Quirion wird 2027 ebenfalls in den Altersvorsorgemarkt einsteigen – und dabei insbesondere ETFs von Vanguard anbieten.
Der Robo-Advisor-Anbieter verfolgt mit dem Fokus auf Vanguard-ETFs ein klares Ziel: Höhere Attraktivität durch geringe Produktkosten beim Altersvorsorgedepot. Zusätzlich werden die Produktkosten mindestens im ersten Jahr laut des FAQs auf der offiziellen Produktseite auch noch vollständig erstattet. Im Altersvorsorgedepot-Wettbewerb befindet sich Quirion damit in guter Gesellschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Quirion bietet ab 2027 Altersvorsorgedepots mit Vanguard ETFs an
- Die Produktkosten für das Standarddepot liegen bei 0,07 bis 0,08 Prozent pro Jahr
- Zusätzlich reinvestiert Quirion die Total Expense Ratio (TER) mindestens im ersten Jahr
Vanguard-ETFs sollen Quirion Wettbewerbsvorteil verschaffen
Das Wettbieten im Bereich des Altersvorsorgedepots ist im vollen Gange. Nach der Ankündigung von Scalable Capital Ende August 2026 war es zunächst still – doch spätestens seit Mitte Oktober häufen sich die Informationen zum Altersvorsorgedepot verschiedener Anbieter.

Auch der Robo-Advisor-Anbieter Quirion will auf dem Markt mitmischen. Angeboten werden sollen, ganz nach den Vorgaben des Altersvorsorgereformgesetzes, zwei verschiedene Depotmodelle – und insbesondere für das Standardmodell hat Quirion bereits einige Fakten öffentlich gemacht.
ℹ️ Das Altersvorsorgereformgesetz der Bundesregierung sieht grundsätzlich zwei verschiedene Modelle für das Altersvorsorgedepot vor: Ein Standard-Modell für Einsteiger und ein flexibles Modell für erfahrenere Anleger. Beim Standard-Modell werden automatisch zwei Fonds zugeordnet – einer davon ist auf Sicherheit ausgelegt, der andere auf Wachstum. Beim flexiblen Modell können Kunden zwischen mehreren hundert ETFs wählen, in die sie investieren können, müssen dafür aber auch Faktoren wie die Umschichtung vor Rentenbeginn selbst im Blick behalten. Beim Einsteigermodell passiert diese wiederum automatisch, zudem gibt es hier einen jährlichen Kostendeckel von 1 Prozent.
Das Standarddepot von Quirion soll, genau wie das der anderen Anbieter, ohne Depotgebühren auskommen. Zu Sparplangebühren und Kosten für Einzeltransaktionen wurden noch keine Angaben gemacht, diese werden zumindest in der Standard-Version jedoch relativ sicher auch kostenlos sein. Für das flexible Altersvorsorgedepot – bei Quirion “Pro” genannt – stehen die Konditionen noch nicht fest.
Zudem setzt Quirion beim Standarddepot explizit auf ETFs von Vanguard – und das aus einem ganz bestimmten Grund: Von diesen ETFs erhofft sich der Robo-Advisor-Anbieter einen Wettbewerbsvorteil, wenn es um die Total Expense Ratio (TER), also die jährlichen Produktkosten, geht. Diese sollen zwischen 0,07 und 0,08 Prozent pro Jahr liegen. Zudem will Quirion die TER mindestens im ersten Jahr reinvestieren und Kunden die Kosten somit erstatten.
Wie schlägt sich das Altersvorsorgedepot von Quirion?
Quirion lässt sich zum Teil auf das Wettbieten, das insbesondere zwischen den Neobrokern läuft, ein. Das zeigt die Erstattung der TER mindestens für das erste Jahr. Dafür hält man sich bei der Angebotsauswahl strikt an die Vorlage des Altersvorsorgereformgesetzes und bietet keine zusätzlichen Depotmodelle an, wie etwa Traders Place (insgesamt vier Modelle), flatex (insgesamt drei Modelle) oder auch das Sparkassen-Tochterunternehmen Deka (insgesamt vier Modelle) es tun. Die jährlichen Produktkosten fallen gering aus, eine Depotgebühr gibt es nicht.
📊 Zum Vergleich: Bei Scalable Capital sind Konto, Depot sowie Spar- und Auszahlpläne im Altersvorsorgedepot gebührenfrei. Bei Quirion ist bislang nur angegeben, dass die Depotführung gebührenfrei ist. Für ausgewählte ETFs fallen bei Scalable Capital bis zum 31. Dezember 2027 effektiv keine laufenden Kosten an, weil auch hier die Produktkosten in Höhe von 0,15 Prozent pro Jahr im Rahmen von Scalables sogenanntem Rentenbonus in die ETFs zurückinvestiert werden. Dieser Vorteil ist damit allerdings befristet. Bei Quirion sieht das ähnlich aus, wenngleich sich der Robo-Advisor-Anbieter bei der Erstattung der TER nicht an ein Datum klammert, sondern die Erstattung wohl für mindestens ein Jahr ab Eröffnung gilt.
Bei den Produktkosten des Standarddepots hat Quirion gegenüber den bisherigen Angaben von Scalable Capital einen Vorteil, flatex bietet dagegen dieselben Kosten mit einer längeren TER-Erstattung an. Bei Traders Place sollen bis Ende 2028 keine Produktkosten, deren Höhe noch nicht bekannt ist, erhoben werden. Trade Republic hat ebenfalls sein Altersvorsorgedepot angekündigt, hier fehlen jedoch noch Informationen zu laufenden Kosten und zur TER. Dafür will Trade Republic dutzende ETFs ohne Produktkosten anbieten – und das möglicherweise sogar dauerhaft.
Auch die ING bewirbt bereits ihr Altersvorsorgedepot und lockt Neukunden mit einem Startbonus von 50 Euro, wenn man sich bis zum 31. Dezember 2026 auf die Starterliste setzen lässt. Die Informationen zu möglichen laufenden Kosten sind bei der ING allerdings bislang noch relativ vage, wenngleich es kürzlich erste konkretere Informationen von ING-Privatkundenchefin Burcu Civelek Yüce gegeben hat. Die Sparkassen bieten über die Deka mehr Vielseitigkeit an, die Effektivkosten fallen mit 0,1 Prozent aber höher aus, als bei Quirion – zudem gibt es, genau wie bei der ING, die sogar von einer Kostenquote von 0,2 Prozent pro Jahr spricht, keine Produktkostenerstattung.




