Anfang September sorgte die Nachricht für Aufsehen: Emirates darf künftig auch den Flughafen Berlin-Brandenburg anfliegen. Knapp vier Wochen später ist allerdings offen, ob die Airline von diesem Recht überhaupt Gebrauch macht. Denn das neue Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) knüpft die Berlin-Flüge an Bedingungen, die Emirates an anderer Stelle teuer zu stehen kämen.
Wie airliners.de berichtet, hat Emirates noch nicht entschieden, ob Flüge zwischen Dubai und Berlin aufgenommen werden. Die Airline prüfe die Vereinbarung derzeit, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Branchenmagazin FVW.
Das Wichtigste in Kürze
- Emirates hat noch nicht entschieden, ob die Airline die neuen Verkehrsrechte für Berlin nutzt
- Wer Berlin anfliegt, darf an den übrigen deutschen Flughäfen dauerhaft nicht weiter wachsen
- Falls die Flüge kommen, gilt der Sommer 2027 als realistischer Starttermin
Berlin gibt es nur gegen einen dauerhaften Wachstumsstopp
Bislang durften Airlines aus den VAE in Deutschland nur vier Flughäfen ansteuern: Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. Die Zahl der Flüge zu diesen Zielen war dagegen nicht begrenzt. Mit dem am 10. September 2026 unterzeichneten Abkommen kommt Berlin als fünfter Landepunkt hinzu – mit bis zu sieben Flügen pro Woche, also einer täglichen Verbindung.
Der Haken: Eine Airline, die Berlin anfliegt, darf ihre Kapazitäten an den bisherigen vier Flughäfen nicht mehr ausbauen. Bei Emirates würde das Angebot damit auf dem heutigen Stand von neun täglichen Flügen nach Deutschland eingefroren. Ein dritter täglicher Flug nach München oder ein vierter nach Frankfurt wäre vom Tisch. Das Bundesverkehrsministerium stellte gegenüber aero.de klar: “Diese Deckelung ist unbefristet vereinbart.”

Hinzu kommt: Ab Berlin darf Emirates keine Weiterflüge in Drittstaaten anbieten. Eine Verbindung im Rahmen der Fünften Freiheit, etwa von Berlin weiter nach New York, ist damit ausgeschlossen. Laut FVW würde die Airline zudem die bisherige Möglichkeit verlieren, von deutschen Flughäfen aus in Drittstaaten weiterzufliegen, und müsste ihre Wirtschaftsdaten offenlegen. Von airliners.de befragte Insider halten den Wachstumsstopp für unstrittig, den Verlust der Fifth-Freedom-Rechte dagegen eher für Auslegungssache.
Start frühestens im Sommer 2027 – und nicht zwingend mit Emirates
Emirates selbst hält sich bedeckt: Sobald es etwas mitzuteilen gebe, werde die Airline informieren. Einem Insider zufolge wird sowohl in Dubai als auch in den übrigen Emiraten noch intensiv beraten, wie mit der Vereinbarung umzugehen ist. Sollte es tatsächlich zu Berlin-Flügen kommen, wären diese wohl erst zum Sommerflugplan 2027 realistisch.

Spannend: Die neuen Rechte gelten nicht exklusiv für Emirates, sondern für eine Fluggesellschaft aus den VAE. Grundsätzlich könnten sich also auch andere Airlines darum bemühen – etwa Etihad Airways aus Abu Dhabi, die derzeit Frankfurt, München und Düsseldorf anfliegt. Air Arabia aus Sharjah ist in München vertreten und nimmt im Dezember Frankfurt und Düsseldorf ins Programm, flydubai fliegt Deutschland bislang nicht an.

Für Reisende ab Berlin ändert sich damit vorerst wenig. Condor hat ihre Dubai-Flüge ab Berlin für den Winter 2026/27 gestrichen und dabei indirekt auch die Ausweitung der Verkehrsrechte für Emirates kritisiert. Nonstop nach Dubai geht es ab dem 1. November 2026 mit Eurowings, die die Strecke im Winterflugplan täglich bedient. Lufthansa hält die neuen Rechte für Emirates ohnehin für den falschen Weg und spricht von einer “Entscheidung gegen die Interessen des deutschen Standorts”.
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