Die VASCO DA GAMA ist das einzige Hochseeschiff von nicko cruises – und ein Schiff, das in gut drei Jahrzehnten viermal den Namen und viermal die Reederei gewechselt hat. Gebaut wurde es 1993 für Holland America Line, heute fährt es deutschsprachig für einen Anbieter aus Stuttgart.
Kreuzfahrt mit nicko cruises
- Fluss und Hochsee aus einer Hand – Europas Ströme und die VASCO DA GAMA
- Deutschsprachige Reiseleitung auf allen Schiffen
- Rhein, Donau, Seine, Rhône, Elbe und Douro ohne Flug erreichbar
- Familiäre Schiffsgrößen statt Bordbetrieb für mehrere tausend Gäste
Das Entscheidende steht dabei nicht im Datenblatt: nicko fährt das Schiff bewusst unter seiner baulichen Kapazität. Wir zeigen Euch, was das im Alltag ausmacht, wie die Kabinen geschnitten sind und für wen sich diese Reise lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kategorie: Premiumklasse – baulich für 1.490 Gäste, gefahren mit rund 1.000 – deutschsprachig und bewusst nicht ausgelastet
- Die VASCO DA GAMA misst rund 55.800 BRZ bei 219 Metern Länge und hat neun Gästedecks
- Baulich sind bis zu 1.490 Passagiere möglich – nicko fährt sie mit rund 1.000 Gästen
- Betreut werden sie von rund 500 Crewmitgliedern, Bordsprache ist Deutsch
- Das Schiff lief 1993 als Statendam für Holland America Line vom Stapel
- Über 600 Kabinen von der Innenkabine mit 16 bis zur Suite mit 102 Quadratmetern
Die folgenden Abschnitte gehen durch Baudaten, Geschichte, Kabinen und Bordangebot – und klären die Frage, die bei diesem Schiff mehr erklärt als jede Ausstattungsliste: warum ein Viertel der Betten leer bleibt.
Inhaltsverzeichnis
- Die VASCO DA GAMA im Überblick
- Vier Namen, vier Reedereien: die Geschichte des Schiffes
- Welche Kabinen gibt es an Bord?
- Wo wird an Bord gegessen?
- Was gibt es an Deck?
- Wohin fährt die VASCO DA GAMA?
- Was ist im Reisepreis enthalten?
- Für wen lohnt sich die VASCO DA GAMA?
- VASCO DA GAMA oder MS Hamburg?
- Weitere Schiffe und Anbieter im Überblick
Die VASCO DA GAMA im Überblick
nicko cruises ist vor allem für Flussreisen bekannt. Auf der Hochsee fährt der Anbieter genau ein Schiff, und das ist die VASCO DA GAMA. Sie ist damit für viele Gäste der Einstieg in die Hochseekreuzfahrt mit deutschsprachiger Betreuung.
Wie groß ist das Schiff?
Die Vermessung liegt bei rund 55.800 BRZ, das Schiff ist 219 Meter lang, 31 Meter breit und hat etwa 7,8 Meter Tiefgang. Neun Decks stehen den Gästen offen, die Zählung beginnt unten bei Deck 4 und reicht bis zum Sports Deck auf Deck 12. Die Bordspannung beträgt 220 Volt – ein Reiseadapter ist also nicht nötig.
Neun Gästedecks sind für ein Hochseeschiff wenig, und das prägt den Alltag mehr als die Tonnage. Die Wege zwischen Kabine, Restaurant und Deck bleiben kurz, und man verläuft sich nicht. Wer von einem Schiff mit siebzehn Decks kommt, merkt den Unterschied am ersten Tag.
Die eigentliche Besonderheit steckt aber nicht in den Abmessungen, sondern in der Belegung.
Wie viele Gäste sind wirklich an Bord?
Baulich fasst die VASCO DA GAMA bis zu 1.490 Passagiere. nicko cruises setzt sie mit rund 1.000 Gästen ein und lässt damit etwa ein Drittel der möglichen Betten unbelegt. Das ist keine Auslastungsschwäche, sondern Absicht.
Der Effekt ist im Alltag deutlich spürbar. Dieselben Restaurants, Bars, Pools und Decks teilen sich ein Drittel weniger Menschen, als der Grundriss vorsieht. Warteschlangen am Buffet, volle Sonnendecks und Gedränge beim Tenderboot entstehen dadurch schlicht seltener – und das Raumgefühl liegt näher an einem Premiumschiff als an dem, was die Tonnage vermuten lässt.
