Kaum ein deutscher Kreuzfahrtanbieter ist so bekannt, ohne dass viele den Namen kennen würden: Die MS Amadea von Phoenix Reisen ist das Schiff, das seit Jahren als „Traumschiff” durch das ZDF fährt. Dahinter steht ein Familienunternehmen aus Bonn, das inzwischen auf rund 50 Jahre zurückblickt.
Phoenix Reisen betreibt vier Hochseeschiffe, und alle vier fallen aus dem Rahmen dessen, was der Kreuzfahrtmarkt sonst bietet: klein, älter, mehrfach umbenannt und in zwei Fällen ausschließlich mit Außenkabinen ausgestattet. Wir zeigen Euch, was hinter der Flotte steckt, was eine Reise kostet und für wen dieser Anbieter der richtige ist.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Phoenix Reisen?
- Welche Schiffe betreibt Phoenix Reisen?
- Was kostet eine Reise mit Phoenix Reisen?
- Wie sieht das Angebot von Phoenix Reisen aus?
- Wie sind Ausstattung und Service an Bord?
- Was unterscheidet Phoenix Reisen von den großen Reedereien?
- Für wen eignet sich eine Reise mit Phoenix Reisen?
- Gibt es ein Loyalitätsprogramm?
- Klassisch, klein und deutschsprachig: unser Fazit zu Phoenix Reisen
- Weitere Kreuzfahrtanbieter im Überblick
Was ist Phoenix Reisen?
Phoenix Reisen ist ein Reiseveranstalter mit Sitz in Bonn, der Hochsee- und Flussreisen sowie Nilkreuzfahrten und Rundreisen anbietet. Das Unternehmen besteht seit rund 50 Jahren und wird bis heute stark von der Gründerfigur Johannes Zurnieden geprägt, der auf der Unternehmensseite selbst zu Wort kommt.
Der Zuschnitt unterscheidet sich deutlich von den großen Reedereien. Phoenix Reisen chartert seine Schiffe und tritt als Veranstalter auf, nicht als Reederei im klassischen Sinn. Das Publikum ist durchgehend deutschsprachig, die Schiffe sind klein, und das Programm setzt auf lange Reisen mit vielen Zielen statt auf Kurztrips.
Wem gehört Phoenix Reisen?
Phoenix Reisen ist ein eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Bonn und gehört keinem der großen Kreuzfahrtkonzerne an. Der nautische und technische Betrieb der Schiffe liegt bei spezialisierten Dienstleistern: Bei der MS Deutschland etwa zeichnet die Reederei BSM mit Sitz auf Zypern verantwortlich, den Hotelbereich betreut sea chefs aus der Schweiz.
Bemerkenswert ist die langjährige Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk Misereor, die das Unternehmen auf seiner Website eigens ausweist. Zusammen mit dem Bereich Nachhaltigkeit gehört sie zu den Themen, die Phoenix Reisen aktiv nach außen trägt.
Welche Schiffe betreibt Phoenix Reisen?
Die Hochseeflotte umfasst vier Schiffe zwischen 22.496 und 44.500 BRZ. Alle vier sind gebrauchte Einheiten mit teils bewegter Vorgeschichte und wurden mehrfach umgebaut. Wer neue Schiffe mit Wasserrutschen und Erlebnisdecks sucht, ist hier grundsätzlich falsch; wer klassische Schiffsarchitektur schätzt, findet ein in Deutschland fast konkurrenzloses Angebot.
MS Amadea: das Traumschiff
Die MS Amadea ist mit 29.000 BRZ und 193 Metern Länge das mittlere Schiff der Flotte und zugleich das bekannteste. Sie fasst maximal 570 Passagiere, verteilt auf acht Passagierdecks, und verfügt ausschließlich über Außenkabinen. Phoenix Reisen bezeichnet sie selbst als „First Lady” der Flotte.
Gebaut wurde sie 1991 als Asuka für den japanischen Markt und fährt seit 2006 als Amadea. Zuletzt wurde sie im April 2024 renoviert. Ihre Bekanntheit verdankt sie der ZDF-Reihe „Das Traumschiff”, für die sie als Drehort dient. Das erklärt eine Aufmerksamkeit, die ihre Größe allein nicht hergeben würde.
MS Artania: das größte Schiff der Flotte
Die MS Artania ist mit 44.500 BRZ, 231 Metern Länge und 29 Metern Breite das größte Schiff im Programm. Trotzdem ist sie für lediglich 1.200 Passagiere ausgelegt, die sämtlich in Außenkabinen mit Panoramafenster oder eigenem Balkon untergebracht sind. Neun Decks verteilen das Angebot.
Ihre Geschichte ist die bewegteste der Flotte: 1984 lief sie als Royal Princess vom Stapel, fuhr ab 2004 als Artemis und ist seit 2011 für Phoenix Reisen im Einsatz. Ein Blickfang an Bord ist die über zwei Decks offene, runde Hotel-Lobby mit Harry’s Bar.
