Die Miles & More Zuschläge steigen zum dritten Mal in diesem Jahr – und diesmal taugt der Kerosinpreis nicht mehr als Begründung.
Wer mit Meilen nach New York fliegt, zahlt in der Business Class inzwischen fast 1.700 Euro dazu, in der First Class knapp 2.000 Euro. Seit Jahresbeginn ist die Zuzahlung bei Prämienflügen der Lufthansa Group um rund die Hälfte bis zwei Drittel gestiegen. Offiziell hängt das am teuren Treibstoff. Legt man die Erhöhungen allerdings neben die tatsächliche Entwicklung des Kerosinpreises, bleibt von dieser Erklärung erstaunlich wenig übrig.
Im März war die Erhöhung noch nachvollziehbar
Fairerweise muss man mit dem Frühjahr beginnen. Mit der Sperrung der Straße von Hormus Ende Februar ist Kerosin innerhalb weniger Wochen so teuer geworden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Vor dem Krieg kostete ein Barrel Flugbenzin laut IATA im Schnitt rund 90 US-Dollar, Mitte März waren es 175 und Anfang April mit 209 US-Dollar so viel wie nie zuvor. Wie sich der Preis zusammensetzt, erklären wir ausführlich im Guide zum Kerosinpreis.

In diese Phase fielen die ersten beiden Erhöhungen der Lufthansa Group. Für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach New York in der Business Class stieg die Zuzahlung von 1.147,95 auf 1.548,43 Euro. Das ist viel Geld, aber in einer echten Ausnahmesituation lässt sich darüber zumindest reden. Auch andere Airlines haben damals nachgezogen, und kaum jemand hat ernsthaft erwartet, dass Prämienflüge von einer Verdopplung des Treibstoffpreises unberührt bleiben.
Die Miles & More Zuschläge steigen trotz billigeren Kerosins
Ganz anders sieht es mit der Erhöhung der Miles & More Zuschläge aus, die Miles & More jetzt still und leise umgesetzt hat. Ende September lag der Kerosinpreis laut IATA bei rund 185 US-Dollar pro Barrel. Das ist zwar weiterhin deutlich mehr als vor dem Krieg, aber eben auch spürbar weniger als Ende März, als die Lufthansa Group zuletzt an der Preisschraube gedreht hatte. Trotzdem steigt die Zuzahlung für Berlin nach New York in der Business Class jetzt noch einmal auf 1.696,39 Euro, in der First Class sogar auf 1.974,09 Euro.
Die folgende Übersicht zeigt, wie unterschiedlich sich Kerosin und Zuzahlung seit Jahresbeginn entwickelt haben:
| Zeitpunkt | Kerosin laut IATA (US-Dollar je Barrel) | Zuzahlung Berlin – New York Business (Hin- und Rückflug) |
|---|---|---|
| Anfang 2026 | rund 90 | 1.147,95 Euro |
| Mitte März 2026 | 175 | 1.347,95 Euro |
| Ende März 2026 | 195 bis 209 | 1.548,43 Euro |
| Mitte Juni 2026 | 119 | keine Senkung bekannt |
| Ende September 2026 | 185 | 1.696,39 Euro |
Noch deutlicher wird es mit Blick auf den Sommer. Nach der Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus fiel der Kerosinpreis Mitte Juni auf rund 119 US-Dollar, also um gut 40 Prozent unter das Rekordniveau. Von einer Senkung der Zuschläge ist uns aus dieser Zeit nichts bekannt. Ein Zuschlag, der den Treibstoffpreis abbilden soll, müsste in beide Richtungen reagieren. Dieser hier kennt offenbar nur eine.
Die Absicherung entlarvt das Treibstoff-Argument
Selbst der Vergleich mit dem Marktpreis greift eigentlich zu kurz. Denn die Lufthansa Group zahlt den Tagespreis für Kerosin nur zu einem kleinen Teil. Laut Halbjahresbericht hatte der Konzern seinen Treibstoffbedarf für 2026 zu rund 86 Prozent abgesichert. Die Folge: Obwohl Kerosin im ersten Halbjahr im Schnitt rund 60 Prozent teurer war als im Vorjahr, stiegen die Treibstoffkosten der Gruppe nur um 18 Prozent. Allein die Preissicherung brachte in diesem Zeitraum 585 Millionen Euro ein.
Damit steht eine Zahl im Raum, an der sich jede Rechtfertigung messen lassen muss. Die tatsächlichen Treibstoffkosten sind um knapp ein Fünftel gestiegen, die Miles & More Zuschläge für Prämienflüge nach Nordamerika um 47 bis 72 Prozent. Diese Lücke lässt sich mit dem laufenden Jahr allein nicht erklären.