Rechnerisch stehen den rund 1.000 Gästen etwa 500 Crewmitglieder gegenüber. Zwei Gäste je Besatzungsmitglied sind für ein Schiff dieser Preisklasse ein guter Wert; die großen Mainstream-Schiffe liegen eher bei drei.
Wer also die Zahlen zweier Schiffe vergleicht, sollte nicht die Tonnage nebeneinanderlegen, sondern die tatsächliche Gästezahl. Auf dem Papier ist die VASCO DA GAMA ein Mittelklasseschiff, im Betrieb fährt sie wie ein kleineres.
Vier Namen, vier Reedereien: die Geschichte des Schiffes
Kaum ein Schiff im deutschsprachigen Programm hat eine so wechselvolle Biografie. Gebaut wurde es bei Fincantieri im italienischen Monfalcone, der Stapellauf war am 3. April 1992. In Dienst ging es 1993 als Statendam für Holland America Line – als Typschiff einer vierteiligen Baureihe.
2015 wechselte es zu P&O Cruises Australia und fuhr dort als Pacific Eden. 2019 übernahm die britische Cruise & Maritime Voyages das Schiff, taufte es auf VASCO DA GAMA und stellte es der deutschen Tochter TransOcean Kreuzfahrten zur Verfügung. Nach deren Ende kam es über die portugiesische Mystic Invest zu nicko cruises.
| Ab | Name und Reederei |
|---|---|
| 1993 | Statendam, Holland America Line |
| 2015 | Pacific Eden, P&O Cruises Australia |
| 2019 | VASCO DA GAMA, TransOcean |
| seither | VASCO DA GAMA, nicko cruises |
Für die Buchung ist das mehr als eine Anekdote. Reiseberichte, Deckpläne und Bewertungen kursieren unter allen vier Namen, und je nach Quelle beschreibt derselbe Text ein australisches Familienschiff oder ein deutschsprachiges Kreuzfahrtschiff. Prüft deshalb bei jeder Fundstelle, aus welchem Jahr sie stammt.
Praktisch relevant ist außerdem das Baujahr. Ein Schiff von 1993 hat kleinere Kabinen und weniger Balkone als ein Neubau – dafür trägt es die Bauweise seiner Zeit: dickere Stahlwände, eine echte umlaufende Promenade und Innenräume, die nicht auf maximale Kabinenzahl optimiert sind. Zuletzt überholt wurde es im April und Mai 2025.
Was ist die Statendam-Klasse?
Die VASCO DA GAMA ist das Typschiff einer vierteiligen Baureihe, die Holland America Line Anfang der Neunzigerjahre bei Fincantieri bauen ließ. Alle vier Schwestern fahren heute unter anderen Namen und für andere Reedereien – ein Muster, das für Schiffe dieser Größenklasse typisch ist.
Der Grund liegt im Markt: Schiffe um 55.000 BRZ sind für die großen Reedereien zu klein geworden, für Nischenanbieter aber genau richtig. Sie kommen in kleinere Häfen, lassen sich mit überschaubarem Aufwand betreiben und sind günstiger zu erwerben als ein Neubau. Die Statendam-Klasse ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie Schiffe aus dem Massenmarkt in spezialisierte Programme weiterwandern.
Für Euch als Gäste heißt das vor allem eines: Die Bauqualität stammt aus einer Zeit, in der bei Passagierschiffen anders gerechnet wurde. Breite Gänge, eine durchgehende Promenade und massive Innenausbauten sind auf modernen Schiffen der Kabinenausbeute gewichen.
Was die reduzierte Belegung konkret bringt
- Rund ein Drittel weniger Gäste als baulich möglich, bei unverändertem Platzangebot
- Etwa zwei Gäste je Crewmitglied statt drei wie auf großen Mainstream-Schiffen
- Weniger Andrang an Buffet, Pool und Tenderbooten
- Kürzere Wartezeiten beim Ein- und Ausschiffen, weil weniger Menschen gleichzeitig von Bord gehen
Welche Kabinen gibt es an Bord?
Über 600 Kabinen verteilen sich auf die neun Gästedecks. Die Spanne ist groß, die Einstiegskategorien fallen nach heutigen Maßstäben allerdings kompakt aus – das ist dem Baujahr geschuldet und sollte vor der Buchung klar sein.
