Bei der Beantragung von Finanzprodukten wie Kreditkarten oder Girokonten ist das Thema Bonität immer wieder wichtig. Neben dem Platzhirschen auf diesem Gebiet, der SCHUFA gibt es aber auch noch einen weiteren Anbieter, Bonify. Dieser hat allen voran den Vorteil, dass man die Prüfung kostenlos und online erledigen kann. Was der Dienst für die Auskunft der Bonität kann und wie verlässlich die Daten sind, zeigen wir Euch in diesem Artikel.

Da es sich um ein kostenloses Angebot handelt, kann man mit der Nutzung prinzipiell erst einmal nichts falsch machen und erhält so einen Überblick über die eigene Bonität. Trotzdem hat Bonify auch seine Nachteile, wie Ihr weiter unten sehen werdet.

Wie funktioniert die Bonitätsprüfung bei Bonify?

Um Eure Bonität zu prüfen, müsst Ihr Euch zuerst bei dem Dienst anmelden. Dazu werdet Ihr zuerst nach persönlichen Daten wie Namen, Adresse und Geburtsdatum gefragt, bevor es dann ans Eingemachte geht. Damit bonify nämlich Eure Bonität überprüfen kann, müsst Ihr Eure Identität bestätigen, was mithilfe des eigenen Online-Banking Zuganges funktioniert. Bei der Anmeldung gebt Ihr also die Zugangsdaten Eures Online-Banking Accounts ein, was für die meisten sicherlich etwas erschreckend sein wird. Allerdings ist dies nötig, da Bonify nur so sicherstellen kann, dass Ihr wirklich diejenige Person seid, für die Ihr Euch ausgebt, ohne andere Identifikationswege, wie etwa PostIdent oder Video-Ident nutzen zu müssen. Nach der Anmeldung findet Ihr Euch auf der Hauptoberfläche von bonify wieder, wo Ihr Euren Bonitätsscore, genau wie Euren aktuellen Kontostand findet.

bonify startseite

Dieser Score liegt zwischen 0 und 1.000, je größer der Score desto besser ist Eure Bonität. Der Service von bonify ist dabei komplett kostenfrei und wird regelmäßig aktualisiert. Neben Eurem Score seht Ihr außerdem eine Übersicht von Daten zu Eurem finanziellen Verhalten. Dies können Eintragungen in positiver als auch negativer Hinsicht sein. Also etwa nicht bediente Zahlungen oder eben auch problemlos abgeschlossene Vertragsbeziehungen, die sich positiv auswirken. Darüber hinaus werden Euch Angebote zu Krediten und Stromverträgen gemacht, die auch der Weg sind, mit dem Bonify Geld verdient.

Woher kommen die Daten bei Bonify?

Vor allem im Vergleich zur Schufa fragt man sich bei einem so einfach und kostenfrei nutzbaren Dienst doch direkt, woher die erhobenen Daten stammen und welchen Wert diese haben. Generell wird mit Bonitätsdaten und finanziellen Informationen nach einem vorgegebenen Muster verfahren. Es gibt sogenannte Wirtschaftsauskunfteien, deren Aufgabe es ist, Wirtschaftsdaten von Verbrauchern zu sammeln und diese dann an ihre Partner weiterzugeben – für ganz unterschiedliche Zwecke. Wichtig zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei diesen Auskunfteien um privatwirtschaftliche Unternehmen handelt, deren Ziel es primär ist, Geld mit Ihrer Dienstleistung zu verdienen.

