LATAM ist das nächste Opfer der Krise rund um das Coronavirus. Die größte Fluggesellschaft Südamerikas hat Insolvenz nach Chapter 11 in den USA angemeldet. Geplante Flüge sollen weiter stattfinden, Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Erst vor wenigen Wochen hatte das Star Alliance Mitglied Avianca, die zweitgrößte Fluggesellschaft Südamerikas, eine Insolvenz in Eigenregie angemeldet. Nur wenig später folgt nun auch der große Konkurrent: Die größte Airline des Kontinents LATAM muss in die Insolvenz, wie die Fluggesellschaft auf einer gesonderten Webseite bekannt gegeben hat. Hintergrund der Insolvenzanmeldung nach Chapter 11 in den USA sind die enormen Verluste durch die Krise rund um das Coronavirus. Aus ähnlichen Gründen haben auch bereits Virgin Australia sowie Thai Airways Insolvenz angemeldet. In allen vier größeren Insolvenzfällen ist eine Restrukturierung der jeweiligen Airline geplant.

LATAM und die meisten Töchter gehen in die Insolvenz

LATAM ist vor wenigen Jahren durch die Fusion des chilenischen LAN mit der brasilianischen TAM entstanden. Beide Fluggesellschaften hatten schon zu diesem Zeitpunkt noch verschiedene Töchter in anderen Ländern Südamerikas. Entsprechend ist ein verzweigtes Netz an Landesgesellschaften entstanden, die allesamt unter der Flagge von LATAM unterwegs waren. Die meisten dieser Fluggesellschaften haben nun Insolvenz angemeldet. Angemeldet haben eine Insolvenz nach Chapter 11 demnach LATAM Chile, LATAM Peru, LATAM Colombia, LATAM Ecuador und LATAM United States.

LATAM Boeing 767

Kein Teil des Insolvenzverfahrens sind aufgrund der Struktur der Verschuldung sowie lokaler Regeln dagegen LATAM Brazil, LATAM Argentina und LATAM Paraguay. Besonders interessant ist dabei, dass der wichtige brasilianische Teil von LATAM nicht von dem Insolvenzverfahren betroffen ist. Die Airline-Gruppe verspricht allerdings, dass es für Passagiere generell keine Einschränkungen geben soll. Dies gilt unabhängig davon, ob es um Flüge mit einer der Töchter in Insolvenz geht oder um eine der Fluggesellschaften, die keine Insolvenz nach Chapter 11 anmelden mussten. Demnach behalten LATAM Pass Meilen genauso ihre Gültigkeit wie alle bereits gekauften Flugtickets.

Unklar ist allerdings, ob auch bereits gekaufte Tickets erstattet werden sollen, sofern ein entsprechender Flug nicht stattgefunden hat oder nicht stattfindet. Bei einem Insolvenzverfahren sind Rückzahlungen für Forderungen aus der Zeit vor dem Datum der Anmeldung üblicherweise nicht abgesichert. So hat LATAM unter anderem auch erklärt, dass alte Forderungen von Zulieferern nicht mehr bedient und Flugzeugbestellungen nicht mehr abgenommen werden.

Insolvenz nach Chapter 11 ist ein Restrukturierungsverfahren

Wichtig ist in Hinblick auf die Insolvenz der verschiedenen LATAM-Tochterfluggesellschaften, welche die Insolvenz müssen, dass ein Chapter 11-Verfahren nicht mit einer deutschen Insolvenz vergleichbar ist. Im Grunde handelt es sich um ein Restrukturierungsverfahren, dessen Ziel in den allermeisten Fälle keine Liquidation der Airline ist. Vielmehr geht es um eine Restrukturierung, bei der eine Airline am Ende des Prozesses mit weniger Schulden wieder in den normalen Betrieb übergehen kann. In der Vergangenheit haben beispielsweise schon die US-Fluggesellschaften American Airlines, Delta und auch United Airlines das Verfahren durchlaufen und sind dabei gestärkt aus diesem hervorgegangen.

LATAM plant im Rahmen des Verfahrens den regulären Flugbetrieb weiterzuführen beziehungsweise wieder aufzunehmen und auch weiterhin Passagiere zu befördern. Deshalb behalten im Rahmen des Verfahrens auch alle bereits gebuchten Tickets ihre Gültigkeit. Dasselbe gilt für Meilen und mit Meilen gebuchte Tickets des LATAM Pass Vielfliegerprogramms, genauso sollen alle Vorzüge eines Status auch weiterhin gelten. Ebenfalls möchte LATAM weiterhin alle wichtigen Zulieferer und Flughäfen bezahlen, um den Flugbetrieb fortführen zu können.

