Seit Ende Februar 2026 ist der Kerosinpreis so stark gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Mit der Sperrung der Straße von Hormus hat sich Flugbenzin innerhalb weniger Wochen etwa verdoppelt, und viele Airlines haben ihre Zuschläge erhöht oder Flüge gestrichen.

Wir zeigen, wie teuer Kerosin aktuell ist, welchen Anteil der Treibstoff an Eurem Ticket hat, warum Flugpreise trotzdem nur verzögert reagieren und welche Rolle Treibstoffzuschläge, Luftverkehrsteuer, Emissionshandel und die SAF-Quote spielen. Diesen Guide haben wir im Oktober 2026 komplett überarbeitet.

Das Wichtigste in Kürze: Laut IATA lag der weltweite Durchschnittspreis für Kerosin Ende September 2026 bei rund 185 US-Dollar pro Barrel, umgerechnet etwa ein Euro pro Liter. Im Jahr 2025 waren es im Schnitt nur rund 90 US-Dollar. Treibstoff macht nach IATA-Prognose 2026 knapp ein Drittel der Betriebskosten von Airlines aus. Weil viele Fluggesellschaften ihren Bedarf vorab absichern, schlagen Preissprünge nur verzögert auf die Tickets durch. Bereits gekaufte Flugtickets dürfen nachträglich nicht wegen höherer Treibstoffkosten verteuert werden.

Wie hoch ist der Kerosinpreis aktuell und was kostet ein Liter Kerosin?

Den besten Überblick gibt der Jet Fuel Price Monitor des Airline-Verbands IATA, der wöchentlich die Daten des Preisdienstes Platts auswertet. Ende September 2026 lag der weltweite Durchschnitt demnach bei 185,43 US-Dollar pro Barrel, ein Barrel entspricht 159 Litern. In der Vorwoche waren es noch knapp 195 US-Dollar. Die US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche bis zum 25. September 2026 an der US-Golfküste einen Spotpreis von 4,35 US-Dollar pro Gallone, was einem sehr ähnlichen Niveau entspricht.

Rechnet man das um, kostet ein Liter Kerosin auf dem Weltmarkt aktuell rund 1,17 US-Dollar oder beim Wechselkurs von Anfang Oktober 2026 etwa ein Euro. Das ist der Preis ab Raffinerie, Transport, Lagerung und Flughafengebühren kommen für die Airlines noch hinzu. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Kerosinpreis laut IATA bei rund 90 US-Dollar pro Barrel, der Liter kostete damals also nur etwa die Hälfte.

Betankung eines Flugzeugs am Flughafen
Ein Liter Kerosin kostet ab Raffinerie derzeit rund einen Euro

Auslöser des Preissprungs ist der Krieg im Nahen Osten. Mit der Sperrung der Straße von Hormus am 28. Februar 2026 fielen nach IATA-Angaben rund 470.000 Barrel Kerosin pro Tag aus, etwa 23 Prozent der weltweiten Exporte. Europa ist besonders betroffen, denn rund 40 Prozent seiner Kerosinimporte stammen aus der Golfregion. Die Preisdifferenz zwischen Rohöl und Kerosin erreichte im April 2026 mit 80 US-Dollar pro Barrel einen Rekord, in Singapur kletterte der Kerosinpreis zeitweise auf über 230 US-Dollar. Nach einer Entspannung im Juni zogen die Preise im September 2026 mit neuen Angriffen auf Schiffe und Energieanlagen wieder deutlich an.

Welchen Anteil hat Kerosin am Preis Eures Flugtickets?

Treibstoff ist neben dem Personal der größte Kostenblock einer Airline. Laut IATA machte er im Jahr 2025 weltweit 25,4 Prozent der Betriebskosten aus, für 2026 rechnet der Verband mit 31,4 Prozent. Die gesamte Treibstoffrechnung der Branche dürfte von 252 auf rund 350 Milliarden US-Dollar steigen. Wie groß der Anteil am einzelnen Ticket ist, hängt von Strecke, Flugzeug, Auslastung und Reiseklasse ab.

