Wer den American Express Neukundenbonus nachrechnet, landet bei der Gold Card – die Platinum Card bleibt die bessere Karte, aber nicht das bessere Bonusangebot.
Seit Anfang 2026 fährt American Express seine gestaffelten Willkommensboni, und weil sie offenbar gut ankommen, laufen sie inzwischen das ganze Jahr. Damit verschiebt sich die Frage. Es geht nicht mehr darum, ob Ihr den Bonus mitnehmt, sondern welcher sich am meisten lohnt. Rechnet man nach, fällt die Antwort deutlicher aus, als viele erwarten.
Die Bonusstaffel kommt offenbar gut an und läuft das ganze Jahr
Was im Januar wie ein befristeter Test aussah, läuft im November unverändert weiter: dieselben Schwellen, dieselben Bonushöhen, dieselben sechs Monate Zeit. Auf der Angebotsseite der Gold Card steht zwar weiterhin “Nur für kurze Zeit”, nach zehn Monaten spricht aber vieles dafür, dass die Staffel schlicht gut funktioniert. Kurzfristige Aktionen enden üblicherweise nach wenigen Wochen, diese hier läuft seit Jahresbeginn ohne Unterbrechung.

Die naheliegende Erklärung ist auch die einfachste: Die Staffel kommt bei Neukunden offenbar gut an, und ein Angebot, das funktioniert, beendet man nicht ohne Not. Dass der Wettbewerb um Neukunden zuletzt lebhafter geworden ist, spielt sicher ebenfalls eine Rolle, wie wir im Sommer in einer eigenen Kolumne zur Amex-Konkurrenz eingeordnet haben.
Für Euch ist das eine gute Nachricht, ein Freibrief zum Abwarten ist es trotzdem nicht. American Express kann die Konditionen jederzeit ändern, und eine niedrige erste Schwelle bei so hohen Punktzahlen war in der Vergangenheit eher die Ausnahme. Gerade weil die Staffel so stabil läuft, lohnt es sich, sie einmal nüchtern durchzurechnen.
Pro Euro Umsatz liefert die Gold Card den stärksten Bonus
Die offiziellen Werte sind schnell erzählt. Bei der Gold Card gibt es 20.000 Membership Rewards Punkte nach 3.000 Euro Umsatz und weitere 30.000 Punkte, wenn Ihr insgesamt 5.000 Euro erreicht. Bei der Platinum Card sind es 40.000 Punkte nach 6.000 Euro und weitere 45.000 Punkte bei insgesamt 10.000 Euro. Die Green Card bringt 10.000 Punkte nach 2.000 Euro. Alles gilt jeweils für die ersten sechs Monate nach Kartenerhalt.
Teilt man Punkte durch Umsatz, ergibt sich nach unserer Rechnung ein klares Bild. Die erste Stufe ist bei Gold und Platinum gleich ergiebig, mit jeweils rund 6,7 Punkten pro Euro. Beim vollen Bonus zieht die Gold Card davon: 10 Punkte pro Euro gegenüber 8,5 bei der Platinum Card. Die Green Card liegt mit 5 Punkten pro Euro dahinter.
Richtig spannend wird es bei der zweiten Stufe allein. Bei der Gold Card bringen die zusätzlichen 2.000 Euro ganze 30.000 Punkte, also 15 Punkte pro Euro. Bei der Platinum Card bringen die zusätzlichen 4.000 Euro 45.000 Punkte, das sind 11,25 Punkte pro Euro. Der beste Euro im ganzen Amex-Sortiment ist damit der zwischen 3.000 und 5.000 Euro Umsatz auf der Gold Card.
American Express Gold Card
- 240 Euro SIXT Plus und 50 Euro SIXT Rent Guthaben
- 100 Euro LODENFREY Guthaben pro Jahr
- 60 Euro FREENOW Taxiguthaben
- Wertvolle Punkte sammeln mit jedem Euro Umsatz
- Vielseitige Rabatte dank Amex Offers
- Umfangreiche Reiseversicherungen inklusive
- Farbauswahl zwischen Gold und Roségold
- Hotelstatus und Reisevorteile inklusive
- (Für Selbstständige und Unternehmer: Amex Business Gold Card beitragsfrei im ersten Jahr und mit derzeit 50.000 Punkten Willkommensbonus)
In Geld ausgedrückt ist der Bonus beachtlich. Mit unserem Punktwert von 1,7 Cent entsprechen die 50.000 Punkte der Gold Card rund 850 Euro, die 85.000 Punkte der Platinum Card rund 1.445 Euro. Die Platinum Card liefert also mehr absoluten Wert, verlangt dafür aber auch doppelt so viel Umsatz.
Pro Euro Jahresgebühr wird der Abstand noch größer
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man den Bonus gegen die Kosten stellt. Die Gold Card kostet 20 Euro im Monat, also 240 Euro im Jahr. Die Platinum Card kostet 60 Euro im Monat und damit 720 Euro im Jahr. Für die volle Staffel bekommt Ihr bei Gold rund 208 Punkte je Euro Jahresgebühr, bei Platinum rund 118.