MS Amera und MS Deutschland
Die MS Amera misst 39.051 BRZ bei 205 Metern Länge und neun Decks. Auch sie hat mehrere Leben hinter sich: 1988 als Royal Viking Sun gebaut, ab 2000 als Seabourn Sun, ab 2002 als Prinsendam und seit 2019 als Amera unterwegs. Die jüngste Renovierung fand im Mai 2026 statt.
Die MS Deutschland ist mit 22.496 BRZ, 175,30 Metern Länge und sieben Decks das kleinste Schiff der Flotte. Sie stammt aus dem Jahr 1998 und wurde zuletzt im April und Mai 2026 überarbeitet. An Bord arbeitet eine Besatzung von rund 290 Personen, überwiegend europäisch und philippinisch.
Was kostet eine Reise mit Phoenix Reisen?
Phoenix Reisen ist im deutschen Markt traditionell für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Das hängt unmittelbar mit der Flotte zusammen: Ältere, gecharterte Schiffe verursachen geringere Kapitalkosten als Neubauten, was sich im Reisepreis niederschlägt.
Die Preisspanne ist entsprechend breit. Kürzere Reisen in europäischen Gewässern liegen deutlich unter den mehrwöchigen Fernreisen und Weltreisen, die den Kern des Programms bilden. Phoenix Reisen weist außerdem Inklusiv-Leistungen getrennt für Hochsee- und Flussschiffe aus, sodass sich der tatsächliche Leistungsumfang vor der Buchung vergleichen lässt.
Wie sieht das Angebot von Phoenix Reisen aus?
Welche Routen und Reisearten gibt es?
Das Programm gliedert sich in vier Bereiche: Hochseekreuzfahrten, Flussreisen, Nilkreuzfahrten und Rundreisen. Diese Kombination ist ungewöhnlich, weil sie Schiffsreisen und klassische Landreisen unter einem Dach vereint und sich häufig auch kombinieren lässt.
Auf hoher See liegt der Schwerpunkt auf langen Reisen. Weltreisen und mehrwöchige Fernreisen gehören zum festen Bestand, ergänzt um kürzere Fahrten in europäischen Gewässern. Wer eine Woche Mittelmeer sucht, findet das eher bei den großen Reedereien; wer sechs Wochen Zeit hat, findet hier ein Programm, das darauf ausgelegt ist.
Was macht die Nilkreuzfahrten aus?
Die Nilkreuzfahrten führt Phoenix Reisen als eigenen Programmbereich mit eigenem Informationsteil. Sie werden in der Regel als Paket aus Flug, Schiffspassage und Landprogramm verkauft und richten sich an Reisende mit kulturhistorischem Interesse. Für diesen Bereich hält der Veranstalter einen separaten Ratgeberteil bereit.
Wie sind Ausstattung und Service an Bord?
Was zeichnet die Kabinen aus?
Der auffälligste Unterschied zu anderen Anbietern: Auf der MS Amadea und der MS Artania gibt es ausschließlich Außenkabinen. Innenkabinen, die bei den großen Reedereien den Einstiegspreis bestimmen, existieren dort schlicht nicht. Auf der Artania verfügen alle Kabinen zudem über ein Panoramafenster oder einen eigenen Balkon.
Das hat zwei Folgen. Erstens liegt der Einstiegspreis strukturell höher als bei Anbietern mit großem Innenkabinenanteil. Zweitens entfällt die auf großen Schiffen übliche Situation, dass ein erheblicher Teil der Gäste ohne Tageslicht schläft. Wer Innenkabinen prinzipiell ablehnt, findet hier eine Flotte, die diese Frage gar nicht erst stellt.
Wie ist das kulinarische Angebot?
Phoenix Reisen weist die Inklusiv-Leistungen getrennt für Hochsee- und Flussschiffe aus, worunter auch der Verpflegungsumfang fällt. Für Gäste mit besonderen Anforderungen gibt es ein etabliertes Verfahren: Diätwünsche sowie Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien lassen sich vorab melden, an Bord folgt ein persönliches Gespräch mit dem zuständigen Crewmitglied.
Dieser Grad an individueller Abstimmung ist auf kleinen Schiffen leichter zu leisten als auf Einheiten mit mehreren tausend Gästen und gehört zu den praktischen Vorteilen dieser Flottengröße.
Wie nachhaltig ist Phoenix Reisen?
Das Unternehmen führt Nachhaltigkeit als eigenen Bereich auf seiner Website. Hinzu kommt die langjährige Kooperation mit dem Hilfswerk Misereor, die die soziale Dimension abdeckt. Konkrete Emissionskennzahlen veröffentlicht der Veranstalter nicht, weshalb wir hier auf Zahlen verzichten.
Einzuordnen ist ohnehin, dass es sich um eine ältere Flotte handelt. Schiffe aus den Jahren 1984 bis 1998 arbeiten technisch nicht auf dem Stand aktueller Neubauten, auch wenn sie regelmäßig überholt werden. Wer den modernsten Antrieb sucht, findet ihn bei den LNG-Schiffen anderer Anbieter.
Was unterscheidet Phoenix Reisen von den großen Reedereien?
