Die fünf täglichen Verbindungen von Frankfurt nach Leipzig fallen bis auf Weiteres weg. Die Lufthansa wird stattdessen stärker mit der Deutschen Bahn kooperieren und damit eine weitere Inlandsverbindung ersetzen.

Die Lufthansa ist nicht nur in einer existenziellen Krise durch das Coronavirus, sondern kämpft schon seit Jahren damit, dass sie innerhalb von Europa und im Inland teils unrentable Strecken fliegt, um die Maschinen auf der Langstrecke zu füllen. Dazu kommt Kritik über Kurzstreckenflüge mit dem Flugzeug von Umweltaktivisten. Die verbesserte Anbindung der Bahn sorgt nun dafür, dass immer mehr Inlandsflüge fallen. Vor Jahren schon wurden Flüge von Köln nach Frankfurt durch die Bahn ersetzt, vor Kurzem hat die Tochter Eurowings zudem das Ende der Flüge zwischen Nürnberg und Berlin bekannt gegeben, nachdem die Bahn ihre neue Schnellfahrstrecke eingeweiht hatte. Nun ist klar, dass auch noch ein weiterer Inlandsflug wegfällt, wie aerotelegraph.com berichtet.

Vier tägliche Züge statt fünf täglichen Flügen

Schon vor einigen Wochen hatten Bahn und Lufthansa angekündigt, ihre Kooperation deutlich auszuweiten. Nicht nur sollten bestehende Frequenzen, die von beiden Unternehmen gemeinsam angeboten werden, deutlich erweitert werden. Es wurden auch drei neue Ziele für das sogenannte Express Rail-Angebot angekündigt: Basel, Hannover und Leipzig. Die Folgen dessen werden nun klar, denn die Lufthansa hat zumindest für Leipzig bereits angekündigt, dass die Flüge aufgrund der besseren ICE-Anbindung komplett wegfallen werden. Dies geht aus einem Bericht des Fernsehsenders MDR hervor.

Lufthansa CityLine
Bild: Lufthansa

Im Flugplan der Lufthansa lässt sich aktuell noch nicht nachvollziehen, wann die Flüge wegfallen. Auch im kommenden Jahr sind noch die üblichen fünf Verbindungen am Tag buchbar. Die von der Lufthansa CityLine durchgeführten Flüge haben eine offizielle Blockzeit von einer Stunde, dauern meist allerdings nur knapp 30 Minuten von Start bis Landung – es handelt sich bei der nur 300 Kilometer langen Strecke um eine der kürzeren, aber nicht die kürzeste Inlandsstrecke im Netzwerk der Lufthansa. Zukünftig möchte die Airline auf dieser Verbindung allerdings keine Flüge mehr anbieten und stattdessen auf die Kooperation mit der Deutschen Bahn setzen.

Dafür sollen jeden Tag vier ICE-Züge nicht nur Teil der Express Rail-Vereinbarung werden, sondern auch am Flughafen Leipzig-Halle halten. Bislang gibt es keine direkte ICE-Verbindung zwischen den beiden Flughäfen. Die Deutsche Bahn bietet allerdings bereits jede Stunde einen direkten ICE vom Leipziger Hauptbahnhof zum Frankfurter Flughafen. Die Fahrzeit beträgt dabei gerade einmal 3 1/2 Stunden, sodass der Wegflug der Inlandsflüge durchaus nachvollziehbar ist. Wann genau die Umstellung kommt, ist aktuell allerdings noch nicht klar. Momentan fliegt die Lufthansa die Strecke von Frankfurt nach Leipzig noch nicht wieder – ob sie nach den Einschränkungen rund um das Coronavirus überhaupt zurückkehrt, darf man entsprechend infrage stellen.

Flüge nach Basel und Hannover könnten ebenfalls wegfallen

Dass die Lufthansa sich entschieden hat, die Flüge zwischen Frankfurt und Leipzig in Zukunft nicht mehr anzubieten, deutet auf einen generellen Strategiewechsel mit Blick auf Verbindungen im Inland hin. Die ICE-Verbindung nach Leipzig ist mit 3 1/2 Stunden noch vergleichsweise lang, um dadurch Flüge zu ersetzen. Die beiden anderen neu angebotenen Express Rail-Verbindungen nach Basel und Hannover sind dagegen signifikant kürzer, zwischen den beiden Metropolen und Frankfurt fährt man je nach Verbindung zwischen 2 1/2 und 3 Stunden vom Hauptbahnhof zum Frankfurter Flughafen. Es ist entsprechend durchaus zu erwarten, dass auch die Flüge nach Basel und Hannover in Zukunft wegfallen und komplett durch Verbindungen mit der Bahn ersetzt werden.