Ein Stück Verständnis ist trotzdem angebracht. Die Lufthansa sichert ihren Treibstoff üblicherweise rollierend über bis zu zwei Jahre ab, und für 2027 ist ein deutlich kleinerer Teil gesichert als für das laufende Jahr. Jede Absicherung und jeder Einkauf für das kommende Jahr erfolgt nun zu den Preisen der Krise, die eigentliche Kostenwelle kommt also erst noch.
Dass sich der Konzern darauf vorbereitet, ist nachvollziehbar. Ehrlich wäre es aber, den Zuschlag dann anzuheben, wenn die Kosten tatsächlich anfallen, und ihn wieder zu senken, sobald sie es nicht mehr tun. So sammelt Miles & More die Kosten von morgen schon heute bei den Meilensammlern ein.
Die Premiumkabinen zahlen die Miles & More Zuschläge
Besonders verräterisch ist, wie ungleich die Erhöhungen verteilt sind. Steigt der Treibstoffpreis, wird jeder Sitz im Flugzeug prozentual gleich stark teurer – ein First Class Sitz braucht zwar mehr Platz, aber nicht mehr Prozent Preissteigerung. Bei Miles & More sieht das komplett anders aus. Nach Auswertungen von Travel-Dealz ist der reine Zuschlag der Airline für einen Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York seit Februar so gestiegen:
| Kabine | Februar 2026 | Oktober 2026 | Anstieg |
|---|---|---|---|
| Economy | 190 Euro | 245 Euro | +29 Prozent |
| Premium Economy | 464 Euro | 731 Euro | +58 Prozent |
| Business | 930 Euro | 1.495 Euro | +61 Prozent |
| First | 960 Euro | 1.790 Euro | +86 Prozent |
In der Economy Class wächst der Zuschlag also um weniger als ein Drittel, in der First Class fast um das Dreifache davon. Auf einem einfachen Flug von Berlin nach New York ist der Unterschied seit Ende März noch krasser: Die Economy Class kostet 9,51 Euro mehr, die First Class 119,51 Euro. Mit Physik hat diese Verteilung nichts zu tun, mit Zahlungsbereitschaft dagegen sehr viel.

Denn genau in der Business und First Class lösen die meisten Meilensammler ihre Meilen ein. Wer ein Economy-Ticket für 500 Euro bekommt, verzichtet bei hohen Zuschlägen einfach auf den Prämienflug. Wer dagegen 100.000 Meilen auf dem Konto hat und sich die First Class nie bar leisten würde, zahlt eben auch 2.000 Euro. Der Zuschlag trifft also gezielt die Kunden, die am wenigsten ausweichen können.
Nach Tokio kam die Erhöhung erst nach der Krise
Wie wenig die Miles & More Zuschläge noch mit Kerosin zu tun haben, zeigt ausgerechnet Japan. Während der Treibstoffpreis im März und April auf Rekordniveau lag, blieb die Zuzahlung für einen Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Tokio in der Business Class praktisch unverändert bei rund 630 Euro. Jetzt, bei einem deutlich niedrigeren Kerosinpreis, steigt sie auf einen Schlag auf 799,13 Euro. Das ist ein Plus von 27 Prozent und damit einer der größten Sprünge der aktuellen Runde.
Japan ist dabei kein Einzelfall. Unsere Stichproben zeigen dasselbe Muster auch auf anderen Strecken außerhalb Nordamerikas: Die Zuschläge ziehen jetzt spürbar an, obwohl der Kerosinpreis überall unter dem Niveau vom Frühjahr liegt. Mit einer Kostenentwicklung, die sich auf einzelne Regionen zurückführen ließe, hat das wenig zu tun.
Bemerkenswert ist auch ein Detail auf derselben Strecke. Für einen einfachen Flug nach Tokio verlangt Miles & More in der Business und in der First Class exakt dieselben 436,04 Euro. Nach New York liegt die First Class dagegen rund 170 Euro über der Business Class. Dieselbe Airline-Gruppe, derselbe Treibstoff, völlig unterschiedliche Logik. Der Zuschlag folgt offensichtlich nicht der Kostenkurve, sondern der Frage, was sich auf welcher Strecke durchsetzen lässt.
Andere Programme koppeln den Zuschlag an den Kerosinpreis
Dass es anders geht, zeigt ein Blick nach Asien. In Japan legen Airlines wie JAL ihre Zuschläge alle zwei Monate auf Basis des Kerosinpreises fest und lassen sie vom Verkehrsministerium genehmigen, in Hongkong genehmigt die Luftfahrtbehörde die Zuschläge ebenfalls nur für kurze Zeiträume. Sinkt der Treibstoffpreis, sinkt dort auch der Zuschlag. Air France und KLM haben ihren Zuschlag bei Flying Blue im Frühjahr angehoben, auf den meisten Langstrecken um 100 Euro pro Hin- und Rückflug.
