Für Kopfschütteln bei vielen Reisenden dürfte jüngst die Aussage des Bundesinnenministeriums gesorgt haben. Diese gibt ihnen eine Mitschuld bei langen Warteschlangen. Der Grund: zu viel Handgepäck.

Nun ist es wieder so weit: Chaos an den Flughäfen. Während wir nicht nur aus meteorologischer Sicht den Herbst mit wechselhaftem Wetter eingeläutet haben, ist das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen gestern in die zweiwöchigen Herbstferien gestartet. Sichtbar wurde dies bereits an den großen Drehkreuzen Düsseldorf und Köln. Die Hallen und Warteschlangen sind wieder voll. Während es zuletzt starke Kritik an der Bundespolizei gab, bekommt diese jetzt Rückendeckung von der Bundesregierung, wie airliners.de berichtet.

Passagiere tragen Mitschuld an langen Warteschlangen

Sich den Sommer zurückholen und noch für ein paar Tage die warmen Sonnenstrahlen genießen, bevor zu Hause die Heizung wohl oder übel irgendwann aufgedreht werden muss. Angesichts der unsicheren Zeiten, auf die Deutschland gerade zusteuert und dem harten Winter, der uns bevorsteht, zieht es viele noch einmal in die Sonne. Weg von den Sorgen erhoffen sich viele noch ein paar erholsame Tage während der Herbstferien. Diese sind gestern im größten deutschen Bundesland NRW gestartet und hatten jetzt zum Wochenendstart gut gefüllte Flughäfen zur Folge.

Sicherheitskontrolle Hamburg
Lange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Hamburg

Zugleich ist jetzt wieder die Sorge vor Chaos und langen Warteschlangen an den Sicherheitskontrollen groß. Während die Bundespolizei an den beiden großen Drehkreuzen des Bundeslandes, Düsseldorf und Köln, in Sachen Organisation harte Kritik einstecken musste, bekommt diese nun Unterstützung von der Bundesregierung. Laut einer Aussage des Bundesinnenministeriums tragen die Passagiere nämlich eine „Mitschuld“ am Sommer-Chaos. Grund dafür sei das viele Handgepäck vieler Reisenden. Dies würde die Kontrollen „erheblich verlängern“ und so zu schnell überfüllten Schlangen führen.

Verdi warnt vor Herbst-Chaos

Flug verpasst, durch meterlange Warteschlangen – selbst Schuld sein am Chaos? Die Aussage des Bundesinnenministeriums dürfte jetzt bei vielen Reisenden für Kopfschütteln sorgen. Zumal die Lage in anderen Bereichen der Flughäfen im Sommer kaum besser aussah. In London, Berlin oder auch Hamburg stapelten sich die Koffer. Viele Reisende mussten teils wochenlang auf ihr aufgegebenes Gepäck warten, das meistens Tage für die Registrierung brauchte. Vervollständigt wurde das Chaos durch den Starkregen Ende August in Berlin. Neben vollgelaufenen Kellern roch es bei den gestapelten Koffer zum Teil nach Verwesung – Flüssigkeiten traten aus.

Flughafen Duesseldorf Chaos 3
Wiederholt sich das Chaos im Herbst am Flughafen Düsseldorf?

Wie wird die Lage nun mit dem Start der Herbstferien?

Der Flughafen Düsseldorf rechnet in diesen zwei Wochen mit 1,1 Millionen Passagieren. Alleine dieses Wochenende werden rund 268.000 Passagiere erwartet. Während das Innenministerium die Lage zugleich beschwichtigt und nur von punktuell längeren Wartezeiten spricht, warnt der Verdi Gewerkschaftssekretär Özay Tarim vor einer zweiten Chaos-Welle:

Mit den Herbstferien dürfte das ohnehin schon gravierende Problem noch deutlicher werden. Denn schon seit Monaten sind an den beiden größten Flughäfen Nordein-Westfalens in den Stoßzeiten frühmorgens und nachmittags Wartezeiten sehr lang, weil es beim Check-in und an Sicherheitsschleusen an Personal fehlt.

Özay Tarim, Verdi-Gewerkschaftssekretär

Von der Gewerkschaft wird eine Umstrukturierung gefordert, die auch das Einsetzen staatlicher Firmen für die Sicherheitskontrollen vorsieht sowie bessere Arbeitsbedingungen. Allein am Flughafen Düsseldorf sind die Warteschlangen an normalen Tagen mehrere hundert Meter lang. Betroffen sind vor allem die Stoßzeiten in den frühen Morgenstunden und am Nachmittag. Der Flughafen Düsseldorf sieht sich zwar entsprechend auf den Ferienansturm vorbereitet, schließt längere Wartezeiten aber nicht aus.

Fazit zur „Mitschuld“ der Passagiere am Flughafenchaos

Von den eigenen Problemen ablenken oder die Schuld auf andere schieben? Ein menschliches Verhalten, das vielen bekannt sein dürfte. Dieser Gedanke dürfte auch dem ein oder anderen kommen, wenn der die jüngste Aussage der Bundesregierung zum Flughafen-Chaos liest. Die Ferienzeit in Deutschland hat begonnen und lange Warteschlangen sind wieder vorprogrammiert. Dass diese so lang sind, liegt nach Aussage des Bundesinnenministeriums auch an dem vielen Handgepäck der Passagiere. Diese Ansicht dürfte in den kommenden Wochen sicher noch für Zündstoff sorgen, wenn neben NRW auch weitere Bundesländer in den Ferien gehen.

