Ein Jahr lang habe ich mein Geld auf ein kostenloses Girokonto geschoben, um Zinsen und Cashback mitzunehmen – was am Ende hängen geblieben ist, rechne ich Euch vor.
Wer reisetopia und mich schon länger kennt, weiß, dass ich jederzeit bereit bin, neue Finanzprodukte zu testen. Ob mehr als ein Dutzend Kreditkarten oder verschiedenste Anlageprodukte: Wenn ein spannendes Produkt auf den Markt kommt, bin ich meist unter den Ersten, die es ausprobieren. So auch bei einem Girokonto, das vor gut einem Jahr sein Marktdebüt in Deutschland gefeiert hat. Damals war es das Highlight meines Finanzjahres – inzwischen ist meine Aktionsphase vorbei und die Bank hat nachgelegt. Zeit für eine ehrliche Abrechnung.
Nebenbei dutzende Euro Cashback sammeln
Konkret geht es um das BBVA Girokonto, mit dem die spanische Großbank hierzulande ein Angebot gestartet hat, das man so zuvor kaum gesehen hatte. Das digitale Konto ist dauerhaft kostenlos, kommt ohne Aufschlag bei Fremdwährungen aus und bringt eine ganze Reihe von Zusatzleistungen mit. Das beste Beispiel dabei ist die Cashback-Funktion.
Nachdem ich die Debitkarte in Apple Pay hinterlegt hatte, war sie nur optisch aus den Augen und aus dem Sinn. In der Praxis kam sie jeden Monat für kleinere Zahlungen zum Einsatz, denn zum Zeitpunkt meines Abschlusses gab es 3 Prozent Cashback auf Zahlungen bis 250 Euro – und das für ganze zwölf Monate. Der Maximalbetrag von 7,50 Euro im Monat klingt nach wenig, aber das Geld nahm ich im Vorbeigehen mit.
Spannend daran: Die Berechnung erfolgt auf den Cent genau, sodass sich die Karte besonders bei krummen kleinen Beträgen lohnt. 4,90 Euro beim Einkaufen oder 7,80 Euro beim Bäcker – mit meinen sonstigen Kreditkarten zum Meilensammeln gäbe es auf den Cent-Anteil gar keine Vergütung. Kleinteilig ist das zweifellos, über das Jahr läppert es sich trotzdem: 7,50 Euro im Monat sind eben doch 90 Euro.
Wer heute abschließt, bekommt einen anderen Zuschnitt: 3,5 Prozent Cashback auf einen Einkaufswert von bis zu 350 Euro im Monat, dafür nur noch für sechs Monate ab der ersten Kartenzahlung. Rechnerisch sind das maximal 12,25 Euro monatlich, in der Spitze also mehr als bei mir – über die Laufzeit gerechnet mit bis zu 73 Euro aber deutlich weniger. Ausgenommen sind unter anderem Krypto, Glücksspiel und Bargeldabhebungen.
BBVA Tagesgeld
- 3,5 Prozent Zinsen für sechs Monate
- Mindestens 2,25 Prozent Zinsen für Bestandskunden
- Hoher Anlagebetrag bis 500.000 Euro
- Monatliche Zinsausschüttung
- Solide Einlagensicherung
Jeden Monat hundert Euro Zinsen als Nebenverdienst
Als ich das Konto eröffnet habe, gab es gleich noch eine zweite Aktion: Für zwölf Monate wurden 3 Prozent Zinsen auf jegliches Kontoguthaben angepriesen. Ganz nach meinem Credo, die Finanzen so gut es geht zu optimieren, habe ich einen Teil meiner flexiblen Ersparnisse zur BBVA verschoben und so jeden Monat knapp 100 Euro Zinsen erhalten.
Natürlich ist das nur mit einem entsprechenden Anlagebetrag reproduzierbar. Aber auch wenn es nur 20 oder 30 Euro im Monat sind, ist das ein attraktiver Zuverdienst – und zwar einer, für den man exakt nichts tun muss, außer das Geld liegen zu lassen. Das gilt umso mehr, weil das Konto vollständig mit Echtzeitüberweisungen funktioniert.
