Hunderte oder gar tausende Euro Gebühr fürs Stornieren eines Flex-Tickets? Dass das ein problematisches Signal ist, hat auch die Lufthansa erkannt – ihre teilweise Rücknahme ist die richtige Entscheidung, aber keine echte Rückkehr zur alten Flexibilität.
Bereits im April 2026 hatte die Lufthansa Group ihre Erstattungsgebühren auf interkontinentalen Strecken massiv angehoben – und dabei sogar flexible Tarife nicht verschont. Im Mai folgte die Ausweitung auf weitere Routen nach Asien und Australien. Nur wenige Wochen später hat die Airline eingelenkt und die Gebühren auf ausgewählten Strecken teilweise zurückgenommen. Was bleibt, sind allerdings spürbar höhere Kosten als noch zu Jahresbeginn. Reicht diese halbherzige Korrektur, um das verlorene Kundenvertrauen zurückzugewinnen?
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Die angeblich geplante Maßnahme der Lufthansa
Die eigene Darstellung der Lufthansa Group wirkt bemerkenswert glatt: Das monatelange Hin und Her bei den Erstattungsgebühren sei genau so gewollt gewesen und habe ausschließlich mit der angespannten Lage im Nahen Osten zu tun gehabt. So zumindest klingt es in der aktuellen Mitteilung an Reisebüros und Vertriebspartner.
Mit der Stabilisierung der operativen Rahmenbedingungen gilt damit in den meisten Tarifen wieder die gewohnte Flexibilität, nachdem diese im Frühjahr 2026 aufgrund außergewöhnlicher Rahmenbedingungen temporär angepasst worden war.
Formulierung der Lufthansa Group zur Anpassung der Erstattungsgebühren
Interessant ist diese Formulierung vor allem deshalb, weil das Wort „temporär” weder in der ursprünglichen Ankündigung vom März 2026 noch in der Ausweitung auf weitere Strecken im Mai auch nur ein einziges Mal auftauchte. Eine Maßnahme nachträglich als geplante Übergangslösung darzustellen, ist geschickte Kommunikation – eine vollständige Erklärung ist es aber nicht.
Austrian Airlines, Brussels Airlines, Lufthansa, SWISS, Air Dolomiti und Discover Airlines sowie die Joint Venture-Partner Air Canada und United Airlines erhöhen ab dem 17. März 2026 (Datum der Ticketausstellung) die Umbuchungs- und Erstattungsgebühren auf ausgewählten interkontinentalen Strecken.
Formulierung der Lufthansa Group bei der ursprünglichen Ankündigung im März 2026
Fairerweise betraf die Erhöhung tatsächlich primär Routen, auf denen die Lufthansa Group mit Airlines aus dem Mittleren Osten konkurriert, etwa nach Asien und ins südliche Afrika. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, gerade auch, weil die erhöhten Gebühren nicht automatisch auf bereits gebuchte Tickets angepasst werden.

Wer also beispielsweise in den vergangenen Wochen ein Ticket auf den betroffenen Strecken gebucht hat, der muss weiterhin mit den enorm hohen Stornierungsgebühren leben – auch wenn diese nun zurückgenommen werden. Eine Geste des guten Willens im Sinne einer Kulanzlösung wäre hier auf jeden Fall wünschenswert gewesen.
Die klare Reaktion der Kunden
Bei großen Konzernen ist es üblich, dass Mitteilungen an Vertriebspartner selten offen einen eigenen Fehler eingestehen. Wenig überraschend bezeichnet die Lufthansa die Rücknahme daher nicht als Korrektur, sondern als planmäßiges Auslaufen einer temporären Maßnahme.
Dass die Airline überhaupt zurückrudert, dürfte gleich mehrere Gründe haben. Die teils scharfe Kritik in deutschen und internationalen Medien spielte sicher eine Rolle. Schwerer wog jedoch vermutlich der Druck der wichtigsten Unternehmenskunden: Firmenkunden, die bevorzugt in der Business Class reisen, sind für die Marge der Lufthansa Group von zentraler Bedeutung.
In Vielflieger-Foren und in Gesprächen mit Entscheidern war zuletzt eine klare Botschaft zu hören: Bei Erstattungsgebühren von mehreren Hundert bis weit über tausend Euro bucht man flexible Tickets eben lieber bei der Konkurrenz – dort, wo Flex-Tarife noch wirklich flexibel sind. Für die Lufthansa Group kann das teuer werden, denn die hochpreisigen Business-Flex-Tickets zählen zu ihren profitabelsten Produkten.

