Ein großer Profiteur der anhaltenden Klimadebatte dürfte auch die Deutsche Bahn sein, die schon seit geraumer Zeit damit wirbt, besonders umweltfreundlich zu sein.

Um künftig noch mehr vom aktuell stattfindenden Wandel, der sich durch die deutsche Bevölkerung zu ziehen scheint, profitieren zu können und voll und ganz auf das Umwelt-Image zu setzen, plant die Bahn einige große Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots und des eigenen Auftritts.

Die verdrehte Rechnung mit dem Ökostrom

Die erste auffällige Veränderung, die die Deutsche Bahn vornimmt, ist eher kosmetischer Natur und betrifft dabei die ICEs des Konzerns, die allesamt nach und nach einen grünen Anstrich erhalten sollen. Genauer gesagt soll der bis dato markante rote Streifen auf den Schnellzügen auf dem jeweils ersten und letzten Wagen durch einen grünen ersetzt werden. Hinzu kommt die Andeutung eines Steckers, der Teil dieser neuen grünen Streifen werden soll. Ganz unter dem Motto: “Dass Bahnfahren aktiven Klimaschutz bedeutet, erkennt man künftig schon beim Blick auf die Züge”, so der Konzern. Demnach werde die gesamte Strategie der Deutschen Bahn künftig auf das Thema Klimaschutz ausgerichtet sein. Schließlich gilt Zugfahren als die beste Alternative zum Fliegen und überhaupt als die vermeintlich umweltschonendste Art des Reisens.

ICE München

Aber dass es nicht 100 Prozent Ökostrom ist, der durch die Oberleitungen der Trassen fließt, weiß auch die Bahn. Aktuell beträgt der Anteil erneuerbarer Energien hier lediglich 57 Prozent. Nun plant das Unternehmen diesen Anteil jedoch bis auf 80 Prozent im Jahr 2030 zu erhöhen und ab 2050 gar komplett CO2-neutral unterwegs zu sein. Aber warum wirbt die Bahn dann eigentlich mit “100 Prozent Ökostrom”? Der Anteil von 57 Prozent im Fernverkehr wird dabei mit dem Ökostrom-Anteil des Güterverkehrs verrechnet. Das führt zu dem Ergebnis, dass der Kunde das Gefühl hat im Fernverkehr quasi ausschließlich mit erneuerbaren Energien unterwegs zu sein, während der Güterverkehr nur mit fossil hergestelltem Strom – vorwiegend aus Braun- und Steinkohle – unterwegs zu sein scheint.

Kaputter ICE

Das Interessante daran ist, dass jene Emissionen, durch den Bahnverkehr verursacht, offiziell nicht einmal dem Verkehrssektor, sondern dem Energiesektor zugeordnet werden, ganz zum Vorteil der Deutschen Bahn. Das führt denn auch dazu, dass dem CO2-belastenden Teil des Verkehrssektor der Bahn lediglich die dieselbetriebenen Strecken des Bahnnetzes zugeordnet werden. Der Großteil des Schienennetzes ist dabei noch immer nicht elektrifiziert, besonders auf Strecken des Regionalverkehrs. Doch statt betroffene Strecken zu elektrifizieren, möchte die Bahn hier künftig auf alternativ angetriebene Loks und Triebwagen setzen, etwa mithilfe von Hybrid-Technologie, sowie auf batterie- und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge.

Passagierzahlen im Fernverkehr sollen verdoppelt werden

Dabei möchte die Deutsche Bahn nun gänzlich ihren Fokus auf Deutschland richten und legt Pläne zu einer wachsenden Internationalisierung erstmal auf Eis. Und die Bahn hat Großes vor, denn künftig soll die Passagieranzahl im Fernverkehr verdoppelt werden und im Regionalverkehr immerhin noch um 50 Prozent steigen. Um das zu erreichen, möchte der Konzern allen voran in neue Züge und die Infrastruktur investieren. So soll der Zugbestand im Fernverkehr von aktuell 460 auf 600 Züge wachsen. Damit soll dann auch der geplante Halbstunden-Takt zwischen mehr als 30 deutschen Großstädten verwirklicht werden. Schon jetzt sind der Bahn dabei Gelder vom Staat sicher: In den nächsten zehn Jahren sollen gut 86 Milliarden Euro an den Konzern fließen, die jedoch zunächst lediglich zur Sanierung des maroden Schienennetzes gedacht sind.

Fazit zu den Plänen der Deutschen Bahn

Es war eigentlich zu erwarten, dass die Deutsche Bahn voll auf den Klimazug aufspringen und die aktuelle Debattenlage in Deutschland zu ihren Gunsten ausnutzen wird. Und dabei hat der Konzern denn auch Großes vor, neben den grünen Streifen auf ihren ICEs. Um aber wirklich einmal 100 Prozent ökologisch fahren zu können, muss indes noch einiges geschehen. Hier betreibt die Bahn leider ein gewisses Maß an Augenwischerei. Nichtsdestotrotz bleibt der Zug auch weiterhin eine gute Alternative zum Fliegen und wird in Zukunft hoffentlich noch deutlich attraktiver werden.

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Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

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