- Innenkabine mit 16 bis 17 Quadratmetern
- Außenkabine mit 16 bis 18 Quadratmetern, je nach Lage mit Fenster oder Bullauge
- Balkonkabine mit rund 21 Quadratmetern
- Suiten von 45 bis 102 Quadratmetern

Zwei Punkte entscheiden bei der Wahl mehr als die Quadratmeter.
Fenster, Bullauge oder Balkon?
Die Außenkabinen unterscheiden sich stärker, als die Kategoriebezeichnung vermuten lässt. Manche haben ein Fenster, andere ein Bullauge, und einzelne sind sichtbehindert – dort verläuft ein Rettungsboot oder ein Aufbau vor dem Fenster. Diese Kabinen sind günstiger, und wenn die Kabine ohnehin nur Schlafplatz ist, sind sie ein sinnvoller Sparposten.
Balkonkabinen gibt es, sie sind aber nicht der Regelfall wie auf Neubauten. Bei 21 Quadratmetern inklusive Balkon bleibt innen weniger Fläche als in mancher Außenkabine. Wer den Balkon tatsächlich nutzt – auf Fjord- oder Küstenrouten durchaus – bekommt dafür den besseren Platz; wer ihn nicht nutzt, zahlt für Außenfläche statt Wohnraum.
Die Suiten sind der eigentliche Sprung: Zwischen 45 und 102 Quadratmetern liegt mehr als das Doppelte einer Balkonkabine. Bei über 600 Kabinen ist die Stückzahl je Suitenkategorie klein, entsprechend früh sind sie vergeben.
Wie findet man sich an Bord zurecht?
Die Decknummerierung beginnt unten bei Deck 4 und endet oben bei Deck 12 – dazwischen fehlen keine Ebenen, die unteren Nummern gehören zu den Betriebsdecks. Wer die Nummern zum ersten Mal liest, wundert sich über den Sprung; im Alltag spielt er keine Rolle, weil die Aufzüge nur die Gästedecks anfahren.
Praktischer als die Nummern sind die Namen. Sie folgen der klassischen Seefahrtslogik, und zwei davon sagen direkt, was einen erwartet: Auf dem Promenade Deck liegt die umlaufende Außenpromenade, auf dem Lido Deck der überdachte Pool. Wer sich diese beiden merkt, findet den Rest von allein.
Ein Tipp aus der Praxis: Auf einem Schiff mit neun Gästedecks lohnt es sich, am ersten Seetag einmal von oben nach unten durchzugehen. Das dauert keine zwanzig Minuten und erspart für den Rest der Reise die Suche nach dem richtigen Aufzug.
Wo wird an Bord gegessen?
Das Waterfront Restaurant ist mit 340 Plätzen das Hauptrestaurant. Daneben stehen das Club Bistro als Buffetrestaurant, das Mediterranean und das Fusion Restaurant zur Wahl. Aufpreispflichtig ist The Grill als À-la-carte-Adresse, dazu kommt der Alfresco Grill an Deck.
Fünf Restaurants für rund 1.000 Gäste sind ein komfortables Verhältnis – erst recht, weil das Schiff baulich für 1.490 ausgelegt ist. Genau hier zahlt sich die reduzierte Belegung am deutlichsten aus: Die Kapazität der Restaurants richtet sich nach dem Grundriss, die Zahl der Esser nicht.
Welche Bars gibt es?
Sieben Adressen verteilen sich über das Schiff: die Ocean Bar, der Captain’s Club, der Blue Room, die Oasis Bar, die Lido Bar, das Café Cappuccino’s und The Dome als Nachtclub auf dem obersten Deck. Für ein Schiff dieser Größe ist das reichlich.
Über die Lokale hinaus prägt vor allem das Deckangebot den Tagesablauf.
Was gibt es an Deck?
Das Lido Deck trägt einen Pool unter einem Glasdach, das sich schließen lässt – auf Nordeuropa- und Ostseerouten ist das der Unterschied zwischen einem nutzbaren und einem dekorativen Pooldeck. Dazu kommen ein Außenpool und mehrere Whirlpools.
