Die Miles & More CO₂-Einsparung ist zurück und läuft diesmal rund – doch ausgerechnet der kürzeste Flug wird damit zum günstigsten Weg in den Senator Status.
Seit dem 13. Oktober lassen sich bei Miles & More wieder CO₂-Pakete für bereits geflogene Strecken des Jahres 2026 nachbuchen, nach sieben Monaten Pause und mehreren verschobenen Startterminen. Offiziell ist das ein Klimabeitrag mit Bonus. Tatsächlich ist es der günstigste Weg, an Statuspunkte zu kommen, den das Programm derzeit bietet. Und das Preisgefüge dahinter hat eine Schieflage, die man zumindest hinterfragen darf: Je kürzer der Flug, desto billiger der Punkt.
Die Miles & More CO₂-Einsparung ist längst ein Statusprodukt
Das Prinzip ist schnell erklärt. Wer zu einem Flug der Lufthansa Group ein Paket aus nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) und Klimaschutzbeiträgen bucht, bekommt zusätzlich zu den regulären Punkten bis zu 80 Prozent mehr Points und Qualifying Points gutgeschrieben, bei HON Circle Points maximal 20 Prozent. Dazu gibt es vier Meilen pro Euro, mit Vielfliegerstatus fünf bis sechs. Gebucht wird entweder direkt bei der Flugbuchung oder, wie nun wieder möglich, nachträglich im Miles & More Konto. Alle Details stehen in unserer News zum Relaunch.
Ein Business-Class-Flug innerhalb Europas bringt regulär 40 Points und 40 Qualifying Points. Mit dem größten Paket kommen 32 Punkte obendrauf, das Segment zählt also 72 statt 40. Bei den Schwellen des Statusprogramms ist das kein Detail: Für den Senator verlangt Miles & More 2.000 Points und 1.000 Qualifying Points pro Kalenderjahr, für den Frequent Traveller 650 Points und 325 Qualifying Points.
Wer den Senator ausschließlich auf innereuropäischen Business-Flügen sammelt, braucht dafür 50 Segmente. Mit dem größten CO₂-Paket auf jedem Flug sind es nur noch 28, auf einer Strecke wie Berlin–Frankfurt für zusammen rund 760 Euro Aufpreis. Im Frequent-Traveller-Bereich schrumpft der Weg in der Economy von 33 auf 19 Segmente. Das ist der Grund, warum Vielflieger auf diesen Relaunch seit dem Frühjahr gewartet haben, und nicht der SAF-Anteil. Wie sich dadurch die Dynamik beim Miles & More Status verschiebt, haben wir schon beim Start analysiert.
Die zusätzlichen Punkte werden dem Kalenderjahr des Flugs zugeordnet, nicht dem Kaufjahr. Wer also im Dezember merkt, dass für die Statusverlängerung noch 150 Punkte fehlen, kann die Lücke jetzt mit den Flügen schließen, die er im Februar, Mai und August ohnehin absolviert hat. Ein Statusrun zum Jahresende, nur um den Senator Status zu halten, wird damit in vielen Fällen schlicht überflüssig.
Diesmal funktioniert die Miles & More CO₂-Einsparung vom ersten Tag an
An dieser Stelle gehört ein Lob hin, denn der Weg hierher war holprig. Im Frühjahr berichteten Sammler von Paketen, deren Gutschrift monatelang ausblieb, von Fehlercodes und abgebrochenen Zahlungen. Mitte März nahm Miles & More die nachträgliche Buchung dann ganz vom Netz. Angekündigt war die Rückkehr zunächst für den Sommer, dann für Mitte September. Geworden ist es der 13. Oktober.
Der Relaunch selbst wirkt dafür ausgereift. Die Pakete lassen sich bislang ohne Abbrüche buchen, und Points wie Meilen erscheinen laut Miles & More binnen weniger Minuten auf dem Konto statt nach Wochen. Neu ist, dass sich die CO₂-Einsparung für mehrere Flüge in einem Vorgang buchen lässt. Wer ein Dutzend Segmente aus dem laufenden Jahr nachrüsten will, muss nicht mehr ein Dutzend Mal zur Kasse.
Ebenso wichtig ist, dass beide Wege parallel funktionieren. Für künftige Flüge wird das Paket bei der Buchung auf den Seiten von Lufthansa, SWISS, Austrian, Brussels Airlines und Eurowings angeboten, für vergangene Flüge des laufenden Jahres im Mitgliederkonto. Ausgenommen sind Prämienflüge, Flüge aus früheren Jahren und Bahn- oder Busverbindungen unter Flugnummer. Nach Monaten der Vertröstung ist das genau die verlässliche Lösung, die das Produkt von Anfang an gebraucht hätte.
