Die EU-Kommission hat mit dem Emirat Katar eine Einigung im Luftverkehr erzielt: Das Abkommen erlaubt es Qatar Airways künftig zwischen der katarischen Hauptstadt Doha und allen Städten innerhalb der Europäischen Union uneingeschränkt Flüge anbieten zu zu dürfen. Eine ähnliche Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und der EU war kurz zuvor bereits gescheitert.

Dadurch liegt eine gewisse Brisanz in dem Abkommen, da die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar weiterhin im Clinch liegen. Der neue Vertrag mit Doha betrifft vor allem Flüge von und nach Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden. Mit den anderen Mitgliedsstaaten der EU unterhält Katar bereits eine ähnliche Vereinbarung, die jetzige geht allerdings nochmal einen Schritt weiter und ermöglicht für Qatar Airways viele neue Routen.

Was besagt das neue Abkommen zwischen der EU und Katar?

Der neue Vertrag zwischen der Europäischen Union und Katar sieht es vor, dass Fluglinien aus dem kleinen Emirat künftig uneingeschränkt zwischen der EU und Doha umherfliegen, beziehungsweise europäische Städte direkt anfliegen dürfen. Durch das neuerliche Abkommen sind nun auch Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande mit eingeschlossen. Natürlich gilt die Regelung auch umgekehrt, wobei es unwahrscheinlich erscheint, dass europäische Airlines durch das neue Abkommen weitere Verbindungen nach Doha aufnehmen werden.

Qatar Airways A350

Allerdings geht die aktuelle Vereinbarung, die neuen Länder betreffend, sogar über den alten Vertrag hinaus: Umfasste der vorherige Vertrag lediglich die Beförderung von Passagieren, bezieht sich der Neue für Deutschland und die drei anderen Staaten auch auf Frachtflüge, sodass diese Flüge zukünftig auf dem Weg in einen Drittstaat in der EU zwischenlanden dürfen. Die EU-Kommission muss in den nächsten Wochen das neue Abkommen nur noch dem EU-Rat vorlegen. Allerdings gilt dies lediglich als Formalität, da man den Vertrag keinesfalls in Gefahr sehe. Man erhoffe sich durch die Vereinbarung neue Jobs, mehr Geschäftsmöglichkeiten und bessere Preise für die Passagiere, so die Kommission.

Welche Folgen könnte das neue Abkommen haben?

Das neue Abkommen zwischen der Europäischen Union und Katar dürfte den meisten europäischen Airlines nicht gefallen, denn Qatar Airways erhält damit erstmals uneingeschränkten Marktzugang in der Europäischen Union. Das heißt konkret: Qatar Airways kann beliebig viele Verbindungen zu beliebig vielen Städten in der Europäischen Union anbieten. In Deutschland durfte Qatar Airways zuvor beispielsweise nur eine bestimmte Anzahl an Verbindungen anbieten und fliegt daher aktuell nur nach Berlin, Frankfurt und München. Zukünftig darf Qatar Airways auch weitere Verbindungen anbieten, wobei die Airline wohl besonders Frankfurt und Hamburg im Fokus hat.

Beide Flughäfen könnten also noch in diesem Jahr eine neue Strecke ankündigen können, denn Qatar Airways sieht in den beiden großen Märkten viel Potenzial. In beiden Städten ist auch Konkurrent Emirates bereits vertreten, Etihad Airways fliegt nur nach Düsseldorf. Alle drei Airlines fliegen darüber hinaus auch nach Frankfurt und München. Qatar Airways könnte in Zukunft theoretisch aber zum Beispiel auch nach Stuttgart fliegen, wobei die Airline wohl auch schon mit fünf Destinationen einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz aus den VAE haben. Passagiere in Düsseldorf und Hamburg dürfen sich mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald über mehr Verbindungen und vermutlich auch bessere Preise in Richtung Asien und Australien freuen.

Ebenfalls interessant wird darüber hinaus, ob Qatar Airways möglicherweise weitere neue Verbindungen aufnimmt, wenn der Airbus A321neo bzw. der Airbus A321LR zur Flotte hinzukommt. Beide Flugzeuge könnten auch die meisten Ziele in Europa erreichen, wodurch kleinere Städte in Deutschland wie Stuttgart oder Dresden zu einer Option werden könnten. Auch andere Sekundärmärkte in Europa könnten für Qatar Airways dadurch interessant werden. Schon in den nächsten Monaten wird man sich allerdings wohl darauf einstellen können, dass Qatar Airways neue Ziele in Deutschland, Frankreich und möglicherweise auch anderen EU-Staaten ankündigen wird.

Warum gibt es kein neues Abkommen mit den VAE?