Der zweite Baustein ist ein Erbe des Baujahrs: eine umlaufende Teak-Promenade von rund 400 Metern. Auf modernen Schiffen ist die durchgehende Promenade meist der Kabinenzahl zum Opfer gefallen; hier lässt sich noch eine echte Runde um das Schiff gehen – dreieinhalb Runden ergeben gut anderthalb Kilometer.
Ergänzt wird das durch einen Fitnessbereich und einen Spa mit Sauna und Behandlungsräumen. Ein Kasino gehört ebenfalls dazu, ein Theater für Abendvorstellungen sowie Räume für Vorträge. Das Programm bleibt aber im Rahmen dessen, was ein Schiff mit tausend Gästen trägt – Aquapark und Kletterwand sucht Ihr hier vergeblich.
Wie ist die Stimmung an Bord?
Die Bordsprache ist Deutsch, das Publikum entsprechend überwiegend deutschsprachig. Wer auf internationalen Schiffen schon einmal an der Sprachbarriere hing – bei Ansagen, im Ausflugsbüro oder beim Arzt –, wird das als den eigentlichen Komfortgewinn empfinden.
Der Umgangston ist entsprechend unaufgeregt: keine Abendgarderobe im engeren Sinn, kein durchgetaktetes Animationsprogramm, dafür Vorträge zum Reisegebiet und ein Abendprogramm im Rahmen dessen, was ein Schiff mit tausend Gästen trägt.
Wer Unterhaltung im Stil der großen Reedereien sucht, wird das vermissen. Wer ein Schiff als Verkehrsmittel zwischen interessanten Orten versteht und den Abend lieber an der Bar als in einer Show verbringt, findet hier das passende Format.
Was fehlt an Bord?
Ein ehrlicher Blick auf die Lücken spart Enttäuschungen. Es gibt keinen Aquapark, keine Kletterwand, keine Rutschen und keine Broadway-Produktionen – all das setzt Gästezahlen voraus, die dieses Schiff bewusst nicht fährt. Auch ein abgetrenntes Suitenviertel mit eigenem Restaurant, wie es die großen Reedereien inzwischen führen, sucht Ihr vergeblich.
Ebenso wenig gibt es ein Kinderprogramm im Umfang der Familienschiffe. Die VASCO DA GAMA ist kein Schiff, das sich um Kinder herum organisiert; wer mit Familie reist, findet an Bord Pools und Platz, aber keine Betreuungsstruktur.
Was es dafür gibt, ist eine Ausstattung, die auf großen Neubauten selten geworden ist: die durchgehende Außenpromenade, ein überdachtes Pooldeck und Innenräume, die nicht auf maximale Kabinenzahl gerechnet wurden. Es ist ein Tausch, kein Mangel – und wer weiß, worauf er sich einlässt, macht ihn bewusst.
Wohin fährt die VASCO DA GAMA?
Das Fahrtgebiet reicht von Kurzreisen in Nordeuropa bis zur Weltreise. Im europäischen Sommer stehen Nordland, Ostsee und Mittelmeer im Programm, im Winter verlagert sich der Einsatz in wärmere Reviere oder auf lange Strecken.
Für die Routenwahl ist die Größe wieder der entscheidende Faktor. Mit 219 Metern kommt das Schiff in Häfen, die den 300-Meter-Neubauten verschlossen bleiben – gerade in Norwegen und in der Ostsee bedeutet das Anleger mitten im Ort statt Industriehafen mit Shuttlebus.
Wie ist die An- und Abreise organisiert?
nicko cruises verkauft die Reisen überwiegend als Paket mit An- und Abreise, häufig ab deutschen Flughäfen oder mit Bahnanreise zum Hafen. Das ist ein Unterschied zu den internationalen Reedereien, bei denen der Kreuzfahrtpreis in aller Regel ohne Anreise ausgewiesen wird.
Beim Preisvergleich ist das der Posten, der am häufigsten übersehen wird. Ein Angebot mit Flug und Transfer lässt sich mit einem reinen Schiffspreis nicht sinnvoll vergleichen – prüft deshalb bei jedem Angebot zuerst, was überhaupt enthalten ist.
Was ist im Reisepreis enthalten?
Enthalten sind die Kabine, die Vollpension in den inbegriffenen Restaurants und das Bordprogramm. Nicht enthalten sind Getränke außerhalb der Mahlzeiten, das Spezialitätenrestaurant The Grill, Wellnessbehandlungen und Landausflüge.
nicko bietet Getränkepakete zum Vorabbuchen an. Ob sich das rechnet, hängt schlicht am eigenen Verbrauch – auf einer längeren Reise mit vielen Seetagen eher, auf einer Hafenrundreise mit täglichen Landgängen eher nicht.
