Mit ihrem Tochterunternehmen Deka wollen die Sparkassen 2027 auf dem Altersvorsorgedepot-Markt kräftig mitmischen – das Portfolio ist wettbewerbsfähig.
Zunehmend werden die Konditionen verschiedener Anbieter für das im Jahr 2027 startende Altersvorsorgedepot bekannt. Auch die Sparkassen, die mit dem S Neo Broker ein eigenes Depotangebot verwalten, bieten auf ihrer Produktseite über das Tochterunternehmen Deka ein Altersvorsorgedepot an. Das Angebot kann als Kampfansage gegen die vorpreschenden Neobroker betrachtet werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Deka Altersvorsorgedepot bietet mehrere Varianten an
- Die Kostenquote beim Standardmodell ist auf Neobroker-Niveau
- Eine Produktkostenerstattung gibt es nach aktuellem Stand nicht
Sparkassen nehmen den Wettbewerb an
Die Sparkassen wollen über ihre Tochterfirma Deka ab Januar 2027 ihr eigenes Altersvorsorgedepot ausrollen. Dabei gehen sie ein Stück weit einen sich abzeichnenden Trend mit, der von Neobrokern wie Traders Place oder flatex ins Leben gerufen wurde. Ein anderer Trend wird dagegen ignoriert.

Die Deka will sowohl mit Neobrokern insbesondere im Bereich der Kostenquote als auch mit dem generellen Portfolio konkurrieren können. Zu diesem Zweck wird das Angebot innerhalb der beiden Depotmodelle Deka-Vorsorge und Deka-VorsorgePlus deutlich über den festgelegten Standard hinaus ausgeweitet.
ℹ️ Das Altersvorsorgereformgesetz der Bundesregierung sieht grundsätzlich zwei verschiedene Modelle für das Altersvorsorgedepot vor: Ein Standard-Modell für Einsteiger und ein flexibles Modell für erfahrenere Anleger. Beim Standard-Modell werden automatisch zwei Fonds zugeordnet – einer davon ist auf Sicherheit ausgelegt, der andere auf Wachstum. Beim flexiblen Modell können Kunden zwischen mehreren hundert ETFs wählen, in die sie investieren können, müssen dafür aber auch Faktoren wie die Umschichtung vor Rentenbeginn selbst im Blick behalten. Beim Einsteigermodell passiert diese wiederum automatisch, zudem gibt es hier einen jährlichen Kostendeckel von 1 Prozent.
Nach diesem Modell arbeitet die Deka grundsätzlich ebenfalls. Das Modell Deka-Vorsorge bildet dabei die Standard-Variante, Deka-VorsorgePlus wiederum das flexible Altersvorsorgedepot. Doch bei genauerer Betrachtung bietet die Deka deutlich mehr an, als bloß ein Standard- und ein Flex-Modell:
| Deka-Vorsorge (klassisch) | Deka-Vorsorge (individuell) | Deka-VorsorgePlus (Chance) | Deka-VorsorgePlus (Balance) | |
| Effektivkosten pro Jahr | 0,1 Prozent | 0,1 Prozent | 1 – 1,5 Prozent | 1 – 1,5 Prozent |
| Anlagevariante | Zwei Fonds, automatische Steuerung | Zwei Fonds, Aktienquote aber frei wählbar | Höherer Aktienanteil mit längerem Anlagehorizont | Aktienanteil wird früher reduziert |
| Besonderheiten | Kostenlose Depotführung & Zulagenverwaltung | Kostenlose Eigenregie bei der Aktienquote | Hohes Eigenmanagement gefragt, für besonders aktive Anleger | Frühzeitige Risikoreduzierung |
Erst vor wenigen Tagen hatte die ING als eine der ersten Banken ihre Konditionen für das kommende Altersvorsorgedepot konkretisiert. ING-Privatkundenchefin Burcu Civelek Yüce ließ es sich dabei nicht nehmen, die Neobroker für deren bisherige Strategien im Ringen um Abschlüsse zu kritisieren. Denn Scalable Capital, Trade Republic und Co. werben allesamt mit der Erstattung von Produktkosten in den ersten Jahren.
Nach Ansicht der ING-Privatkundenchefin ist die Erstattung der Total Expense Ratio (TER) keine Grundlage für ein Angebot, das langfristig aufrechterhalten werden kann. Auch die Deka spricht nicht davon, die TER zunächst reinvestieren zu wollen.
Wie schlägt sich das Altersvorsorgedepot der Deka?
Das Angebot, mit dem die Sparkassen auf dem Markt für die Altersvorsorge auf sich aufmerksam machen wollen, könnte insbesondere der ING Sorgenfalten auf die Stirn projizieren. Denn das Altersvorsorgedepot der Deka schlägt die bisher bekannten Konditionen der ING teilweise deutlich. Die ING wirbt dafür umgekehrt mit einem Startbonus von 50 Euro für alle Neukunden, die sich bis Ende des Jahres in die Starterliste eintragen.
📊 Mit insgesamt vier verschiedenen Depotmodellen, aufgeteilt auf je zwei Standard- und zwei Flex-Varianten, treten die Sparkassen vielseitiger auf als die ING, die es bei den beiden Modellen “Relax” und “Aktiv” belässt. Bei den jährlichen Kosten spricht die ING von 0,2 Prozent pro Jahr – variable Transaktionskosten noch nicht mitgerechnet. Die Sparkassen veranschlagen für ihre Standardmodelle 0,1 Prozent pro Jahr, ohne eine Zulagenverwaltung oder Ähnliches. Bei ihren Flex-Modellen könnten die Sparkassen jedoch mit 1 bis 1,5 Prozent Effektivkosten pro Jahr schnell ins Hintertreffen geraten.
Unter Umständen macht die Deka mit ihrem Angebot sogar Jagd auf den einen oder anderen Neobroker und dessen Altersvorsorgedepot. Wie die finalen Konditionen aller Anbieter aussehen werden, bleibt abzuwarten – alle Konditionen gelten noch vorbehaltlich der Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die im November 2026 erwartet wird.




