Bei Condor endet die Zeit der staatlichen Beteiligung: Der Finanzinvestor Attestor hat eine Option auf die restlichen 49 Prozent der Anteile gezogen und soll damit künftig alleiniger Eigentümer der Fluggesellschaft werden.
Die Ferienfluggesellschaft ordnet damit ihre Gesellschafterstruktur neu – künftig soll Condor vollständig Attestor gehören. Das geht aus einer Pressemitteilung der Airline vom 25. September 2026 hervor. Die Anteile lagen bislang bei der SG Luftfahrtgesellschaft, über die der Bund und das Land Hessen an der Airline beteiligt waren. Der Vollzug der Übernahme ist für den 31. August 2027 geplant. Für Reisende ist allerdings vor allem spannend, was parallel dazu im Streckennetz passiert – denn dort hat sich bei Condor zuletzt einiges bewegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Attestor zieht die Option auf die restlichen 49 Prozent und soll alleiniger Eigentümer werden
- Der Abschluss der Übernahme ist für den 31. August 2027 geplant
- Parallel baut Condor das Streckennetz ab Frankfurt um – mit neuen Zielen, aber auch Streichungen
Der Staat will aussteigen, Attestor soll komplett übernehmen
Condor hatte nach der Pleite des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook und den Folgen der Corona-Pandemie staatliche Hilfen von Bund und Land erhalten. Diese hat die Airline nach eigenen Angaben im Frühjahr 2026 vorzeitig zurückgezahlt. Attestor war 2021 als Investor eingestiegen – bereits damals wurde eine Option vereinbart, auch die übrigen Anteile zu übernehmen. Genau diese Option zieht Attestor nun. Condor selbst spricht damit vom Ende einer „außergewöhnlichen Phase“ in der Unternehmensgeschichte.
Die genauen Konditionen der Übernahme sind vertraulich. Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) gibt es einen festen Kaufpreis und zusätzlich einen sogenannten Besserungsschein, über den Bund und Land am künftigen wirtschaftlichen Erfolg von Condor beteiligt werden.
Ruhig wird es um die Eigentümerfrage damit trotzdem nicht: Dem Bericht zufolge will Attestor mittelfristig einen strategischen Investor als Minderheitseigner an Bord holen. Condor-Chef Peter Gerber hält einen Partner aus der Branche schon länger für sinnvoll. Über mögliche Verkaufsgespräche hatten wir bereits im Sommer berichtet.
Neue Ziele ab Frankfurt, gestrichene Strecken und ein Sparprogramm
Für Reisende wichtiger als die Eigentümerfrage ist der Kurs, den Condor derzeit fährt. Nachdem Lufthansa die Zusammenarbeit bei den Zubringerflügen nach Frankfurt aufgekündigt hat, baut Condor ein eigenes Netz an Zubringerstrecken auf. Erst vor wenigen Tagen hat die Airline mit Athen, Florenz und Stockholm drei neue Ziele ab Frankfurt für 2027 angekündigt. Außerdem gibt es eine neue Interline-Partnerschaft mit American Airlines, über die sich Anschlussflüge in Nordamerika auf einem Ticket buchen lassen.

Gleichzeitig wird an anderer Stelle gekürzt: Im kommenden Winterflugplan streicht Condor die Dubai-Flüge ab Berlin und Stuttgart, auch die Verbindung nach Sanya wird nicht fortgesetzt. Betroffene Gäste sollen laut Condor rechtzeitig informiert werden und Umbuchungs- oder Erstattungsoptionen erhalten.
Hinzu kommt ein Sparprogramm: Laut SZ will Gerber im Geschäftsjahr 2026/27 rund 100 Millionen Euro einsparen, einen Teil davon sollen die Mitarbeiter beisteuern. Hintergrund sind vor allem die stark gestiegenen Kerosinpreise, die Condor nicht vollständig an die Kunden weitergeben konnte.

Auf der Langstrecke setzt Condor ab Frankfurt ausschließlich den Airbus A330neo ein – samt Business Class für Premium-Reisende. Spannend könnte zudem der für 2027 geplante Umzug ins neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen werden, den Condor-Chef Gerber bereits im August angekündigt hatte. Dort sind vor allem Airlines abseits der Lufthansa-Welt zu Hause, was zusätzliche Umsteigeverbindungen bringen dürfte.
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