Man kann die Zinsen also auch dann mitnehmen, wenn man das Geld nur für ein paar Wochen parkt, etwa zwischen Gehaltszahlung und Kreditkartenabrechnung. Aufs Jahr gerechnet lande ich allein über die Zinsen des BBVA Tagesgeld im mittleren bis hohen dreistelligen Bereich. In den stärksten Monaten waren es knapp 100 Euro, durchgehend lag das Guthaben aber nicht auf diesem Niveau – die einfache Hochrechnung über zwölf Monate wäre also zu optimistisch.
Die Steuern werden dabei automatisch abgeführt, ein Freistellungsauftrag lässt sich hinterlegen. In dieser Form hatte ich mit einem Girokonto zuvor noch nie Geld verdient – und genau deshalb war die spannendere Frage immer die, was passiert, wenn die Aktion ausläuft.
Was nach der Aktionsphase wirklich passiert ist
Meine Erwartung war vor einem Jahr klar: Nach zwölf Monaten ist der Spaß vorbei, die Bank dreht den Zins auf ein symbolisches Niveau, und ich ziehe weiter. Genau so habe ich es hier auch aufgeschrieben. Diese Erwartung war falsch – und das ist die eigentliche Überraschung dieses Jahres.
Zum 1. Juli 2026 hat die BBVA nämlich nicht gesenkt, sondern erhöht: Der Aktionszins stieg von 3 auf 3,5 Prozent, der variable Anschlusszins von 1,5 auf 2,25 Prozent. Wer Gehalt oder Rente auf das Konto überweisen lässt oder monatlich mehr als 1.500 Euro mit den BBVA-Karten zahlt, kommt sogar auf 2,75 Prozent. Verzinst wird bis zu einer halben Million Euro.
Um das einzuordnen: 2,25 Prozent entsprechen exakt dem Einlagenzins, den die EZB den Banken selbst zahlt – und den sie im Juni 2026 angehoben und im Juli bestätigt hat. Üblicherweise geben Institute davon nur einen Bruchteil weiter; die BBVA beziffert den deutschen Marktdurchschnitt beim Tagesgeld in ihrem eigenen Vergleich auf 0,48 Prozent. Zusätzlich garantiert sie vertraglich mindestens ein Viertel des jeweils geltenden EZB-Satzes.
Der Haken liegt woanders: Die Aktionsphase ist halbiert. Neukunden bekommen die 3,5 Prozent nur noch sechs Monate lang und nur für Guthaben bis 200.000 Euro, darüber sind es 2,25 Prozent. Und in der Spitze ist die BBVA längst nicht mehr das beste Angebot – im Tagesgeld-Vergleich liegen etwa Chase und Advanzia inzwischen darüber.
Wo mich die BBVA im Alltag genervt hat
So weit das Positive. Perfekt ist bei der BBVA aber längst nicht alles, und einiges davon merkt man erst, wenn man das Konto wirklich benutzt, statt es nur zu befüllen. Der Reihe nach.
Echtzeitüberweisungen sind standardmäßig auf 5.000 Euro pro Vorgang und pro Tag begrenzt. Für den Alltag reicht das, für das Hin- und Herschieben größerer Beträge zwischen Konten wird es fummelig – dann muss man auf die normale SEPA-Überweisung ausweichen und einen Tag warten. Bargeld gibt es im Euroraum außerdem nur ab 150 Euro pro Abhebung kostenlos, lediglich in Spanien und der Türkei entfällt der Mindestbetrag.
Dazu kommt die App. Sie ist keineswegs immer intuitiv, und besonders viel Einsicht in den Stand der Zinsgutschrift und der Cashback-Auszahlung bekommt man auch nicht. Man überweist Geld und vertraut darauf, dass am Monatsende das Richtige ankommt. Bei mir hat das zuverlässig funktioniert, elegant gelöst ist es trotzdem nicht.
Die vollständige Liste der Schwächen, vom fehlenden Gemeinschaftskonto bis zu den Details der Bargeldversorgung, haben wir uns im ausführlichen Test des BBVA Girokontos vorgenommen. Hier soll es um meine Erfahrung gehen, nicht um die Merkmalsliste.