Und dann gibt es Programme wie United MileagePlus, Air Canada Aeroplan oder Avianca LifeMiles, die bei Prämienflügen gar keine Treibstoffzuschläge weitergeben, selbst nicht auf Flügen der Lufthansa. Auch Singapore Airlines verzichtet auf eigenen Flügen seit Jahren darauf. Ganz allein steht Miles & More mit hohen Zuzahlungen zwar nicht, auch British Airways hat die Zuzahlungen im Mai erhöht.
Noch extremer ist Emirates: Wer mit Skywards in der Business Class über Dubai nach Asien oder Ozeanien fliegt, zahlt für einen Hin- und Rückflug neben den Meilen schnell 2.000 Euro und mehr an Zuschlägen. Ein Vorbild ist das allerdings nicht, sondern höchstens ein Hinweis darauf, wohin die Reise gehen kann. Eine Übersicht, wo Ihr günstiger fliegt, findet Ihr in unserem Guide zu Airlines ohne Treibstoffzuschlag.
Nach New York ist die Schmerzgrenze erreicht
Wie weit kann Miles & More das treiben? Die ehrliche Antwort lautet: nicht mehr viel weiter. Für einen Hin- und Rückflug in der Business Class von Frankfurt nach New York bietet Condor aktuell bezahlte Tickets ab 2.039 Euro an, nonstop und ganz ohne Meilen. Bei Miles & More zahlt Ihr ab Berlin 1.696,39 Euro plus 94.834 Meilen. Für die gesparten 342,61 Euro setzt Ihr also fast 95.000 Meilen ein, das sind gerade einmal 0,36 Cent pro Meile.

Fairerweise muss man dazusagen, dass auch bezahlte Tickets teurer geworden sind. Die Lufthansa Group hat ihre Mehrkosten für Kerosin nach eigenen Angaben zu rund 60 Prozent über höhere Ticketpreise hereingeholt und für das zweite Halbjahr weitere Erhöhungen angekündigt. United sprach im Frühjahr von bis zu 20 Prozent höheren Preisen. Wo es kein Angebot wie das von Condor gibt, ist der Abstand zwischen Prämienflug und bezahltem Ticket deshalb oft deutlich größer – und dort bleibt ein Meilenticket trotz aller Zuschläge die bessere Wahl.
Auf Strecken wie New York ist trotzdem eine Grenze erreicht, an der die Meile ihren Sinn verliert. Wer Meilen über Kreditkarten oder Partner sammelt, tut das in der Erwartung, sie irgendwann für einen Flug einzulösen, den er sonst nicht bezahlen würde. Kostet der Prämienflug fast so viel wie das bezahlte Ticket, kippt diese Rechnung. Und weil Lufthansa seit dem Sommer kaum noch Business und First Class Plätze an Partnerprogramme ohne Zuschläge freizugeben scheint, ist auch der Ausweg über United oder Aeroplan weitgehend verbaut.
Das ist der eigentliche Kern des Problems. Miles & More verdient sein Geld nicht nur mit Flügen, sondern auch mit dem Verkauf von Meilen an Partner wie Banken, Hotels oder Onlineshops. Diese Meilen sind nur so viel wert, wie sich Kunden von ihnen versprechen. Jede Erhöhung der Miles & More Zuschläge macht sie still und leise weniger wert – ohne dass das Programm wie bei einer Änderung der Meilenpreise vorher informieren müsste. Schon im März haben wir in einer Kolumne gefragt, ob die hohen Zuschläge Vielfliegerprogramme kaputtmachen. Nach dieser Runde fällt die Antwort deutlicher aus.
Ein Treibstoffzuschlag ohne Senkung ist eine Preiserhöhung
Niemand erwartet, dass Prämienflüge in einer Kerosinkrise billiger werden. Im März konnte man der Lufthansa Group die Erhöhungen deshalb noch abnehmen. Die Runde im Oktober aber fällt in eine Phase, in der Kerosin billiger ist als bei der letzten Erhöhung, der Konzern sich für dieses Jahr zu 86 Prozent gegen genau dieses Risiko abgesichert hat und die Erhöhung ausgerechnet die Kabinen trifft, in denen Meilensammler einlösen.
Wer den Zuschlag ehrlich mit dem Treibstoff begründen will, müsste ihn an den Kerosinpreis koppeln und offenlegen, wann er wieder sinkt – so wie es in Japan und Hongkong längst üblich ist. Solange das nicht passiert, sollte Miles & More aufhören, vom Treibstoff zu sprechen. Es ist eine Preiserhöhung für Prämienflüge, und sie trifft genau die treuesten Kunden des Programms.





