Seit 1893 verbindet die Postschiffroute die Orte entlang der norwegischen Küste. Aus dem Liniendienst von damals sind zehn Schiffe geworden, die bis heute dieselbe Strecke fahren, bis zu 34 Häfen anlaufen und dabei an manchen Anlegern nur zehn Minuten bleiben.
Weil sich die Schiffe stark ähneln und Hurtigruten sie inzwischen auf zwei sehr unterschiedliche Reisearten verteilt, lohnt der Überblick über die ganze Flotte mehr als die Suche nach dem einen richtigen Schiff. Wir zeigen Euch, welches Schiff wofür fährt und worin sich die Reisen tatsächlich unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Schiffe fahren auf der Postschiffroute?
- Was unterscheidet die Signature-Reisen von der klassischen Route?
- Wie groß sind die Schiffe?
- Wo wird an Bord gegessen?
- Welche Kabinen gibt es an Bord?
- Was gibt es an Deck und in den Lounges?
- Wie umweltfreundlich fährt die Flotte?
- Was kostet eine Reise auf der Postschiffroute?
- Für wen lohnt sich eine Postschiffreise?
- Weitere Schiffe und Anbieter im Überblick
Welche Schiffe fahren auf der Postschiffroute?
Hurtigruten führt für die norwegische Küste zehn Schiffe. Fast alle tragen Namen, die sich auf die Route, die Landschaft oder die Geschichte der Reederei beziehen:
- MS Richard With trägt den Namen des Kapitäns, der die Route 1893 ins Leben rief
- MS Vesterålen gehört zu den ältesten und kleinsten Schiffen der Flotte; den Namen trug schon der allererste Dampfer der Route
- MS Nordkapp ist nach dem nördlichsten Punkt des europäischen Festlands bei 71 Grad Nord benannt
- MS Kong Harald erinnert an Norwegens regierenden Monarchen, selbst ein erfahrener Seemann
- MS Nordlys heißt übersetzt Nordlicht, worauf auch die Innenausstattung anspielt
- MS Polarlys steht für dasselbe Winterphänomen in der Arktis
- MS Nordnorge ist nach Nordnorwegen benannt, das größtenteils nördlich des Polarkreises liegt
- MS Midnatsol verweist auf die Mitternachtssonne, die im Sommer 24 Stunden am Himmel steht
- MS Trollfjord trägt den Namen eines schmalen Fjords im Vesterålen-Archipel
- MS Finnmarken ist das moderne Hybridschiff der Flotte
Wer die Route im Winter fährt, hat gute Chancen auf das Naturschauspiel, dem gleich zwei dieser Schiffe ihren Namen verdanken.

So ähnlich die Schiffe gebaut sind, so unterschiedlich sind inzwischen die Reisen, auf denen sie eingesetzt werden.
Was unterscheidet die Signature-Reisen von der klassischen Route?
Hurtigruten trennt das Angebot in zwei Linien. Die klassische Postschiffroute ist der ursprüngliche Liniendienst: bis zu 34 Häfen, Aufenthalte zwischen zehn Minuten und vier Stunden, an Bord reisen Einheimische mit. Wer die Küste in ihrer Alltagsfunktion erleben will, ist hier richtig.
Die Signature-Reisen setzen den Gegenakzent: weniger Häfen, dafür längere Aufenthalte von mehreren Stunden in bis zu 14 Orten, Vollpension mit All-inclusive-Getränkepaket und ein großes deutschsprachiges Expeditionsteam an Bord. Gefahren werden sie als Nordkap-Linie ab Hamburg und als Spitzbergen-Linie. Für den deutschen Markt ist besonders relevant, dass MS Finnmarken und MS Midnatsol direkt ab Hamburg starten, die Anreise nach Bergen also entfällt. MS Midnatsol gehört seit Mai 2026 zu dieser Signature-Flotte.
Wie groß sind die Schiffe?
Hurtigruten nennt für die Flotte weniger als 500 Gäste an Bord. Das ist der eigentliche Unterschied zu jeder Mainstream-Kreuzfahrt: Schiffe dieser Größe kommen an Anleger, die für große Einheiten schlicht nicht erreichbar sind, und genau davon lebt eine Route mit mehr als 30 Anlaufpunkten.
Die Flotte ist historisch gewachsen und dementsprechend nicht einheitlich. MS Vesterålen zählt zu den ältesten und kleinsten Schiffen, MS Finnmarken zu den modernsten. Wer Wert auf einen bestimmten Ausstattungsstand legt, sollte deshalb nicht die Route, sondern das konkrete Schiff prüfen.
Wo wird an Bord gegessen?
Die Gastronomie folgt derselben Zweiteilung wie die Reisen. Auf den Schiffen der klassischen Route stehen drei Lokale mit norwegischen Namen:
- Torget, norwegisch für Marktplatz, als Hauptrestaurant für alle drei Mahlzeiten, abends als Buffet oder festes Menü
- Kysten, norwegisch für Küste, als À-la-carte-Restaurant
- Brygga, norwegisch für Werft, als Bistro mit Salaten und Pizza
Auf den Signature-Schiffen heißen die Lokale anders und sind aufwendiger angelegt: Flora als Hauptrestaurant, die Brasserie Árran mit traditioneller norwegischer Küche und das Gourmetrestaurant Røst mit wechselnden Drei- bis Fünf-Gänge-Menüs aus rund 16 saisonalen Gerichten. Der Name Árran stammt aus dem Nordsamischen und bezeichnet das Feuer im traditionellen Lavvo-Zelt.