Miles & More öffnet immer mehr Wege am Flugzeug vorbei
Die CO₂-Einsparung steht nicht allein. Seit der Umstellung auf das Punktesystem im Jahr 2024 hat Miles & More Schritt für Schritt Türen geöffnet, durch die Statuspunkte ohne zusätzlichen Flug aufs Konto kommen. Marriott Bonvoy schreibt 40 Points pro bezahltem Aufenthalt gut, maximal 120 im Jahr. eVoucher lassen sich in jeweils 50 Points, Qualifying Points und HON Circle Points tauschen, ohne Jahreslimit. Wer mit der Kreditkarte sammelt, kann einmal im Jahr Meilen in bis zu 100 Points und Qualifying Points umwandeln.

Seit September stecken in den größeren Bundle&Go-Paketen beim Meilenkauf zudem 100 oder 150 Status Points, und im Sommer gab es den Frequent Traveller für Inhaber der Gold-Kreditkarte per Fast Lane für 650 Euro. Die Uptrip-App ergänzt das Ganze mit Sammelkarten, die immer wieder Points abwerfen. Eine Übersicht aller Wege haben wir im Guide zu Points ohne Flüge zusammengestellt.
Die Hilfeseite von Miles & More beteuerte noch Anfang September, dass man Points und Qualifying Points nicht kaufen könne. In der Praxis ist das längst Formsache. Das ist für Sammler keine schlechte Nachricht, denn die Schwellen sind seit der Reform hoch und die Lufthansa-Preise ebenso. Es ändert aber die Frage, die man an jedes dieser Angebote stellen muss: Nicht mehr ob man Status kaufen kann, sondern zu welchem Preis und mit welcher Logik.
Der Preis folgt dem CO₂ und die Punkte folgen dem Ticket
Genau bei dieser Logik wird es bei der Miles & More CO₂-Einsparung interessant. Für diese Kolumne haben wir alle 24 nachbuchbaren Flüge eines Senator-Kontos aus dem Jahr 2026 bis zur Paketauswahl durchgeklickt, von Wien–Budapest bis Hongkong–Zürich. Das Ergebnis ist verblüffend exakt: Das X-Large-Paket kostet bei jedem einzelnen Flug 233 Euro pro Tonne CO₂, Large 154 Euro, Medium 75 Euro und Small 36 Euro. Alle Einzelwerte zeigen wir in unserer Story In diesen Fällen lohnt sich die CO₂-Einsparung.
Der Preis folgt also allein den geschätzten Emissionen, Airline, Tarif und Datum spielen keine Rolle. Das ist für ein Klimaprodukt folgerichtig: Wer mehr CO₂ verursacht, zahlt mehr für die Einsparung. Die Gutschrift dagegen orientiert sich an den Punkten des Segments, und die sind innerhalb Europas pauschal. Ein Economy-Flug bringt 20 Punkte, ein Business-Flug 40, egal ob er knapp eine Stunde nach Budapest oder fast drei Stunden nach Kos dauert.

Das X-Large-Paket legt 80 Prozent dieser pauschalen Summe obendrauf. Zwei Rechengrößen, die nichts miteinander zu tun haben, bestimmen also gemeinsam den Preis eines Statuspunkts. Schon beim Start im Herbst 2025 hatten wir mehr als 50 Flüge durchgerechnet, und die Preise haben sich seitdem kaum bewegt: Berlin–Frankfurt in der Business Class kostete im größten Paket damals 27,23 Euro, heute sind es 27,26 Euro. Das Muster ist in beiden Datensätzen bemerkenswert eindeutig.
Die kürzeste Strecke liefert den billigsten Status
In der Economy kostet das X-Large-Paket für Wien–Budapest 13,28 Euro für 16 Points und 16 Qualifying Points, also 83 Cent pro Punkt. Frankfurt–Berlin liegt bei 1,18 Euro, Berlin–Stuttgart bei 1,28 Euro. Für Berlin–Palma zahlt Ihr dagegen 39,84 Euro für exakt dieselben 16 Punkte, das sind 2,49 Euro pro Punkt. Von Kos nach Berlin sind es sogar 2,88 Euro.
Noch deutlicher wird es in der Business Class. Berlin–Frankfurt kostet 27,26 Euro für 32 Punkte, das macht 85 Cent pro Punkt. Frankfurt–Madrid liegt bei 1,62 Euro, die Langstrecke Frankfurt–Hongkong bei 3,09 Euro. Der Grund ist simpel: Für Berlin–Frankfurt rechnet Lufthansa in der Business Class mit 117 statt 81 Kilogramm CO₂, also 44 Prozent mehr als in der Economy. Gutgeschrieben werden aber doppelt so viele Punkte, und das auf dem gleichen Sitz wie in der Economy, nur mit freiem Mittelplatz.
