Seit dem 17. März 2026 rechnet die SCHUFA nach einem völlig neuen Modell – und zum ersten Mal kann jeder nachvollziehen, wie die eigene Bonität zustande kommt. Ich habe mir den neuen kostenlosen Online-Service angesehen, mich identifiziert und meinen Score aufgeschlüsselt. Was Kreditkarten und der SCHUFA Score wirklich miteinander zu tun haben, lässt sich damit erstmals mit Zahlen statt mit Vermutungen beantworten.

Bis März 2026 war die Berechnung ein Betriebsgeheimnis: Es gab einen Basisscore in Prozent, sechs Branchenscores und über 100 Kriterien, die niemand einsehen konnte. Genau deshalb stand in der ersten Fassung dieses Erfahrungsberichts der Satz, dass die Wirkung von Kreditkartenanträgen letztlich niemand genau kenne. Dieser Satz ist überholt. Der neue Score hat eine Skala von 100 bis 999 Punkten, besteht aus zwölf offengelegten Kriterien mit veröffentlichten Punktwerten – und die Punkte der einzelnen Kriterien summieren sich exakt auf 999.

Ich zeige Euch im Folgenden meinen eigenen Score, jedes einzelne Kriterium mit meinen echten Punktwerten und die drei Gründe, warum ich nicht in der Bestklasse lande. Vorweg: Der wichtigste Hebel ist nicht die Anzahl der Kreditkarten, sondern das Timing der Anträge. Diesen Erfahrungsbericht aktualisieren wir laufend – zuletzt im August 2026.

reisetopia Tipp: Mehrere Kreditkarten- oder Kontoanträge innerhalb von 28 Tagen zählt die SCHUFA nur einmal. Wer also ohnehin zwei oder drei Karten beantragen möchte, sollte das gebündelt in vier Wochen tun statt über das Jahr verteilt.

Wie komme ich an meinen kostenlosen SCHUFA-Score?

Die SCHUFA stellt den neuen Score seit der Umstellung kostenlos in einem Online-Account bereit. Die Registrierung selbst ist unkompliziert – der Einstieg dafür umso besser versteckt. Auf schufa.de führen die prominenten Buttons zu den kostenpflichtigen Produkten. Zum kostenlosen Service kommt Ihr nur, wenn Ihr auf der Startseite ganz nach unten scrollt und dort den Punkt zum neuen SCHUFA-Score anklickt. Erst dahinter liegt die Anmeldung für den kostenfreien Zugang.

SCHUFA Registrierung fuer den kostenlosen Account
Der Einstieg in den kostenlosen SCHUFA-Account liegt ganz unten auf der Startseite

Nach der Registrierung mit E-Mail-Adresse und Passwort steht der Account zunächst bei 50 Prozent: Angaben zur Person und die Verifizierung der Identität fehlen noch. Ohne diesen zweiten Schritt seht Ihr weder Score noch gespeicherte Daten – der Account ist bis dahin eine leere Hülle.

SCHUFA Account Profil Status vor der Identifizierung
Ohne abgeschlossene Identifizierung bleibt der Account bei 50 Prozent stehen

Für die Identifizierung gibt es zwei Wege: den Online-Ausweis (eID) mit der AusweisApp oder den klassischen Postweg. Ich habe mich für den Brief entschieden, weil die eID einen freigeschalteten Personalausweis samt PIN voraussetzt, die viele nie aktiviert haben. Die SCHUFA kündigt für den Postweg drei bis fünf Werktage an – bei mir lag der PIN-Brief nach vier Werktagen im Kasten. Das deckt sich also mit der Ansage.

SCHUFA postalische Identifizierung mit PIN Brief
Die SCHUFA nennt drei bis fünf Werktage für den PIN-Brief, bei mir waren es vier

Die zwölfstellige PIN aus dem Brief wird im Account eingegeben, und damit ist die Identifizierung abgeschlossen. Auf ein Freischalt-Fenster musste ich nicht warten: Score und gespeicherte Einträge waren unmittelbar nach der Eingabe sichtbar.