Bonify Kreditkarte beantragen
Beantragt Ihr eine Kreditkarte, werden Daten über Eure Bonität an den Herausgeber übermittelt

Der Ablauf ist bei der Auskunft relativ einfach. Gesetzlich festgelegt, darf eine bonitätsrelevante Information immer dann an Auskunfteien gemeldet werden, wenn ein berechtigter Grund dafür besteht oder der Verbraucher dem explizit zugestimmt wird. So sammeln die Auskunfteien Daten über jeden einzelnen Verbraucher und ziehen zudem weitere Informationen, wie Eintragungen über Beteiligungen an Unternehmen und weiteres mit heran. Aus allen Informationen werden dann Scores berechnet, die wiederum von Unternehmen angefragt werden können, wenn mit dem jeweiligen Verbraucher ein Vertrag geschlossen wird. Die größte Auskunftei in Deutschland ist die Schufa, die aus diesem Grund auch am meisten Daten über jeden Verbraucher hat. Allerdings ist sie nicht die einzige, denn es gibt noch weitere Unternehmen, die das gleiche Angebot haben. Eines davon ist die Creditreform Boniversum, mit der Bonify zusammenarbeitet. Die Daten über Euch stammen also von einer Auskunftei, die von zahlreichen Unternehmen Informationen über Eure Zahlungen und Vertragsverhältnisse sammelt und diese an Bonify weitergibt. Bonify wiederum zeigt diese Daten dann in Eurem Account an. Im Gegensatz zur Schufa macht Bonify dies kostenfrei und in einer anschaulichen Benutzeroberfläche.

Wie verlässlich sind die Daten von Bonify?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da man nicht einsehen kann, welche Unternehmen wie und in welchem Maße mit welchen Auskunfteien zusammenarbeiten. Wir wissen also nicht, welches Unternehmen Meldungen an die Schufa macht und welches an die Creditreform Boniversum. Meldet das Unternehmen eine Information nur an die Schufa und nicht an den Bonify-Partner fließt diese auch nicht in Euren Score bei Bonify ein, sodass die Daten verfälscht sein können. Andersherum wissen wir aber genau so nicht, welche Unternehmen Daten bei Creditreform Boniversum anfragen, sodass die ganze Sache eher undurchsichtig ist.

Lohnt sich die Nutzung von Bonify und wenn ja wofür?

Generell kann man die Nutzung von Bonify empfehlen und zwar alleine auf Grund der Tatsache, dass Ihr alle Daten dauerhaft kostenfrei erhalten könnt. Bei der Schufa erhaltet Ihr hingegen nur einmal pro Jahr kostenfrei eine Selbstauskunft, die auch noch extrem umständlich per Post angefragt werden muss. Für einen Dienst, der dem von Bonify kostenfrei angeboten wird, bezahlt Ihr bei der Schufa zwischen 3,95 Euro und 6,95 Euro monatlich und müsst dazu noch mit einem wesentlich weniger anschaulichen Produkt leben.

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Man muss natürlich ganz klar anerkennen, dass die Schufa der Marktführer ist und sicherlich auch mit Abstand am meisten Daten hat. Trotzdem kann eine Prüfung der eigenen Bonitätsdaten mit Bonify nicht schaden, schlicht und ergreifend weil der Dienst kostenlos ist. Seid Ihr etwa auf der Suche nach einer neuen Kreditkarte und möchtet wissen, wie gut Eure Chancen für die erfolgreiche Beantragung stehen, kann ein Blick auf die Bonify Daten in jedem Fall nicht schaden. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte aber in jedem Fall die Selbstauskunft der Schufa nutzen.

Bonify im Test – unsere Erfahrungen mit dem Dienst

Natürlich wären wir nur schwer in der Lage uns ein Urteil zu Bonify zu bilden, wenn wir den Dienst nicht selbst getestet hätten. Grundsätzlich muss man sagen, dass die Anmeldung schon einmal sehr einfach und schnell funktioniert. Nach wenigen Minuten fand ich mich bereits im Dashboard wieder, wo ich meine Daten einsehen konnte. Auch das Feature “Finanzielle Gesundheit” empfand ich als hilfreich, hier kann man seinen monatlichen Haushaltsüberschuss sehen und wird auf dieser Basis bewertet.

