Flexible Tickets bei der Lufthansa? Auf einigen Langstrecken gehört das der Vergangenheit an. Nach den steigenden Treibstoffzuschlägen und der Einführung der Light Tarife ist das die nächste versteckte Preiserhöhung.

Ohne große Ankündigung, sondern versteckt in den Meldungen an Vertriebspartner, hat die Lufthansa still und heimlich die Erstattungsgebühren für Tickets angepasst. Im Fokus stehen dabei besonders die Green Fares und die Flex Tarife, die bislang jeweils ohne Strafzahlung kostenfrei storniert werden konnten. Damit ist es auf den betroffenen Strecken nun vorbei – für auf Flexibilität angewiesene Kunden ist das die nächste versteckte Preiserhöhung.

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Bis zu 2.000 Euro Einbehalt für Ticketerstattungen

Zwar greifen die Änderungen vorerst nur auf ausgewählten Routen, etwa nach Afrika sowie zu einigen Zielen in Asien wie Indien, allerdings dürfte das nur der Anfang sein. Wie auch bei der Einführung des sogenannten Light Tarifs, könnten andere Routen nach Absprache mit den Joint Venture Partnern folgen, etwa Flüge nach China, Japan oder auch in die USA.

Sollte dem so kommen, müssen sich Passagiere auf eine teils massive Preiserhöhung einstellen, denn während sich am Preis der Tarife nichts verändert hat, gibt es bei einer Erstattung bei dem neu eingeführten Tarif auf ausgewählten Strecken indessen einen massiven Aufschlag. Im Extremfall werden bei einem bislang kostenfrei erstattbaren Ticket jetzt auf einmal 2.000 Euro als Gebühr fällig.

Lufthansa First Class Boeing 747-8
In der First Class werden für eine Erstattung selbst im Flex-Tarif 1.500 Euro fällig

Während sich beim Basic-Tarif (auch in der Vergangenheit generell nicht erstattbar) nichts geändert hat, werden etwa in der Business Class für die höheren Tarife Basic Plus, Green und Flex nun zwischen 1.000 und 1.500 Euro fällig. Zuvor waren die Tarife entweder kostenlos erstattbar (Green oder Flex) oder mit einer moderaten Gebühr von 250 Euro (Basic Plus).

Noch krasser ist die verdeckte Preiserhöhung bei der Lufthansa in der First Class, denn statt einer kostenfreien Stornierung (Green, Flex) oder einer Gebühr von 500 Euro (Basic Plus) werden indessen zwischen 1.500 Euro (Flex) und 2.000 Euro (Basic Plus, Green) fällig. Je nach Basispreis wird eine Erstattung damit nahezu sinnlos.

Die Lufthansa schafft komplett flexible Tickets ab

Die versteckte Preiserhöhung durch die erhöhten Erstattungsentgelte hat allerdings auch noch weitere Folgen, denn im Grunde schafft die Lufthansa Group damit auch wirklich flexible Tickets ab. Zwar bleiben Umbuchungen im Green und Flex Tarif in der Theorie kostenfrei, allerdings fällt eben diesen auch immer die sogenannte Tarifdifferenz an.

Lufthansa Allegris First Class Sitz 2
Komplett flexible Tickets gibt es auf einigen Langstrecken nicht mehr

Das bedeutet konkret, dass eine Umbuchung in der Regel alles andere als kostenlos ist, denn gerade wer kurzfristig ein Ticket ändern möchte, stößt in der Regel auf deutlich höhere Ticketpreise als zum Kaufzeitpunkt. Statt “kostenlos” umzubuchen, bezahlt man dann schnell einige hundert oder gar tausend Euro extra in der Business Class oder First Class.

Echte flexible Tickets gibt es damit zukünftig bei der Lufthansa Group, vorerst zumindest nur auf ausgewählten Langstrecken, nicht mehr. Wer für eine Erstattung auf einmal selbst bei eigentlich flexiblen Tickets bis zu 2.000 Euro bezahlen muss und auch bei einer Umbuchung satt draufzahlt, der kann auch gleich die günstigste Tarifklasse buchen.

Lufthansa Business Class Airbus A380 Sitze Sehr Wenig Privat
Auch in der Business Class wurden die Erstattungsgebühren massiv erhöht

In einigen von uns recherchierten Beispielen lag der Aufpreis, etwa für den Flex Tarif, sogar immer genau 500 Euro über dem Basic Plus-Tarif, mit dem einzigen Vorteil, dass man kostenlos statt für 500 Euro Gebühr zuzüglich Tarifdifferenz umbuchen kann und 500 Euro weniger für die Erstattung zahlt. Aus welchem Grund man in diesem Fall den Flex-Tarif buchen sollte, erschließt sich wohl auch den Machern hinter der Ankündigung nicht.

Die Lufthansa überspannt den Bogen mit Preiserhöhungen

Dass Airlines sich mit der aktuellen Situation schwertun, ist nachvollziehbar. Entsprechend dürften die meisten Passagiere auch akzeptieren, dass Ticketpreise mit Blick auf steigende Treibstoffzuschläge steigen. Dass man sich bei der Lufthansa Group, zufällig oder nicht, allerdings genau in dieser Phase für gleich zwei massiv nachteilige Änderungen für Kunden entschieden hat, schockiert.

Ob bei der Einführung der Light-Tarife oder auch bei den neuen Gebühren für die Erstattung: Es wurde auf eine Veränderung der Preise verzichtet. Das heißt konkret: Das günstigste Ticket, das denselben Preis hat, wie noch vor einem Monat, bietet in der Business Class jetzt weniger Inklusivleistungen.

Swiss Business Class Boeing 777 300 Sitze 4 (1)
Bei der Lufthansa Group gab es in den vergangenen Wochen mehrere negative Änderungen

Das teuerste Ticket dagegen kostet jetzt mehr (wegen der Verschiebung des Preisgefüges durch den neuen Light-Tarif) und bietet weniger Flexibilität und kommt mit höheren Entgelten für die Erstattung daher. Eine doppelte Preiserhöhung der Lufthansa zu einer Unzeit, die den Bogen überspannt.

Das gilt umso mehr, als es bei anderen Airlines auch weiterhin tatsächlich flexible Tickets gibt – gerade für Unternehmen dürfte das entscheidend sein, spielen hier erstattbare Tickets doch eine entscheidende Rolle. Noch gelten die neuen Tarifregeln nur auf ausgewählten Strecken. Sollten sie dagegen ausgeweitet werden, muss sich die Lufthansa mit dieser erneuten Preiserhöhung garantiert auf Gegenwind einstellen.

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Autor

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