Große Pläne, aber noch kein Kapital. Früher als Swiss Skies bekannt, plant eine Airline unter dem Namen Moov zukünftig Langstreckenflüge ab Basel und anderen sekundären Airports anzubieten.

Das Coronavirus sorgt dafür, dass Fluggesellschaften auf der ganzen Welt zu kämpfen haben. Gleich mehrere bekannte Airlines mussten sogar in die Insolvenz: etwa Flybe, Virgin Austaralia, LATAM oder Avianca. Die Lufthansa Group und viele andere mussten mit Milliarden Staatshilfe gerettet. Das hält ambitionierte Gründer allerdings alles nicht davon ab, in der Krise auch eine Chance zu sehen. Das gilt besonders für Swiss Skies, neuerdings bekannt unter dem Namen Moov. Das Start-up möchte 2023 den Langstreckenmarkt ab Basel aufmischen, wie Swissinfo berichtet. Sonderlich realistisch klingen die Pläne allerdings nicht.

Langstreckenflüge ab Basel mit dem Airbus A321XLR

Die Ideen von Moov sind nicht neu, vielmehr handelt es sich um Pläne, die es schon vor einigen Jahren gab. Damals hatte das Start-up unter dem Namen Swiss Skies bereits für jede Menge Aufsehen mit dem Plan gesorgt, auf der Langstrecke Günstigflüge anzubieten. Der aus Brasilien stammende Gründer der Airline Alvaro Oliveira hatte damals gemeinsam mit Geschäftspartnern versucht, Investoren für seine Idee zu finden – geplant war ein Investment von 100 Millionen Schweizer Franken (~ 92 Millionen Euro). Trotz der Hochkonjunktur, besonders in der Luftfahrt, schaffte Oliveira es allerdings nicht, potente Investoren von seiner Idee zu überzeugen. Zwei Mitgründer verabschiedeten sich danach, doch Oliveira hat seine Träume scheinbar nicht aufgegeben. Gerade in Zeiten der Krise sieht der Gründer nun die Chance, seinen Plan doch noch umzusetzen – jetzt allerdings unter dem Namen Moov. In einem Statement erklärt Oliveria das Timing für den Neustart wie folgt:

Etablierte Fluggesellschaften reduzieren ihre Flotte, wodurch das Leasing von Flugzeugen günstiger wird. Zudem werden an Flughäfen mehr Slots zur Verfügung stehen als bisher. Außerdem verlieren viele qualifizierte Leute ihren Job und suchen nach einer neuen Aufgabe.

Alvaro Oliveira gegenüber Swissinfo

Die konkreten Pläne haben sich dabei nur in Teilen verändert. Oliveira möchte mit Moov weiterhin Langstreckenflüge ab sekundären Flughäfen anbieten. Das wichtigste Hub der Airline soll dabei im Dreiländereck liegen. In Basel möchte die Fluggesellschaft ihren Betrieb starten und dann gleich eine Vielzahl an Strecken aufnehmen. Die Rede ist von Zielen an der US-Ostküste, darunter New York, aber auch von Südamerika, dem Mittleren Osten und Kanada. Selbst Indien wird als potenzielle Destination genannt. Zwar gibt Oliveria zu, dass sich durch die Krise mögliche Änderungen ergeben, weil Geschäftsreisende wegbleiben, die grundsätzliche Idee möchte der Start-up-Gründer allerdings weiterhin umsetzen. Starten könnte der Betrieb allerdings wohl frühestens im Jahr 2023, denn umsetzen möchte das Start-up die Langstrecken ab sekundären Flughäfen mit dem Airbus A321XLR, der erst in wenigen Jahren erstmals ausgeliefert wird.

Hochtrabende Pläne und neue Finanzierungsideen

Wie realistisch es allerdings ist, dass Moov irgendwann wirklich abheben wird, steht weiterhin in den Sternen. Wer das Kapital für den Start der Airline zur Verfügung stellen soll, bleibt offen. Nachdem sich schon vor zwei Jahren keine klassischen Investoren gefunden hatten, entschied sich Oliveira andere Finanzierungsformen in den Blick zu nehmen. Die Rede ist von einer Finanzierung über die sogenannte ‘leverages distributed ledger technology’ (DLT), die von der Idee her wie eine Blockchain funktioniert und eine Art digitalen Handel für Geschäftsanteile ermöglichen soll. Dadurch sollen mehr potenzielle Investoren Zugriff auf Investitionsmöglichkeiten bekommen. Bislang hat sich Moov allerdings nicht getraut, auch wirklich auf Investorensuche zu gehen, unter anderem wegen rechtlichen Zweifeln an der Finanzierungsmöglichkeit. Andere Unternehmen haben nach Angaben von Oliveira über diesen Weg allerdings bereits millionenschwere Investitionen eingesammelt.

Flughafen Basel

Nicht nur die Finanzierungspläne sind bei Moov allerdings ausgesprochen zweifelhaft. Fraglich ist auch der Fokus, denn nebenbei hat sich das Unternehmen auch noch um den Betrieb des Flughafens in Lugano beworben. Hier kämpft das Unternehmen mit sechs anderen Bietern um den Zuschlag. Wie genau das zum Geschäftsmodell der Airline passt, bleibt genauso offen wie einige andere Aspekte. Beispielsweise ist ein Starttermin vollkommen unklar, da freie Lieferslots für neue Airbus A321XLR noch viele Jahre entfernt liegen und gerade diese neuen Jets nicht frei auf dem Leasing-Markt zur Verfügung stehen werden. Man darf entsprechend davon ausgehen, dass auch Moov ein Traum bleiben wird, zumal die Erfahrungen mit Günstigflügen auf der Langstrecke auch bei anderen Airlines zu einem Desaster geworden sind.

Fazit zu den Plänen von Moov

Langstreckenflüge ab Basel klingen auf den ersten Blick nach einer tollen Option, realistisch dürften sie nicht sein. Moov fehlt nicht nur die Finanzierung, auch ansonsten wirkt der Plan nicht unbedingt durchdacht. Dass das Schweizer Start-up schon in der Hochkonjunktur nicht vom Boden gekommen ist, sollte deutlich machen, dass die Chancen auch Jahre später nicht besser stehen – besonders mit Blick auf das geplante Geschäftsmodell.

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Autor

Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels auf der ganzen Welt. Mittlerweile konnte er über 500 verschiedene Hotels testen und dabei mehr als 100 Städte auf allen Kontinenten kennenlernen. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen besonderen Erlebnissen teilhaben!

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