Mit airBaltic führt die nächste Airline einen Business Class Light Tarif ein. Was steckt dahinter und warum werden Light Tarife mehr als nur ein Trend?

Airlines bieten zum einen verschiedene Reiseklassen wie Economy Class, Premium Economy, Business Class und First Class. Die Interpretation dieser einzelnen Reiseklassen ist den Airlines selbst überlassen. Darüber hinaus werden die einzelnen Reiseklassen in verschiedene Buchungsklassen aufgeteilt. Die einzelnen Buchstaben sollen diese unterscheiden und werden auch noch verschiedenen Tarifen zugeordnet. Der Light Tarif soll dabei zumeist am wenigsten Vorteile bieten. Sorgt dies bei Passagieren nur für mehr Unklarheiten oder sind diese Tarife sogar hilfreich?

Neuer Tarif: airBaltic Light

airBaltic führt einen neuen Business Class Light Tarif ein, ist aber damit keineswegs ein Vorreiter. Da jedoch jede Airline ihre Reise- und Buchungsklassen selbst definiert, unterscheiden sich auch die sogenannten Light Tarife zwischen den verschiedenen Fluggesellschaften. Der neue Business Class Light Tarif bei airBaltic unterscheidet sich auf den ersten Blick aber gar nicht so sehr vom Standard-Tarif. In der Bezeichnung der beiden Tarife lässt sich der Unterschied aber bereits erahnen. Der Business Class Flex Tarif lässt sich flexibel gestalten. Der Business Class Light Tarif schränkt die Flexibilität des Passagiers deutlicher ein.

airBaltic A220-300

So können laut Business Traveller Passagiere mit Business Class Light Tarif Umbuchungen lediglich vor dem ursprünglich geplanten Abflugdatum kostenfrei vornehmen. Am Abflugtag selbst fällt eine Gebühr von 50 Euro an. Passagiere des Flex Tarifs können jederzeit kostenfrei den Flug umbuchen. Auch Namensänderungen sind im Light Tarif mit 100 Euro kostenpflichtig, im Flex Tarif bleiben diese ebenfalls kostenfrei. Zu guter Letzt unterscheidet sich noch die Meilengutschrift. Während im Light Tarif 150 Meilen gutgeschrieben werden, sind es im Flex Tarif weiterhin 200 Meilen. Alle anderen Annehmlichkeiten an Bord bleiben für alle Business Class Passagiere unverändert bestehen.

Mehr Light in der Business Class

Damit ist airBaltic kein Vorreiter. Auch andere Fluggesellschaften haben bereits in der Vergangenheit den sogenannten Light Tarif eingeführt, und zwar sowohl in Business als auch in Economy Class. Die Lufthansa ist hierzulande ein Paradebeispiel. Dabei scheint sich airBaltic durchaus an diesem Modell orientiert zu haben. Denn zumeist unterscheiden sich lediglich die Umbuchungsmöglichkeiten sowie Meilengutschriften. Kürzlich teilte der Kranich jedoch mit, dass beispielsweise Sitzplatzreservierungen im Economy Light Tarif kostenpflichtig werden. Bei anderen Fluggesellschaften unterscheiden sich die Vorteile unter den einzelnen Business Class Passagieren aber mitunter enorm.

Lufthansa Airbus A321neo Kabine Sitz

Hier gibt es zum einen das Modell für Passagiere, die kurzfristig noch Upgrades durchführen. Emirates beispielsweise führt lediglich das Upgrade von der einen zur anderen Reiseklasse durch. Die üblichen Vorteile wie Zugang zur Lounge und mehr Flexibilität werden nicht gewährt. Stattdessen erhält man als Passagier lediglich den “besseren” Sitz, wird aber wie ursprünglich gebucht von A nach B befördert. Zum anderen bieten Airlines dieses Modell bereits bei Buchung. Finnair führt ebenfalls einen Business Class Light Tarif. Im Prinzip ist dieser Tarif eher wie ein Economy Class Tarif aufgebaut, bietet an Bord aber den Business Class Sitz und Service.

Noch mehr Light in der Economy Class?

Doch nicht nur in der Business Class unterscheiden sich die Tarife, auch in der Economy Class. Zwar ist und bleibt der Bord zumeist an Bord der gleiche – abgesehen von einigen Lowcost-Airlines, die vor Abflug Zusatzleistungen hinzubuchen lassen und somit beispielsweise auch mehr Service an Bord bieten -, dafür unterscheiden sich die Economy Class Tarife vor allem in puncto Flexibilität. Während Lufthansa also die Sitzplatzreservierung im Economy Class Light Tarif die Sitzplatzreservierung zu jedem Zeitpunkt kostenpflichtig macht, streicht SAS Scandinavian Airlines das kostenfreie große Handgepäckstück im eigenen Light Tarif. Seitdem ist nur noch eine kleine Tasche im Tarif inbegriffen, sodass das zusätzliche Handgepäckstück kostenpflichtig wird.

