Auf der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig gab es viel Lob seitens der Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Anstrengungen der Luftfahrtindustrie beim Thema Klimaschutz. Allerdings forderte sie auch weitere Innovationen und eine verstärkte Forschung in diesem Bereich.
In Sachen klimaverträglicher Luftfahrt soll nach Plänen der Bundesregierung Deutschland gar weltweiter Vorreiter werden. Darin sieht die Regierung auch eine wirtschaftliche Chance.
Merkel lobt Fortschritt in der Luftfahrt
Neue Technologien im Bereich des CO2-neutralen Fliegens wären für Deutschland wirtschaftlich von großem Interesse, so Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz am Flughafen von Leipzig/Halle. Die Bundesregierung stellte sich dabei demonstrativ hinter die Luftfahrtindustrie und lobte diese für ihren Einsatz in der Entwicklung immer effizienterer Technologien für klimaneutrale Treibstoffe, Antriebe und mehr. Jedoch müsse die Branche gerade mit Blick auf die aktuelle Klimadiskussion auch zeigen, dass das Wachstum hier nicht die gleichzeitige Steigerung klimaschädlicher Schadstoffe bedeuten müsse, so die Kanzlerin.
Bereits zuvor setzte sich unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer denn auch dafür ein, dass die Steuereinnahmen, aus den Flugticket-Verkäufen – die allein 2018 etwa 1,2 Milliarden Euro in die Kassen des Bundes spülte – dafür genutzt werden sollten, in Klimaschutz-Projekte zu investieren.

Deutschland mit Fokus auf “Power-to-Liquid”-Verfahren
Auch auf der Luftfahrtkonferenz in Leipzig ist man sich jedoch einig, dass vor allem bereits erprobte und genehmigte CO2-neutrale synthetische Treibstoffe das höchste Potential innehaben, um das Fliegen klimafreundlicher zu gestalten. Allerdings stehen zum jetzigen Zeitpunkt weltweit nicht nur sehr geringe Mengen dieser alternativen Treibstoffe zu Verfügung, die Preise sind aktuell auch sehr hoch.
Die Bundesregierung möchte ihren Fokus vor allem auf das sogenannte “Power-to-Liquid”-Verfahren zur Herstellung von Bio-Kerosin legen. Dabei soll dieser Treibstoff durch “Skalierung” künftig wirtschaftlich gemacht werden. Außerdem kündigte Merkel an, bis Ende des Jahres eine Strategie im Bereich der Wasserstoff-Forschung vorzulegen, da hier das Potential in der Luftfahrt noch längst nicht ausgeschöpft sei. Auf der Konferenz lobte Angela Merkel auch im Speziellen das im Jahr 2016 beschlossene System zur CO2-Kompensation im Luftverkehr CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) genannte UN-Programm, als äußerst wichtig. Darüber hinaus müsse man künftig über die Rolle des EU-Emissionshandels in der Luftfahrt sprechen.
Allerdings dürfte es noch gut zehn Jahre dauern, bis es zu einer industriellen Produktion der alternativen Treibstoffe komme, so Manfred Aigner, Direktor des DLR-Instituts für Verbrennungstechnik. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kündigte derweil an, sieben neue Institute zu gründen, die sich auf die Erforschung neuer Luftfahrttechnologien und der Dekarbonisierung von Industrieprozessen spezialisieren würden. Finanziell unterstützt werden sollen die geplanten Institute vom Bund und den jeweiligen Bundesländern. Allein die Bundesregierung möchte dafür 63,4 Millionen Euro im Jahr beisteuern.
Keine gezwungenen Einschränkungen
Gut 850.000 Arbeitsplätze hingen an der Luftfahrt, so Merkel. Die Luftfahrtindustrie sei auch aus Sicht als Exportnation enorm wichtig für Deutschland, da allein gut ein Viertel der EU-Exporte auf die Luftfahrt zurückzuführen sind. Entsprechend seien vor allem Fortschritt und Effizienz und keine gezwungenen Einschränkungen besonders wichtig für den Luftfahrtsektor, in diesem Zuge betonte die Kanzlerin auch die Selbstverständlichkeit weltweiter täglicher Kooperationen innerhalb der Luftfahrtindustrie.
Mit Blick auf die Wiederaufnahme des Baus der Dornier 328 am Flughafen von Leipzig/Halle sagte Merkel, dass sie sich darüber freue und darin ein weiteres Puzzle-Teil für die Region zum Strukturwandel sehe. Aktuell steckt Angela Merkel mit ihrer CDU in Sachsen tief im Wahlkampf und befindet sich dabei in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD. Entsprechend hatte die Partei aus politischer Sicht sicherlich nicht nur ein wirtschaftliches Interesse an einem guten Auftritt in Leipzig.
Fazit zu den Plänen der Bundesregierung
Da hat sich die Bundesregierung einiges vorgenommen, wenn Deutschland tatsächlich schon bald Vorreiter im Bereich des klimaverträglichen Fliegens werden soll. Aber große Ambitionen sind in der aktuellen Klimadebatte und mit Blick auf die Zukunft auch angebracht und sicherlich zu begrüßen. Nur gilt es auch hier, dass jetzt allen voran Taten statt Worte entscheidend und wichtig sind. Hier täte sich die Bundesregierung gut darin, ihre Versprechungen und Pläne auch einzuhalten. Bisher kommt aber immerhin mehr und mehr das Gefühl auf, dass wir uns auf einem guten Weg befinden zu scheinen, zumindest wenn es um die Luftfahrt geht. Dennoch gilt natürlich auch hier, dass es immer noch besser sein könnte.







