Singapore Airlines hat ihre neue Business Class vorgestellt und bringt damit erstmals Türen in die Kabine. Beim Showcase in Singapur konnte ich sie mir anschauen. Meine ersten Eindrücke zeige ich Euch hier!
Während der Vorstellung des neuen Reiseerlebnisses im Marina Bay Sands Convention Center wurden die neuen Sitze als Mockup sowie die weiteren Annehmlichkeiten der Reiseklassen präsentiert. So konnte bereits ein guter Eindruck von dem neuen Komfort entstehen – wenn auch zunächst am Boden. Abheben sollen die Sitze ab dem zweiten Halbjahr 2027 im Airbus A350-900 und in der Boeing 777-9. Alle Eckdaten und Infos findet Ihr in unserer News zur Vorstellung.
Auffälliges Design, inspiriert von der Automobilwelt
BMW-Design trifft schwäbische Sitzbaukunst: Entworfen hat die neue Business Class Designworks, die Designtochter der BMW Group, gebaut wird sie von RECARO. In der 1-2-1-Anordnung bekommt jeder Platz direkten Gangzugang und eine eigene Schiebetür. Dazu kommen 50 Zoll (rund 1,27 Meter) Sitzabstand und 22 Zoll (rund 56 Zentimeter) Sitzbreite im Airbus A350, in der Boeing 777-9 sind es sogar 24 Zoll (rund 61 Zentimeter). Zum Schlafen wird daraus ein flaches, rund 2 Meter langes und bis zu 61 Zentimeter breites Bett.
Blau, Grau und Gelb: Während viele Airlines gerade auf warme, klassische Kabinen setzen, geht Singapore Airlines bei ihrer neuen Business Class einen anderen Weg. Designworks, die Designtochter der BMW Group, wollte eine Kabine mit eigener Haltung schaffen:
[…] We wanted this business class to stand on its own, with its own attitude. Modern, progressive, refreshing.
Julia de Bono, Chief Executive Officer von Designworks
Gerade die gelben Akzente fallen direkt ins Auge und sind eine mutige Farbentscheidung, die sich gegen das moderne Grau absetzt. Genauso ist anhand des Rückenteils direkt die Anlehnung an den sportlichen Autositz erkennbar. Denn der Sitz selbst soll sich laut Julia de Bono anfühlen wie ein guter Autositz, also Halt und Komfort zugleich bieten. Tatsächlich strahlt der Sitz durch die Formgebung und Bauweise eine starke Geborgenheit aus – weniger in dem kuscheligen Sinne als mehr in einem technischen Sicherheitssinn, wie im Auto. Der Sitz wird dem Designkonzept also definitiv gerecht.
Auch die Formen folgen einem Konzept: Eine horizontale Linie zieht sich durch die Suite und öffnet sich etwa zur Ablage für Getränke. Laut de Bono sollen diese Designelemente auch als Führungslinien zu wichtigen Funktionen dienen, sodass der Passagier nicht viel herumsuchen muss.
Der Sitz wirkt – auch durch das eigenständige Design – wie eine eigene kleine Kapsel zum Abschalten oder Fokussieren. An vielen Stellen ist praktischer Stauraum eingebaut, sodass alle Gegenstände einen Platz finden dürften.
Überzeugende Privatsphäre dank Tür an jedem Sitz
Die Tür ist der größte Schritt der neuen Business Class, denn bislang hat Singapore Airlines in dieser Klasse keine einzige. Wie hoch die Sitzschale ausfallen sollte, war dabei eine bewusste Entscheidung der Designer:
The shell height was a careful decision. We could have gone higher but we wanted to have the exact perfect height to balance between you feeling the privacy without ever feeling boxed in.
Julia de Bono, Chief Executive Officer von Designworks
Die Türen sorgen nicht nur für mehr Privatsphäre, sondern verwandeln den Sitz in seine eigene Welt. So ist kompletter Rückzug auf langen Flügen möglich und mehr Privatsphäre etwa beim Arbeiten oder Schlafen.