Dass dieser Druck den Ausschlag gegeben haben dürfte, zeigt sich auch am Ergebnis: Vollständig gestrichen wird die Erstattungsgebühr ausgerechnet im zentralen Tarif für Firmenkunden – dem Business Flex Tarif.
Keine echte Rückkehr zur bekannten Flexibilität
Wenngleich die Lufthansa davon spricht, dass “in den meisten Tarifen wieder die gewohnte Flexibilität” einkehre, kann davon kaum die Rede sein. Vollständig kostenfrei erstattbar sind ab dem 3. Juni 2026 nur drei Tarife: Economy Flex, Premium Economy Flex und Business Flex. Im First Flex Tarif hingegen kostet eine Erstattung auf den betroffenen Strecken weiterhin satte 800 Euro.

Auch in den übrigen Tarifen bleiben die Bedingungen schlechter als noch zu Jahresbeginn. Im Business Class Basic Plus Tarif etwa sinkt die Erstattungsgebühr zwar deutlich – von 1.500 Euro auf 500 Euro und damit um rund zwei Drittel –, kostenfrei ist eine Stornierung damit aber längst nicht. Für die Basic-Plus- und Green-Tarife greifen die reduzierten Gebühren zudem erst ab dem 10. Juni 2026.
Unterm Strich liegen die Gebühren damit in fast allen Tarifklassen über dem Niveau von Anfang 2026. Wie unausgewogen das ist, zeigt der Blick auf die ausgenommenen Strecken: Auf Routen nach Nordamerika sind Erstattungen in nahezu allen Tarifen deutlich günstiger oder sogar komplett kostenlos.
Lufthansa Erstattungsgebühren bleiben im Vergleich hoch
Aufschlussreich ist auch der Vergleich mit dem direkten Wettbewerb. Auch Air France und KLM hatten ihre Erstattungsgebühren erst im April temporär erhöht – und zum 28. Mai 2026 bereits wieder zurückgenommen. Seitdem sind dort die flexiblen Tarife wieder vollständig kostenfrei erstattbar – in allen Reiseklassen. Bei günstigeren Buchungsklassen deckt sich das Vorgehen dagegen mit der Lufthansa, teilweise sind sogar nur die Flex-Tarife überhaupt gegen Gebühr stornierbar.

Anders sieht es bei Air France allerdings in der höchsten Reiseklasse aus. Bei dem bei Air France La Première genannten Produkt ist die Erstattung im Flex-Tarif kostenfrei – und zwar auf allen Strecken.
Noch großzügiger handhabt es British Airways, wo die flexiblen Tarife in der Club World Business Class gebührenfrei erstattbar sind und selbst der semi-flexible Tarif nur 100 Euro Erstattungsgebühr kostet. Ganz genauso sieht es in der First Class aus.

Es bleibt daher zu hoffen, dass die “temporär erhöhten” Erstattungsgebühren mittelfristig tatsächlich vollständig zurückgenommen werden – in allen Tarifklassen und auf allen Strecken. Wer in der Zwischenzeit auf maximale Flexibilität angewiesen ist, findet mindestens in der First Class, teilweise aber auch in der Business Class bei der Konkurrenz aktuell schlicht bessere Bedingungen.
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Dieses Vorgehen ist bei LH doch seit Jahren Unternehmensphilosophie.
Erstmal drei Riesenschritte Richtung Verschlechterung. Danach dann die große Jubelmeldung über die geplante Verbesserung, mit der man dann nen halben Schritt zurückrudert.