Der neue Vertrag zwischen der EU und Katar birgt auch eine gewissen Brisanz: Kurz zuvor brachen nämlich die weiterhin mit Katar zerstrittenen Vereinigten Arabischen Emirate Verhandlungen mit der EU-Kommission über einen ähnliches Abkommen ab und das in recht harscher Weise. In einem Brief des Wirtschaftsministers Sultan bin Saeed al Mansoori der VAEs, erklärte dieser, dass man zwar sehr an einem Vertrag mit der Europäischen Union interessiert sei, allerdings der Entwurf der Europäer weit entfernt der eigenen Vorstellungen liege und hatte deshalb weitere Gespräche für sinnlos erklärt.

Emirates Airbus A380

Dabei wären die VAE im Vergleich zu Katar – und einem weitaus größerem Passagieraufkommen – der deutlich lukrativere Partner gewesen. Allerdings haben die Vereinigten Arabischen Emirate wohl deutlich mehr Freiheiten gefordert, als das verfeindete Katar und somit den Kürzeren gezogen. Brisant ist der Vertrag mit Doha auch aus einer anderen politischen Sicht: Seit geraumer Zeit übt Europa große Kritik an Katar wegen der dortigen Menschenrechtssituation. Der neue Vertrag enthalte zwar einen entsprechenden Passus zum Thema, allerdings geht dieser vielen nicht weit genug. Dennoch muss Katar wohl große Konzessionen gemacht haben, um nun ein so attraktive Abkommen schließen zu können.

Fazit zum Abkommen zwischen der EU und Katar

Das Abkommen zwischen der EU und Katar dürfte allen voran Qatar Airways erfreuen. Durch den neuen Vertrag hat die Airline nun enormen Spielraum und kann große Freiheiten innerhalb des europäischen Luftraumes genießen. Man kann das sicher aus verschiedenen nachvollziehbaren Gründen auch sehr kritisch betrachten. Nichtsdestotrotz dürfte die Vereinbarung aber auch den Passagieren der sehr beliebten und ausgezeichneten Qatar Airways zugute kommen. Spannend bleibt es indes mit Blick auf die Vereinigten Arabischen Emirate und nicht zuletzt auf Airlines wie Emirates und Etihad und wie diese darauf reagieren werden, wenn überhaupt. Vielleicht können die EU die VAE so wieder an den Verhandlungstisch bewegen.

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  • Sehr interessanter Artikel. Hatte schon vor einigen Tagen vom neuen Abkommen gelesen. Ich selber bin Fan der Qatar Airways (habe gerade von Frau nach Doha die Q-Suite getestet). Ich stelle mir gerade vor, dass Emirates bzw. deren Manger das große “Kotzen” (sorry für die Wortwahl) bekommen, denn das Ankommen lässt Emirates den Kürzeren ziehen. Gerade im Hinblick auf den Clinch mit Katar hätten sich die VAEs gewünscht, es wäre nicht zustande gekommen.
    Was die Menschenrechte in Katar betrifft. Es ist deutlich besser geworden als noch vor Jahren. Die Berichterstattung hat Besserung erbracht. Es gab ja mal das Thema, dass die Arbeiter ihren Pass beim Unternehmen abgeben müssen und nur mit Zustimmung dieses Unternehmens wieder ausreisen können. Ich möchte dazu anmerken, dass gleiches übrigens auch von VAE gemacht wurde. Auch u.a. Dubai, Abu Dhabi etc. ist “ganz normal” das Mitarbeiter ihren Pass abgeben müssen und erst zurück erhalten, wenn das Unternehmen dies zustimmt.
    Ich denke, das die VAEs nicht viel besser im Hinblick auf Menschenrechte gewesen sind.

    • Hallo Martin, die Frage ist natürlich, was genau das Nebenabkommen zwischen der EU und Katar ist, damit es nun dieses neue Abkommen gibt. Es wäre natürlich sehr erfreulich, wenn soziale beziehungsweise politische Themen wie die Menschenrechte dabei eine Rolle gespielt haben. Leider sind die Informationen dahingehend eher dünn, wenngleich man sicherlich von positiven Folgen ausgehen kann, nicht nur für die Luftfahrt.

      • Hallo Moritz, da gebe ich Dir vollkommen Recht. Natürlich wäre es schön und auch empfehlenswert, wenn man die Nebenabkommen veröffentlichen würde. Ich gehe bzw. hoffe natürlich, dass die EU die neuen Abkommen nicht für “lau” gegeben hat.

      • Davon würde ich zwingend ausgehen, immerhin waren die VAE brüskiert. Da muss also eine echte Forderung gegenüber Katar vorgelegen haben, die scheinbar auch so hingenommen wurde. Ich gehe mal von einem “Win-Win” aus.

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