Die breite Ablagefläche beim neuen Sitz ist wunderbar für mehrere oder auch größere Gegenstände, kann allerdings in Kombination mit der geschlossenen Tür auch etwas raumfüllender wirken. Dafür ist der Fußraum sehr geräumig gehalten und bietet nach vorne viel Platz.
Zwischen den Mittelsitzen gibt es zusätzlich eine elektrische Trennwand. Den Schalter dafür findet Ihr direkt auf der Trennwand. So können gemeinsam Reisende die Wand öffnen, Fremde bekommen dagegen mehr Privatsphäre.
Vielversprechendes Bett beim Probeliegen
Beim heutigen Sitz wird die Rückenlehne von Hand umgeklappt und Ihr liegt schräg. Damit ist nun Schluss, denn alle Sitze zeigen nach vorn und das Bett entsteht direkt aus dem Sitz:
You can lie down where you sit. Nothing turns, nothing has to be rearranged.
Julia de Bono, Chief Executive Officer von Designworks
Laut Ong Wah Li, Vice President Product Experience, wollen Kunden in einer natürlichen, nach vorn gerichteten Position schlafen. An ausgewählten Mittelsitzen lässt sich die Trennwand zudem so weit absenken, dass ein gemeinsames Bett entsteht. Wie gut man wirklich schläft, kann ein Probeliegen am Boden aber nicht zeigen, das wird erst der erste Flug beantworten.
Für mehr Platz an den Füßen sorgt der neue Tisch, der schräg verstaut wird. Dadurch entsteht ein großer Fußraum, der im Sitzen sehr angenehm zum Ausstrecken ist.
Dazu kommt ein neues Sitzkissen, das die Akzente des Sitzes aufgreift.
Im Vergleich zum aktuellen Sitz ist besonders das gerade nach vorne gerichtete Liegen ein Plus. Auch wenn das Umklappen des Sitzes bisher nicht sehr umständlich ist, bringt auch das elektrische Verstellen einen deutlichen Mehrwert – sitzen bleiben und Knopf drücken statt aufstehen.
Durchdachte Details für Arbeit und Entertainment
Die Sitzsteuerung läuft über neu gestaltete Tasten, lässt sich leicht bedienen und ist mit erklärenden Zeichnungen versehen. Rund um den Sitz gibt es mehrere Fächer, kabelloses Laden, USB-C und eine Steckdose.
Im schmalen Seitenfach, das auch einen Spiegel enthält, finden die Kopfhörer ihren Platz. Für Getränke gibt es eine eigene Ablage, die sich aus der horizontalen Linie des Sitzes öffnet.
Der Klapptisch misst 22 mal 14,7 Zoll (rund 56 mal 37 Zentimeter), der Bildschirm 22 Zoll im A350 und 20 Zoll in der 777-9. Was das System kann und wie sich Eure Sitzposition speichern lässt, lest Ihr in unserem Artikel zur neuen KrisWorld.
Auch abseits des Sitzes tut sich etwas: In der Business Class gibt es neue Amenity Kits mit Produkten von BYREDO und erstmals einen Schlafanzug. Serviert wird künftig auf Geschirr von Christofle.
Auch Hausschuhe und eine Augenmaske lagen beim Showcase bereit. Besonders der Schlafanzug ist für mich persönlich ein Highlight und rundet das neue Schlaferlebnis perfekt ab.
Neben den Amenity Kits zeigte Singapore Airlines beim Showcase auch neue Gerichte. Insgesamt sollen über 100 neue und überarbeitete Gerichte für alle Reiseklassen an Bord kommen, wie Ihr in unserer News zur neuen Menükarte nachlesen könnt. Vor Ort konnte ich einige Speisen bereits probieren – besonders lecker fand ich den gerösteten Blumenkohl mit Pastinaken-Pürree.
Gebaut von RECARO: Ein deutscher Sitz für Singapore Airlines
Gefertigt wird der Sitz von RECARO, und zwar in Handarbeit in Schwäbisch Hall. Dr. Mark Hiller, Chief Executive Officer von RECARO Aircraft Seating, zeigte sich vor Ort stolz auf die Zusammenarbeit: 2019 bekam das Unternehmen den Zuschlag, mit Designworks hatte es zuvor schon kooperiert.
