Vor fast einem halben Jahr kündigte Apples CEO Tim Cook unerwartet an, dass Apple ab sofort mit der Apple Card sein Dienstleistungsgeschäft auch durch eine eigene Kreditkarte ausbauen wird. Nun ist diese Apple Kreditkarte tatsächlich seit Beginn des Monats in den USA verfügbar. Wann die Apple Card auch in Deutschland erwartet werden kann und welche Vor- und Nachteile diese im Vergleich zu herkömmlichen Kreditkarten mit sich bringen, klären wir in diesem Artikel.

Wie funktioniert die Apple Card?

Zunächst wurde die Apple Card während einer kleinen Testphase an ausgewählte, vorangemeldete Nutzer versendet, bevor sie nun auch seit Montag für alle iPhone-Besitzer in den USA verfügbar ist. Die Apple Card erweitert dabei die Funktion der Wallet App, die bereits bisher für Apple Pay auf iPhone oder Apple Watch verwendet werden konnte.

Die Apple Card lässt sich direkt über die Wallet App beantragen und wenige Minuten später soll diese dann bereits für Einkäufe über Apple Pay zur Verfügung stehen. Zusätzlich erhalten Kunden eine aus Titan bestehende physische Karte, die sich auch in Geschäften nutzen lässt, die noch nicht die Möglichkeit für kontaktloses Bezahlen bieten. Überraschenderweise verzichtet Apple auf der physischen Karte auf Details wie die Kreditkartennummer und die Kartenprüfnummer, sondern zeichnet lediglich den Namen aus. Dies ist durch die Interkonnektivität mit dem iPhone möglich, da die Zahlungsinformationen auch in der Wallet-App hinterlegt sind. Hinter der Apple Card steht neben Apple auch die Investmentbank Goldman Sachs, die durch dieses Produkt einen weiteren Schritt Richtung Endkunden geht, sowie Mastercard, auf dessen Bezahlsystem diese Kreditkarte beruht.

Apple Card auf dem iPhone

Auch in puncto Sicherheit hat Apple einiges an Arbeit geleistet. Die einzigartige Kreditkartennummer wird sicher auf dem iPhone gespeichert und kann einen Kauf über Face ID oder Touch ID autorisieren. Durch einen dynamischen Sicherheitscode gelangen keinerlei Daten bezüglich Ort, Artikel oder Betrag des Kaufes an Apple. Auch der Kooperationspartner Goldman Sachs hat sich durch ein detailliertes Datenschutzabkommen dazu verpflichtet, Kundendaten lediglich anonymisiert zu internen Buchhaltungszwecken zu verwenden und nicht für Marketing- oder Werbezwecke zu missbrauchen. Ebenso verpflichten sich Apple und Goldman Sachs dazu, keine Daten an Drittanbieter weiterzugeben.

Die Vorteile der Apple Card

Die Kreditkarte von Apple bietet eine Reihe von Vorteilen für Kunden. Hier präsentieren wir Euch, von welchen Vorteilen Ihr besonders profitieren könnt.

Keine Kosten

Weiterhin zeichnet sich Apples Kreditkarte dadurch aus, dass keinerlei Gebühren auf Euch zu kommen werden. Apple versichert dabei, dass weder Abschluss- noch Jahresgebühren fällig werden. Ebenso fallen bei der Apple Card keine Mahnungs- oder Auslandsgebühren an. Falls der Kredit nicht in dem vorgegeben Zeitraum zurückgezahlt werden kann, erwarten den Kunden in den USA ein Zinsniveau zwischen 13% und 25%. Dieser Wert kann in den USA als normal angesehen werden.

Direktes Cashback

Die Apple Card bietet neben der nahtlosen Integration in das Apple Ökosystem auch wirkliche finanzielle Vorteile für den Kunden. So könnt Ihr Euch bei jedem Kauf über Euer Smartphone, in der die Apple Card verwendet wird, über 2% direktes Cashback freuen. Falls Ihr die physische Karte aus Titan verwendet, erwarten euch immerhin ein Cashback von 1%. Falls Ihr damit sogar Einkäufe bei Apple selber tätigt, bekommt Ihr 3% des Kaufpreises wieder gutgeschrieben. Dank einer Kooperation mit dem Transport-Dienstleistungsunternehmen Uber erwarten Euch die gleichen 3% Cashback bei einer Zahlung bei Uber oder dessen Bestelldienst Uber Eats.

