Fliegen wird nie wirklich klimafreundlich sein, doch beim Thema Nachhaltigkeit bei Airlines hat sich seit 2025 mehr bewegt als in den Jahren davor. Der Grund sind weniger freiwillige Initiativen als neue Pflichten: Die EU schreibt eine Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe vor, der Emissionshandel wird teurer, und das spürt Ihr inzwischen auch beim Ticketpreis.

In diesem Guide zeigen wir, welche Regeln für Fluggesellschaften gelten, was hinter SAF, CORSIA und Book and Claim steckt, wie Green Fares und CO2-Kompensation funktionieren und wie realistisch die Klimaziele der Airlines sind.

Das Wichtigste in Kürze: Seit Januar 2025 müssen an EU-Flughäfen 2 Prozent des Kerosins nachhaltige Kraftstoffe (SAF) sein, 2030 steigt die Quote auf 6 Prozent. Weltweit lag der SAF-Anteil 2025 laut IATA aber nur bei rund 0,6 Prozent. Passagiere merken das über Zuschläge wie den Umweltkostenzuschlag der Lufthansa Group von 1 bis 72 Euro und können mit Green Fares oder Ausgleichspaketen freiwillig mehr tun.

Wie können Airlines überhaupt nachhaltiger werden?

Fluggesellschaften haben im Wesentlichen vier Hebel, um ihre CO2-Emissionen zu senken: sparsamere Flugzeuge, einen effizienteren Flugbetrieb, nachhaltige Kraftstoffe und den Ausgleich von Emissionen über Klimaschutzprojekte. Plastikfreies Besteck oder recycelte Amenity Kits sind sympathisch, spielen für die Klimabilanz aber kaum eine Rolle, denn der allergrößte Teil der Emissionen entsteht beim Verbrennen von Kerosin.

Den schnellsten Effekt hat die Flottenerneuerung. Neue Modelle wie der Airbus A350, die Boeing 787 oder der A321neo verbrauchen je nach Vergleichsmuster deutlich weniger Treibstoff als die Flugzeuge, die sie ersetzen. Die Lufthansa Group setzt deshalb in ihrer Klimastrategie neben SAF vor allem auf die beschleunigte Modernisierung der Flotte und einen optimierten Flugbetrieb.

Airbus A350 und Boeing 787 von Lufthansa Swiss und Austrian
Moderne Langstreckenjets wie A350 und Boeing 787 sind der größte Hebel für weniger Verbrauch

Langfristig reicht das aber nicht, denn der Luftverkehr wächst schneller, als die Effizienz steigt. Deshalb ruhen die Hoffnungen der Branche auf nachhaltigen Kraftstoffen, die das fossile Kerosin nach und nach ersetzen sollen.

Was schreibt die EU mit ReFuelEU Aviation vor?

Mit der Verordnung ReFuelEU Aviation gilt seit dem 1. Januar 2025 eine verbindliche Mindestquote für Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF. Treibstofflieferanten müssen dem Kerosin an EU-Flughäfen einen wachsenden Anteil nachhaltiger Kraftstoffe beimischen. Dazu zählen Biokraftstoffe etwa aus Altspeiseöl und synthetische Kraftstoffe, die mit Ökostrom aus Wasser und CO2 hergestellt werden.

JahrSAF-Mindestanteildavon synthetische Kraftstoffe
20252 Prozentkeine Vorgabe
20306 Prozent1,2 Prozent
203520 Prozent5 Prozent
204034 Prozent10 Prozent
204542 Prozent15 Prozent
205070 Prozent35 Prozent

Damit Airlines die Quote nicht umgehen, indem sie außerhalb der EU billiger tanken, gilt zusätzlich eine Tankpflicht: Flugzeuge müssen an EU-Flughäfen mindestens 90 Prozent des Treibstoffs für den jeweiligen Flug aufnehmen. Seit dem 1. Januar 2026 wendet auch die Schweiz die Regeln von ReFuelEU Aviation an.

Betankung eines Flugzeugs am Flughafen
Seit 2025 muss an EU-Flughäfen ein Teil des Kerosins aus nachhaltigen Kraftstoffen bestehen

Die Quote klingt zunächst niedrig, ist aber teuer. SAF kostet laut Branchenangaben ein Vielfaches von fossilem Kerosin, synthetische Kraftstoffe gibt es bisher fast nur in Pilotanlagen. Wie Airlines diese Mehrkosten weitergeben, zeigen wir weiter unten.