LATAM Lounge Santiago Buffet
LATAM Lounges werden weiterhin geöffnet bleiben

Der Prozess im Rahmen des Chapter 11-Verfahren sieht dabei vor, dass ein Gericht zunächst die Betriebsfortsetzung zustimmen muss. Sobald diese Zustimmung vorliegt, kann LATAM versuchen, einen Restrukturierungsplan gemeinsam mit den bestehenden Gläubigern aushandeln. Sobald dieser Plan steht, kann die Fluggesellschaft über die nächsten Monate und Jahre die entsprechenden Schritte einleiten und nach wenigen Jahren das Verfahren erfolgreich beenden. Die Hoffnung ist, dass die Fluggesellschaft danach gestärkt aus dem Verfahren hervorgeht. Dargestellt hat LATAM das gesamte Verfahren auch noch einmal auf einer Infoseite.

LATAM war vor der Krise in der Erfolgsspur

Dass LATAM nun in solch große Probleme gerät, kommt ein wenig überraschend. Die Fluggesellschaft hatte sich nach schwierigen Plänen und der Elefantenhochzeit zwischen den zu diesem Zeitpunkt größten Airlines des Kontinents zuletzt in die Gewinnzone gebracht. Anders also als etwa Avianca oder South African Airways war LATAM vor der Krise kein Kandidat für eine Pleite. Die großen Probleme sind primär durch die enormen Einschränkungen für internationale und nationale Flüge zustande gekommen. Wie die meisten Fluggesellschaften weltweit hat LATAM seit knapp zwei Monaten fast alle Flugzeuge geparkt. Wann ein regulärer Flugbetrieb in Südamerika wieder möglich sein wird, steht aktuell zudem in den Sternen, ist die Pandemie hier doch noch immer auf dem Vormarsch.

Noch kurz vor der Krise hatte LATAM zudem eine neue Partnerschaft bekannt gegeben. Nach einigen Jahren enger Zusammenarbeit mit dem damaligen oneworld-Partner American Airlines, hat LATAM letztes Jahr den Abschied von diesem Partner und auch von der internationalen Allianz erklärt. Stattdessen hat LATAM eine große Partnerfluggesellschaft mit dem American-Konkurrenten Delta gestartet. Dabei wurden große Pläne für eine Art Joint Venture zwischen Süd- und Nordamerika veröffentlicht, das den beiden Fluggesellschaften fast schon eine marktbeherrschende Stellung gebracht hätte. Wie es mit dieser Zusammenarbeit nach der Insolvenz von LATAM weitergehen wird, bleibt entsprechend ebenfalls abzuwarten.

Generell zeigt sich Delta ob der Partnerwahl zuletzt eher unglücklich: Neben LATAM kämpfen auch die beiden anderen wichtigen Partner Virgin Atlantic und Virgin Australia mit großen Schwierigkeiten.

Fazit zur LATAM Insolvenz nach Chapter 11

Es kommt ein wenig überraschend, dass LATAM in die Insolvenz rutscht. Die Airline war vor der Krise nach schweren Jahren in die Gewinnzone gekommen und war auf Expansionskurs. Gerade die große Weichenstellung der Partnerschaft mit Delta sollte einen Weg in eine positive Zukunft weisen. Nun wird dies nur durch eine Insolvenz funktionieren, deren Ziel eine Restrukturierung der Airline-Gruppe ist. Für den Moment soll die Insolvenz keine größeren Folgen für Passagiere haben. Allerdings ist bei einem solchen Verfahren der konkrete Ausgang immer schwer vorauszusagen.

Lust auf mehr reisetopia Artikel? Dann folgt uns:

Autor

Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels in aller Welt. Auf der Suche nach neuen Erlebnissen hat Moritz schon dutzende Airlines getestet und mehr als 100 Städte erkundet. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen Erlebnissen & Tipps teilhaben!

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Schade. Ich flog vor einem Jahr elegant MAD FRA mit Latam in der Business Class, sehr günstig. Da werden wohl noch mehr vermeintlich solide Airlines in eine existenzbedrohende Krise schlittern. Bei THAI ist die Restrukturierung längst überfällig, die sind schon lange in Schieflage. (BKK CNX mit Thai Airways, Economy, mit Gepäck und Snack für 1000 Baht… Nicht schlecht. Nur: Kann man damit Geld verdienen? Der Preisdruck der Billig-Airlines ist heftig.)

Alle Kommentare anzeigen (1)