Hohe Benutzerfreundlichkeit

Die Kreditkarte von Apple zeichnet sich auch durch seine nutzerfreundliche Benutzeroberfläche in der App aus, in der sämtliche Einnahmen und Ausgaben automatisch kategorisiert werden. Die Wallet App unterstützt Euch dabei sogar, die finanzielle Situation im Blick zu behalten und euch auf Unregelmäßigkeiten oder Deadlines aufmerksam zu machen. Auch in Sachen Datensicherheit bietet die Kreditkarte von Apple viele Vorteile. So schützt Euch die Karte beispielsweise vor Kreditkartenbetrug, da zumindest die physische Karte nur euren Namen ausweist. Während des Bezahlvorgangs werden über Apple Pay keinerlei Kundendaten übermittelt, sondern es wird lediglich ein einzigartiger Token-Code transferiert.

Vorteile von Mastercard

Da die Apple Card auf dem Bezahlsystem von Mastercard basiert, erwarten den Kunden auch von Mastercard garantierte Vorteile:

  • Absoluter Haftungsschutz bei Betrugsfällen
  • Mastercard ID Diebstahlsicherung
  • Vorteile im Rahmen der Mastercard Travel&Lifestyle Services
  • Diverse Vorteile im Rahmen des Mastercard Priceless Cities und Priceless Golf Programm

Die Nachteile der Apple Card

Im Vergleich zu traditionellen Kreditkarten, wie der Miles&More Mastercard Gold oder der American Express Gold Card, fällt direkt auf, dass Punkte oder Meilen sammeln nicht möglich ist. Eventuell wird diese Funktion in Zukunft noch hinzugefügt, eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht.

Für treue Apple-Kunden und iPhone-Besitzer klingt die Integration in das Apple-Ökosystem nach einer guten und sinnvollen Ergänzung. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass somit ein iPhone zur zwingenden Bedingung für die Nutzung der Apple Card wird. Eine Nutzung der Apple Kreditkarte in Verbindung mit anderen Smartphones von Samsung, Google und Co. ist somit nicht möglich.

Apple Card User Interface
Die Apple Card wird nur mit einem iPhone nutzbar sein.

Vor allem in den ersten Monaten wird die Apple Card wahrscheinlich für viel Verwirrung im Handel sorgen. Nicht nur das neue Kartendesign ohne Kreditkartennummer und Kartenprüfnummer, sondern auch die fehlende Unterschrift, werden zunächst verwirrende Reaktionen erzeugen. Bis die Apple Card somit problemlos in allen Geschäften akzeptiert wird und genutzt werden kann, wird es noch einige Zeit dauern.

Lohnt sich die Apple Kreditkarte?

Die Apple Card lohnt sich für alle, die sich bereits im Apple-Ökosystem befinden und vor kontaktlosem Bezahlen nicht zurückschrecken. Apple weitet mit seiner Kreditkarte sein Portfolio in der Dienstleistungsbranche weiter aus und hat hierbei ein attraktives Konzept ausgearbeitet. Für alltägliche Bezahlvorgänge und eine einzigartige Integration in die Wallet App lohnt sich die Apple Card auf jeden Fall.

Apple Card Hand IPhoneXS Payment

Für viele Kunden lohnt sich die Karte jedoch wahrscheinlich eher als zusätzliche Kreditkarte. Gerade, wenn man über weitere Kreditkartenprogramme aktiv Punkte oder Meilen sammelt, wird die Apple Card diese wahrscheinlich nicht ersetzen können. Welche Kreditkarten sich zu diesem Zwecke am Besten eignen, haben wir euch hier zusammengestellt. Da die Apple Card keinerlei Gebühren erfordert oder versteckte Kosten beinhaltet, eignet sich diese sehr gut als zusätzliche Kreditkarte für alltägliche Transaktionen.