Wie viel nachhaltiger Kraftstoff steht tatsächlich zur Verfügung?

Hier liegt das größte Problem. Laut dem Branchenverband IATA wurden 2025 weltweit rund 1,9 Millionen Tonnen SAF produziert, fast doppelt so viel wie 2024. Das entspricht aber nur etwa 0,6 Prozent des gesamten Kerosinverbrauchs. Für 2026 erwartet die IATA rund 2,4 Millionen Tonnen und damit einen Anteil von 0,8 Prozent.

Die IATA hatte ihre Prognose im Dezember 2025 nach unten korrigiert und kritisiert die Quoten in der EU und in Großbritannien als schlecht gemacht, weil sie die Preise treiben, ohne genug zusätzliche Produktion anzustoßen. Umweltverbände sehen das anders und halten die Quoten für den einzigen Weg, überhaupt Investitionen in neue Anlagen auszulösen.

Für Euch als Passagiere heißt das: Selbst wenn Ihr einen Tarif mit SAF-Anteil bucht, fliegt in Eurem Flugzeug nicht zwingend nachhaltiger Kraftstoff. Hier kommt das Prinzip Book and Claim ins Spiel, das wir im Abschnitt zu Green Fares erklären.

Was ändert sich beim Emissionshandel und bei CORSIA?

Neben der SAF-Quote gibt es zwei Systeme, die Emissionen der Luftfahrt einen Preis geben. Der EU-Emissionshandel EU ETS erfasst Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums sowie Abflüge in die Schweiz und nach Großbritannien. Airlines müssen dafür Zertifikate abgeben. Die bisher kostenlos zugeteilten Zertifikate wurden 2024 um 25 Prozent und 2025 um 50 Prozent gekürzt, seit 2026 müssen Airlines sie vollständig ersteigern.

Langstreckenflüge aus Europa fallen bisher nicht unter den EU ETS, sondern unter CORSIA, das Kompensationssystem der UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Bis Ende 2026 läuft dessen freiwillige Phase, ab 2027 wird CORSIA für die meisten Staaten verpflichtend, Ausnahmen gelten etwa für die am wenigsten entwickelten Länder und kleine Inselstaaten. Airlines müssen dann Emissionen über einem festgelegten Basiswert mit Zertifikaten ausgleichen.

Lufthansa Airbus A350 beim Start
Langstreckenflüge aus Europa fallen bisher unter CORSIA und nicht unter den EU-Emissionshandel

Die EU-Kommission kam im Sommer 2026 zu dem Ergebnis, dass CORSIA bisher nicht ausreichend gestärkt wurde. Am 17. Juli 2026 schlug sie deshalb vor, den EU ETS ab 2029 auf Abflüge aus Europa zu Zielen innerhalb von 5.000 Kilometern um Frankfurt auszuweiten, etwa in die Türkei oder an den Persischen Golf. Flüge in die USA, nach China oder Japan wären nicht erfasst. Der Vorschlag muss noch von den EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen werden.

Was merken Passagiere von den neuen Regeln?

Vor allem höhere Preise. Die Lufthansa Group erhebt für Abflüge ab dem 1. Januar 2025 einen Umweltkostenzuschlag zwischen 1 und 72 Euro pro Ticket, abhängig von Strecke und Tarif. Er gilt für alle Flüge der Konzernairlines ab den 27 EU-Staaten sowie ab Großbritannien, Norwegen und der Schweiz und soll laut Lufthansa die Kosten für die SAF-Quote, den Emissionshandel und CORSIA abdecken.

Andere Airlines geben die Mehrkosten ebenfalls weiter, teils als eigenen Zuschlag, teils versteckt im Ticketpreis. Auf eine eigene Ausweisung im Ticketpreis könnt Ihr Euch also nicht verlassen.

Wie funktionieren Green Fares und CO2-Kompensation?

Wer freiwillig mehr tun will, kann bei vielen Airlines direkt bei der Buchung einen Tarif mit Ausgleich wählen. Bekanntestes Beispiel sind die Green Fares der Lufthansa Group, buchbar bei Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Edelweiss, Discover und Air Dolomiti. Innerhalb Europas werden 20 Prozent der Flugemissionen über SAF und 80 Prozent über Klimaschutzprojekte ausgeglichen, auf der Langstrecke sind es 10 und 90 Prozent. Dazu kommen kostenlose Umbuchung und zusätzliche Meilen und Points.

