleiner, dafür umso edlerer Bereich.

Die Logik dahinter: Weniger, aber deutlich hochwertigere Sitze bringen mehr Ertrag pro Quadratmeter, schaffen ein exklusives Aushängeschild für die Marke und eine begehrte Upgrade- und Statusprämie – ohne die Kosten einer großen First-Class-Kabine. Die erste Klasse wird so vom Massen-Premiumprodukt zum kleinen Luxus-Flaggschiff. Über die Verkaufsstrategie hinter der neuen Allegris First haben wir an anderer Stelle ausführlich geschrieben.
First Class auf dem Schmalrumpf – Etihad zeigt eine neue Nische
Für eine echte Überraschung sorgt eine Entwicklung dort, wo man sie am wenigsten erwartet: auf Schmalrumpfflugzeugen. Etihad stattet seinen neuen Airbus A321LR mit zwei vollwertigen First-Class-Suiten in der ersten Reihe aus – inklusive Schiebetür –, ergänzt um Business-Mini-Suiten.
Das zeigt: Premiumkabinen wandern zunehmend auf die Mittelstrecke, wo eine kleine, exklusive First-Class-Kabine eine Airline auf Strecken differenzieren kann, die so etwas nie hatten. Ob sich Business – oder gar First – in Kleinraummaschinen wirklich lohnt, haben wir gesondert beleuchtet.
Was die First Class heute noch besonders macht – und für wen
Bleibt die Frage, was die First Class eigentlich noch von einer immer besseren Business Class abhebt. Die Antwort liegt jenseits des Sitzes: im eigenen Bodenerlebnis samt Limousinen-Transfer und First-Class-Terminal, in mehr Privatsphäre und Platz, in exklusivem Catering und einem Service-Niveau, das die Business Class nicht erreicht. Genau hier legt etwa die Lufthansa noch einmal nach: Im Rahmen ihres Projekt FOX hebt sie das First-Class-Erlebnis weiter an – mit einem neuen Fine-Dining-Konzept, entwickelt mit einem Münchner Zwei-Sterne-Koch, edleren Amenities und stärker personalisiertem Service. Welche Details die First Class wirklich ausmachen, haben wir gesondert aufgeschlüsselt.

Aufschlussreich ist zudem, wo First Class heute überhaupt noch stattfindet: vor allem auf den Premium-Strecken zwischen Nordamerika und Europa – und bei Emirates, dem mit großem Abstand größten First-Class-Betreiber der Welt. Das verrät viel über die Kernzielgruppe: zahlungskräftige, häufig ältere US-Reisende, für die die erste Klasse nach wie vor ein fester Begriff ist. Wo diese Nachfrage fehlt, lohnt sich eine eigene First Class für die Airlines schlicht kaum.
Der Haken für uns Reisende liegt allerdings im Zugang: Die First Class mit Meilen zu buchen, ist spürbar schwieriger geworden – weniger Prämiensitze, mehr Restriktionen und höhere Preise, wie wir mit Blick auf den Traum von der First Class mit Meilen beschrieben haben. Die erste Klasse wird also seltener und besonderer, aber eben auch schwerer erreichbar.
Kein Auslaufmodell, aber ein anderes Produkt
Die First Class stirbt nicht – sie polarisiert. Bei vielen Airlines verschwindet sie und wird durch ein gehobenes Business-Produkt ersetzt, das die Aufgabe günstiger erledigt. Bei einigen wenigen wird sie zum ultra-exklusiven Flaggschiff: weniger Sitze, mehr Luxus, neuerdings sogar auf neuen Flugzeugtypen.
Die Zukunft der First Class ist damit keine Frage von „ob”, sondern von „wo und wie”. Sie überlebt als kleines, hochpreisiges Aushängeschild für Airlines, die es sich leisten können und das Prestige wollen – während bei allen anderen die „Business Plus” übernimmt. Für uns Reisende heißt das: Echte First Class wird zum selteneren, exklusiveren Erlebnis – eines, das man genießen sollte, solange es es noch gibt.
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