Ein verstauchter Knöchel beim Wandern in den Rocky Mountains oder eine Blinddarmentzündung in New York: In Nordamerika kann ein medizinischer Notfall ohne passenden Schutz sehr teuer werden. Eine Reiseversicherung für USA und Kanada besteht im Kern aus einer Auslandsreisekrankenversicherung, die ausdrücklich auch diese beiden Länder abdeckt. Genau daran scheitern viele günstige Policen.

In diesem Guide erklären wir, warum Eure gesetzliche Krankenkasse in den USA und Kanada nicht zahlt, worauf Ihr bei der Auslandskrankenversicherung achten solltet, welche weiteren Versicherungen sinnvoll sind und ob die Versicherung Eurer Kreditkarte ausreicht.

Das Wichtigste in Kürze: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten in den USA und Kanada grundsätzlich nicht, denn mit beiden Ländern gibt es kein Abkommen für den Bereich Krankenversicherung. Unverzichtbar ist deshalb eine Auslandsreisekrankenversicherung mit weltweitem Geltungsbereich inklusive USA und Kanada und einem Rücktransport, der schon dann bezahlt wird, wenn er medizinisch sinnvoll ist. Vorgeschrieben ist die Versicherung für touristische Reisen weder mit ESTA noch mit eTA, das Auswärtige Amt rät aber dringend dazu.

Warum braucht Ihr eine Reiseversicherung für die USA und Kanada?

Die USA gelten als eines der teuersten Länder der Welt, wenn es um medizinische Versorgung geht. Schon eine ambulante Untersuchung in der Notaufnahme kann mehrere hundert US-Dollar kosten, bei Operationen und Krankenhausaufenthalten sind fünf- oder sogar sechsstellige Rechnungen möglich. Krankenhäuser verlangen dabei häufig eine Kreditkarte oder eine Kostenzusage, bevor sie über die Erstversorgung hinaus behandeln.

Noch teurer kann der Weg nach Hause werden. Laut Stiftung Warentest kann ein Krankenrücktransport in einem speziellen Ambulanzflugzeug je nach Entfernung weit über 100.000 Euro kosten. Aus Nordamerika ist das wegen der langen Strecke besonders relevant.

Skyline von Manhattan in New York
In den USA können schon kleinere Behandlungen hohe Rechnungen nach sich ziehen

Das Auswärtige Amt formuliert es in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für beide Länder deutlich: Ohne ausreichenden Versicherungsschutz müsst Ihr Behandlungs- und Krankenhauskosten sowie den Heimflug grundsätzlich selbst tragen. Es empfiehlt eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rückholversicherung für die gesamte Dauer des Aufenthalts.

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse in den USA und Kanada?

Nein. Die gesetzliche Krankenversicherung leistet im Ausland nur in der EU, im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Staaten, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen über die Krankenversicherung geschlossen hat. Die USA und Kanada gehören nicht dazu. Das Abkommen mit Kanada regelt nur die Rentenversicherung, die Kranken- und Unfallversicherung ist darin nicht enthalten.

Die Europäische Krankenversicherungskarte auf der Rückseite Eurer Versichertenkarte hilft Euch in Nordamerika deshalb nicht weiter. Einen Krankenrücktransport nach Deutschland bezahlen die gesetzlichen Kassen ohnehin auch innerhalb Europas nicht. Wer privat krankenversichert ist, sollte in seinem Tarif nachsehen, ob und wie lange Auslandsaufenthalte außerhalb Europas abgedeckt sind und ob ein Rücktransport dazugehört.

Der Begriff Reiseversicherung umfasst meist mehrere Bausteine, von der Krankenversicherung über den Reiserücktritt bis zum Gepäck. Für die USA und Kanada gilt: Die Auslandsreisekrankenversicherung ist der Baustein, auf den Ihr auf keinen Fall verzichten solltet.

Worauf müsst Ihr bei der Auslandskrankenversicherung für USA und Kanada achten?

Auslandsreisekrankenversicherungen als Jahresvertrag sind günstig. Laut Stiftung Warentest gibt es gute Policen für Einzelpersonen schon ab rund 8 Euro im Jahr, für Familien ab etwa 30 Euro. Bei der Auswahl für eine Reise nach Nordamerika solltet Ihr aber auf einige Punkte besonders achten.