Eine grobe Rechnung zeigt die Größenordnung. Die IATA beziffert den Verbrauch für 2026 auf durchschnittlich 4,0 Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Beim aktuellen Preis von etwa einem Euro pro Liter entfallen damit rund vier Euro Treibstoffkosten auf jeden Passagier und jede 100 Kilometer, zum Durchschnittspreis des Jahres 2025 waren es nur etwa zwei Euro.

Strecke (einfach)Kerosinkosten pro Passagier bei Preisniveau 2025Kerosinkosten pro Passagier bei Preisniveau Ende September 2026
Hamburg – München (rund 600 Kilometer)etwa 12 Euroetwa 25 Euro
Berlin – Madrid (rund 1.800 Kilometer)etwa 36 Euroetwa 74 Euro
Frankfurt – New York (rund 6.200 Kilometer)etwa 124 Euroetwa 255 Euro
München – Singapur (rund 10.100 Kilometer)etwa 202 Euroetwa 415 Euro

Die Tabelle ist eine Modellrechnung auf Basis von Durchschnittswerten. Auf Kurzstrecken liegen die tatsächlichen Kosten pro Kilometer höher, weil Start und Steigflug besonders viel Treibstoff verbrauchen. In der Business und First Class beansprucht ein Passagier deutlich mehr Platz und damit einen größeren Teil des Verbrauchs. Für einen Hin- und Rückflug nach Singapur kämen beim aktuellen Preisniveau rechnerisch schon über 800 Euro Kerosinkosten pro Economy-Passagier zusammen.

Warum steigen Flugpreise nicht sofort mit dem Kerosinpreis?

Der wichtigste Grund ist das sogenannte Hedging. Airlines kaufen ihren Treibstoff nicht nur zum Tagespreis, sondern sichern einen großen Teil ihres Bedarfs Monate im Voraus über Termingeschäfte ab. Die Lufthansa Group hatte ihren Kerosinbedarf für 2026 laut Halbjahresbericht zu rund 86 Prozent abgesichert. Ihre Treibstoffkosten stiegen im ersten Halbjahr 2026 deshalb nur um 18 Prozent auf 4,18 Milliarden Euro, obwohl Kerosin im Schnitt rund 60 Prozent teurer war als im Vorjahr. Allein die Preissicherung brachte dem Konzern in diesem Zeitraum 585 Millionen Euro.

Lufthansa Airbus A350
Die Lufthansa Group hatte ihren Kerosinbedarf für 2026 zu rund 86 Prozent abgesichert

Weltweit sieht es anders aus. Nach Angaben der IATA haben Airlines im Schnitt nur rund ein Drittel ihres Verbrauchs für 2026 abgesichert. Europäische Fluggesellschaften sind größtenteils gut geschützt, in Asien ist Hedging deutlich weniger verbreitet, und nordamerikanische Airlines haben die niedrigste Absicherungsquote. Die IATA erwartet deshalb, dass die Treibstoffkosten pro Flugkilometer 2026 nur um 39 Prozent steigen, obwohl sich der Marktpreis um fast 70 Prozent verteuert. Läuft die Absicherung aus und bleiben die Preise hoch, wird der Effekt im Folgejahr größer.

Hinzu kommt der Wettbewerb. Eine Airline kann nicht einfach jeden Kostenanstieg weitergeben, sonst bleiben Plätze leer. Ticketpreise entstehen über das Revenue Management, also nach Nachfrage, Buchungsstand und Konkurrenz auf der jeweiligen Strecke. Deshalb setzen Fluggesellschaften in einer solchen Krise zusätzlich bei der Kapazität an. Die Lufthansa Group hat den Flugbetrieb von Lufthansa CityLine eingestellt, die 23 Regionaljets vom Typ CRJ-900 ausgeflottet und legt mit Beginn des Winterflugplans 2026 treibstoffintensive Langstreckenjets wie den Airbus A340-600 vorzeitig still.