Lufthansa Economy Onboard Delights

Auch die Meilengutschrift wurde im Light Tarif angepasst und damit reduziert. Wie es anders gehen kann, hat Cathay Pacific im vergangenen Jahr bewiesen. Die Fluggesellschaft stellte die Tarifstruktur in Economy und Business Class zwar auf Light um, weniger Vorteile müssen Passagiere damit aber nicht unbedingt in Kauf nehmen. Nur die Freigepäckmenge wird im Economy Light Tarif reduziert – aber von 30 auf 23 Kilogramm. In anderen Economy Tarifen werden diese dafür sogar erhöht. Im Standard Tarif Essential können Passagiere nun sogar zwei Gepäckstücke mit insgesamt bis zu 46 Kilogramm aufgeben.

Cathay Pacific Regional Business Class

In der Business Class sollte ebenfalls ein Light Tarif eingeführt werden. Die Freigepäckmenge wird nicht reduziert, der Zutritt zur Lounge wird nicht gestrichen. Passagiere gebucht mit diesem Tarif dürfen zukünftig zwei Gepäckstücke mit insgesamt bis zu 64 Kilogramm aufgeben. Statt also die Bedingungen im Light Tarif einzuschränken, werden die Vorteile in den weiteren Tarifen darüber sogar noch höhergestellt, sodass es eigentlich zu keinen Nachteilen für die Passagiere kommen dürfte.

Fazit zum Light Tarif

airBaltic führt also einen neuen Business Class Light Tarif ein, und nun? Während auf den ersten Blick die Vorteile für die Passagiere eingegrenzt werden – im Beispiel von airBaltic verlieren Passagiere etwas Flexibilität sowie ein paar Meilen -, reagieren die Airlines doch eigentlich nur auf Kundenbedürfnisse. Ja, eine Ausrede, die gerne von der Lufthansa für neue Sparmaßnahmen genutzt wird. Tatsache ist aber, dass Passagiere – egal, ob in Economy oder Business Class – ihre Reise individuell gestalten wollen und dabei entweder auf Services wie Loungezugang oder Zusatzgepäck oder eben Flexibilität verzichten können. Ich persönlich würde mir sogar eine einfachere, aber klare und transparente Tarifstruktur wünschen. Je nach Reiseklasse soll es demnach jeweilige festgesetzte Vorteile geben. Alle weiteren Leistungen wären optional hinzubuchbar.

Wie seht Ihr das? Könnt Ihr mit den Light Tarifen leben oder würdet Ihr Euch sogar noch mehr Individualität wünschen? Oder sollten je nach Reiseklasse auch grundsätzlich mehr Vorteile gewährt werden?

Autor

Alexander Fink ist als Content Editor seit Januar 2021 für reisetopia tätig. Zuvor war er als Account Manager in der Industrie beruflich unterwegs und schrieb von seinen Reiseerfahrungen im eigenen Blog. Heute ist er Euer Ansprechpartner für alle Airline- und Kreditkartenthemen.

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  • Also ich bin in Südamerika öfter mal Business geflogen … Schöner Sitz, viel Platz …. ABER , der Service war praktisch nicht vorhanden. Essen gab es wenn überhaupt nichts erwähnenswertes …. Da hab ich gemerkt, das ein Sitz nicht alles ist! Service, Essen, Gepäck, ….. usw. usw. gehören einfach dazu … sonst kann ich auch gleich Eco buchen!

  • Wenn schon Light dann richtig. Wenn die Leute dann Unmengen an Gepäck an Board schleppen nervt das extrem. Ich würde mir wünschen, dass das Handgepäck extrem reduziert wird. Am besten gibt es eine Möglichkeit einen Trolley ins Handgepäck für eine Bezahlung zu buchen. Davon darf es dann nur ein Ticket pro Reihe geben. Vielleicht nicht realistisch aber das würde generell die Schlangen an der Security reduzieren und es geht zügig beim Boarding.

  • Ich kann gut mit den Light Tarifen leben… Jedenfalls wenn von Anfang an klar ist, was das für mich bedeutet.

    Schlecht, wenn ich die Buchung unterbrechen muss und erst mal im Internet stöbern muss, welche zB Gepäckregeln für mich gelten, und ich selbst dann nicht sicher sein kann.

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