Eigentlich wollte Austrian Airlines ihre Langstreckenflotte bis Ende 2028 komplett auf die Boeing 787-9 umstellen. Daraus wird nun nichts: Die Lufthansa Group hat ihre Zusage für fünf Dreamliner zurückgezogen.
Bei Austrian Airlines kündigte sich zuletzt ein deutlicher Flottenumbau an. Bis 2028 sollte die Boeing 787-9 im großen Stil die Boeing 767-300ER und 777-200ER ersetzen. Nun hat der Mutterkonzern, die Lufthansa Group, die Lieferung von fünf Flugzeugen des Modelltyps gegenüber Austrian Airlines zurückgenommen. Das berichtet aeroTELEGRAPH.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf fabrikneue Boeing 787-9 gehen nicht an Austrian Airlines
- Die Boeing 777-200ER fliegt bis mindestens Ende 2029
- Austrian plant nur noch mit sieben statt zwölf Dreamlinern
Nur noch sieben statt zwölf Dreamliner
Die Lufthansa Group hat derzeit viele Herausforderungen zu bewältigen. Das Unternehmen steht unter Kostendruck – nicht zuletzt wegen gestiegener Kerosinpreise. Auch deshalb hat die Fluggesellschaft im Frühjahr 2026 ihre Flottenmodernisierung vorgezogen. Lufthansa CityLine stellte den Flugbetrieb ein, ältere Langstreckenjets verschwinden früher aus der Flotte. So sollte sich ursprünglich auch Austrian Airlines von der Boeing 767-300ER und der Boeing 777-200ER verabschieden. An deren Stelle sollte die Boeing 787-9 zum Einsatz kommen.
Mit zwölf Exemplaren des Dreamliners hatte Austrian Airlines bis zum Jahr 2028 geplant. Aktuell betreibt die Airline bereits vier Modelle des Flugzeugtyps, die aus dem Lufthansa-Konzern an die Airline weitergegeben wurden. Im Laufe des Jahres 2027 kommen dann drei weitere aus dem Bestand des Konzerns hinzu. Damit wächst die Flotte auf sieben Dreamliner an.
Doch die weiteren fünf 787-9-Jets, die Ende 2027 und 2028 fabrikneu ausgeliefert werden sollten, wird Austrian Airlines nicht erhalten. Die Lufthansa Group wird diese an eine andere Airline innerhalb des Konzerns verteilen. Das hat Austrian Airlines inzwischen bestätigt.
Wirtschaftlichkeit von Austrian Airlines könnte Ursache der Entscheidung sein
Die Hintergründe der Entscheidung sind offiziell nicht bekannt. Laut aeroTELEGRAPH spielt die wirtschaftliche Lage von Austrian Airlines eine Rolle. Denn: Die Marge von Austrian Airlines ist eher klein, liegt unter dem europäischen Schnitt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Austrian Airlines eine bereinigte operative Marge von 3,2 Prozent. Die IATA hatte für europäische Airlines im Schnitt rund 6,8 Prozent erwartet.
Zudem gilt Wien – der Hauptstandort von Austrian Airlines – als teurer Standort, unter anderem wegen der Flughafengebühren und der österreichischen Ticketabgabe. Vor dem Hintergrund eines hohen Kostendrucks vergibt die Lufthansa Group die Flugzeuge nun womöglich an Airlines, die eine höhere Marge versprechen. Wohin genau, ist unklar.
Von der vorgezogenen Flottenerneuerung des Lufthansa Konzerns profitiert die Austrian Airlines erneut nicht. Nachdem bereits die Boeing 767-300ER ein Jahr länger im Linienbetrieb bleibt als vorgesehen und bis Dezember 2026 bei Austrian Airlines fliegt, ist jetzt klar: Auch die Boeing 777-200ER wird deutlich länger im Einsatz sein als vorgesehen. Laut einer Sprecherin von Austrian Airlines wird erwartet, dass die Boeing 777-200ER bis Ende 2029/Anfang 2030 zur Flotte zählt.
Das Projekt Flottenumbau erhält damit weitere Kratzer. Austrian Airlines hatte die Umstellung auf die Boeing 787-9 einst als größte Flotteninvestition ihrer Geschichte tituliert. Mit der Entscheidung der Lufthansa Group, die Flugzeuge anderweitig zu verteilen, ist das Vorhaben in seiner ursprünglichen Form vom Tisch. Die fünf fabrikneuen Langstreckenjets bekommt Austrian vorerst nicht.
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