Die Änderungen bei Miles & More im vergangenen Jahr waren aus der Perspektive vieler weniger schlimm als erwartet. Doch kleinere Änderungen in den vergangenen Wochen zeigen: Die moderaten Preise könnten eine Momentaufnahme sein.
Ohne Frage gab es viel Aufsehen rund um die geplanten Umstellungen bei Miles & More – dynamische Preise statt fixen Werten und zudem die Ankündigung von höheren Preisen in der Business und First Class. Unsere ersten Analysen hatten damals schnell gezeigt: So schlimm ist es gar nicht gekommen, denn auf einigen Strecken sind die Werte sogar niedriger, auf anderen zumindest oft nur moderat höher. Bis zur Einführung der Business Class Light Tarife sind die Werte dabei auch großenteils auf einem ähnlichen Niveau geblieben. Doch bleibt es auch so?
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Ein milder Start in die Welt der dynamischen Preise
Vergleicht man die Einführung der dynamischen Award-Preise mit den Erhöhungen anderer Programme in den vergangenen Jahren, kann man fraglos von einem milden Start sprechen. Ja, es gibt bei First Class Awards teils Steigerungen um bis zu 50 Prozent gegenüber dem alten System und auch in der Business Class kosten Tickets in einigen Fällen relevant mehr. Doch durch die Bank sind die Entwertungen eher moderat. Mit ein wenig Optimierung beim Abflughafen lassen sich sogar teils relevant niedrigere Werte realisieren als in der Vergangenheit.
Ob das in allen Fällen so beabsichtigt ist, darf man zwar hinterfragen. Klar ist aber: Der milde Start dürfte durchaus im Interesse von den Machern des neuen Programms sein, denn damit Miles & More Geld verdient, müssen die Kunden auch weiterhin im Programm aktiv sein. Sofern sie durch zu hohe Preise das Interesse daran verlieren, schadet das auch Miles & More selbst – die Balance ist und bleibt entscheidend.
Gleichzeitig hat das Programm aber auf der einen Seite noch nicht alle Versprechen eingelöst: Die Rückkehr der Flex Plus Prämie, mit der die hohen Zuschläge umgangen werden konnten, steht weiterhin aus. Auf der anderen Seite sind eben jene Zuschläge gerade zuletzt rasant gestiegen, wodurch Prämienflüge bei Miles & More in der Gesamtbetrachtung massiv teurer geworden sind.
Besonders attraktive Einlösungen mit Verfallsdatum
Weniger im Interesse von Miles & More dürfte es dagegen sein, dass es teils unverschämt günstige Einlösungen im neuen System gibt. Bei unseren Recherchen nach den günstigen Abflughäfen für First Class Awards sind uns etwa First Class Flüge nach Hongkong für unter 60.000 Meilen aufgefallen. Technisch gesehen ergibt es Sinn, dass auch bei bezahlten Tickets günstigere Abflughäfen niedrigere Werte aufweisen – ob allerdings derart hohe Abstände und damit ein Rabatt von fast 50 Prozent zum alten System gewünscht sind, darf man bezweifeln. Geändert wurde daran bislang dennoch nichts.
Kleinere Veränderungen gab es dabei auf einigen auf den ersten Blick sehr attraktiven Zielen bereits: Flüge nach Toronto, die in der Business Class anfangs für unter 40.000 Meilen in der Business Class buchbar waren, kosten nun mehr als 10 Prozent mehr – trotzdem sind etwa Prämienflüge nach Montréal im Verhältnis deutlich teurer. Kuriositäten dieser Art gibt es auch weiterhin, sodass davon auszugehen ist, dass diese nicht nur ein Fehler bei der Einführung waren.