bonify finanzielle fitness

Mir fiel allerdings auf, dass die Daten, die Bonify über mich hatte, bei Weitem nicht so ausführlich waren, wie die der Schufa. Das gilt vor allem für die Bonität, der Blick aufs Konto entsprach natürlich dem, was ich auch im Online-Banking sehe. Insgesamt spiegelte der Score in etwa das wieder, was auch meine letzte Schufa Selbstauskunft ergeben hatte, dennoch waren die Einträge teilweise unvollständig. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings die gute Benutzeroberfläche und die einfache Bedienung der Webseite, vor allem im Gegensatz zu meineSchufa, dem Angebot der Schufa. Dies habe ich ebenfalls ausprobiert und durfte anschließend erst einmal eine Woche auf die Bestätigung und den Aktivierungscode warten, bevor ich irgendwelche Daten zu Gesicht bekam. Meine Erfahrungen mit Bonify sind daher also generell positiv, wenngleich in die Daten des Dienstes auch nicht allzu viel Vertrauen stecken würde. Für einen Eindruck und vor allem die langfristige Beobachtung der eigenen Bonität ist Bonify sicherlich eine gute Ergänzung, aber bei wichtigen Dingen sollte man auch die Selbstauskunft der Schufa mit zurateziehen.

Fazit zur Bonitätsprüfung mit Bonify

Die Bonität war bis dato immer eine Art Black Box, die man als Verbraucher immer genau einmal im Jahr kostenfrei einsehen konnte. Wenngleich Bonify keine allumfassenden Daten anbietet, ist der Dienst als Ergänzung definitiv einen Blick wert. Wer also hin und wieder seine Finanzdaten einsehen möchte und dabei nicht den doch sehr umständlichen Weg der Schufa nutzen möchte, ist mit Bonify gut bedient.

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Autor

Seit dem ersten Flug in der Business Class ist Jan besessen von Meilen & Punkten. Als Flug- und Reiseverrückter genießt er dabei den Weg ans Ziel mindestens genau so wie die schlussendliche Destination. Auf reisetopia gibt er Euch wichtige Tipps und hält Euch über aktuelle Deals auf dem Laufenden!

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  • Das mit der Schufa ist nicht ganz richtig. Jeder kann einen Zugang zur Meine Schufa beantragen. Das kostet einmalig wenige €. Danach kann jeder online seine Daten und Scoring so oft abfragen wie er will….. kostenlos.

    • Hey,

      also der gesetzliche Schufa-Auszug, den ich auch im Artikel angesprochen habe, ist vom MeineSchufa Zugang klar zu trennen. Den MeineSchufa Zugang gibt es nämlich definitiv nicht umsonst (unabhängig vom kostenfreien Testmonat). Die gesetzliche Auskunft kann man ebenfalls nur einmal pro Jahr kostenlos anfordern.

  • Also Bonify ist wirklich nur eine “Hilfskrücke”. Da lob’ ich mir doch mein MySchufa Login.
    Antwort an Fabian: Mit einem MySchufa Login bekommst Du bei jeder Änderung oder Anfrage eine Info und kannst dann Deine Daten online einsehen. Wie das ohne Login ist weiß ich nicht.

    • Hallo Alfred,

      ja so in etwa wollte ich den Tenor des Artikels auch klingen lassen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist bonify nichts weiter als eine gute Ergänzung zur Schufa-Auskunft. Allerdings sieht man mit dem MeineSchufa Auszug auch nur den Basis Score und die von dir angesprochenen Änderungen, nicht aber die einzelnen Scores, die es bei der gesetzlichen Auskunft gibt. Möchte man alle Daten haben, muss man das große Paket buchen, was durchaus anspruchsvoll bepreist ist.

  • Schönes Review!
    Aber ist es inzwischen dank der DSGVO so, dass man bei jeder (vermuteten) Datenänderung eine neue und vollständige Auskunft von der SCHUFA erhält?

    • Hallo Fabian, darüber ist uns bislang nichts bekannt. Wir behalten die Situation rund um Schufa, Bonität, Kreditkarten etc. immer im Blick und werden uns auf jeden Fall noch einmal im Detail damit auseinandersetzen, ob Verbraucher durch die DSGVO neue Möglichkeiten in Hinsicht auf die Schufa haben. In jedem Fall vielen Dank für den Hinweis!

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