Selbst die Green Card schlägt die Platinum Card in dieser Rechnung. Bei 5 Euro im Monat, also 60 Euro im Jahr, kommt sie auf rund 167 Punkte je Euro Gebühr. Das sagt nichts über die Qualität der Karten, aber viel darüber, wo der Bonus im Verhältnis zum Preis am großzügigsten ausfällt.
Die Platinum Card verliert diesen Vergleich nicht, weil ihr Angebot schlecht wäre. Sie verliert ihn, weil die Gold Card so stark ist. Wer die Details zur Aktion nachlesen will, findet sie in unserem Deal zum Bonus der Gold Card.
Im ersten Jahr verschiebt der Bonus die Rechnung zusätzlich. Bei der Gold Card stehen rund 850 Euro Bonuswert einer Gebühr von 240 Euro gegenüber, bei der Platinum Card rund 1.445 Euro einer Gebühr von 720 Euro. Die Gold Card spielt ihre Jahresgebühr damit gut dreieinhalbfach ein, die Platinum Card rund doppelt.
Die Platinum Card rechnet sich über die Guthaben
Der Gegenentwurf der Platinum Card heißt Guthaben. Pro Jahr gibt es 150 Euro für Restaurants, 200 Euro Online-Reiseguthaben, 200 Euro SIXT ride Fahrtguthaben und 100 Euro bei LODENFREY, zusammen also 650 Euro. Wer alle Guthaben tatsächlich nutzt, zahlt für die Karte netto nur noch einen kleinen Betrag.
Bei der Gold Card stehen bis zu 350 Euro für SIXT, SIXT auto abo und FREENOW sowie 100 Euro bei LODENFREY im Prospekt, zusammen 450 Euro. Davon sind allerdings nur 50 Euro SIXT rent und 60 Euro FREENOW für die meisten Leser alltagstauglich, der Rest hängt am SIXT Auto-Abo. Ehrlich gerechnet bleiben damit eher gut 200 Euro, was die Gebühr trotzdem fast deckt.
American Express Platinum Card
- 200 Euro Online-Reiseguthaben pro Jahr für Flüge, Hotels und mehr
- 200 Euro SIXT ride Guthaben pro Jahr
- 150 Euro Restaurantguthaben pro Jahr
- 120 Euro Lounge on the Go Guthaben an den Flughäfen Frankfurt und München bis 31.03.2027
- 100 Euro LODENFREY Shoppingguthaben pro Jahr
- Bis zu 200 Euro Rabatt & Priority Vorteile bei Condor Flugbuchungen
- Exklusive Kreditkarte aus Metall
- Wertvolle Membership Rewards Punkte sammeln
- Kostenfreie Platinum Zusatzkarte
- Bestes Versicherungspaket in Deutschland
- Kostenloser Lounge-Zugang in über 1.550 Lounges weltweit (Priority Pass: 50 Besuche pro Jahr inkl. Gäste)
- Upgrades, Frühstück und weitere Statusvorteile in Hotels, u.a. bei Hilton, Marriott und ALL Accor
- Für Selbstständige und Unternehmer: Amex Business Platinum Card mit 200.000 Punkten Bonus
Ein Detail gilt für beide Karten: Das LODENFREY-Guthaben kommt in zwei Tranchen zu je 50 Euro und greift erst ab einem Einkaufswert von 200 Euro. Für viele ist das eher ein Rabatt als ein Guthaben. Wie Ihr die Platinum-Guthaben sinnvoll einsetzt, zeigt unsere Übersicht der Guthaben, zum aktuellen Angebot geht es über unseren Deal zum Platinum Willkommensbonus.
Status und Lounges machen die Platinum Card zur besseren Reisekarte
Mindestens so wichtig wie die Guthaben ist, was die Platinum Card auf Reisen leistet. Über die Global Lounge Collection von American Express habt Ihr Zugang zu mehr als 1.550 Flughafen-Lounges, darunter die Centurion Lounges, und der Priority Pass Prestige gilt für die Hauptkarte und die Platinum-Zusatzkarte. Dazu kommt ein umfangreiches Versicherungspaket für Reisen.
Hinzu kommt Hotelstatus, den Ihr Euch sonst über viele Nächte erarbeiten müsstet: Gold bei Hilton Honors, Gold Elite bei Marriott Bonvoy, Gold bei ALL Accor und MeliáRewards, Premium bei Radisson Rewards und Platinum bei GHA Discovery, jeweils nach kostenloser Registrierung. Über Fine Hotels + Resorts gibt es in mehr als 1.800 Luxushotels außerdem Frühstück für zwei, ein garantiertes Late Check-out bis 16 Uhr und ein Hotelguthaben von mindestens 100 US-Dollar.
Unabhängig von der Karte bleibt der strukturelle Vorteil von Membership Rewards: Die Punkte lassen sich zu zahlreichen Airline- und Hotelprogrammen übertragen, seit Juli auch im Verhältnis 3:1 zu ALL Accor. Wer 50.000 oder 85.000 Punkte sammelt, legt sich nicht auf eine Allianz fest, sondern entscheidet erst beim Einlösen.