DB Bahn ICE 3 Velaro D Stuttgart

Ein ähnliches Schicksal droht auch einigen anderen Flugverbindungen, etwa von Frankfurt nach Nürnberg oder von Frankfurt nach Düsseldorf (hier wurden bereits viele Flüge durch Züge ersetzt). Wer dennoch lieber ins Flugzeug steigt, kann natürlich weiterhin via München fliegen, denn das zweite Hub der Lufthansa hat keine ICE-Anbindung, weswegen die Lufthansa sich hier bislang zurückhaltend gezeigt hat, was das Ersetzen von Flügen durch Züge angeht. So flog die Lufthansa zumindest vor der Krise unter anderem noch mehrmals täglich von Nürnberg und Stuttgart nach München, obwohl beide Städte mit dem ICE keine zwei Stunden voneinander entfernt liegen.

Am Flughafen Leipzig bleiben mit dem Ende der Verbindungen nach Frankfurt unter anderem noch Inlandsflüge nach Düsseldorf, Stuttgart und eben München. Nach Berlin gibt es aufgrund der kurzen Fahrzeit mit dem IC schon lange keine Flüge mehr.

Fazit zum Ende der Flüge zwischen Leizpig und Frankfurt

Es erscheint in diesen Zeiten sinnvoll, das Streckennetz auf Effizienz zu trimmen und durch Kooperationen die Kosten in den Griff zu bekommen. Dass die Bahn und die Lufthansa hier besser zusammenarbeiten, hat auch positive Folgen für die Umwelt, sodass dieser Schritt nachvollziehbar erscheint. Man darf sich darauf einstellen, dass die Verbindung nach Leipzig nicht die letzte Flugverbindung ist, die in den nächsten Monaten wegfällt.

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Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels auf der ganzen Welt. Mittlerweile konnte er über 500 verschiedene Hotels testen und dabei mehr als 100 Städte auf allen Kontinenten kennenlernen. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen besonderen Erlebnissen teilhaben!

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  • Die Einstellung von Kurzstreckenflügen wird derzeit aufgrund der Umweltschutzdebatte häufig und rege, nicht selten hitzig, diskutiert; gerne gebe ich meine Meinung hiermit unter deinen von mir so geschätzten Artikeln preis, Moritz:

    Ich für mich starte meine Reise vorzugsweise immer am Heimatflughafen, der kleiner und mir daher besser bekannt ist und per ÖPNV/Taxi oder Absetzen per Auto unter 30 Minuten für mich erreichbar ist. Teilweise nutze ich den Vorabend-Check In und bin meinen Koffer bereits am Vorabend los, auf jeden Fall aber am Abflugtag direkt am Heimatflughafen, was die Weiterreise erleichtert, da der Koffer nicht mit in den ICE genommen werden muss (Aspekte Stauraum, Diebstahlmöglichkeit). Meine Sicherheitskontrolle findet am Heimatflughafen statt und ich erreiche den großen Hub somit dann bereits luftseitig, habe somit als bloßer Umsteiger kleinere Wege und reise dort evtl. nur noch schnell über EasyPass aus – das war’s und ab geht’s auf die Langstrecke.

    Wenn eine etwa vierstündige Zugfahrt zum Hub nach Frankfurt vonnöten wäre (in meinem Fall DUS-FRA würde ich noch so gerade akzeptieren (lieber aber Flieger)) wie in dem genannten Beispiel zwischen Leipzig und Frankfurt, wäre das für mich als Passagier und Kunde hingegen völlig inakzeptabel; dann würde ich von meinem Heimatflughafen mit einer anderen Airline über deren Hub fliegen. Ich kann mich noch gut an deine Meinung bei unserer letzten Diskussion diesbezüglich erinnern, Moritz, dass das für dich “bei entsprechender Konnektivität grundsätzlich kein Problem darstellt”. Ja, wie sagt man in Kölle: Jede’ Jeck is anders.

    Weitere Gründe pro Flugzeug und contra Zug sind neben dem angesprochenen Gepäckhandling fehlende Kapazitäten und geringe Taktung bei der Bahn, diese müssten erst aufgebaut werden. Ebenso die Infrastruktur an Bahnhöfen (Parkplätze, Gepäckwagen, Lounges, Toiletten, Mietwagenstationen, Ladenengebote und -öffnungszeiten etc.) ist selten denen der Flughäfen gleichwertig und müsste verbessert werden.