Was sind Treibstoffzuschläge und wie hoch sind sie 2026?

Viele Airlines weisen einen Teil des Ticketpreises gesondert als Zuschlag aus, im Buchungssystem meist mit den Codes YQ oder YR. Bei der Lufthansa Group heißt dieser Posten Zuschlag der Airline. Er fällt bei bezahlten Tickets ebenso an wie bei Prämienflügen mit Meilen. Gerade dort wird er sichtbar, weil Ihr ihn zusätzlich zu den Meilen in bar bezahlt.

Im März 2026 hat die Lufthansa Group ihre Zuschläge innerhalb weniger Wochen zweimal angehoben. Nach Auswertungen des Portals Meilenoptimieren stiegen die Zuschläge für einen Hin- und Rückflug in der Business Class von Frankfurt nach New York von 948 auf 1.348 Euro, in der Economy Class von 208 auf 318 Euro. Air France und KLM erhöhten ihren Treibstoffzuschlag im Frühjahr 2026 auf den meisten Langstrecken um 100 Euro pro Hin- und Rückflug, nach Nordamerika um 70 Euro, und auf Kurz- und Mittelstrecken in der Economy Class um zehn Euro. Welche Fluggesellschaften ganz ohne solche Aufschläge auskommen, zeigen wir in unserem Guide zu Airlines ohne Treibstoffzuschlag.

KLM Cityhopper Embraer E190
Auch Air France und KLM haben ihre Treibstoffzuschläge im Frühjahr 2026 erhöht

Wichtig für Euch: Einen Flug, den Ihr bereits bezahlt habt, darf die Airline nicht nachträglich verteuern. Die EU-Kommission hat am 8. Mai 2026 klargestellt, dass nach der Verordnung 1008/2008 der Endpreis alle unvermeidbaren und vorhersehbaren Bestandteile enthalten muss und Treibstoffzuschläge nicht rückwirkend erhoben werden dürfen. Anders ist es bei Pauschalreisen: Hier erlaubt das Reiserecht eine Preiserhöhung wegen gestiegener Treibstoffkosten, wenn der Vertrag das vorsieht und der Veranstalter sie spätestens 20 Tage vor Reisebeginn mitteilt. Bei mehr als acht Prozent könnt Ihr kostenlos zurücktreten.

Welche Rolle spielen Luftverkehrsteuer, Emissionshandel und SAF-Quote?

Neben dem Kerosin selbst bestimmen staatliche Abgaben und Klimavorgaben den Ticketpreis. Die deutsche Luftverkehrsteuer wurde zum 1. Juli 2026 auf das Niveau vor Mai 2024 gesenkt. Laut Zoll gelten seitdem diese Sätze pro Passagier und Abflug in Deutschland:

DistanzklasseBis 30. Juni 2026Seit 1. Juli 2026
1: EU, EFTA, Beitrittskandidaten und vergleichbar nahe Länder15,53 Euro13,03 Euro
2: Ziele bis 6.000 Kilometer außerhalb der Klasse 139,34 Euro33,01 Euro
3: alle übrigen Länder70,83 Euro59,43 Euro

Die Entlastung von 2,50 bis 11,40 Euro pro Flug fällt angesichts der gestiegenen Treibstoffkosten kaum ins Gewicht. Mehr dazu lest Ihr in unserem Artikel zur Senkung der Luftverkehrsteuer. Gleichzeitig ist ein anderer Kostenblock gewachsen: Seit 2026 bekommen Airlines im EU-Emissionshandel keine kostenlosen Zertifikate mehr für Flüge innerhalb Europas, sie müssen alle Verschmutzungsrechte kaufen. Ausgenommen sind nur Zertifikate, die als Anreiz für den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe vergeben werden.