Der größte Einzelposten neben dem Reisepreis bleiben die Landausflüge. Bei einem Schiff, dessen Programm auf Ziele ausgelegt ist, gehören sie ins Budget und nicht in die Kategorie Kleinbeträge.
Für wen lohnt sich die VASCO DA GAMA?
Das Schiff passt zu Reisenden, die deutschsprachig unterwegs sein möchten, denen Platz an Bord wichtiger ist als eine Neubaukabine und die ein Schiff mittlerer Größe einem Riesen vorziehen. Die reduzierte Belegung ist dabei das stärkste Argument – man bekommt das Raumgefühl einer teureren Kategorie.
Weniger geeignet ist sie für alle, die eine große Balkonkabine erwarten oder ein umfangreiches Bordprogramm suchen. Bei einem Baujahr 1993 sind die Standardkabinen kompakt, und Balkone sind die Ausnahme statt der Regel. Wer beides möchte, findet es bei den Neubauten der großen Reedereien – dort dann allerdings mit mehreren tausend Mitreisenden.
Wie sich nicko cruises insgesamt aufstellt, welche Flussschiffe zur Flotte gehören und was eine Reise kostet, steht in unserem nicko cruises Guide.
Welche Reviere lohnen sich besonders?
Zwei Fahrtgebiete spielen die Stärken dieses Schiffes am deutlichsten aus. Das erste ist Norwegen: Die Fjorde verlangen ein Schiff, das in enge Anleger passt, und die Landschaft zieht stundenlang am Deck vorbei – ein Fall für die umlaufende Promenade und das überdachte Pooldeck, weil beides auch bei zehn Grad nutzbar bleibt.
Das zweite ist die Ostsee. Dort liegen die Häfen dicht beieinander, die Liegezeiten sind lang, und die Altstädte beginnen oft direkt am Kai. Ein Schiff mit 219 Metern kommt dort an Liegeplätze, für die ein 300-Meter-Neubau auf den Industriehafen außerhalb ausweichen muss – bei einem Tagesausflug macht das schnell zwei Stunden Unterschied.
Weniger zwingend ist die Wahl im Mittelmeer. Dort sind die großen Häfen auf Großschiffe eingerichtet, und der Größenvorteil verpufft. Wer nur nach Mallorca oder Rom möchte, findet günstigere Wege – die VASCO DA GAMA lohnt sich dort vor allem wegen der Bordsprache und der geringeren Gästezahl, nicht wegen der Häfen.
Wie lange dauert eine Reise?
Die Spanne reicht von Kurzreisen über wenige Nächte bis zur Weltreise über mehrere Monate. Für ein Schiff mit nur rund 1.000 Gästen ist das eine ungewöhnlich große Bandbreite und der Grund, warum dieselbe Einheit im Katalog neben einer Ostseewoche auch eine Weltumrundung trägt.
Praktisch heißt das zweierlei. Auf einer kurzen Reise fällt die Anreise stärker ins Gewicht als der Bordpreis, weshalb sich europäische Routen ab deutschen Häfen besonders rechnen. Auf einer langen Reise dreht sich das Verhältnis um, und die Kabinenwahl wird zum entscheidenden Faktor – wer sechs Wochen an Bord verbringt, merkt jeden fehlenden Quadratmeter.
Wer zum ersten Mal mit diesem Schiff fährt, sollte deshalb mit einer kürzeren Route beginnen. Das Bordkonzept ist speziell genug, dass sich eine Weltreise als Erstkontakt nicht empfiehlt.
Was bedeutet die reduzierte Belegung für den Preis?
Ein Schiff mit einem Drittel weniger Gästen zu fahren, kostet Geld: Der Betrieb – Crew, Treibstoff, Hafengebühren – bleibt nahezu gleich, die Kosten verteilen sich aber auf weniger Köpfe. Das schlägt sich im Preis nieder und erklärt, warum die VASCO DA GAMA über den Tarifen der großen Mainstream-Reedereien liegt.
