Die Lufthansa kann einige Zugeständnisse im Rahmen der Perspektivvereinbarung nicht mehr halten und kündigt diese deshalb auf. Nun geraten immer mehr Details zu den Verhandlungen der letzten Wochen ans Tageslicht.

2017 sah die Situation für die größte deutsche Fluggesellschaft noch deutlich entspannter aus. Hohe Gewinne und keine Krise in Sicht. Die Perspektivvereinbarung, die damals gemeinsam mit den Piloten unterzeichnet wurde, schien wenig problematisch zu werden. Genau das ist nun aber nach knapp zwei Jahren Corona-Pandemie der Fall. Nach bereits wochenlangen Verhandlungen scheint der Streit immer mehr zu eskalieren. Dabei geraten auch mehr Details zu den neuen Forderungen ans Tageslicht. Die Lufthansa sei demnach bereit, Zugeständnisse zu machen, sollten die Kosten um bis zu 30 Prozent reduziert werden können.

Insider liefert Details

Wie wir bereits vor einigen Tagen berichteten, kündigte die Lufthansa die Perspektivvereinbarung aus dem Jahr 2017 zum 30. Juni 2022 auf. In der Perspektivvereinbarung zwischen der Lufthansa und ihrer Cockpitbesatzung wurde unter anderem festgehalten, dass die Bereederung von mindestens 325 Flugzeugen durch Piloten des Konzerntarifvertrags sichergestellt wird sowie 600 neue Stellen für Kapitänsanwärter und Einstellung von 700 Nachwuchskräften geschaffen werden. Wie das Management in einem Schreiben jedoch mitteilte, sind vor allem diese Punkte der Vereinbarung nicht mehr zu halten beziehungsweise zu garantieren. Der Streit eskalierte daraufhin relativ schnell und hält seit Anfang November an. Piloten bezeichnen indes das Vorhaben der Lufhansa sogar als “Kriegserklärung”. Mittlerweile werden zudem mehr Details zum Verhandlungsinhalt bekannt. So teilt die Pilotenvereinigung Cockpit in einem Schreiben mit, dass die Vereinbarung “durch kollektive Zugeständnisse in Höhe von 15 Prozent bezahlt” wurde.

Lufthansa Crew

Schon zuvor wandte sich der Personalchef an die Piloten und wies nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung auf schwere Zeiten des angeschlagenen Kranichs hin. Die Lufthansa wird mit neuen Schulden von circa zehn Milliarden Euro aus der Krise hervorgehen. Schon früh haben die Piloten dafür ein Gehaltsverzicht von 45 Prozent sowie eine Absenkung des Kurzarbeitergeldes angeboten – beides bis Mitte 2022. Eine Verlängerung der Krisenregelung “TV Corona Krise 2” kommt für die Piloten nicht mehr infrage. Das Management strebt deshalb eine Reduktion der Arbeitszeit um zehn Prozent an. Laut Cockpit waren die Forderungen in den Verhandlungen aber mehr als doppelt so hoch. Währenddessen könne sich die Lufthansa aber vorstellen, auch zukünftig die Bereederung von 325 Flugzeugen zu garantieren. Laut eines Insidern gegenüber aero.de stehe dies aber in Abhängigkeit mit einer Kostenreduktion zwischen 25 und 30 Prozent.

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Wie aus dem Schreiben des Managements vor wenigen Tagen hervorgeht, halte man die Vereinbarung noch immer für eine gute und faire Lösung, weshalb man in den verbleibenden sechs Monaten eine neue Vereinbarung verhandeln möchte. Die Lufthansa hätte zwar bereits auf eine neue Vereinbarung gedrängt, trete aber momentan auf der Stelle. Die Pilotenvereinigung Cockpit zeigt sich vom Vorhaben derweil nicht überzeugt und kritisiert die Lufthansa dafür scharf. Zudem wirft sie der Konzernleitung vor, entsprechende Arbeitsplätze ins Ausland verlagern zu wollen. Eine Kompensation der Arbeitsplätze über andere Konzerntöchter wolle man ebenfalls nicht in Kauf nehmen, weshalb der Vergütungstarifvertrag seitens Cockpit zum 30. Juni 2022 aufgekündigt werden soll. Die Lufthansa möchte derweil die Anschuldigungen nicht kommentieren. Eine Lösung will die Leitung aber weiterhin bis zum 31. Dezember 2021 anstreben.

Fazit zu den Forderungen der Lufthansa

Die Lufthansa-Leitung sieht sich gezwungen, die Perspektivvereinbarung nach fünf Jahren zum 30. Juni 2022 aufzukündigen. Vor allem die Zugeständnisse im Rahmen der Flotte und des Personalmanagements könne man kurz- und mittelfristig nicht umsetzen. Wie aus den bisherigen Verhandlungen aber hervorgeht, sind diese Ziele verhandelbar, sobald eine Kostenreduktion von bis zu 30 Prozent umgesetzt werden könne. Die Piloten kritisieren das weitere Vorgehen gemeinsam mit ihrer Vereinigung Cockpit scharf und fürchten andere Ideen hinter dem Vorhaben.

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Autor

Alexander Fink ist als Content Editor seit Januar 2021 für reisetopia tätig. Zuvor war er als Account Manager in der Industrie beruflich unterwegs und schrieb von seinen Reiseerfahrungen im eigenen Blog. Heute ist er Euer Ansprechpartner für alle Airline- und Kreditkartenthemen.

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