Ohne vollen Mindestumsatz bleibt der größere Bonusteil liegen
Die Staffel hat einen Haken, der in der Werbung untergeht. Die erste Stufe sichert bei der Gold Card nur 40 Prozent des Maximalbonus, bei der Platinum Card rund 47 Prozent. Wer die zweite Schwelle verfehlt, lässt also mehr als die Hälfte des Werts liegen, und genau die zweite Stufe ist, wie oben gezeigt, die ergiebigste.
Dazu kommen die Bedingungen. Bargeldauszahlungen zählen nicht, Gutschriften von Händlern werden abgezogen, und wer die Karte in den ersten zwölf Monaten kündigt, verliert den Bonus rückwirkend. Neukunde ist nur, wer in den vergangenen 18 Monaten nicht Hauptkarteninhaber desselben Produkts war. Wie Ihr den Umsatz trotzdem sauber zusammenbekommt, zeigt unser Guide zum American Express Mindestumsatz.
Ein Seitenblick lohnt sich in diesem Herbst trotzdem. Die Miles & More Gold Credit Card gibt bei Beantragung bis zum 30. November 2026 20.000 Meilen, vier Lounge Voucher und 40 Points, ganz ohne Mindestumsatz, bei 11,50 Euro im Monat. Für alle, die 5.000 Euro in sechs Monaten nicht sicher schaffen, ist das die ernsthafte Alternative, wie wir in unserer Kolumne zum Comeback der Miles & More Gold gezeigt haben.
Wer unsicher ist, plant deshalb mit der ersten Stufe und nimmt die zweite als Zugabe mit. Entscheiden müsst Ihr Euch beim Antrag nicht: Amex schreibt jede Stufe mit der nächsten Abrechnung gut, sobald Ihr die jeweilige Schwelle erreicht habt. Die Staffel nimmt dem Bonus damit den Charakter einer Wette, die man vor dem Antrag abschließen müsste.
Die richtige Karte hängt am sicheren Umsatz und nicht am Prestige
Die Entscheidung fällt damit nicht am Bonus, sondern am realistisch erreichbaren Umsatz. Wer in sechs Monaten sicher auf 10.000 Euro kommt, also auf rund 1.667 Euro im Monat, und die Guthaben wirklich nutzt, ist mit der Platinum Card gut bedient. Ohne größere Anschaffungen, Reisebuchungen oder geschäftliche Ausgaben ist das allerdings kaum darstellbar.
Zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegt klar die Domäne der Gold Card. Die vollen 50.000 Punkte gibt es ab 5.000 Euro, also gut 833 Euro im Monat, und das bei einem Drittel der Platinum-Gebühr. Ein späterer Wechsel auf die Platinum Card kostet den Gold-Bonus übrigens nicht, das schließen die Bedingungen ausdrücklich aus.
Darunter ist die Green Card die ehrlichere Wahl. 2.000 Euro in sechs Monaten sind rund 333 Euro im Monat, und wer in den vorangegangenen zwölf Monaten 9.000 Euro umsetzt, zahlt ab dem zweiten Jahr kein Kartenentgelt. Wie wir die Platinum Card insgesamt sehen, lest Ihr in unserer Einschätzung zur Amex Platinum.
Für Selbstständige spielt die Business Platinum in einer eigenen Liga: 200.000 Punkte nach 15.000 Euro Umsatz in sechs Monaten, also gut 13 Punkte pro Euro. Wie sich der Bonusmarkt insgesamt entwickelt hat, ordnen wir regelmäßig in unserer Kolumne zum Kreditkartenmarkt 2026 ein.
Die Gold Card ist das eigentliche Flaggschiff im Bonusjahr
Zehn Monate nach dem Start ist die Staffel kein Experiment mehr, sondern das Normalmaß, an dem sich jeder American Express Neukundenbonus messen lassen muss. Und an diesem Maß gemessen gewinnt nicht das teuerste Produkt, sondern das mittlere: mehr Punkte pro Euro Umsatz, mehr Punkte pro Euro Gebühr, eine niedrigere Hürde für den vollen Bonus.

Das ist kein Urteil gegen die Platinum Card. Wer viel reist, die Guthaben nutzt und die Lounges schätzt, bekommt dort mehr Karte. Nur sollte niemand die Platinum Card wegen des Bonus wählen, denn genau dort ist sie nicht die stärkste.
Für American Express dürfte diese Verteilung kein Zufall sein. Die Gold Card ist das Produkt, über das viele Neukunden einsteigen, und wer die Punkte erst einmal schätzt, wechselt später oft freiwillig nach oben. Der großzügige Gold-Bonus ist so gesehen vor allem eine Investition in künftige Platinum-Kunden.
Wer vor allem auf den Bonus schaut, macht mit der Gold Card das klar bessere Geschäft – zur Platinum Card greift, wer ihre Reisevorteile auch wirklich nutzt.




