Die Klimadebatte ist und bleibt das brandaktuellste Thema zurzeit, freilich aus gutem Grund. Momentan trifft das die Luftfahrtindustrie besonders hart, wodurch diese denn auch aktuell enorm im Fokus der Diskussion liegt.

Doch nicht erst seit dem Aufkommen dieser Debatte bemüht sich die Luftfahrt um eine Reduzierung der CO2-Emissionen in Form immer effizienterer und schadstoffarmerer Flugzeuge. So gibt es auch aktuell wieder ein neues beachtenswertes Projekt, an dem sich unter anderem der Flughafen von Stuttgart beteiligen möchte.

Klimaneutrales Fliegen durch synthetischen Treibstoff

Das Pilotprojekt, das unter der Leitung des Verkehrsministeriums von Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit dem Flughafen Stuttgart ins Leben gerufen wurde, sieht es vor, aus durch die Zementindustrie verursachtes CO2, Kerosin herzustellen, um so einen möglichen und wichtigen Schritt in Richtung “klimaneutrales Fliegen” zu gehen. Der Einsatz synthetischer Kraftstoffe, wie es hier auch der Fall wäre, soll zunächst in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden. Bereits im kommenden September soll das Projekt starten und wird mit rund 3,5 Millionen Euro beziffert. Die Chefin des Stuttgarter Airports, Arina Freitag, sieht denn auch alle Voraussetzungen für klimaneutrales Fliegen gegeben, man müssen nur endlich “alle Kraft auf die Herstellung von synthetischen Treibstoffen verwenden.”

condor boeing 757 start

Aus den Co2-Emmissionen der Zementindustrie sollen dabei mithilfe von erneuerbaren Energien klimaneutrale synthetische Kraftstoffe, sogenannte “Refuels”, hergestellt werden. Allein in Baden-Württemberg sollen etwa 44 Prozent der CO2-Emissionen auf die Herstellung von Zement zurückzuführen sein, verteilt auf die sieben Zementfabriken in dem Bundesland, dass das Projekt ins Leben gerufen hat. Neben der Machbarkeitsstudie, soll zunächst nach einem geeignetem Standort in Baden-Württemberg gesucht werden. Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist außerdem die ausschließliche Nutzung erneuerbarer Energien, um die Refuel-Anlagen zu betreiben. Zum Bau dieser Anlagen wurde bereits die Firma Ineratec auserkoren, die sich auf den Bau eben solcher Anlagen spezialisiert hat.

Viele Projekte verfolgen ein Ziel

Neben dem neuen Projekt Baden-Württembergs und des Flughafen Stuttgarts, laufen noch weitere Forschungen in Deutschland, die sich auf alternative Herstellungsprozesse für Flugbenzin fokussiert haben. Die Universität Bremen beispielsweise forscht in Zusammenarbeit mit der Raffinerie Heide aktuell daran, aus aus der Luft gewonnenem CO2 mittels Ökostrom Treibstoff herzustellen. Das regenerative Kerosin soll dabei durch überschüssige Windenergie erzeugt werden. Die Lufthansa hat sich hier auch schon bereit erklärt, den potentiellen Treibstoff zu verwenden.

Des weiteren ist im ebenfalls norddeutschen Stade geplant, bis 2022 eine “Power-to-Liquid”-Anlage zu bauen, die auf nachhaltiger Basis synthetische Kohlenwasserstoffe produzieren kann, mit denen ebenfalls CO2-neutrales Kerosin hergestellt werden soll. Hier sind schon die Technische Universität Hamburg, Airbus, BP, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLRG), Dow und Hoyer Logistik als Partner mit an Bord.

Flughafen München

Die Luftfahrtindustrie tut aktuell vieles, um Forschungen und Projekte für klimaneutrale Kraftstoffe voranzubringen und das auch aus gutem Grund, denn schon ab nächstem Jahr sollen alle 290 Airlines die Mitglied der IATA – dem internationalen Airline-Verband – sind, nur noch CO2-neutral wachsen. Entsprechend steht die Luftfahrt unter enormen Druck, nebst der allgemeinen Klimadiskussion. Bis allerdings synthetisches Kerosin einsatzbereit zur Verfügung steht, müssen die Airlines ihren zusätzlichen CO2-Ausstoß zunächst kompensieren. Darauf haben sich die UN-Staaten für 2020 bereits geeinigt. Ab Mitte der 2030er Jahre soll der CO2-Ausstoß der Airlines und Flugzeuge sogar sinken, das ist ohne synthetische Treibstoffe allerdings nicht möglich.

Fazit zum neuen Pilotprojekt

Der Druck auf die Luftfahrtindustrie wächst und wächst. Dabei verfolgen Flugzeughersteller, Airlines und etliche andere Projekte und Forschungen schon jetzt ambitionierte Ziele, um das Fliegen klimafreundlicher zu gestalten. Auch die stark wachsende Anzahl der Partner solcher Projekte und Vorhaben, sowie das erhöhte Aufkommen solcher Forschungen sind ein gutes Zeichen und könnten schon bald zu den ersten wirklichen Durchbrüchen führen. Damit könnte die Luftfahrt mit Blick auf die aktuelle Klimadiskussion vielleicht sogar einmal Vorreiter und ein gutes Beispiel werden. Wir blicken jedenfalls gespannt gen Zukunft.

Lust auf mehr reisetopia Artikel? Dann folgt uns:

Autor

Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.