SCHUFA Identifizierung erfolgreich abgeschlossen
Nach Eingabe der zwölfstelligen PIN ist die Identifizierung sofort abgeschlossen

Wer den Weg über den Personalausweis geht, spart die Wartezeit komplett und sieht den Score sofort. Wer wie ich den Brief wählt, sollte gut eine Woche einplanen – ein Argument dafür, den Account nicht erst dann anzulegen, wenn eine Finanzierung schon ansteht.

Wie hoch ist mein SCHUFA-Score?

Mein Score liegt bei 724 von 999 Punkten und damit in der Klasse „Gut”. Die SCHUFA aktualisiert den Wert alle drei Monate. Daneben stehen die gespeicherten Einträge: sieben Anfragen, elf Vertragsdaten und – das ist der entscheidende Punkt – null Zahlungsstörungen.

Mein SCHUFA Score im Dashboard
Mein SCHUFA-Score liegt bei 724 von 999 Punkten und damit in der Klasse Gut

Der Blick auf die Score-Klassen ordnet das ein. „Gut” reicht von 709 bis 775 Punkten, darüber liegt nur noch „Hervorragend” ab 776 Punkten. Laut SCHUFA befinden sich rund 20 Prozent aller Personen in meiner Klasse. Wichtig für die Einordnung: Die SCHUFA schreibt selbst, dass Personen in dieser Klasse „gute Chancen” auf einen Bankkredit haben und dass Banken ohnehin weitere Faktoren wie das frei verfügbare Haushaltseinkommen heranziehen.

SCHUFA Score Klassen Uebersicht
Die Klasse Gut reicht von 709 bis 775 Punkten, darüber liegt nur noch Hervorragend

Zur Einordnung meiner Historie: Ich habe 2014 als Student mit meiner ersten Kreditkarte angefangen und seitdem durchgehend mehrere Karten parallel geführt, ohne je eine zu kündigen. Über die Jahre kamen unter anderem die American Express Gold Card, die Hilton Kreditkarte, die Miles & More Kreditkarte Gold und die American Express Platinum Card hinzu. Sämtliche Rechnungen wurden immer pünktlich beglichen. Mit diesem Score hatte ich bislang bei keinem einzigen Finanzprodukt Probleme – weder bei Kreditkarten noch bei Konten oder Mobilfunkverträgen.

Trotzdem bin ich nicht in der Bestklasse. Das liegt an drei Dingen, die sich sauber beziffern lassen: drei Kreditkartenanträge außerhalb des 28-Tage-Fensters in den vergangenen zwölf Monaten, das Fehlen eines Immobilienkredits und ein Umzug innerhalb der letzten drei Jahre.

Wie viele Kreditkarten sind schlecht für die SCHUFA?

Das ist die Frage, die uns zu diesem Thema am häufigsten erreicht – und der neue Score beantwortet sie erstmals exakt. Entscheidend ist nicht, wie viele Karten Ihr besitzt, sondern wie viele Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten zusammenkommen. Dieses Kriterium ist mit bis zu 117 Punkten das zweitgrößte des gesamten Modells, und die Staffelung ist brutal: keine Anfrage bringt 117 Punkte, eine Anfrage 82 Punkte, zwei Anfragen 44 Punkte – und ab drei Anfragen fallen die Punkte auf null.

SCHUFA Kriterium Anfragen fuer Girokonto und Kreditkarte
Ab drei Anfragen und Abschlüssen in zwölf Monaten fallen die Punkte auf null

Genau hier verliere ich meine Punkte. Ich stehe bei „drei oder mehr Anfragen/Abschlüsse” und bekomme damit null statt 117 Punkte. Das ist mit Abstand mein größter Einzelverlust – und es ist der einzige Posten in meiner Auswertung, den ich durch besseres Timing komplett hätte vermeiden können. Dauerhaft geführte Kreditkarten schaden also nicht, egal wie viele es sind; drei Anträge in zwölf Monaten schon.