Für Reisende wird laut Hiller vor allem das Raumgefühl in Kombination mit der Privatsphäre den größten Mehrwert bringen. Dimensionen und Ausstattung seien speziell für Singapore Airlines angepasst worden. Gerade bei Schale, Fächern und Stauraum bringen sich die Airlines am stärksten ein, dort wird ein Sitz zum eigenen Produkt.
Nach eigenen Angaben ist RECARO Marktführer bei Economy Class Sitzen und will langfristig auch in der Business Class ganz nach vorn. Anspruchsvolle Kunden wie Singapore Airlines helfen laut Hiller dabei, sich weiterzuentwickeln. Weitere Business Class Projekte laufen etwa mit LOT Polish Airlines und LATAM für die Boeing 787.
Starke Konkurrenz: So ordnet sich die neue Business Class ein
Mit der Tür zieht Singapore Airlines mit Lufthansa Allegris, SWISS Senses, Air France, der Qatar Airways QSuite, Cathay Pacific und Delta gleich. Bei Lufthansa und SWISS gibt es die Tür allerdings nur an einzelnen Business Suites, bei Delta schließt sie nicht ganz. Singapore Airlines baut sie dagegen an jeden Sitz. Die QSuite gilt mit ihrer rund 1,30 Meter hohen Tür als Branchenstandard, ist in unserem Review aber etwas eng und bietet wenig Ablagefläche. Genau dort könnte Singapore Airlines punkten. Die wichtigsten Konkurrenten im Vergleich:
| Produkt | Tür | Einordnung |
|---|---|---|
| Singapore Airlines neue Business Class | an jedem Sitz | noch nicht im Flug getestet |
| Lufthansa Allegris | nur an einzelnen Business Suites | direkter Vergleich ab Deutschland |
| SWISS Senses | nur an einzelnen Business Suites | Wettbewerber im DACH-Raum |
| Air France Business Class | an jedem Sitz der neuen Generation, rund 1,5 Meter | europäischer Maßstab mit Tür, bei uns 4,0 von 5 |
| Qatar Airways QSuite | an jedem Sitz, rund 1,30 Meter | wichtigster Golf-Konkurrent nach Asien, bei uns 4,6 von 5 |
| Cathay Pacific Aria Suite | an jedem Sitz | neuer Maßstab in Asien, 24-Zoll-Bildschirm |
| Delta One Suite | an jedem Sitz, schließt nicht ganz | oft zitierter Vergleich |
Spannend ist, ob Singapore Airlines darüber hinausgeht. Teilweise ja: Das Bett für zwei aus den Mittelsitzen gab es bei Singapore Airlines bisher nur im Airbus A380, dazu kommt die gespeicherte Sitzposition. Beim Bildschirm ist die Konkurrenz teils weiter, die Aria Suite von Cathay Pacific kommt etwa auf 24 Zoll.
Für Singapore Airlines selbst bringt der neue Sitz zudem mehr Einheitlichkeit: Heute gibt es in der Flotte vier verschiedene Business Class Sitze, der neue kommt in den Airbus A350 und die Boeing 777-9.
Im Vergleich: angereist im Sitz von 2013
Zum Singapore Airlines Event bin ich in der aktuellen Business Class im Airbus A350 angereist, deren Sitz aus dem Jahr 2013 stammt. Die Unterschiede sind deutlich: Dort gibt es keine Tür, das Bett klappt Ihr von Hand um, Ihr liegt schräg und der Fußraum ist klein. Auch der Bildschirm fällt mit 18 Zoll kleiner aus. Wie ich den aktuellen Sitz fand, lest Ihr bald in meinem Review.
Fazit zu den ersten Eindrücken der neuen Singapore Airlines Business Class
Mit Tür, geradem Bett und größerem Fußraum beseitigt Singapore Airlines die größten Schwächen des bisherigen Sitzes. Julia de Bono beschreibt die Aufgabe des Sitzes mit einer einfachen Frage: “Does it get you ready for what’s next?” Beantwortet werden kann die Frage ab dem zweiten Halbjahr 2027.
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