Einen Sonderfall hatten wir im Vorjahr mit Jeddah–Rom gefunden. Weil der Nahe Osten bei Miles & More als interkontinental zählt, bringt die Business Class von ITA Airways dort 200 Punkte und das größte Paket 160 weitere. Für 72,84 Euro entsprach das 46 Cent pro Punkt. Ein knapp fünfstündiger Flug liefert so mehr Statuspunkte pro Euro als jede echte Langstrecke. Für Partnerflüge wie Turkish Airlines lässt sich die CO₂-Einsparung übrigens auch buchen, sie bringt dort aber nur Points und keine Qualifying Points.
Zur Einordnung: Erflogen kosten 100 Statuspunkte im Schnitt 250 bis 400 Euro. Selbst die Pakete auf der Langstrecke liegen damit noch in diesem Rahmen, die günstigsten unterbieten jeden Statusrun deutlich. Unattraktiv ist die Miles & More CO₂-Einsparung also kaum irgendwo. Sie ist nur auf der Kurzstrecke sehr viel attraktiver als dort, wo das meiste CO₂ entsteht.
Im Sinne des Erfinders ist das kaum
Miles & More hat die Pakete beim Start im Herbst 2025 als „neue Anreize für nachhaltigeres Fliegen“ vorgestellt. Ein Anreiz wirkt aber dort am stärksten, wo er am billigsten ist. Und das sind ausgerechnet die kurzen Flüge, bei denen die Bahn häufig die klimafreundlichere Alternative wäre. Wer jetzt für den Senator noch Segmente braucht, dem empfiehlt die Preistabelle einen Business-Hüpfer innerhalb Deutschlands, nicht die Bahn.
Wie schief das sein kann, zeigt Frankfurt–Stuttgart. Auf einer so kurzen Strecke wäre der Business-Punkt noch einmal deutlich günstiger als die 85 Cent auf Berlin–Frankfurt. Seit Juni 2026 fliegt Lufthansa dort gar nicht mehr, Reisende fahren mit Lufthansa Express Rail. Und Bahnsegmente unter Flugnummer sind von den Paketen ausgeschlossen. Wer klimafreundlicher anreist, sammelt also schlechter.
Fair bleibt: Der Klimabeitrag selbst ist bei jedem Paket echt. Laut Miles & More fließt das zusätzliche SAF innerhalb von sechs Monaten in den Flugbetrieb der Lufthansa Group, und der Preis hängt strikt an den Emissionen. Jeder Euro kauft also exakt gleich viel Einsparung, egal auf welcher Strecke. Schief ist nicht die Einsparung, sondern der Bonus, der an ihr hängt.
Dass Miles & More diesen Bonus steuern kann, zeigt das Programm übrigens selbst. Bei den HON Circle Points ist die Zusatzgutschrift auf 20 Prozent begrenzt, damit der höchste Status nicht über die Pakete erreichbar wird. Für Points und Qualifying Points gibt es keine solche Bremse und auch keine Staffel nach Distanz. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine technische Notwendigkeit.
Points nach Euro statt nach Strecke wären die ehrlichere Formel
Dabei läge die Lösung im eigenen Produkt. Die Meilen aus den Paketen gibt es bereits pro ausgegebenem Euro, vier bis sechs je nach Status. Würde Miles & More auch die Points an den Paketpreis koppeln statt an das Segment, wäre die Schieflage verschwunden: Wer mehr einspart, bekäme mehr Punkte, ganz gleich ob in Nürnberg oder Buenos Aires. Der Anreiz würde dort wirken, wo tatsächlich das meiste CO₂ entsteht.
Bis dahin bleibt die Miles & More CO₂-Einsparung das, was sie für Sammler seit einem Jahr ist: das stärkste Werkzeug für den Status, das das Programm anbietet. Sie ist günstiger als jeder Statusrun, funktioniert nach dem Relaunch zuverlässig und lässt sich für das gesamte laufende Jahr rückwirkend nutzen. Wer für 2026 noch Punkte braucht, sollte vor jedem zusätzlichen Flug zuerst in sein Konto schauen.
Nur sollte man sich nichts vormachen. Den meisten Käufern geht es um die Punkte, nicht um das Klima. Das ist legitim und ein faires Geschäft für beide Seiten. Ein Programm, das sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreibt, sollte seine Preise aber nicht so bauen, dass der Senator Status am billigsten über den kürzesten Flug führt. Mehr zur Mechanik findet Ihr in unserem Guide zur CO₂-Einsparung bei Miles & More.