Achtung: Das Kriterium zählt Anfragen und Abschlüsse. Ein einziger Kartenantrag kann also zwei Einträge erzeugen – die Bonitätsprüfung beim Antrag und den Vertrag nach der Zusage. Beide fallen aber in dasselbe 28-Tage-Fenster und werden dadurch nur einmal gewertet.

Was bedeutet die 28-Tage-Regel bei Kreditkartenanträgen?

Die 28-Tage-Regel ist aus meiner Sicht die wichtigste Einzelinformation des neuen Scores – und sie steht in keiner Werbebroschüre. Die SCHUFA formuliert sie so: Mehrere Anfragen innerhalb von 28 Tagen werden nur einmal gezählt, und die 28 Tage starten, sobald die erste Anfrage bei der SCHUFA eingegangen ist. Es ist also ein rollierendes Fenster ab der ersten Anfrage, kein Kalendermonat.

Genauso wichtig ist, wie weit dieses Kriterium reicht. Vollständig heißt es „Anzahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten” – Kartenanträge und Kontoeröffnungen landen also im selben Topf und teilen sich dieselben 117 Punkte. Ein neues Girokonto, erst recht eines mit eingeräumtem Dispo, wiegt hier genauso schwer wie eine Kartenanfrage. Wer im selben Jahr ein Konto eröffnet und zwei Karten beantragt, steht damit schon bei drei gewerteten Vorgängen und null Punkten – ohne je einen Kredit aufgenommen zu haben.

In meinem eigenen Datensatz kann man das direkt nachvollziehen. Die SCHUFA gruppiert die Einträge sichtbar in Kästen und schreibt über jeden Kasten „Anfragen/Abschlüsse innerhalb von 28 Tagen werden einmal gezählt”. Aus meinen sechs Kreditkarten-Einträgen der vergangenen zwölf Monate werden dadurch drei gewertete Vorgänge.

SCHUFA Kreditkartenanfragen in 28 Tage Gruppen
Die SCHUFA gruppiert meine Kreditkarten-Einträge sichtbar in 28-Tage-Fenster

Am klarsten sieht man den Effekt beim Dezember-Vorgang: Die Bonitätsprüfung vom 2. Dezember 2025 und der Kartenabschluss vom 19. Dezember 2025 liegen 17 Tage auseinander und werden als ein einziger Vorgang gewertet – zwei Einträge, eine Wertung. Im zweiten Kasten fasst die SCHUFA sogar drei Einträge zusammen. Nur die Anfrage vom 30. Juli 2026 steht allein. Hätte ich dagegen alle Kartenanträge in einen einzigen Vierwochenzeitraum gelegt, stünde bei mir eine einzige gewertete Anfrage – und damit 82 statt null Punkte.

reisetopia Tipp: Wer sich für mehrere Karten interessiert, sollte die Anträge bewusst planen statt sie über das Jahr zu streuen: erst alle Karten auswählen, dann innerhalb von vier Wochen beantragen. Der Unterschied zwischen drei gestreuten und drei gebündelten Anträgen beträgt im neuen Score bis zu 82 Punkte.

Ein Nebeneffekt ist genauso praktisch: Wer Konditionen vergleicht und anschließend ein neues Girokonto samt Kreditkarte eröffnet, wird dafür nicht mehrfach abgestraft – Vergleich, Kontoeröffnung und Kartenausgabe fallen in dasselbe Fenster. Die Bündelung ist ohnehin nicht auf Kreditkarten gemünzt: Die SCHUFA beschreibt sie allgemein für Anfragen, weshalb auch Kreditanfragen davon profitieren, wenn sie eng beieinanderliegen. Wer eine Finanzierung plant und dafür mehrere Angebote einholt, sollte diese Anfragen deshalb ebenfalls in wenige Wochen legen, statt sie über Monate zu strecken.