Interessant ist in diesem Kontext auch, dass Prämienflüge innerhalb Europas immer noch sehr attraktiv sind. Einige Routen zu Feriendestinationen kosten bei bezahlten Tickets in der Hochsaison mittlerweile oft viele hundert Euro, selbst in der Economy Class. Mit Meilen lassen sich an ausgewählten Tagen für hohe vierstellige Werte in der Business Class buchen, wodurch sich selbst gegenüber der Economy Class eine enorme Ersparnis ergibt.
Man mag es als durchaus überraschend bezeichnen, dass diese Optionen auch bald ein Jahr nach der Einführung des neuen Systems weiterhin erhalten geblieben sind.
Schleichende Entwertung ohne weitere Ankündigung
Vergessen darf man dennoch nicht, dass die Umstellung auf das dynamische System mit drei Monaten Ankündigungsfrist die letzte Vorwarnung für Meilensammler war. Ab jetzt kann Miles & More im Grunde machen, was man möchte. Die “dynamischen” Preise können einfach so im gesamten Netzwerk um 10 Prozent teurer werden oder aber auch einfach auf bestimmten Strecken verdoppelt werden – so richtig nachvollziehen lässt sich das mit Blick auf die schier unendliche Zahl an Strecken und Möglichkeiten nur schwerlich.

Gesehen hat man ein vergleichbares Vorgehen auch bei vielen anderen Programmen mit dynamischen Preisen. Bei Flying Blue wurden Prämienflüge nach Nordamerika in den vergangenen Jahren sukzessive teurer und kosten mittlerweile meist knapp 50 Prozent mehr als bei der ursprünglichen Einführung der flexiblen Preise.
Dass dies auch bei Miles & More passiert, hat die Einführung der Business Class Light-Tarife gezeigt, die zu einer versteckten Preiserhöhung bei Miles & More geführt haben. Das mag mitunter technische Gründe haben, aber Recherchen von reisetopia zeigen, dass es auch auf anderen Strecken in den vergangenen Monaten teilweise Erhöhungen gab. Auf Ähnliches muss man sich dabei wohl auch weiterhin einstellen.
Höhere Treibstoffzuschläge bedrohen die fragile Balance
An sich waren die ersten Monate mit den dynamischen Preisen bei Miles & More weit weniger dramatisch, als manch einer zuvor geunkt hatte. Doch die Basis bleibt fragil, denn Schwächen hat das System fraglos auch. Ein Beispiel dafür ist, dass momentan systematisch die loyalsten Kunden benachteiligt werden. Sie dürften in vielen Fällen auch besonders stark von den nun so stark steigenden Treibstoffzuschlägen betroffen sein.
Eben jene sind es auch, welche die Balance des Programms besonders bedrohen. Die letzten Anstiege haben Prämienflüge nach Nordamerika im Grunde komplett unattraktiv gemacht, aber auch viele zuvor noch attraktive Routen relevant verteuert. Gegenüber anderen Programmen scheint hier etwas aus dem Lot geraten zu sein, was zwingend korrigiert werden sollte.
Möglich wäre das auf der einen Seite dadurch, dass man die Änderungen Stück für Stück zurückdreht und die Treibstoffzuschläge auf ein zumindest noch akzeptables Maß senkt. Auf der anderen Seite wäre auch die Rückkehr der sogenannten Flex Plus Prämie eine Maßnahme. Viele Miles & More Mitglieder hätten vermutlich kein Problem damit, 10 bis 20 Prozent mehr Meilen zu nutzen, wenn sie dafür die enormen Zuschläge umgehen könnten.
In dieser Gemengelage lohnt es sich allerdings nicht, auf großen Meilenbergen sitzenzubleiben. Bei aller anfänglichen Freude über das neue System muss man davon ausgehen, dass die Preise in den kommenden Monaten sukzessive zumindest leicht steigen werden – zu hoffen bleibt, dass dies in einer sehr moderaten Geschwindigkeit erfolgt und sich bei den Zuschlägen etwas tut. Dann bleibt das Miles & More Programm auch in Zukunft für beide Seiten ein Gewinn.
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