Geltungsbereich: Viele Versicherer bieten Tarife für Europa, für die Welt ohne USA und Kanada sowie für die Welt inklusive USA und Kanada an. Der Tarif ohne Nordamerika ist günstiger, im Ernstfall aber wertlos. Achtet deshalb darauf, dass im Versicherungsschein ausdrücklich weltweit inklusive USA und Kanada steht. Manche Anbieter verlangen für Nordamerika einen Zuschlag.

Rücktransport: Die Verbraucherzentrale rät, nur Policen zu wählen, die den Krankenrücktransport schon bezahlen, wenn er medizinisch sinnvoll und vertretbar ist. Formulierungen wie medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet sind nach ihrer Einschätzung kaum zu erfüllen, weil die Versorgung in den USA und Kanada in der Regel gut ist.

Maximale Reisedauer: Jahresverträge decken laut Stiftung Warentest beliebig viele Reisen ab, aber jeweils nur bis zu einer Länge von sechs bis zehn Wochen. Mit ESTA dürft Ihr bis zu 90 Tage in den USA bleiben, in Kanada sind touristische Aufenthalte bis zu sechs Monaten möglich. Wer einen langen Roadtrip plant, braucht deshalb oft einen Tarif für Langzeitreisen.

Stethoskop Flugzeugmodell und Bordkarte
Bei der Auslandskrankenversicherung zählen Geltungsbereich, Rücktransport und Reisedauer

Vorerkrankungen: Viele Policen schließen Behandlungen aus, die schon vor der Reise absehbar waren. Chronisch Kranke sollten laut Verbraucherzentrale Tarife wählen, die nur dann nicht zahlen, wenn in den sechs Monaten vor Reiseantritt wegen einer akuten Verschlechterung eine Behandlung nötig war. Klärt im Zweifel vor der Abreise schriftlich mit dem Versicherer, ob Eure Erkrankung mitversichert ist.

Selbstbeteiligung und Notruf: Von Tarifen mit Selbstbeteiligung rät die Verbraucherzentrale ab. Wichtig ist außerdem eine rund um die Uhr erreichbare Notrufnummer. Über sie kann der Versicherer in vielen Fällen direkt eine Kostenübernahme gegenüber dem Krankenhaus erklären, damit Ihr hohe Beträge nicht vorstrecken müsst.

Unser Tipp: Speichert die Notrufnummer Eures Versicherers und Eure Versicherungsnummer vor der Abreise im Handy. Ruft im Ernstfall möglichst an, bevor Ihr ins Krankenhaus geht oder spätestens bei der Aufnahme.

Seid Ihr vor Ort in Behandlung, hebt alle Rechnungen und Arztberichte auf. Ohne detaillierte Belege mit Diagnose kann der Versicherer die Kosten nach der Rückkehr nicht erstatten.

Was gilt bei der Auslandskrankenversicherung für Kanada?

Kanada hat zwar ein staatliches Gesundheitssystem, das gilt aber nur für Einwohner. Die Gesundheitspläne der Provinzen decken Touristen nicht ab, Besucher bekommen für Behandlungen eine Rechnung. Die Kosten liegen meist unter dem Niveau der USA, können aber bei einem Krankenhausaufenthalt oder einer Rettung aus abgelegenen Regionen ebenfalls schnell hoch werden.

Gerade bei Reisen in die Nationalparks Westkanadas oder in den hohen Norden spielt der Transport eine große Rolle. Achtet deshalb darauf, dass Eure Police auch Such- und Bergungskosten sowie den Transport ins nächste geeignete Krankenhaus abdeckt. Wer Outdoor-Aktivitäten wie Klettern, Skitouren oder Heliskiing plant, sollte prüfen, ob diese Sportarten ausgeschlossen sind.

Skyline von Toronto mit CN Tower am Ontariosee
Auch in Kanada müssen Touristen Behandlungen selbst bezahlen

Viele Kanada-Reisende verbinden ihren Urlaub mit einem Abstecher in die USA, etwa auf einem Roadtrip entlang der Grenze oder bei einer Kreuzfahrt nach Alaska. Eine Police, die nur Kanada abdeckt, reicht dann nicht. Prüft außerdem, ob die Reisedauer für die gesamte Tour ausreicht, wenn Ihr mehrere Wochen unterwegs seid.