Warum ist die erste Kreditkarte so wertvoll?

Das Alter der ältesten Kreditkarte ist ein eigenes Kriterium mit bis zu 81 Punkten – und die Staffelung enthält eine Pointe, die kaum jemand kennt. Eine Kreditkarte, die jünger als sechs Monate ist, bringt null Punkte. Gar keine Kreditkarte zu besitzen, bringt dagegen 24 Punkte. Die allererste Karte verschlechtert den Score in den ersten sechs Monaten also messbar, bevor sie ihn verbessert.

SCHUFA Kriterium Alter der aeltesten Kreditkarte
Eine Kreditkarte unter sechs Monaten bringt weniger Punkte als gar keine Karte

Danach steigt die Kurve stetig: ab sechs Monaten 14 Punkte, ab einem Jahr 23 Punkte, ab zwei Jahren 32, ab drei Jahren 41, ab vier Jahren 52, ab fünf Jahren 59, ab zehn Jahren 74 und ab 15 Jahren die vollen 81 Punkte. Ich stehe bei 74 Punkten, weil meine älteste gemeldete Kreditkarte älter als zehn Jahre ist. Spätestens mit dem 15. Jahr erreiche ich allein durch Nichtstun die Höchstpunktzahl.

Daraus folgt die vielleicht wichtigste Regel überhaupt: Die erste Kreditkarte kündigt man nicht. Wer seine älteste Karte auflöst, verliert das gesamte aufgebaute Vertragsalter – und zwar sofort, denn ein störungsfrei beendeter Kreditkartenvertrag wird zeitnah nach der Meldung des Vertragsendes gelöscht. Die verbreitete Annahme, Einträge blieben noch drei Jahre erhalten, gilt nur für Einträge mit Zahlungsstörung. Wer eine Jahresgebühr sparen will, sollte deshalb ein Downgrade auf eine gebührenfreie Karte desselben Herausgebers prüfen, statt zu kündigen: Der Vertrag – und damit das Alter – bleibt in vielen Fällen bestehen.

Achtung: Nur eine echte Kreditkarte mit Kreditrahmen baut dieses Vertragsalter auf. Debit- und Prepaid-Karten zählen für dieses Kriterium nicht – wer jahrelang ausschließlich eine Debitkarte nutzt, sammelt hier keinen einzigen Punkt.

Welche Kriterien haben mir sonst Punkte gebracht oder gekostet?

Der mit Abstand größte Block ist das Zahlungsverhalten. Wer keine Zahlungsstörung hat, bekommt 264 Punkte – mehr als ein Viertel der gesamten Skala und deutlich mehr als jedes andere Kriterium. Selbst eine bereits erledigte Zahlungsstörung bringt nur 100 Punkte, nach einem Jahr 135 und nach zwei Jahren 152 Punkte. Keine noch so clevere Kartenstrategie kompensiert eine einzige offene Rechnung.

SCHUFA Kriterium keine Zahlungsstoerung
Keine Zahlungsstörung ist mit 264 Punkten das mit Abstand größte Kriterium

Ein zweites Kriterium wird gerne übersehen: Anfragen außerhalb des Bankenbereichs. Dazu zählen Bonitätsprüfungen aus Onlinehandel, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen – also Ratenkäufe, Kauf auf Rechnung oder ein neuer Mobilfunkvertrag. Keine oder eine Anfrage bringt 99 Punkte, zwei Anfragen 71, drei Anfragen 40 und mehr als drei Anfragen null Punkte. Hier stehe ich bei den vollen 99 Punkten.