Welche Alternativen gibt es zur Apple Kreditkarte?

Wie bereits erwähnt, ist die Apple Card nicht perfekt für jeden und nicht jeder kann alle Vorteile gleichermaßen genießen. Daher möchten wir Euch hier noch einmal Alternativen aufzeigen, die eventuell besser für Euch und Eure Bedürfnisse geeignet ist.

Kostenlose Alternativen

Falls Ihr Eure Kreditkarte nur gelegentlich nutzt, ist oft wichtig, dass dabei keine laufenden Kosten auf euch zu kommen. Wie die Apple Card verfügen auch viele alternative Kreditkartenprogramme über kostenfreie Varianten, die wir euch hier einmal vorstellen wollen:

N26 Mastercard

  • Dauerhaft ohne Jahresgebühr
  • Kostenfreie Zahlungen weltweit
  • Kostenfreie Bargeldabhebungen
  • Kostenloses Girokonto inklusive

Barclays Visa

  • 25 Euro Startguthaben
  • Kostenlose Kreditkarte
  • Kostenlose Bargeldabhebungen weltweit
  • Kostenlose Zahlungen weltweit
  • Kostenloser Kredit bis zu 2 Monate

Beide Kreditkarten überzeugen, da keine laufenden Jahresgebühr fällig werden. Bei der N26 Mastercard als auch bei der Barclaycard Visa, erwarten euch sogar keine Gebühren für Bargeldabhebungen und Zahlungen weltweit. bei der N26 Mastercard ist sogar die Erstellung eines Girokontos inklusive. Beide Kreditkarten können auf jeden Fall als sehr gute Alternativen zur Apple Card gesehen werden und sind auf jeden Fall einen Blick wert. Weitere kostenlose Kreditkarten haben wir hier für Euch in unserer Übersicht aufgeführt.

Alternativen zum Meilen sammeln

Falls euch bei einer Kreditkarte vor allem die Möglichkeit zum Sammeln von Punkten und Meilen reizt, dann haben wir hier noch weitere Alternativen zur Apple Card für euch zusammengestellt:

Miles & More Mastercard Gold

  • Nurz für kurze Zeit: Bis zu 25.000 Meilen Willkommensbonus
  • Unbegrenzte Meilengültigkeit
  • 1 Meile pro 2 Euro Umsatz
  • Wichtige Reiseversicherungen inklusive

Payback American Express Kreditkarte

  • Willkommensbonus: 1.000 Punkte
  • Dauerhaft ohne Jahresgebühr
  • Punkte (Meilen) mit jeder Zahlung
  • Kostenfreie Zusatzkarte

Beide Kreditkartenmodelle überzeugen durch Ihre Meilenprogramme, durch die Ihr noch mehr aus jeder Zahlung herausholen könnt. Vor allem den attraktiven Willkommensbonus von 15.000 Meilen solltet Ihr euch bei der Miles&More Mastercard auf keinen Fall entgehen lassen. Gerade, da die Apple Card leider keine Möglichkeit zum Sammeln von Punkten oder Meilen bietet, sollten diese Alternativen auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Die Miles&More Mastercard ist auch als Business-Modell verfügbar. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die Payback American Express Kreditkarte durch keine laufende Jahresgebühr aus und ist gleichzeitig sehr gut zum Meilen sammeln geeignet. Als Startschuss zum Meilen sammeln mit der Payback American Express Kreditkarte erhaltet ihr einen 2.000 Punkte Bonus direkt zu Beginn. Falls Ihr noch mehr über Kreditkartenmodelle zum Meilen sammeln erfahren wollt, könnt Ihr unseren Artikel dazu hier lesen.

Wann ist die Apple Card in Deutschland zu erwarten?