Ist eine Reiseversicherung bei der Einreise Pflicht?

Für touristische Reisen schreiben weder die USA noch Kanada eine Krankenversicherung vor. Bei der Einreise müsst Ihr also keinen Nachweis vorlegen. Entscheidend sind hier die elektronischen Reisegenehmigungen, die Ihr vor dem Abflug beantragt.

Für die USA braucht Ihr mit deutschem Reisepass im Rahmen des Visa Waiver Programms eine ESTA. Sie ist gebührenpflichtig und gilt laut Auswärtigem Amt für beliebig viele Einreisen von jeweils bis zu 90 Tagen innerhalb von zwei Jahren. Die US-Behörden empfehlen, den Antrag mindestens 72 Stunden vor der Reise zu stellen. Alle Details stehen in unserem Guide zu den Einreisebestimmungen für die USA.

Wer nach Kanada fliegt, benötigt eine eTA. Sie kostet auf der offiziellen Website der kanadischen Regierung 7 Kanadische Dollar. Bei der Einreise auf dem Land- oder Seeweg ist sie laut Auswärtigem Amt nicht erforderlich. Mehr dazu lest Ihr in unserem Guide zur Einreise nach Kanada.

Achtung: Beantragt ESTA und eTA nur auf den offiziellen Regierungsseiten. Inoffizielle Vermittler verlangen teils deutlich höhere Gebühren, eine Versicherung ist in diesen Paketen trotzdem nicht enthalten.

Dass die Versicherung keine Pflicht ist, heißt nicht, dass Ihr darauf verzichten solltet. Die Kosten einer Behandlung tragt Ihr ohne Versicherung vollständig selbst.

Welche weiteren Reiseversicherungen sind für Nordamerika sinnvoll?

Neben der Auslandskrankenversicherung gibt es weitere Bausteine, die einzeln oder als Paket angeboten werden. Ob sie sich lohnen, hängt vom Reisepreis, Eurem Gepäck und Euren Plänen vor Ort ab.

VersicherungWie wichtig?Worauf achten
AuslandsreisekrankenversicherungunverzichtbarWelt inklusive USA und Kanada, Rücktransport wenn medizinisch sinnvoll, Reisedauer
Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherungbei teuren Reisen sinnvollVersicherungssumme passend zum Reisepreis, Selbstbehalt, Abschlussfrist
Haftpflichtversicherungsehr wichtigAuslandsschutz und hohe Deckungssumme in der privaten Haftpflicht
Reisegepäckversicherungoptionalviele Ausschlüsse, Wertsachen oft nur begrenzt versichert

Eine Reiserücktrittsversicherung erstattet die Stornokosten, wenn Ihr etwa wegen einer Krankheit nicht reisen könnt. Bei Flügen nach Nordamerika, Mietwagen und Hotels für mehrere Wochen kommen schnell einige tausend Euro zusammen. Was versichert ist und worauf Ihr achten solltet, zeigt unser Guide zur Reiserücktrittsversicherung.

Schadensersatzforderungen können in den USA sehr hoch ausfallen. Eine eigene Reisehaftpflicht braucht Ihr meist nicht, denn die private Haftpflichtversicherung gilt in der Regel auch bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten. Prüft aber, wie lange der Auslandsschutz gilt und wie hoch die Deckungssumme ist.

Koffer allein auf dem Vorfeld eines Flughafens
Eine Gepäckversicherung ist nur für wertvolles Reisegepäck eine Überlegung wert

Beim Mietwagen gilt: Die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtdeckung ist in vielen Bundesstaaten der USA niedrig. Achtet bei der Buchung deshalb auf eine Zusatzhaftpflicht mit hoher Deckungssumme, die in Paketen deutscher Anbieter oft schon enthalten ist. Eine Gepäckversicherung ist dagegen meist verzichtbar, weil Airlines für verlorene Koffer ohnehin bis zu einer Obergrenze haften und Wertsachen in vielen Policen nur eingeschränkt versichert sind.