Das Angebot wächst weiter: ITA Airways hat im Mai 2026 eigene Green Fares eingeführt, und seit dem 1. Juli 2026 gibt es in der Lufthansa Group den Business Flex Green Tarif für Europaflüge. Seit September 2025 könnt Ihr außerdem für zugebuchte CO2-Ausgleichspakete bei Miles & More Meilen und Points sammeln. Ob sich das lohnt, rechnen wir in unserem Guide zur CO2-Kompensation bei Miles & More durch.

Swiss Airbus A321neo im Landeanflug
Green Fares gibt es bei allen großen Airlines der Lufthansa Group, darunter Swiss

Der SAF-Anteil in diesen Tarifen funktioniert in der Regel nach dem Prinzip Book and Claim. Die Airline kauft die entsprechende Menge SAF ein, die dann irgendwo im Netz der Airline oder ihrer Partner verbrannt wird, und Ihr bekommt den Klimavorteil gutgeschrieben, auch wenn der Kraftstoff nicht in Eurem Flugzeug landet. Damit das nicht doppelt gezählt wird, hat die IATA im April 2025 ein eigenes SAF-Register gestartet, und auch der Vorschlag der EU-Kommission vom Juli 2026 sieht ein Book-and-Claim-System vor.

Bei reinen Klimaschutzprojekten ist Vorsicht angebracht. Die EU-Kommission hat im Mai 2024 rund 20 Airlines aufgefordert, ihre Aussagen zur CO2-Reduktion wissenschaftlich zu belegen, und Lufthansa hat ihre eigene Kompensationsplattform Compensaid 2024 eingestellt. Ein Flug wird durch Kompensation nicht klimaneutral, sie ist bestenfalls ein Beitrag zu Projekten anderswo.

Wie realistisch sind die Klimaziele der Airlines?

Die Mitglieder der IATA haben sich im Oktober 2021 verpflichtet, bis 2050 netto keine CO2-Emissionen mehr zu verursachen. Viele Airlines haben dazu eigene Zwischenziele: Die Lufthansa Group will ihre Netto-CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber 2019 halbieren, ihr Reduktionspfad wurde im August 2022 von der Science Based Targets Initiative bestätigt.

Wie wackelig solche Ziele sind, zeigt Air New Zealand: Die Airline hat im Juli 2024 als erste große Fluggesellschaft ihr Klimaziel für 2030 aufgegeben und nannte fehlende effiziente Flugzeuge und teures SAF als Gründe, mehr dazu in unserer News zu Air New Zealand. Bei einem SAF-Anteil von unter einem Prozent weltweit ist der Weg zu Netto-Null bis 2050 noch sehr weit.

China Southern Airbus A320 am Flughafen
Das Netto-Null-Ziel für 2050 haben Airlines weltweit unterschrieben, die Umsetzung hängt vor allem am SAF

Ehrlich betrachtet treiben derzeit vor allem die Regeln aus Brüssel die Entwicklung in Europa voran, weniger die freiwilligen Versprechen. Wie wir bei reisetopia selbst mit dem Thema umgehen, beschreiben wir auf unserer Seite zu Nachhaltigkeit bei reisetopia.

Fazit zur Nachhaltigkeit bei Airlines

Die Zeiten, in denen Airlines vor allem mit Holzbesteck und Themenflügen für Nachhaltigkeit warben, sind vorbei. Seit 2025 gibt es mit der SAF-Quote der EU, dem verschärften Emissionshandel und ab 2027 dem verpflichtenden CORSIA echte Vorgaben, die Fluggesellschaften Geld kosten. Das Problem bleibt die Menge: Nachhaltiger Kraftstoff macht weltweit weniger als ein Prozent des Verbrauchs aus.

Für Euch bedeutet das etwas höhere Ticketpreise und mehr Wahlmöglichkeiten. Wer seinen Flug ausgleichen möchte, fährt mit Green Fares oder Ausgleichspaketen mit SAF-Anteil am besten, sollte aber wissen, dass dabei viel über Zertifikate läuft. Den größten Effekt hat am Ende, wie oft und wie weit Ihr fliegt.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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