Bisher ist die Apple Card nur in den USA verfügbar. Wann die Kreditkarte von Apple nach Deutschland kommen wird, ist noch unklar. Apple hat sich dazu noch nicht öffentlich geäußert. Ähnlich wie bei Apples iOS-Bezahlsystem Apple Wallet, verzögert sich die Veröffentlichung in anderen Ländern manchmal um mehrere Monate oder sogar Jahre. Noch im März, kurz nach der Apple Keynote, versicherte Richard Gnodde, CEO von Goldman Sachs, in einem Interview mit CNBC dass der Launch zunächst nur für die USA geplant sei, aber über internationale Möglichkeiten nachgedacht werden würde. Weiterhin versicherte Gnodde, dass der nächste Expansionsschritt Richtung Europa gehen werde und die Apple Card auch nach Deutschland kommen würde. Wann man in Deutschland jedoch tatsächlich die Apple Card beantragen kann, steht noch in den Sternen.

Fazit zur Apple Card

Apple ist nicht das erste Unternehmen, das nun versucht in der Kreditkartenindustrie Fuß zu fassen. Neben vielen Hotels und Airlines hat auch Amazon vor einiger Zeit ihre erste eigene Kreditkarte in Deutschland veröffentlicht. Nun zieht Apple nach und versucht seine große Kundenbasis weiter an sich und seine Dienstleistungen zu binden. Durch einen starken Fokus auf bestehende iPhone-Kunden, tritt Apple nicht in einen großen Wettbewerb, sondern vertraut auf seine Kundenloyalität und die Vorteile, die die Apple Card mit sich bringt.

Während Apple zumindest designtechnisch in der Wallet App, als auch bei der physischen Karte, überzeugt hat und sich ein Hype um die Karte gebildet hat, bietet diese im direkten Vergleich nicht die besten Vorteile, die Kunden dazu motivieren wird, alte Kreditkarten mit integrierten Bonusprogrammen durch die Apple Card zu ersetzen. Die Marke Apple und eine auffällige Titankarte werden viele Menschen anziehen, und für große Fans könnte es sich lohnen, sich anzumelden. Für die meisten Menschen ist eine alternative Kreditkarte finanziell gesehen aber wahrscheinlich sinnvoller.

Durch eine hohe Transparenz und keine versteckten Kosten, kann die Apple Card jedoch problemlos als Zweitkarte genutzt werden, durch diese dann auch von Vorteilen der diversen Cashback-Modelle sowie der Benutzerfreundlichkeit profitiert werden kann.

Häufig gestellte Fragen zu der Apple Card

Wie kann ich die Apple Card beantragen?   +

Zunächst ist die Apple Card leider noch nicht in Deutschland verfügbar. Die aktuellen Bestimmungen beinhalten, dass der Wohnsitz in den USA sein muss. Seit dem Launch in den USA ist die Apple Card über die Wallet App des iPhones beantragbar. Sobald es in Deutschland soweit ist, wird der Anmeldeprozess wahrscheinlich ähnlich aussehen. Nach einem kurzen Schufa-Test in der App werden direkt die Bedingungen und Konditionen aufgezeigt und nach wenigen Minuten ist der Einsatz des Apple Card möglich. Zur Anmeldung werden lediglich Name, Adresse, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer und Angaben zum Einkommen benötigt.

Welche Gebühren fallen bei der Apple Card an?   +

Bei der Beantragung als auch bei der Nutzung der Apple Card fallen keinerlei Kosten an. Apple verzichtet bei seiner Kreditkarte auf jegliche Abschluss- oder Mahnungsbühren. Ebenso kommt die Apples Kreditkarte komplett ohne Auslands- oder Mahnungsgebühren aus. Bei einer verzögerten oder verspäteten Zahlung kommen daher keine Kosten auf. Trotzdem kann eine Verzögerung in der Zahlung im Nachhinein Auswirkungen auf die Konditionen, wie zum Beispiel die Kreditzinsen, haben.

Wie funktioniert die Apple Card ohne Kreditkartennummer?   +

Jeder Kunde besitzt eine reguläre Kreditkartennummer, die nur nicht auf die physischen Karte gedruckt ist. Der Magnetstreifen der Karte hat die Kreditkartennummer gespeichert. Sogar die Wallet App zeigt nur die vier letzten Ziffern an. Es ist nicht möglich über die physische Karte Informationen über beispielsweise die Kreditkartennummer zu erlangen. Für Onlinekäufe wird eine einzigartige virtuelle neue Kreditkartennummer generiert, die nach dem Kauf wieder deaktiviert werden kann.