SCHUFA Kriterium Anfragen ausserhalb des Bankenbereichs
Auch Ratenkäufe und Mobilfunkverträge zählen, hier stehe ich bei den vollen 99 Punkten

Bei den Ratenkrediten profitiere ich davon, gar keinen zu haben: 66 Punkte für keinen neu aufgenommenen Ratenkredit in zwölf Monaten und 61 Punkte dafür, dass keine lange Restlaufzeit offen ist. Wichtig zu wissen ist hier zweierlei – Restlaufzeiten bis zu drei Jahren wirken sich überhaupt nicht negativ aus, und Immobilienkredite fließen in dieses Kriterium ausdrücklich nicht ein.

SCHUFA Kriterium aufgenommene Ratenkredite
Ohne neuen Ratenkredit in zwölf Monaten gibt es die vollen 66 Punkte

Der Immobilienkredit ist stattdessen ein eigenes Kriterium – und dort verliere ich Punkte. Wer einen Immobilienkredit abzahlt oder für den Immobilienkredit einer anderen Person bürgt, erhält 55 Punkte; wer keinen hat, bekommt null. Die SCHUFA begründet das damit, dass Immobilienkredite an eine besonders ausführliche Kreditwürdigkeitsprüfung und eine stabile finanzielle Situation geknüpft sind. Als Mieter ohne Immobilienfinanzierung ist dieses Kriterium schlicht nicht erreichbar.

Der dritte Grund für meinen Abstand zur Bestklasse ist mein Umzug: Das Alter der aktuellen Adresse ist mit bis zu 94 Punkten das viertgrößte Kriterium des Modells. Unter sieben Monaten an einer Adresse gibt es null Punkte, ab sieben Monaten sechs Punkte, ab einem Jahr 17 Punkte – und von dort steigt die Skala jährlich weiter bis auf 63 Punkte ab zehn Jahren, 75 Punkte ab 15 Jahren und 94 Punkte ab 20 Jahren. Wer wie ich innerhalb der letzten drei Jahre umgezogen ist, liegt zwangsläufig weit unter dem Maximum.

Wie setzt sich mein SCHUFA-Score konkret zusammen?

Die folgende Übersicht zeigt die Kriterien, die ich in meinem Account im Detail einsehen konnte, mit meinen tatsächlichen Punktwerten und der jeweils erreichbaren Höchstpunktzahl – Stand meiner Score-Ermittlung im August 2026:

KriteriumMeine PunkteMaximum
Keine Zahlungsstörung264264
Anfragen & Abschlüsse Girokonto/Kreditkarte (12 Monate)0117
Anfragen außerhalb des Bankenbereichs (12 Monate)9999
Alter der ältesten Kreditkarte7481
Aufgenommene Ratenkredite (12 Monate)6666
Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite6161
Immobilienkredit055

Die verbleibende Differenz zu meinen 724 Punkten entfällt auf die Kriterien, die ich hier nicht einzeln aufgeschlüsselt habe: das Alter des ältesten Bankvertrags (bis 69 Punkte), das Alter meiner aktuellen Adresse (bis 94 Punkte), das Alter des jüngsten Rahmenkredits (bis 36 Punkte), den Kreditstatus (bis 19 Punkte) und die Identitätsprüfung (38 Punkte). Zusammen ergeben alle zwölf Kriterien exakt 999 Punkte – wer mag, kann seinen eigenen Score damit nachrechnen.

Bei der SCHUFA gespeicherte Vertragsdaten
In den Vertragsdaten steht jeder gemeldete Kartenvertrag einzeln mit Herausgeber

Aufschlussreich ist auch die Liste der gespeicherten Vertragsdaten. Dort taucht jeder Kreditkartenvertrag einzeln auf, dazu Girokonten und der Herausgeber im Klartext. Ein Blick darauf lohnt sich unabhängig vom Score: Fehlerhafte oder längst gekündigte Verträge fallen hier sofort auf und lassen sich korrigieren.

Was heißt das für Eure Kreditkarten-Strategie?