    Ob Zug oder Flugzeug, hier spielen persönliche Befindlichkeiten, Empfindungen und Haltungen eine Rolle, so dass ich denke, dass dies auch ein Stück weit eine Glaubensfrage ist, die jeder für sich beantworten muss und soll. Es gibt keinen Königsweg.

    Vor diesem Hintergrund und mit diesem Wissen hält LH sicher auch Flugverbindungen wie DUS-FRA oder STR-FRA seit Jahren hinweg aufrecht; trotz Airrail war die Kundennachfrage ja de facto gegeben. Auf DUS-FRA gehen bezeichnenderweise täglich je sechs Flieger für unter 200 km Flugdistanz, da setzen sich die Passagiere nicht in den ICE, obwohl dieser bloß 1:12 Stunden braucht (als Sprinter). LH muss hier auch definitiv ein Parallelangebot zu anderen Airlines wie AF/KL/BA etc. sicherstellen, um keine Kunden an sie zu verlieren, die dann über Hubs fliegen, da die luftseitig angebunden sind (Dies gilt nicht nur für abfliegende Fluggäste, sondern auch für anfliegende (inbound/outbound)).

    Wenn der Gesetzgeber hier nicht eingreift (s. Frankreich und Österreich), rechne ich – nach Überstehen der Coronakrise – weiter mit einem Doppelangebot. Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte!

    • Hi Marcel,

      es steht glaube ich außer Frage, dass wir hier nicht wirklich dieselbe Meinung haben 😉 Ich sehe die genannten Punkte aus meiner Perspektive schlichtweg nicht als gewichtig genug, um dafür den zusätzlichen Umweltschaden zu rechtfertigen. Meine Urlaubsreisen und Geschäftsreisen verursachen schon so eine relevante Belastung für die Umwelt, sodass ich überall dort, wo es ohne große Unannehmlichkeiten bereitet, gerne auf Alternativen setze (in meinem Privatleben genauso wie bei uns im Büro und bei Reisen).

      Kurzstreckenflüge sind dabei das perfekte Beispiel und da lasse ich ehrlich gesagt Aspekte wie Gepäckhandling (ich reise sowieso nur mit Handgepäck) oder Diebstahlmöglichkeiten (bei hunderten Fahrten wurde mir in einem Zug noch nie irgendwas gestohlen) oder auch die Infrastruktur am Bahnhof (ich halte die Unterschiede für marginal, mit Ausnahme der Lounges) nicht wirklich gelten.

      Sofern alles auf einem Ticket gebucht ist, ergo man bei Verspätungen abgesichert ist, und unpraktische Umsteigeverbindungen verhindert werden können, würde ich von Berlin jegliche Zubringer nach München (sofern es denn eine Direktverbindung von Berlin zum Airport gäbe) oder Frankfurt mit dem Zug absolvieren. Daher befürworte ich den Ausbau von Airrail auch weiterhin und kann durchaus damit leben, dass im Gegenzug Inlandsflüge auf bestimmten Rotationen wegfallen, wo sich eine Verbindung von der Innenstadt an das Hub in weniger als vier, idealerweise weniger als drei Stunden realisieren lässt.

      Es steht außer Frage, dass jeder hier eine andere Meinung haben kann und darf, aber für mich ist ein bisschen weniger Komfort und im Zweifel auch ein geringer Zeitverlust für ein deutliches Plus an Nachhaltigkeit absolut zu verkraften.

  • Effizienz……
    Gestern gerade wieder Frankfurt-Hannover geflogen, der Flieger war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Bahn ist keine Alternative, schlechte Lounge, Verpflegung nur gegen Aufpreis und die Problematik mit den Gepäck. Ich buche auch in Zukunft FRA-HAJ. Mit 30 Verbindungen gibt es bei der Bahn eben nicht den Status mit Lounge Zugang . Traurig, dass es soweit kommen muss aus irgendwelcher ökologischer Überkorrektheit das Fliegen zu bekämpfen…..

  • Nach Hamburg wird schon seit Jahren nicht mehr vom LEJ aus geflogen, die Stuttgart-Verbindung soll auch wegfallen. Dafür nimmt Austrian die Flüge nach Wien wieder auf.

  • Wie siehts eigentlich aus bei Verspätungen? Oder noch viel schlimmer, wenn der Zug zwar pünktlich ist aber man wegen langer Schlangen an den Sicherheits- und / oder Passkontrollen seinen Flug doch nicht schafft? Heißt es dann Pechgehabt ?

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