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Autorin

Seit sie 4 Jahre alt ist, reist Julia um die Welt und besucht gerne exotische Orte und weiße Strände. Am liebsten entspannt sie irgendwo am Strand in der Sonne oder genießt beim Windsurfen die Grenzenlosigkeit des Meeres. Nebenbei studiert sie in Berlin Tourismusmanagement. Bei reisetopia möchte sie ihre Erlebnisse gerne mit Euch teilen!

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  • Aufzugebendes Gepäck kostet eine erhebliche Gebühr, die die Passagiere natürlich zu vermeiden versuchen. Also wird das Handgepäck entsprechend genutzt und die Größen- und Gewichtsvorgaben ausgenutzt. Eine nur logische Folge der Regelung und eine Reaktion auf die kundenunfreundlichen Maßnahmen der Fluggesellschaften.

    Ich hatte früher mein Gepäck immer aufgegeben, jetzt mache ich das nicht mehr. Folge: Ich spare Geld und bin schneller am Gate und auch schneller wieder draußen. Ich habe aber auch weniger Teile dabei. Aber daran habe ich mich gewöhnt.

    Die Kontrollzeit an der Sicherheit hat sich bei mir nicht verlängert. Der Koffer wird durchleuchtet, ich werden gescannt, manchmal wird der Computer extra kontrolliert… So wie auch bei vielen weiteren Menschen, die offenbar häufiger fliegen. Allerdings sind weniger Kontrollstellen geöffnet und Nicht-Vielflieger wissen oft nicht, wie man mit der Kontrolle umgeht… Beides kostet natürlich Zeit.

    Nun den Menschen, die Ihr Reisehab- und Gut ins Handgepäck packen, die Schuld an den langen Warteschlangen zuzuschreiben, ist eine Unverschämtheit und zeugt von Ignoranz und Desinteresse, etwas ändern zu wollen.

    Weniger Handgepäck: -> Fluggesellschaften könnten reagieren (Aufgabegepäck kostenlos)
    Schnellerer Check: -> Flughafenbetreiber könnten mehr Sicherheitspersonal einstellen oder die Regierung erlaubt bundeseigene Sicherheitskräfte.
    Besserer Flow: Passagiere könnten vorsortieren: Computer und Flüssigkeitenbeutel an einen Ort, Hosentaschen leeren, etc. -> Bessere Informationen vor den Kontrollen

    Übrigens: Handgepäck wird durchaus kontrolliert. Das passiert mir immer wieder und wird teilweise rigoros durchgesetzt: 10,5 kg = 500g zu viel, also Koffer aufgeben… etc. Aber das ist ein anderes Thema

  • Wieso “Kopfschütteln”? Was man da in der Kabine als “Handgepäck” sieht …
    Das war auch schon vor der Entbündelung der Tarife so. Heute wird die Auslegung von “Handgepäck” natürlich durch die separate Abrechnung diverser Leistungen noch forciert.

    Ja, wirkliche Kontrollen habe ich kaum gesehen. Da stehen zwar immer diese Textboxen am Gate, in die das “Handgepäck” passen muss, aber in Verwendung habe ich die nie gesehen.

  • In der Tat, es stimmt schon – wenn man sieht, an der Sicherheitskontrolle, was viele dabei haben. Und dann wie lange es im Flugzeug dauert, alles zu verstauen. Bei kleinen Maschinen kommt noch das Warten auf das Ausladen dazu. In der Hinsicht wünsche ich mir „mehr Ryanair“ bei LH et consortes…

  • Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?
    Die Fluggäste, die sich nicht an die Handgepäckregeln der jeweiligen Fluggesellschaft halten oder die Fluggesellschaft, die das Fehlverhalten jahrelang schleifen ließ und jetzt nicht durchsetzt?

    • Wenn es viele Tarife ohne Aufgabegepäck gibt, ist das wohl die logische Entwicklung. Fluggäste deswegen zu beschimpfen, zeigt die eigene Unfähigkeit des Innenministeriums. Großzügigkeit der Fluggesellschaften finde ich sehr OK!
      Wer viel unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass die Durchschleusung von Fluggästen in Deutschland deutlich länger dauert als anderswo, egal ob in der EU oder außerhalb. In Deutschland gibt es ein handfestes Orgaisationsproblem. Singapur schafft etwa die dreifache Kapazität, wobei dort sicher keine Nachlässigkeit unterstellt werden kann.
      Teilweise sind die neuesten Geräte (Nacktscanner) bei uns auch vollkomen schlecht justiert. Ich hatte kürzlich 5 Phantom-Gegenstände am Körper, die alle vergeblich gesucht wurden…

      • Es sind ja nicht nur die Tarife. Selbst wenn man denn dann bereit ist, fuer das Aufgabengepaeck zu bezahlen, hat man ein hohes Risiko, dass das Gepaeck nicht wie gebucht mitkommt. Also doch lieber Handgepaeck nehmen.
        Die nicht/falsch transportierten Koffer haben sich diesen Somme nur so gestapelt.

        Und die Montreal-Konvention zum Thema Entschaedigung bei Gepaeckverlust ist auch nicht der Inflation angepasst worden. Also braucht man auch noch eine Zusatz-Gepaeckversicherung bei Gepaeckaufgabe.

    • Was meinst du mit Fehlverhalten? Wenn ich laut bezahltem (!) Tarif Anspruch auf ein aufgegebenes Gepäckstück, einen kleinen Koffer Handgepäck sowie ein weiteres kleines Handgepäck habe, betrachte ich es nicht als Fehlverhalten das genau so in Anspruch zu nehmen.

      Ich bin gerade in Italien und die Airline hat angeboten den kleinen Koffer einzuchecken, was ich dann auch getan habe, aber alles andere dem Passagier vorzuwerfen geht ja gar nicht.

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