Aus meinem eigenen Score lassen sich einige Regeln ableiten, die deutlich konkreter sind als alles, was vor der Reform möglich war. Die folgenden Punkte sind das, was ich heute anders machen würde:

  1. Anträge in 28 Tagen bündeln. Erst alle gewünschten Karten und Konten auswählen, dann innerhalb von vier Wochen beantragen – das gilt für Kreditkarten, Girokonten samt Dispo und Kreditanfragen gleichermaßen. Das Fenster startet mit der ersten Anfrage bei der SCHUFA, nicht am Monatsersten.
  2. Vor einer Finanzierung zwölf Monate Ruhe geben. Das Anfragen-Kriterium schaut exakt zwölf Monate zurück. Wer vor einem Immobilien- oder Autokredit ein Jahr lang keine neue Karte und kein neues Konto mit Dispo eröffnet, holt sich bis zu 117 Punkte zurück.
  3. Die erste Karte niemals kündigen. Bei Gebührenärger ein Downgrade beim selben Herausgeber prüfen – das erhält in vielen Fällen den Vertrag und damit das Alter. Eine Kündigung löscht das Vertragsalter dagegen zeitnah.
  4. Früh anfangen, aber nicht kurz vor knapp. Eine Kreditkarte unter sechs Monaten bringt null Punkte, gar keine Karte 24 Punkte. Die erste Karte lohnt sich also – nur nicht acht Wochen vor dem Kreditantrag.
  5. Auch Ratenkäufe und Mobilfunkverträge zählen. Bonitätsanfragen außerhalb des Bankenbereichs sind ein eigenes Kriterium mit bis zu 99 Punkten. Drei Ratenkäufe im Jahr kosten dort bereits 59 Punkte.
  6. Umzug und Kreditantrag nicht zusammenlegen. Die Adresse ist mit bis zu 94 Punkten eines der schwersten Kriterien, und direkt nach einem Umzug steht sie bei null.
  7. Auf echte Kreditkarten achten. Nur Karten mit Kreditrahmen bauen das Kriterium „Alter der ältesten Kreditkarte” auf. Debit- und Prepaid-Karten bringen dort nichts.

Was in dieser Liste bewusst fehlt: der Rat, weniger Kreditkarten zu besitzen. Der neue Score bestraft die dauerhafte Zahl der Karten an keiner Stelle – im Gegenteil, eine alte Karte ist einer der wenigen Posten, der über die Jahre von allein wächst. Bestraft wird ausschließlich die Häufung von Anträgen in einem kurzen Zeitraum.

Für die Umsetzung heißt das vor allem: nicht einzeln entscheiden, sondern als Paket. Wer seine Kartenstrategie ohnehin überarbeiten will, sammelt erst alle Kandidaten und legt dann sämtliche Anträge in ein einziges Vierwochenfenster – darin sind bis zu drei Karten möglich, ohne dass der Score sie härter bewertet als einen einzigen Antrag. Der einzige Zeitpunkt, den ich dafür meiden würde, ist die Phase direkt nach einem Umzug: Das Alter der aktuellen Adresse ist mit bis zu 94 Punkten eines der schwersten Kriterien und steht in den ersten Monaten bei null. Wer beides zusammenlegt, verliert an zwei Stellen gleichzeitig.

Bewährt hat sich dabei eine Mischung aus einer Premiumkarte und einer gebührenfreien Dauerkarte. Die Premiumkarte liefert den eigentlichen Gegenwert – je nach Reiseverhalten etwa die Miles & More Kreditkarte Gold für Meilensammler oder die American Express Platinum Card für alles rund um Lounges und Reiseguthaben. Dazu eine gebührenfreie Karte, die dauerhaft im Portfolio bleiben kann, über die Jahre Vertragsalter aufbaut und die Akzeptanzlücke von American Express schließt: Dafür kommen die easybank Visa oder die Hanseatic Bank GenialCard in Frage. Die vier Karten im direkten Vergleich:

Miles & More Mastercard Gold

  • 4.000 Meilen + 40 Points + 100 € Gutschein bei Erstantrag 
  • Meilen sammeln auf alle Kartenumsätze
  • Schutz vor Meilenverfall
  • Reise-Versicherungspaket inklusive
  • Kostenlose Partnerkarte möglich
  • Monatsgebühr: 11,50 Euro

American Express Platinum Card

  • Aktion: Bis zu 85.000 Punkte Bonus
  • 150 Euro Restaurantguthaben
  • 200 Euro Reiseguthaben
  • 200 Euro SIXT Ride Guthaben
  • Kostenloser Lounge-Zugang mit Gast
  • Bestes Versicherungspaket in Deutschland

easybank Visa

  • Aktion: 60 Euro Startguthaben
  • Kostenlose Kreditkarte
  • Kostenlose Bargeldabhebungen weltweit
  • Kostenlose Zahlungen weltweit
  • Kostenloser Kredit bis zu 2 Monate

Hanseatic Bank GenialCard

  • 0 Euro Jahresgebühr
  • Weltweit gebührenfrei bezahlen*
  • Gebührenfrei Bargeld abheben im Ausland**
  • Rückzahlung in kleinen, flexiblen Raten
  • Empfohlen von Stiftung Warentest (04/2026)

Wer die Auswahl erst noch treffen will, sollte das vor dem ersten Antrag tun – sobald die erste Anfrage bei der SCHUFA eingeht, läuft das 28-Tage-Fenster bereits. Einen Überblick über die aktuellen Konditionen gibt unser Kreditkartenvergleich, für die gebührenfreie Zweitkarte lohnt zusätzlich die Übersicht der kostenlosen Kreditkarten. Steht ohnehin ein Kontowechsel an, gehört er wegen des gemeinsamen Kriteriums in dasselbe Fenster – die Kandidaten dafür stehen im Girokonto-Vergleich.

Fazit zu Kreditkarten und dem SCHUFA Score

Der neue SCHUFA-Score hat die Diskussion um Kreditkarten und Bonität von Spekulation auf Zahlen umgestellt – und das Ergebnis fällt für Kreditkarten-Fans überraschend freundlich aus. Meine 724 Punkte sind trotz zahlreicher parallel geführter Kartenverträge ein guter Wert, und die Karten selbst sind nicht das Problem. Was mich Punkte kostet, sind drei über das Jahr verteilte Anträge, ein fehlender Immobilienkredit und ein Umzug – wovon ich genau einen Posten hätte steuern können.

Die Konsequenz ist deshalb nicht, auf Karten zu verzichten, sondern die Anträge zu planen: bündeln statt streuen, die älteste Karte behalten und vor einer größeren Finanzierung ein ruhiges Jahr einlegen. Wer das beherzigt, kann das Kreditkartenspiel weiterspielen, ohne sich die Bonität zu verderben. Und weil der Score jetzt offenliegt, lohnt sich der kostenlose Account auch dann, wenn gerade nichts ansteht – allein, um die gespeicherten Vertragsdaten einmal auf Fehler zu prüfen.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Ich selbst bin bei 868 Punkten und könnte eigentlich nur besser werden wenn ich einen Kredit aufnehme und den zurückzahle – egal ob ich den brauche oder nicht. Irgendwie widersinnig, oder?

    • Nein. Aktuell weiß ein Gläubiger nicht, ob du einen Kredit zurückzahlen würdest. Mit einem Vermerk für einen bedienten Kredit wüsste ein Gläubiger: “Aha, der Schuldner hat schon einmal seine Schulden bedient. Man kann daher vermuten, dass er das wohl auch wieder tun wird.” Kreditkarten und Kredite (sofern stets ausgeglichen und bedient) sind nämlich Bonitätsmerkmale!

  • “Die SCHUFA aktualisiert den Wert alle drei Monate”. Diese Aussage trifft nur auf die kostenlose Zugangsvariante zu. Der Score berechnet/verändert sich mit jeder neuen Bewegung.

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