Reicht die Versicherung einer Kreditkarte für die USA und Kanada?

Viele Premium-Kreditkarten enthalten eine Auslandsreisekrankenversicherung. Ob sie für Nordamerika reicht, hängt vom Geltungsbereich, der Versicherungssumme, der maximalen Reisedauer und davon ab, ob Ihr die Reise mit der Karte bezahlen müsst. Prüft diese Punkte vor der Abreise in den Versicherungsbedingungen.

Die American Express Platinum Card enthält eine Auslandsreisekrankenversicherung, die weltweit gilt, also auch in den USA und Kanada. Versichert sind Reisen von bis zu 120 Tagen, mitversichert sind unter anderem Partner und Kinder. Alle Leistungen und Bedingungen findet Ihr in unserem Guide zu den Amex Platinum Versicherungen.

Berge und See in den kanadischen Rocky Mountains
Bei längeren Touren durch Kanada solltet Ihr die maximale Reisedauer Eurer Kartenversicherung prüfen

Auch die Amex Gold Card hat eine Auslandsreisekrankenversicherung an Bord. Sie gilt für Reisen bis zu 62 Tagen, Heilbehandlung und Krankenhaus sind laut den Versicherungsbedingungen ohne Summenbegrenzung versichert, allerdings mit einem Selbstbehalt von 10 Prozent, mindestens 100 und höchstens 500 Euro pro Person. Außerdem greifen die Reiseversicherungen der Gold Card nur, wenn Ihr die Reise mit der Karte bezahlt habt. Details stehen in unserem Guide zu den Amex Gold Versicherungen.

Wer keine Karte mit passendem Schutz besitzt, kann eine eigenständige Police abschließen, zum Beispiel die Amex Auslandskrankenversicherung von AXA Partners, die auch ohne Amex Karte erhältlich ist und weltweit inklusive USA und Kanada gilt. Vergleicht aber auch Jahrespolicen anderer Anbieter, die laut Stiftung Warentest oft schon für wenige Euro im Jahr guten Schutz bieten.

Fazit zur Reiseversicherung für USA und Kanada

Für eine Reise in die USA oder nach Kanada ist eine Auslandsreisekrankenversicherung Pflicht im übertragenen Sinn, auch wenn sie für die Einreise nicht vorgeschrieben ist. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt in beiden Ländern nicht, und gerade in den USA können Behandlung und Rücktransport schnell existenzbedrohende Summen erreichen. Achtet auf den Geltungsbereich inklusive USA und Kanada, einen Rücktransport schon bei medizinischer Sinnhaftigkeit und eine Reisedauer, die zu Eurem Trip passt.

Wer eine Premium-Kreditkarte besitzt, sollte vorher prüfen, ob deren Versicherung Nordamerika, die Reisedauer und eine ausreichende Summe abdeckt und ob die Reise mit der Karte bezahlt sein muss. Ergänzend lohnt sich bei teuren Reisen eine Reiserücktrittsversicherung, und Eure private Haftpflicht sollte auch im Ausland mit hoher Deckungssumme gelten. ESTA oder eTA beantragt Ihr separat und nur auf den offiziellen Seiten.

Autor

Melina ist duale Studentin im Marketing bei reisetopia und unterstützt das Team bei der Erstellung und Optimierung von Inhalten rund um Finanzen und smarten Luxus. Ihr Ziel ist es, Finanzwissen verständlich aufzubereiten und zu zeigen, dass Luxus nicht zwangsläufig teuer sein muss – sondern oft das Ergebnis kluger Entscheidungen ist. Ihre Begeisterung für den Tourismus und ihr Interesse an Finanzthemen verbindet sie dort, wo beide Welten aufeinandertreffen: beim clever finanzierten Luxusreisen. Fasziniert von exklusiven Reiseerlebnissen und den Möglichkeiten digitaler Inhalte entschied sich Melina, ihre Interessen gezielt zu kombinieren. Bei reisetopia gestaltet sie Content, der inspiriert und gleichzeitig vermittelt, wie sich luxuriöses Reisen mit durchdachter Finanzplanung vereinbaren lässt.

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