Lufthansa muss bei ihren neuen Langstreckenjets weiter Geduld haben: Der erste Airbus A350-1000 kommt später als geplant, und im Sommerflugplan 2027 steht keine einzige Boeing 777-9.
Das erklärte Konzernchef Carsten Spohr am 28. September 2026 vor Journalisten in Frankfurt, wie unter anderem aeroTELEGRAPH berichtet. Gleichzeitig rechnet Spohr wegen des Iran-Kriegs mit noch höheren Kerosinkosten – und die bekommen Passagiere über die Ticketpreise zu spüren.
Das Wichtigste in Kürze
- Der erste Airbus A350-1000 von Lufthansa soll erst im November 2026 kommen statt Anfang Oktober
- Im Sommerflugplan 2027 plant Lufthansa ohne Boeing 777-9, dafür fliegen mehr ältere A340-300
- Die Kerosin-Mehrkosten sollen 2026 über 1,5 Milliarden Euro liegen, Premiumtickets bleiben trotzdem gefragt
Erster A350-1000 kommt im November – die Allegris First fliegt trotzdem
Eigentlich sollte Lufthansa ihren ersten Airbus A350-1000 mit dem Taufnamen „Deutschland“ zwischen dem 5. und 11. Oktober 2026 übernehmen und ab dem Start des Winterflugplans am 25. Oktober ab München einsetzen. Nun nennt Spohr November als Termin – laut aero.de einige Wochen später als ursprünglich geplant. Ob die weiteren Maschinen danach im versprochenen Takt eintreffen, müsse man abwarten, so der Konzernchef.
Für Reisende hält sich der Effekt in Grenzen. Die geplanten Erstziele Tokio-Haneda, Shanghai, New York-Newark und Singapur sind laut den bei aeroroutes veröffentlichten Flugplandaten ab dem 25. Oktober ohnehin mit dem Airbus A350-900 in der Vier-Klassen-Version hinterlegt. Die Allegris First Class gibt es auf diesen Strecken ab München also trotzdem – nur eben noch nicht im neuen Flaggschiff mit 300 Sitzen, von denen 88 auf die Premiumklassen entfallen.
Noch größer sind die Fragezeichen bei der Boeing 777-9. Boeing stellt Lufthansa die erste Maschine zwar weiterhin für das erste Quartal 2027 in Aussicht. Nach den zahlreichen Verzögerungen plant Spohr aber lieber ohne sie und hält stattdessen mehr ältere Airbus A340-300 im Einsatz als vorgesehen:
Wir haben inzwischen entscheiden müssen, dass der Plan B, nämlich A340-300 in größerer Zahl aktiv zu halten, inzwischen zum Plan A geworden ist
Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group
Für Premiumreisende heißt das: Die A340-300 hat keine First Class an Bord und fliegt mit der Business Class der älteren Generation statt mit Allegris. Die A340-600 mit First Class setzt Lufthansa dagegen wie geplant am 18. Oktober 2026 zum letzten Mal ein, auf der Strecke von Washington nach Frankfurt.
Sobald die 777-9 tatsächlich kommt, sollen die alten Vierstrahler die Flotte verlassen. Wie viele der teils schon vor Jahren gebauten Jets Lufthansa überhaupt übernimmt, verhandelt der Konzern allerdings noch mit Boeing.
Kerosin kostet mehr als 1,5 Milliarden Euro extra – Premiumtickets bleiben gefragt
Dass ausgerechnet die spritdurstigen A340 länger fliegen, trifft Lufthansa zur Unzeit. Der Ölpreis liegt wieder über 100 US-Dollar je Barrel, auch wegen neuer Sorgen um die Meerenge Bab al-Mandab. Spohr erwartet deshalb, dass die Kerosin-Mehrkosten in diesem Jahr höher ausfallen als die zuletzt genannten 1,5 Milliarden Euro. Schon im August hatte Lufthansa laut airliners.de Treibstoffkosten von rund 8,7 Milliarden Euro für 2026 veranschlagt, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Für 2027 hat Lufthansa bislang nur gut die Hälfte ihres Treibstoffbedarfs über Termingeschäfte abgesichert, für 2026 sind es 86 Prozent. Spohr stellt sich daher auf ein weiteres Übergangsjahr ein. Ähnlich hatte sich zuletzt schon Condor-Chef Peter Gerber geäußert, der auch für 2027 mit steigenden Ticketpreisen rechnet.
Gegengesteuert hat Lufthansa bislang vor allem mit deutlich höheren Ticketpreisen. Der Nachfrage schadet das offenbar kaum: Laut Spohr sind die höchsten Buchungsklassen derzeit sogar schneller ausgebucht als die günstigste Economy. Auf der Langstrecke erzielt Lufthansa mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in First, Business und Premium Economy – kein Wunder, dass der Konzern bereits über mehr Premiumsitze nachdenkt.

Für Euch heißt das: Große Business Class Deals ab Deutschland dürften bei Lufthansa auch 2027 die Ausnahme bleiben, solange Kerosin teuer ist und sich die vorderen Kabinen zu hohen Preisen füllen. Daran hatten wir schon im Sommer gezweifelt, als die Kerosinpreise kurzzeitig gesunken waren. Wer die neuen Kabinen trotzdem erleben will, sollte neben Bargeld-Tickets auch Prämienflüge mit Meilen im Blick behalten.
Euren nächsten Flug mit Lufthansa könnt Ihr direkt über den folgenden Link buchen:
Die besten Tipps von reisetopia findet Ihr auch auf Instagram und TikTok. Austauschen könnt Ihr Euch auch in unserer Facebook Gruppe!