Verglichen werden sollte sie deshalb nicht mit einem Massenmarktschiff, sondern mit dem, was das Raumgefühl an Bord tatsächlich entspricht. Wer den Platz pro Gast als Maßstab nimmt statt den Tagespreis, landet bei einer anderen Vergleichsgruppe – und dort steht die VASCO DA GAMA günstig da.
Dazu kommt der praktische Vorteil des Pakets: Weil nicko die Reisen überwiegend mit An- und Abreise verkauft, ist der ausgewiesene Preis näher am Endpreis als bei Anbietern, die nur die Schiffspassage nennen. Bei einem Nordland-Törn kann das mehrere hundert Euro Unterschied ausmachen, die im Vergleich sonst untergehen.
Wann sollte man buchen?
nicko arbeitet regelmäßig mit Frühbucherermäßigungen, deren Höhe je nach Saison schwankt. Bei einem Schiff mit nur rund 1.000 Plätzen und einem einzigen Hochseeschiff im Programm ist der Spielraum nach hinten allerdings begrenzt: Ausverkaufte Termine lassen sich nicht auf ein Schwesterschiff ausweichen.
Das gilt besonders für die gefragten Reviere. Nordland im Hochsommer und die Weltreise sind die Termine, bei denen früh buchen mehr bringt als warten – anders als bei den großen Reedereien, die kurzfristig freie Kabinen abverkaufen, weil sie schlicht mehr davon haben.
VASCO DA GAMA oder MS Hamburg?
Beide Schiffe zielen auf dasselbe Publikum: deutschsprachig, Ziel vor Bordprogramm, überschaubare Größe. Die Unterschiede sind trotzdem erheblich, und sie laufen auf eine einzige Frage hinaus – wie klein soll es sein?
Die MS Hamburg fährt mit maximal 400 Gästen und ist mit 144 Metern deutlich kleiner. Sie kommt dadurch in Häfen, die selbst der VASCO DA GAMA verschlossen bleiben, und erreicht über die Eisklasse 1B die Polarregionen. Der Preis dafür sind Kabinen ab 13 Quadratmetern und ein knappes Bordangebot.
Die VASCO DA GAMA bietet mit rund 1.000 Gästen mehr Restaurants, mehr Bars, zwei Pools und einen größeren Spa. Ihre Kabinen sind größer, es gibt Balkone, und das Deckangebot trägt auch mehrere Seetage. Dafür bleiben Anlandungen in Polarregionen außen vor.
Kurz gefasst: Wer Expeditionsziele will, nimmt die kleinere. Wer Komfort an Bord über die Zahl der exotischen Häfen stellt, nimmt die größere.
Kreuzfahrt mit nicko cruises
- Fluss und Hochsee aus einer Hand – Europas Ströme und die VASCO DA GAMA
- Deutschsprachige Reiseleitung auf allen Schiffen
- Rhein, Donau, Seine, Rhône, Elbe und Douro ohne Flug erreichbar
- Familiäre Schiffsgrößen statt Bordbetrieb für mehrere tausend Gäste
Das solltet Ihr vor der Buchung wissen
- Baujahr 1993: Die Standardkabinen messen 16 bis 18 Quadratmeter
- Balkone sind die Ausnahme, nicht die Regel – Balkonkabinen liegen bei rund 21 Quadratmetern inklusive Außenfläche
- Einzelne Außenkabinen sind sichtbehindert, was den Preis senkt und vor der Buchung geprüft gehört
- Reiseberichte laufen unter vier verschiedenen Schiffsnamen – auf das Jahr der Quelle achten
- Getränke, The Grill, Wellness und Landausflüge werden separat berechnet
Weitere Schiffe und Anbieter im Überblick
Für die Einordnung im deutschsprachigen Markt helfen diese Seiten:
- nicko cruises Guide mit der Flussflotte und dem Anbieterprofil
- MS Hamburg als kleinere Alternative mit 400 Gästen
- Hurtigruten Postschiffe für alle, die es vor allem nach Norwegen zieht
- MS Amadea – das ZDF-„Traumschiff“ von Phoenix Reisen, ebenfalls klein und deutschsprachig
- MS Artania – das größte Schiff der Phoenix-Flotte in derselben Nische
Welche Reedereien im deutschsprachigen Markt sonst noch mit kleineren Schiffen fahren und wie sie sich preislich unterscheiden, zeigt unsere Übersicht der Kreuzfahrt-Reedereien im direkten Vergleich.
