Es klingt wie ein Paradox: Meilen einzulösen ist momentan besonders attraktiv, obwohl die Zuschläge für Einlösungen deutlich gestiegen sind. Wie kann das sein?

Ein jeder globaler Effekt hat seine Folgen und die Reisebranche ist davon oftmals überproportional betroffen. Das zeigt sich beim Konflikt im Mittleren Osten erneut, denn bei Vielfliegerprogrammen kommen durch die Einschränkungen im Luftverkehr mehrere negative Folgen zusammen. Gleichzeitig gibt es aktuell aber einen Effekt, der wahrlich paradox wirkt: Meileneinlösungen sind auf vielen Strecken momentan besonders attraktiv.

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Gestiegene Flugpreise auf weltweiten Flugverbindungen

Durch die Situation im Mittleren Osten ist die Luftfahrt gleich dreifach eingeschränkt: aufgrund von notwendigen Umwegen, höheren Kerosinpreisen und einem eingeschränkten Angebot durch den Wegfall von Kapazitäten der Golfairlines. Das führt weltweit, aber speziell auf Strecken von Europa nach Afrika, Asien und Australien, zu einem massiven Anstieg der Flugpreise.

Wer in den kommenden Wochen und Monaten beispielsweise von Deutschland nach Bangkok fliegen möchte, findet in der Economy Class kaum ein Ticket für weniger als 1.000 Euro für den Hin- und Rückflug. Vermeidet man explizit Flüge mit einem Umstieg in Abu Dhabi, Dubai oder Doha, sind es schnell sogar 1.500 Euro – selbst mit einer gewissen Flexibilität bei den Reisedaten.

Lufthansa Business Class Airbus A380 2 2 2 Konfiguration
Reguläre Tickets in der Business Class sind enorm im Preis gestiegen

Sofern es ein Business Class Ticket sein soll, liegen die Preise noch höher. Bangkok ist dabei mit Hin- und Rückflügen ab etwa 3.000 Euro noch recht günstig, nach Singapur oder Hongkong sind es selbst mit flexiblen Reisedaten oft schon 4.000 Euro oder noch mehr. Ähnlich sieht es auch bei Verbindungen nach Fernost aus.

Nun wurden einem Tickets auf entsprechenden Strecken auch vor der Krise nicht hinterhergeworfen, aber während in der Economy Class immer wieder Preise im Bereich von 500 Euro möglich waren und die Business Class je nach konkreter Verbindung ab 2.000 Euro buchbar war, zahlt man jetzt in vielen Fällen nahezu doppelt so viel.

Gegenwert von Meilen wächst durch den Anstieg der Flugpreise

Man mag dabei argumentieren, dass diese Anstiege Meilentickets in gleichem Maße treffen. Immerhin wurden etwa bei der Lufthansa Group die Treibstoffzuschläge massiv erhöht, sodass Prämientickets jetzt oftmals deutlich teurer sind. Ähnliche Entwicklungen gab es auch bei Cathay Pacific, Air France-KLM und weiteren Airlines.

Cathay Pacific Business Class Boeing 777 300ER Sitz Kopfteil
Bei vielen Airlines sind die Zuschläge für Prämienflüge deutlich gestiegen

Dennoch zeigt sich recht schnell: In den meisten Fällen sind die Anstiege bei den Treibstoffzuschlägen im Bereich von 100 bis 200 Euro pro Richtung deutlich niedriger ausgefallen als die gleichzeitigen Preiserhöhungen für reguläre Tickets – gerade in der Business Class. In einigen Fällen treffen die teureren Flugtickets sogar auf Meilentickets, bei denen sich weder die Werte noch die Zuschläge verändert haben.

Ein anschauliches Beispiel dafür sind Verbindungen von Europa nach Bangkok, auf denen sich aktuell erstaunlich gute Verfügbarkeiten für Business Class Tickets mit Thai Airways im Sommer finden lassen. Bei Miles & More werden hierfür zwar 100.000 Meilen pro Richtung fällig, die Zuschläge halten sich mit knapp 350 Euro allerdings noch in Grenzen.

Thai Airways A350 900 Business Class
Bei Thai Airways gibt es aktuell gute Verfügbarkeiten für Prämienflüge

Für einen Hin- und Rückflug zahlt man so 200.000 Meilen und weniger als 700 Euro an Zuzahlungen. Dasselbe Ticket für einen Direktflug ab München oder Frankfurt kostet dabei an den meisten Daten mindestens 3.500 Euro, womit der Wert pro Miles & More Meile bei deutlich mehr als 1,2 Cent liegt. An vielen Daten oder bei der Buchung von Singapore Airlines Prämienflügen, die sich nur telefonisch buchen lassen, liegt der Gegenwert sogar noch einmal deutlich höher.