Swiss Airbus A321neo
Für Flüge innerhalb Europas müssen Airlines seit 2026 alle CO2-Zertifikate kaufen

Dazu kommt die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation. Seit dem 1. Januar 2025 müssen an EU-Flughäfen mindestens zwei Prozent des getankten Treibstoffs nachhaltige Flugkraftstoffe sein, kurz SAF. Bis 2030 steigt die Quote auf sechs Prozent, davon 1,2 Prozent synthetische Kraftstoffe, bis 2035 auf 20 Prozent und bis 2050 auf 70 Prozent. SAF ist deutlich teurer als normales Kerosin, die IATA rechnet für 2026 mit rund 2.872 US-Dollar pro Tonne. Weil SAF bislang nur einen kleinen Teil des Verbrauchs ausmacht, ist der Effekt auf den Ticketpreis derzeit noch gering, er wächst aber mit jeder Stufe der Quote.

Wie entwickelt sich der Kerosinpreis und was bedeutet das für Eure Buchung?

Seriöse Prognosen sind in der aktuellen Lage kaum möglich. Die IATA ging im Juni 2026 von einem durchschnittlichen Kerosinpreis von 152 US-Dollar pro Barrel für das Gesamtjahr aus, fast 70 Prozent mehr als 2025. Selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts dürften die Preise laut IATA erhöht bleiben, weil beschädigte Raffinerien und unterbrochene Lieferketten Zeit brauchen. Ende September lag der Wochenpreis mit rund 185 US-Dollar deutlich über dieser Annahme.

Für die Ticketpreise erwartet die IATA spürbare Steigerungen, weil die Branche mit einer Nettomarge von rund zwei Prozent kaum Puffer hat. Ein Teil wird über höhere Gebühren für Gepäck und Sitzplatzreservierungen hereingeholt, ein Teil über weniger Flüge auf schwächeren Strecken. Gleichzeitig zeigen frühere Krisen, dass Airlines Kostensprünge nie vollständig an die Kundschaft weitergeben.

Singapore Airlines A380
Airlines in Asien haben ihren Treibstoff seltener abgesichert als europäische Fluggesellschaften

Für Euch heißt das vor allem: Wer eine Reise fest plant, sollte nicht zu lange warten. Ein bezahltes Ticket ist vor späteren Zuschlagserhöhungen geschützt, während neue Buchungen das jeweils aktuelle Zuschlagsniveau enthalten. Bei Prämienflügen lohnt der Blick auf Programme und Airlines mit niedrigen Zuschlägen, und bei bezahlten Tickets auf Fluggesellschaften mit hoher Absicherung, die Preissprünge erst später weitergeben müssen. Welche Airlines wegen der Kerosinkosten bereits Flüge gestrichen oder Preise erhöht haben, fassen wir laufend in unserem Überblick zu den Folgen der hohen Kerosinpreise zusammen.

Unser Tipp: Vergleicht bei Prämienflügen immer die Summe aus Meilen und Zuschlägen. Ein Flug, der etwas mehr Meilen kostet, aber über eine Airline ohne Treibstoffzuschlag läuft, ist derzeit oft die deutlich günstigere Wahl.

Fazit zum Einfluss des Kerosinpreises auf Flugtickets

Der Kerosinpreis hat sich seit Ende Februar 2026 etwa verdoppelt und liegt Ende September bei rund einem Euro pro Liter. Damit steigt der Anteil des Treibstoffs an den Kosten der Airlines auf knapp ein Drittel. Bei einem Economy-Flug nach New York entfallen rechnerisch inzwischen rund 250 Euro pro Strecke auf das Kerosin, etwa doppelt so viel wie 2025.

Dass die Ticketpreise nicht im selben Tempo steigen, liegt vor allem an der Absicherung über Hedging und am Wettbewerb. Sichtbar wird der Preisschock dennoch, vor allem über höhere Treibstoffzuschläge und gestrichene Verbindungen. Die gesenkte Luftverkehrsteuer gleicht davon nur einen kleinen Teil aus, während Emissionshandel und SAF-Quote Flüge langfristig weiter verteuern. Wer bucht, sichert sich den aktuellen Preis, denn nachträglich darf die Airline ihn nicht erhöhen.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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