Der Unterschied lässt sich an einer einzigen Zahl festmachen: Das größte Schiff von Phoenix Reisen fasst 1.200 Passagiere. Bei AIDA liegt allein die AIDAprima bei rund 3.300 Gästen, die LNG-Schiffe darüber. Das kleinste Schiff der Phoenix-Flotte, die MS Deutschland, bewegt sich mit 22.496 BRZ in einer Größenordnung, die im Massenmarkt gar nicht mehr vorkommt.
Daraus folgt fast alles andere. Kleine Schiffe können Häfen anlaufen, die großen Einheiten verschlossen bleiben, und sie füllen sich nicht mit Erlebnisbereichen, für die schlicht der Platz fehlt. Umgekehrt fehlen die Wahlmöglichkeiten: mehrere Restaurantkonzepte, ein großes Showprogramm oder ausgedehnte Wellnessflächen setzen eine Mindestgröße voraus.
Ein zweiter Unterschied ist das Alter der Flotte. Die Schiffe stammen aus den Jahren 1984 bis 1998 und wurden mehrfach umgebaut und umbenannt. Wer klassische Schiffsarchitektur schätzt, sieht darin einen Reiz; wer den technischen Stand aktueller Neubauten erwartet, wird ihn nicht finden.
Der dritte Unterschied liegt im Reisezuschnitt. Während die großen Reedereien auf Wochenrhythmen ab wenigen Heimathäfen setzen, lebt das Phoenix-Programm von langen Fernreisen und Weltreisen. Das verlangt Zeit, bietet dafür aber Routen, die im Wochentakt gar nicht darstellbar wären.
Für wen eignet sich eine Reise mit Phoenix Reisen?
Der Anbieter passt zu Reisenden, die viel Zeit mitbringen und das Schiff als ruhigen Rahmen für lange Reisen verstehen. Bei 570 Passagieren auf der Amadea oder 1.200 auf der Artania entsteht eine Atmosphäre, die mit einem Schiff für 5.000 Gäste nichts gemein hat — man begegnet denselben Menschen wieder, die Crew kennt ihre Gäste.
Ebenso spricht der Zuschnitt Reisende an, denen deutschsprachige Betreuung wichtig ist und die klassische Schiffsarchitektur einem Erlebnisdeck vorziehen. Die durchgehenden Außenkabinen auf zwei der vier Schiffe sind ein weiteres Argument für alle, die eine Innenkabine grundsätzlich ausschließen.
Weniger geeignet ist Phoenix Reisen für Familien mit Kindern und für alle, die ein großes Bord- und Unterhaltungsangebot suchen. Wer Wasserrutschen, eine breite Restaurantauswahl und Abendshows erwartet, findet das bei AIDA Cruises oder TUI Cruises deutlich ausgeprägter.
Gibt es ein Loyalitätsprogramm?
Ein öffentlich ausgewiesenes Stammgastprogramm nach dem Muster der großen Reedereien beschreibt Phoenix Reisen auf seiner Website nicht. Da das Unternehmen einen hohen Anteil wiederkehrender Gäste hat, lohnt die direkte Nachfrage beim Kundenservice nach Vorteilen für Bestandskunden.
Klassisch, klein und deutschsprachig: unser Fazit zu Phoenix Reisen
Phoenix Reisen bedient eine Nische, die im deutschen Markt kaum besetzt ist: kleine, klassische Schiffe für lange Reisen, durchgehend deutschsprachig und preislich attraktiver, als es die Schiffsgrößen vermuten lassen. Der Preis dafür ist eine Flotte, deren jüngstes Schiff aus dem Jahr 1998 stammt.
Für die Zielgruppe ist das kein Nachteil, sondern die Voraussetzung des Konzepts. Wer die MS Amadea aus dem Fernsehen kennt und sich fragt, ob eine Reise darauf hält, was die Bilder versprechen, bekommt eine ehrliche Antwort: ein sehr kleines, sehr ruhiges Schiff mit ausschließlich Außenkabinen — und ohne das Bordprogramm, das moderne Großschiffe bieten.
Weitere Kreuzfahrtanbieter im Überblick
Für den Vergleich mit anderen Anbietern helfen diese Seiten weiter:
- nicko cruises als zweiter deutschsprachiger Anbieter mit kleiner Hochsee- und großer Flussflotte
- Hapag-Lloyd Cruises im gehobenen deutschsprachigen Segment
- AIDA Cruises und TUI Cruises als große deutschsprachige Reedereien
- A-ROSA Flusskreuzfahrten für Flussreisen in Europa
Phoenix Reisen ist damit einer von mehreren Anbietern, die sich gezielt an ein deutschsprachiges Publikum richten; am nächsten kommt dem Konzept Plantours mit der MS Hamburg. Wer statt kleiner Klassiker ein modernes Hochseeschiff mit reinen Verandakabinen sucht, findet es bei Viking, etwa bei der Viking Neptune. Wie sich die Segmente insgesamt sortieren, vom Massenmarkt bis zur Segelyacht, zeigt unsere Übersicht der Kreuzfahrt-Reedereien.




