Nach Monaten mit kräftigen Aufschlägen bewegen sich die Flugpreise ab Deutschland wieder in die andere Richtung. Wer aktuell in der Economy Class ab Deutschland fliegt, zahlt im Schnitt kaum mehr als vor einem Jahr. Das zeigen exklusive Daten des Analysehauses OAG, die die WirtschaftsWoche ausgewertet hat.
Demnach lag der durchschnittlich gezahlte Ticketpreis in der ersten Oktoberwoche bei rund 1.210 US-Dollar und damit nur noch 1,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Ende März, wenige Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs, waren es noch 25 Prozent mehr. OAG wertet dafür nach eigenen Angaben die tatsächlich bezahlten Preise aus, nicht die Angebote in Suchmaschinen. Auch die amtliche Statistik zeigt in diese Richtung: Laut Statistischem Bundesamt wurden internationale Flüge im September binnen Monatsfrist um 7,3 Prozent günstiger.
Das Wichtigste in Kürze
- Economy-Tickets ab Deutschland kosten im Schnitt nur noch 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr
- Nach Nordamerika ist Fliegen günstiger als vor einem Jahr, in die Golfregion deutlich teurer
- Teures Kerosin und ein schrumpfendes Angebot dürften die Preise wieder steigen lassen
Nordamerika 6 Prozent günstiger, Golfregion 12,5 Prozent teurer
Je nach Ziel fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. OAG hat für die WirtschaftsWoche die wichtigsten Zielregionen ausgewertet und die Woche vor Kriegsbeginn, die Woche mit den höchsten Aufschlägen Ende März und die erste Oktoberwoche verglichen. So haben sich die Preise für Economy-Tickets ab Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entwickelt:
| Zielregion | Ende März 2026 | Anfang Oktober 2026 |
|---|---|---|
| Alle Ziele | +25 Prozent | +1,2 Prozent |
| Nordamerika | +0,5 Prozent | −6,2 Prozent |
| Europa | +18,5 Prozent | +3,3 Prozent |
| Südasien (z. B. Indien) | +24,7 Prozent | +1 Prozent |
| Südostasien | +27,8 Prozent | +4,6 Prozent |
| Golfregion | +24,3 Prozent | +12,5 Prozent |
Dass Asien-Tickets wieder deutlich günstiger sind, liegt vor allem an den Golf-Airlines. Im Frühjahr hatten Emirates, Qatar Airways und Co. ihren Betrieb weitgehend eingestellt, die verbliebenen Fluggesellschaften konnten Tickets Richtung Asien zu Rekordpreisen verkaufen. Inzwischen sind laut WirtschaftsWoche wieder bis zu 90 Prozent der Flotten von Emirates und Co. in der Luft. Den aktuellen Stand bei den Golf-Airlines haben wir in unserem Nahost-Überblick zusammengefasst.
Flüge in die Golfregion selbst bleiben dagegen teuer, auch weil Airlines dort weiter Kapazität streichen. So hat Eurowings sein Dubai-Angebot für den Winter halbiert. Spannend ist außerdem der Vergleich mit dem Rest Europas: Nach Europa und Nordamerika fliegt man ab Deutschland aktuell günstiger als im europäischen Durchschnitt, bei Europa-Flügen um 14 Prozent, bei Nordamerika-Flügen um 5 Prozent. In die Golfregion zahlen Reisende ab Deutschland dagegen 6 Prozent mehr als im europäischen Schnitt, nach Südasien 3 Prozent mehr, und auch Südostasien ist ab Deutschland teurer.
Wichtig zur Einordnung: Die OAG-Werte sind Durchschnittspreise in US-Dollar über alle Strecken einer Region, keine Preise für einzelne Flüge. Wer nach Asien möchte, sollte trotzdem auch Abflüge ab den Nachbarländern prüfen. Wie das mit wenigen Klicks geht, zeigen wir in unserem Tutorial zur ITA Matrix.
Teures Kerosin und weniger Flüge dürften die Preise wieder steigen lassen
Ob die Entspannung anhält, ist offen. Für die Airlines ist der Preisrückgang eine schlechte Nachricht, denn ihre Kosten liegen deutlich über dem Vorjahr. Kerosin kostet laut WirtschaftsWoche weiterhin etwa doppelt so viel wie vor einem Jahr, der weltweite Durchschnittspreis lag laut IATA zuletzt bei rund 190 US-Dollar pro Barrel. Da Treibstoff bei Europas Airlines etwa ein Drittel der Kosten ausmacht, fliegen sie bereits rund ein Zehntel teurer als vor einem Jahr. Was der Kerosinpreis für Eure Tickets bedeutet, erklären wir in unserem Kerosin-Guide.
Gleichzeitig schrumpft das Flugangebot ab Deutschland, während es im übrigen Europa wächst. Lufthansa hat mit dem Aus von CityLine zahlreiche Kurzstreckenflüge gestrichen, mehrere Low-Cost-Airlines haben ihr Angebot ab Deutschland ausgedünnt, und durch Insolvenzen wie bei airBaltic fallen weitere Verbindungen weg. Bei Lufthansa heißt es laut WirtschaftsWoche, die höheren Kosten müssten “alle Anbieter zunehmend weitergeben”.
Für Reisende heißt das: Nordamerika ist ab Deutschland gerade vergleichsweise günstig, und auch Asien-Tickets sind wieder deutlich erschwinglicher als im Frühjahr. Auf weiter fallende Preise zu spekulieren, dürfte sich eher nicht lohnen.
Für die Business und First Class liefert die OAG-Auswertung keine Zahlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht die Nachfrage nach Premium-Tickets allerdings ungebrochen. Ob es dort wieder mehr Deals geben könnte, haben wir in unserer Kolumne eingeordnet.
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