Was ich aus einem Jahr Zinsjagd mitnehme
Bleibt die Frage, die am Anfang stand: Hat sich der Aufwand gelohnt? Die ehrliche Antwort lautet – es kommt darauf an, was man mitrechnet. Rein finanziell ist der Fall klar. Ein Konto zu eröffnen, Geld zu überweisen und liegen zu lassen, kostet über das ganze Jahr vielleicht eine Stunde Arbeit.
Meine Bilanz nach zwölf Monaten: rund 90 Euro Cashback, dazu Zinsen im mittleren bis hohen dreistelligen Bereich – bei etwa einer Stunde Aufwand für Eröffnung, Video-Ident und Überweisungen. Das war eine der bestbezahlten Stunden meines Jahres, und zwar ohne jedes Risiko.
Der Denkfehler, den ich bei mir selbst beobachtet habe, liegt woanders: Man optimiert irgendwann nicht mehr den Ertrag, sondern die Optimierung. Wer für 0,2 Prozentpunkte mehr das nächste Konto eröffnet, Unterlagen sortiert, ein weiteres Video-Ident macht und drei Apps mehr auf dem Handy hat, arbeitet ab einem gewissen Punkt für sehr wenig Geld.

Diese Grenze lässt sich sogar beziffern. Bei 5.000 Euro Guthaben sind 0,2 Prozentpunkte genau zehn Euro im Jahr – dafür macht niemand ein Video-Ident. Bei 50.000 Euro sind es hundert Euro, und ab da wird es interessant. Die Zinsjagd ist damit kein Sport für jeden, sondern eine Frage des Anlagebetrags, und diese Erkenntnis hat mich mehr Zeit gekostet, als ich zugeben möchte.
Genau deshalb finde ich die Entwicklung bei der BBVA bemerkenswert. Der eigentliche Wert liegt für mich nicht mehr im Aktionszins, sondern darin, dass man danach nicht weiterziehen muss. Ob ich das Geld dort lasse, entscheide ich inzwischen nicht mehr nach der Aktion, sondern nach dem, was danach kommt.
Warum die Zinsjagd gerade jetzt wieder lohnt
Dazu kommt ein Umstand, den ich vor einem Jahr nicht auf dem Zettel hatte: Die Richtung hat sich gedreht. Im Juni 2026 hat die EZB den Einlagenzins auf 2,25 Prozent angehoben und diesen Kurs Ende Juli bestätigt. Nach zwei Jahren, in denen jede Zinsmeldung eine Senkung war, ziehen die Angebote für Sparer wieder an.
Das merkt man an der schieren Frequenz. Allein in den vergangenen Tagen haben die PSD Bank Nürnberg beim Festgeld auf bis zu 3 Prozent erhöht und Tomorrow beim Tagesgeld auf 3,1 Prozent nachgelegt. Wer heute vergleicht, findet deutlich mehr Auswahl als vor einem Jahr – und muss sich weniger auf einzelne Aktionsangebote verlassen.
Für die BBVA spricht in diesem Umfeld ein Detail, das im Kleingedruckten steht: Die Zinssätze werden vierteljährlich überprüft und dürfen ein Viertel des jeweils geltenden EZB-Satzes nicht unterschreiten. Das ist keine Garantie für Erhöhungen, wohl aber eine Untergrenze – und damit mehr Verlässlichkeit, als die meisten variablen Angebote überhaupt zusagen.
BBVA Girokonto
- Kostenloses Girokonto ohne Mindestgeldeingang
- Geprüft von Stiftung Warentest 09/26
- Kostenfreie EU-Bargeldabhebungen ab 150 Euro pro Vorgang
- 3,5 Prozent Zinsen für sechs Monate
- Kostenlose Debitkarte mit 3,5 Prozent Cashback inklusive
- Kostenfreie Zahlungen in Fremdwährungen inklusive
Mein Fazit nach einem Jahr: Dass ich mit einem kostenlosen Girokonto so einfach nebenher Geld verdienen würde, hätte ich offen gesagt nicht gedacht. Dass es nach der Aktionsphase weitergeht und der Markt insgesamt wieder freundlicher wird, noch weniger. Die Zinsjagd ist damit weniger aufregend geworden – und für den Ertrag ist das die bessere Nachricht.