Untergebracht sind die Gäste je nach Schiff und Budget sehr unterschiedlich.
Welche Kabinen gibt es an Bord?
Die Spanne reicht von einfachen Kabinen ohne Fenster bis zur Eigner-Suite auf dem Oberdeck. Dazwischen liegen große Außenkabinen mit Fenster auf dem Promenaden- und Mitteldeck, Mini-Suiten und Suiten mit zwei Betten. Weil die Schiffe unterschiedlich alt sind, weicht das Kabinenangebot von Schiff zu Schiff ab.
Ein Hinweis, der vor der Buchung Geld spart: Auf einer Route mit über 30 Häfen verbringt man tagsüber ohnehin wenig Zeit in der Kabine. Der Aufpreis für eine höhere Kategorie lohnt sich vor allem auf den längeren Signature-Reisen mit Seetagen, weniger auf einer kurzen Teilstrecke.

Mehr Zeit als in der Kabine verbringen die meisten Gäste ohnehin in den öffentlichen Bereichen.
Was gibt es an Deck und in den Lounges?
Zur Standardausstattung gehören kostenloses WLAN, Panoramalounges mit Blick auf die Küste, Sauna und Fitnessraum, ein Wäscheraum, Konferenzräume und kontaktloses Bezahlen. Auf den Schiffen der klassischen Route ist die Explorer Lounge & Bar der zentrale Aufenthaltsraum, dazu kommt ein Whirlpool im Freien.
Die Signature-Schiffe legen noch einmal nach: Dort sitzt die 1893 Bar in einer zweistöckigen Panorama-Lounge auf dem Oberdeck und schenkt norwegischen Aquavit aus, die Sauna hat raumhohe Fenster, und ein eigener Vortragsraum wird abends zum Kino. Vorträge, Fototipps, Quizabende und Handwerks-Workshops übernimmt das Expeditionsteam.

Bei aller Tradition hat sich technisch in den vergangenen Jahren am meisten getan.
Wie umweltfreundlich fährt die Flotte?
Hurtigruten hat nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro in die Modernisierung der Flotte gesteckt. Die Reederei nennt dazu konkrete Zahlen und Maßnahmen:
- minus 29,9 Prozent CO2- und minus 69,2 Prozent Stickoxid-Emissionen im Jahr 2024
- drei Schiffe der Flotte fahren mit Hybridantrieb
- Landstromanschluss, kein schweres Heizöl, kein Einwegplastik
- bei MS Richard With senkte der Hybrid-Umbau 2023 Verbrauch und CO2-Ausstoß um etwa ein Viertel, die Stickoxide durch SCR-Technik um mindestens 80 Prozent
Das erklärte Fernziel heißt Sea Zero: Gemeinsam mit dem norwegischen Forschungsinstitut SINTEF arbeitet die Reederei an einem vollständig emissionsfreien Schiff für die klassische Postschiffroute. Es wäre nach eigener Einschätzung das ehrgeizigste Vorhaben der 130-jährigen Firmengeschichte.
Was kostet eine Reise auf der Postschiffroute?
Zur Einordnung zwei Beispiele aus dem offiziellen Angebot, beide als Rundreise über 15 Tage: Die Nordkap-Linie ab und bis Hamburg beginnt bei rund 3.190 Euro pro Person, die Spitzbergen-Linie ab und bis Bergen bei rund 4.499 Euro. Beide Preise verstehen sich als All-inclusive-Tarife.
Wer nur einen Abschnitt fahren möchte, kommt deutlich günstiger weg, weil sich die klassische Route auch in Teilstrecken buchen lässt. Zusätzlich bietet Hurtigruten rund 130 optionale Ausflüge mit einheimischen Guides an, die separat berechnet werden und die Gesamtrechnung spürbar bewegen können.
Für wen lohnt sich eine Postschiffreise?
Die klassische Route passt zu Reisenden, die Norwegen abseits der Kreuzfahrtterminals sehen wollen und denen ein Hafen um drei Uhr morgens lieber ist als ein Bühnenprogramm. Wer dagegen ausschlafen, länger an Land bleiben und deutschsprachig betreut werden möchte, bucht besser eine Signature-Reise.
Nicht geeignet ist das Konzept für alle, die eine klassische Kreuzfahrt mit großem Unterhaltungsangebot erwarten. Wer ein größeres Schiff für Nordeuropa sucht, aber beim skandinavischen Zuschnitt bleiben möchte, findet mit der Viking Neptune eine Alternative.
Weitere Schiffe und Anbieter im Überblick
Für die weitere Einordnung helfen diese Seiten:
- Hurtigruten Guide mit den Expeditionsreisen der Reederei
- Viking Star als deutlich größeres Schiff mit skandinavischem Konzept
- nicko cruises als deutschsprachiger Anbieter mit Fluss- und Hochseereisen
Wer Norwegen lieber mit einem deutschsprachigen Anbieter bereisen möchte, findet bei Plantours Routen bis zum Nordkap. Wie sich Hurtigruten gegenüber den übrigen Reedereien einordnet, zeigt unsere Übersicht der Kreuzfahrt-Reedereien.




