Bei der Lufthansa hat sich in den vergangenen Wochen einiges geändert. Vermeintlich ungewollt wurden dabei Meilentickets aufgewertet – weil sich die Bedingungen bei regulären Bedingungen massiv verschlechtert haben.

Zuletzt haben sich die Ereignisse bei der Lufthansa förmlich überschlagen. Ein tagelanger Streik hier, die Einführung von neuen Light-Tarifen in der Business Class dort. Dazu eine neue Tarifstruktur in Europa sowie massiv gestiegene Treibstoffzuschläge auf vielen Routen. Nach guten Nachrichten klingt davon nichts, doch eine Änderung sorgt zumindest indirekt dafür, dass Meilentickets im Verhältnis zu bezahlten Tickets interessanter geworden sind – zumindest dann, wenn Flexibilität wichtig ist.

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Das Ende der Flexibilität selbst bei den teuersten Tickets

Es gab eine Zeit, da boten Fluggesellschaften in Europa noch generell flexible Flugtickets an. Diese waren in der Regel bis zum Abflug stornierbar, oftmals sogar kostenlos. Über die Zeit wurden dann immer neue Tarifkategorien eingeführt und nur noch die teuersten Tickets blieben flexibel. Bei der Lufthansa trugen diese passenderweise den Namen ‘Flex’ im Tarif.

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Bei bezahlten Tickets gibt es auf vielen Strecken keinen echten Flex Tarif mehr

Doch mit eben jener Flexibilität ist es trotz der Benennung vorbei, wie sich aus einer Änderung der Erstattungsgebühren vor wenigen Wochen ergibt. Zwar gelten die Anpassungen nicht auf allen Strecken, aber auf vielen Routen gilt seitdem: Selbst wer ein Ticket in der teuersten Tarifklasse bucht, zahlt in der Business Class 1.000 Euro, in der First Class gar 1.500 Euro für die Rückgabe des Tickets.

Wie stark die prozentuale Erhöhung ist, lässt sich dabei mathematisch gar nicht berechnen, denn in beiden Fällen war eine Stornierung davor komplett kostenlos. Wie krass die Änderungen ansonsten sind, zeigt sich auch in den anderen Tarifklassen. Der Basic-Tarif in der Business Class ist etwa gar nicht mehr stornierbar, beim Basic Plus-Tarif versechsfacht sich die Erstattungsgebühr von 250 auf 1.500 Euro.

Erstattungsgebuehren LH Group April 2026
Die Erstattungsgebühren wurden in allen Tarifen massiv erhöht

Die Lufthansa begründet das mit einer neuen Dynamik bei Erstattungen und verweist darauf, dass die Flex-Tarife immerhin weiterhin kostenlos umbuchbar sind – allerdings gegen Tarifdifferenz, was oftmals bei kurzfristigen Umbuchungen hundert oder gar tausende Euro mehr bedeuten kann. Dass vorerst etwa Strecken nach Japan oder Nordamerika nicht betroffen sind, dürfte wohl nur kurzfristig eine gute Nachricht sein.

Echte Flexibilität gibt es nur noch bei Meilentickets

Eine Kuriosität ergibt sich allerdings durch die Änderungen. Wurde die Einführung der neuen Tarifstruktur bei Miles & More im vergangenen Jahr eigentlich damit begründet, die Tarife an die verkauften Tickets anzugleichen, greifen die Änderungen nämlich nicht für Flüge, die mit Meilen gebucht wurden. Besonders kurios: Die neuen Economy Class Basic-Tarife auf Europa-Strecken wurden bereits von Miles & More adaptiert, obwohl diese später eingeführt wurden.

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Bei der Buchung über Miles & More ist der Flex-Tarif weiterhin kostenlos storneirbar

Daraus ergibt sich eine etwas kurios anmutende Situation, denn wer ein Ticket mit Miles & More Meilen bucht, der genießt weiterhin eine komplette Flexibilität. Selbst auf Strecken, bei denen die Lufthansa die neuen Stornierungsgebühren bereits eingeführt hat, bieten Miles & More Prämientickets weiterhin volle Flexiblität.

Das heißt konkret, dass diese auch weiterhin gebührenfrei zurückgegeben werden können. Die Meilen und Zuschläge werden dann automatisch wieder dem Konto beziehungsweise dem Zahlungsmittel gutgeschrieben, sodass man tatsächlich ein komplett flexibles Ticket hat. Auf Europa-Strecken kosten Stornierungen im Flex-Tarif analog zu bezahlten Tickets nun ebenfalls 150 Euro in der Economy Class, in der Business Class bleiben sie derweil kostenlos.

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Auf Europastrecken sind Flex-Tickets nur in der Business Class erstattbar

Selbst bei Umbuchungen profitiert man im Gegensatz zu bezahlten Tarifen, denn auch wenn das neue Miles & More System für die Einlösung von Meilen technisch gesehen als dynamisch beschrieben wird, verändern sich die Meilenwerte in der Regel kaum bis gar nicht. Heißt konkret: Die oft teure Tarifdifferenz bei Umbuchungen spielt bei Meilentickets keine Rolle.

Die ungewollte Aufwertung von Meilentickets

So ergibt sich eine sicherlich eher ungewöhnliche Situation, denn mit Blick auf Zuschläge oder auch Verfügbarkeiten ist die Lufthansa nicht gerade dafür bekannt, Meilentickets besonders hochzuschätzen. Mit den Änderungen an den Tarifklassen passiert aber vermeintlich ungewollt genau das, denn für flexibel planende Reisende gewinnen Meilen so massiv an Wert gegenüber bezahlten Tickets.

Zwar muss man in diesem Kontext bedenken, dass es oftmals Unternehmen sind, die flexible Tickets buchen – sie werden wohl nur in Ausnahmefällen Tickets mit Meilen für ihre Mitarbeiter statt bezahlter Flex Tickets nutzen. Doch es gibt sicherlich auch den einen oder anderen wohlhabenden Privatreisenden, der bislang die Flexibilität von höheren Tarifklassen zu schätzen wusste.

Lufthansa Allegris Business Class Suite Mitte 2
Über Miles & More gebuchte Tickets bieten zukünftig mehr Flexibilität

Eben diese Zielgruppe dürfte mit einer Nutzung von Miles & More und potenziell sogar dem Kauf von Miles & More Meilen im Vergleich zur bezahlten Buchung oftmals deutlich besser abschneiden – trotz teils massiv gestiegener Zuschläge. Natürlich bleibt das Problem der Verfügbarkeiten, aber sofern diese gegeben sind, könnte sich das Buchungsverhalten verschieben.

Dadurch wird Miles & More in einer etwas kuriosen Art aufgewertet. Zum einen bleibt der Einstiegstarif in der Business Class bis auf Weiteres der Basic-Tarif und nicht der Light-Tarif mit Einschränkungen, und zum anderen lassen sich mit Meilen – übrigens nicht nur bei Miles & More, sondern auch über Partnerprogramme – weiterhin komplett flexible Tickets in allen Reiseklassen buchen!

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