Selbst bei den hohen Lufthansa-Zuschlägen können sich Einlösungen lohnen

Doch es bedarf nicht einmal zwingend eines Blicks auf Partnerfluggesellschaften. Selbst bei den enormen Lufthansa Group Zuschlägen, die bei einem Hin- und Rückflug nach Asien mittlerweile bei deutlich über 1.000 Euro liegen, kann sich eine Einlösung aktuell besonders lohnen.

Je nach Abflughafen in Deutschland und Ziel in Asien zahlt man grob zwischen 50.000 und 90.000 Miles & More pro Richtung in der Business Class, ergo zwischen 100.000 und 180.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug. Verfügbarkeiten sind zwar nicht ganz einfach zu finden, aber durchaus vorhanden – besonders für Umsteigeverbindungen via Delhi.

Lufthansa A380 Umruestung 2
Selbst Lufthansa Prämienflüge können sich trotz hoher Zuschläge lohnen

Nach Hongkong oder Singapur fliegt man so im Bestfall für weniger als 150.000 Miles & More Meilen und zahlt eben noch die schmerzhaften Zuschläge von knapp 1.300 Euro. Da dieselben Verbindungen allerdings im Bereich von 4.000 bis 5.000 Euro liegen, ergibt sich ein Meilenwert im Bereich von 1,5 bis 2 Cent. Das ist so attraktiv, dass sich dafür in vielen Fällen sogar der Kauf von Miles & More Meilen lohnt.

Teilweise gibt es sogar Verfügbarkeiten in der First Class, die Hin- und Rückflug nach Asien für 200.000 bis 250.000 Meilen ermöglichen. Die Zuschläge liegen dabei zwar mit etwa 1.500 Euro noch höher, der Gegenwert ist dennoch enorm. Entsprechende Tickets kosten aktuell oft 10.000 Euro und mehr für einen Hin- und Rückflug – so ergibt sich ein nahezu verrückter Meilenwert im Bereich von 4 bis 5 Cent.

Spannende Einlösungen auch bei anderen Vielfliegerprogrammen

Sicherlich sind auch aktuell Einlösungen bei Vielfliegerprogrammen nicht in allen Fällen attraktiv und man zahlt auch fraglos mehr als noch vor zwei Monaten – nur eben nicht ganz so viel mehr wie bei bezahlten Tickets. Wer allerdings besonders sparen möchte, sollte auch einen Blick über Miles & More hinaus werfen.

Wer eine American Express Kreditkarte hat und mit dieser Membership Rewards Punkte sammelt, der kann etwa bei einem Transfer zu Singapore Airlines KrisFlyer hohe Zuschläge generell umgehen. Zwar sind die Meilenwerte für Verbindungen ab Europa nicht gerade niedrig, allerdings kommt man mit etwa 150.000 Amex Punkte für die Business Class hin und zahlt zudem auch weiterhin nahezu gar keine Zuschläge.

SIA A380 New Business Class
Gerade Singapore Airlines Prämienflüge lohnen sich aktuell

Doch auch ein Blick auf andere Programme kann sich trotz vorhandener oder gar gestiegener Zuschläge lohnen. Bei Air France-KLM Flying Blue gibt es aktuell beispielsweise im Rahmen der sogenannten Flying Blue Promo Awards attraktiv bepreiste Prämienflüge nach Nordamerika oder in die Karibik. Zwar sind auch hier die Zuschläge gestiegen, für einen Hin- und Rückflug kommt man aber weiterhin bei weniger als 1.000 Euro raus und zahlt im Bestfall auch weniger als 100.000 Meilen.

So ergibt sich insgesamt ein spannendes Paradox, denn trotz der negativen Entwicklung bei Vielfliegerprogrammen in den vergangenen Wochen sind Meilen im Verhältnis sogar etwas attraktiv geworden. Natürlich gilt das, wie immer, nicht auf allen Routen und an allen Daten. Gerade wer diesen Sommer ohnehin noch eine Langstreckenreise gebucht hat, kann aber dank Meilen zumindest etwas gegenüber regulär gebuchten Tickets sparen!

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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